Wie reagieren Menschen, wenn sie sehen, warum ihre Lebensmittel so billig sind?

Video Fairtrade Foundation UK
Foto: © Fairtrade Foundation Uk / Screenshot

Die frischsten Produkte aus der ganzen Welt, hohe Qualität und das für wenig Geld – das klingt gut, oder? Doch billige Preise bedeuten meist, dass jemand anderes den wahren Preis zahlt. In ihrem neuen Video macht die Fairtrade Foundation UK auf Ausbeutung in der Lebensmittelindustrie aufmerksam.

Würden die Kunden immer noch Schnäppchen hinterherjagen, wenn sie wüssten, wodurch ihre Preise so günstig sind? Die Organisation Fairtrade lässt in ihrem neuen Promo-Video Arbeiter und Kunden aufeinandertreffen: Kinderarbeiter statt Zusteller übergeben Obst und Gemüse. „Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich nicht bestellt“, sagt die Kundin im Video.

„Niedrige Löhne in Entwicklungsländern sorgen dafür, dass die Bauern weiterhin in Armut leben. Das führt zu schlechter Gesundheitspflege, gefährlichen Arbeitsbedingungen und Kinderarbeit“, erklärt die Stimme aus dem Off und ruft dazu auf, Fairtrade-Produkte zu wählen.

Wir finden: Fair gehandelte Produkte zu kaufen bedeutet erst einmal, sich darüber im Klaren zu sein, dass irgendwo auf dieser Welt Menschen Kaffee und Kakao ernten, Baumwolle pflücken, Blumen schneiden oder Smartphones montieren.

Wer als Kunde nicht mitmacht, ergreift die Chance nicht

Würden wir diesen Menschen die Ware abkaufen und ihnen beim Kauf direkt ins Auge schauen (wie im Video von Fairtrade dargestellt), käme den meisten von uns nicht in den Sinn, sie über den Tisch zu ziehen, möglichst schlecht zu entlohnen und nebenbei in Kauf zu nehmen, dass sie durch Pestizide oder Industriegifte krank werden.

Doch zwischen diesen Menschen und uns als Kunden befinden sich viele Schritte, so dass das Wissen um die wahren Produktionszustände auf der Wegstrecke verloren gehen. Am Ende liegt das edle iPhone im Regal und das billige 3-Euro-T-Shirt auf dem Discounter-Wühltisch und dem Kunden bleibt verborgen, welche teils unmenschlichen Bedingungen diese Produkte und ihre Preise ermöglicht haben.

Fairer Handel kann uns helfen, diesen Zustand zu ändern. Mit unserem Aufpreis beauftragen wir die beteiligten Handelsorganisationen, für uns – oder besser gesagt: für die Produzenten – faireren Handel zu treiben. Im Idealfall sind alle Zwischenhändler ebenfalls an fairem Handeln interessiert und sorgen dafür, dass das System als Ganzes etwas gerechter wird. Allerdings dürfen wir uns keine Illusionen machen: In manchen Entwicklungsländern herrschen politische und soziale Zustände, die wir uns kaum vorstellen können. Bestimmte Dinge lassen sich dort nur schwer durchsetzen, erst recht nicht von heute auf morgen.

Fairer Handel kann also nur eine Komponente von vielen sein, um die Welt besser zu machen. Doch wer da als Kunde nicht mitmacht, der ergreift nicht mal diese Chance.

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(4) Kommentare

  1. Das Video ist gut gemacht. Ich befürchte aber, dass der Effekt nicht lange vorhält. Denken wir an die brennende Texitilfabrik.
    Vor Ostern hat Aldi Biohühner für 7,99 € angeboten. Diese Hühnerfarm würde ich gerne mal besuchen, die das angeblich möglich macht.

  2. Hallo, vielen Dank für diesen Beitrag. Bitte übersehen Sie bei Ihrer Berichterstattung nicht das dazugehörige Problem des Lohndumpings in Deutschland. Soweit ich mich erinnere, führt Deutschland diesbezüglich die Europastatistiken. Ich unterschreibe demnächst einen Arbeitsvertrag über 717 Euro brutto, 15 Stunden, Betreuung eines Kindes mit Beeinträchtigung. Andere Verträge oder bessere Stellen in diesem Bereich sind nicht in Sicht. Seit über einem Monat suche ich. (Kein Wunder also, dass Fachkräfte fehlen, denn manche können sich leisten, NEIN zu sagen). Ich kann mir das NEIN nicht leisten und muss versuchen, über Sozialleistungen aufstocken zu lassen. Ich glaube, um die 800 Euro stehen mir im Monat zu. Ich muss, wie zahllos viele andere Menschen in diesem Land, dankbar sein, dass Lebensmittel derzeit extrem günstig sind. Ach ja: Diese und andere Arbeitgeber haben kein schlechtes Gewissen, uns Billigarbeitern ins Gesicht zu blicken. Natürlich möchte ich fairen Handel, das betone ich – aber solange ich abhängige Lohnempfängerin bin, gehöre ich unfreiwillig zu diesem unsäglichen Problem … als Mitverursacherin. Armut und Scham und dank Neoliberalismus kein Ausweg in Sicht. Danke und viele Grüße. Ich freue mich über Feedback, wenn Sie Zeit haben.

  3. Das ist natürlich ein großes Problem und bestimmt nicht einfach für dich. Da bleibt dir nur zu gucken wie du wenigstens einen kleinen Beitrag leisten kannst. Aber zum Glück gibt es zahlreiche möglichkeiten zur Nachhaltigkeit die sogar Geld sparen. Bei Lebensmitteln sicher schwierig aber in anderen Bereichen ist einsparen durchaus möglich und schafft mehr Geld für Lebensmittel. Und auch bei Lebensmitteln ist es teils möglich. Ich erwerbe meine Kartoffeln und Zwiebeln zum Beispiel direkt beim Bauer. Sind nur ein paar Cent Teurer wie im Supermarkt, denoch hat er mehr davon weil nur er verdient und nicht noch der Großhändler und der Supermarkt. So ist der Bauer fair entlohnt, er hat keinen großen Ausfall der Ernte da die Kunden dort die Kartoffeln nehmen wie sie sind, egal wie groß oder geformt, es entfällt Transport, ist Regional und es kostet mich nicht merklich mehr.

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