Fake News – wer glaubt denn sowas?

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Woran erkennt man Fake News? Und wie lässt sich der Wahrheitsgehalt einer Nachricht überprüfen? Wir erklären dir, wie du Falschmeldungen von echten Nachrichten unterscheidest.

Falschmeldungen und Fake News gab es schon vor der Corona-Pandemie. Sie tauchen auf, wo immer entgegengesetzte Interessen aufeinanderprallen, so etwa auch bei der Migrationskrise oder beim Klimaschutz. Ein Beispiel dafür sind die Buschbrände in Australien zur Jahreswende 2019/2020, die weithin als Folge der Klimakrise betrachtet werden, während Falschmeldungen mit übertriebenen Zahlen vor allem Brandstiftung verantwortlich machten und dabei bis in hohe politische Ämter ungeprüft nachgebetet wurden.

In der Politik tauchen vor allem im Wahlkampf immer wieder Falschmeldungen auf. Hier wird ihr Zweck besonders sichtbar: Fake News sollen Gegenkandidat:innen in Misskredit bringen, potentielle Wähler:innen verunsichern und diese ins eigene Lager ziehen. So tauchten rund um die Zeit der Präsidentschaftswahlen von Donald Trump 2016 vermehrt Fake News über seine Kontrahentin Hilary Clinton auf. Viele glaubten zunächst den Falschmeldungen. Das es Fake News waren, erkennten sie erst später, dass es sich um Fake News gehandelt hatte.

Mit dem Ausbruch von Sars-CoV-2 hat die Verbreitung von Unwahrheiten einen neuen Höhepunkt erreicht. Vor allem zu Beginn der Pandemie tauchten beinahe täglich neue Behauptungen auf. Auffällig ist dabei, dass die Verbreitung zumeist über die Sozialen Netzwerke läuft.

Laut correctiv.org verbreiten sich die Fake News am häufigsten über WhatsApp und sind zudem häufig auf dem Videokanal Youtube zu finden. „Im Internet, in Messenger-Gruppen kursierten viele Unwahrheiten, Verschwörungstheorien, falsche Gesundheitstipps und Aufrufe zu Verstößen gegen die Schutzmaßnahmen oder die öffentliche Ordnung“ so correctiv.org.

Fast die Hälfte aller Deutschen glaubt nach einer Studie an Verschwörungstheorien. (Foto: Foto: CC0 Public Domain / Unsplash - Austin Distel)

Damit erkennt ihr Fake News

Doch was kann man tun, um eine echte Nachricht zu erkennen von einer Fake News zu unterscheiden? Generell gilt: Es immer gut, Dinge zu hinterfragen. Um Unwahrheiten zu entlarven, kann man die Nachricht auch auf folgende Punkte hin überprüfen und damit erkennen, ob es sich um eine Fake News handelt.

Sieben Merkmale mit denen du Fake News erkennst:

  1. Merkmal: Der Schreibstil ist häufig emotional, sensationell, stellt viele Frage und verwendet häufig Ausrufezeichen.
  2. Merkmal: Wer ist der Autor oder die Autorin? Fehlende Urheber:innen sind oft ein Hinweis auf Fake News. Auch ein Blick ins Impressum ist hilfreich. Laut Gesetz müssen Betreiber:innen einer Webseite eine vollständige Adresse angeben.
  3. Merkmal: Woher stammt die Meldung, wo hat sie ihren Ursprung? Gib dazu eine Passage der Nachricht in die Suchmaschine ein und schau mal, was dir angezeigt wird.
  4. Merkmal: Die Quelle der Nachricht. Such diese selber raus und vergleiche die Angaben. Du kannst für deine Recherche auch die Webseiten andere Länder mit einbeziehen.
  5. Merkmal: Gleiche Zahlen, Daten und Fakten und Studien miteinander ab. Stimmen die genannten Zahlen und Originalmeldungen überein, spricht es für den Wahrheitsgehalt einer Meldung.
  6. Merkmal: Suche nach den im Artikel verwendeten Bildern. Mach einen Screenshot und gib ihn zur Bildersuche ein. Noch einfacher geht es mit Webseiten wie TinEye. Hier kannst du das Bild hochladen, die Seite untersucht dann den Ursprung der Bildquelle.
  7. Merkmal: Schau bei Recherche-Webseiten vorbei, hier arbeiten Journalist:innen und Redakteur:innen täglich daran, Fake News zu erkennen und aufzudecken: Correctiv.org ist ein gemeinnütziges Recherchezentrum im deutschsprachigen Raum und prüft Nachrichten auf Herz und Nieren, auch mimika.at unterstützt als Verein zur Aufklärung über Internetmissbrauch den Kampf gegen falsche Behauptungen. Die Organisation newsquardtech.com arbeiten mit einem Team aus Journalist:innen daran, Nachrichten professionell zu untersuchen und zu bewerten, lesenswert etwa der Misinformation Monitor.
Nachrichten hinterfragen statt nur zu konsumieren, hilft Falschmeldungen zu erkennen.
Nachrichten hinterfragen statt nur zu konsumieren, hilft Falschmeldungen zu erkennen. (Foto: CC0 Public Domain / Unsplash - Markus Spiske)

Glaube an Verschwörungstheorien weit verbreitet

Laut einer Studie der Friedrich Ebert Stiftung von 2018/2019 glauben 46 Prozent der Deutschen an Verschwörungstheorien. Damit glaubte also bereits vor Sars-CoV-2 nahezu jede:r Zweite daran, dass hinter vielen Dingen „in Wahrheit“ ganz andere Absichten, Mächte und Interessen stecken.

Der Glaube an solche Theorien wird durch die Vielfalt und Häufigkeit von Fake News noch befeuert. Jede neue Fake News wird dann als Bestätigung gesehen, dass an den „Meldungen etwas dran sein muss“, sonst würde ja niemand darüber berichten.

Die Bundesregierung warnt vor der wissentlichen Verbreitung von Falschmeldungen. Eine kritische Öffentlichkeit, Kundgebungen, Demonstrationen und Debatten gehörten zwar zur Demokratie, so Regierungssprecherin Ulrike Demmer in einer Pressekonferenz am 18. Mai 2020, und man nehme Sorgen, Nöte und Kritik zu diesen Themen ernst.

„Kein Platz ist aus der Sicht der Bundesregierung aber für extremistische Gedankengut, für falsche Informationen, für Mythen, für irreführende Gerüchte“, so Demmer. „Wer falsche Erzählungen zur Corona-Pandemie bewusst verbreitet, der will unser Land spalten und die Menschen gegeneinander aufbringen“

Fake News erscheinen häufig im Gewand einer normalen Nachricht.
Fake News sind schwer zu erkennen, weil sie im Gewand einer normalen Nachricht erscheinen. (Foto: CC0 Public Domain / Unsplash - Markus Winkler)

Fake News: Wer glaubt denn sowas?

Selbst Medienschaffende wie das Moderatorenteam Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf und der Youtuber Rezo ja lol ey haben das Thema „Fake News erkennen“ inzwischen für sich entdeckt.

In seinem Video nimmt Rezo konkrete Missstände der Medien ins Visier. Er thematisiert Verschwörungstheorien und kritisiert die Arbeitsweise einiger großer Medienunternehmen, appelliert aber gleichzeitig an die User:innen, Behauptungen und Nachrichten auch selbst kritisch zu hinterfragen und Nachrichten auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen.

Joko und Klaas nutzten die im Duell gegen den Arbeitgeber ProSieben gewonnene Sendezeit von 15 Minuten, um die Zuschauer zum Thema Fake News zu „unterhalten“. In der eine Quizshow „Wer glaubt den sowas“ mussten Zuschauer:innen zu Fake News-Behauptungen die richtige Antwort auswählen. Wer als Erste:r richtig lag, konnte eine Geldsumme abstauben. Obwohl die Show eine locker-leichte Unterhaltung bot, zielte das Duo vermutlich eher darauf ab, dem Publikum den Umgang mit Nachrichten und die Absurdität mancher Medien vor Augen zu führen.

Viele halten die Nachricht der ersten Mondlandung für eine Falschmeldung.
Viele halten die Nachricht der ersten Mondlandung für eine Falschmeldung. (Foto: Foto: CC0 Public Domain / Unsplash - History in HD)

Gründe für Falschmeldungen

Fake News kommen häufig im scheinbar harmlosen Mäntelchen einer Nachricht daher, wie die Tagesschau auf ihrem Youtube-Kanal erklärt. Was mit der Verbreitung von Fake News überhaupt erreicht werden soll und welche Beweggründe dahinterstecken können, zeigt das Magazin Odysso anschaulich:

  1. Grund: Falschmeldungen werden aus Spaß verbreitet, um einen Scherz zu machen.
  2. Grund: Die Urheber:innen wollen durch „Clickbaiting“ Geld verdienen. Mit entsprechenden Sätzen wie „Das glaubst du nicht“ oder „So was haben Sie noch nie gesehen“, werden User:innen animiert, auf die Meldung zu klicken. Das bringt den Urheber:innen Einnahmen ein. Und auch Werbevideos können durch manipulierte Bilder oder falsche Expert:innen falsche Meldungen beinhalten, die aufgrund der seriösen Aufmachung dann erst mal geglaubt werden.
  3. Grund: Es handelt sich um Verschwörungstheorie, etwa wie die erste Mondlandung 1969, die in Wahrheit eine Fake News sei. Als „Beweis“ wird ein Video angeführt, das vor dem Mondflug in Studio entstanden sein soll.
  4. Grund: Die politische Meinung soll beeinflusst und so in eine gewünschte Richtung gelenkt werden. Derart politisch motiviert werden gezielt Gerüchte gestreut und geschickt Stimmung gegen Politik und Medien gemacht. Im Beispiel von Umweltschutz sind seit Jahren Akteure im Spiel, die Falschmeldungen verbreiten, zum Beispiel Shell beim Klimawandel, Think Tanks gegen die Klimaforschung oder etwa die „107 Lungenärzte“, die sich in der Diesel-Feinstaub-Debatte hinter die falschen Berechnungen von Dieter Köhler stellten.
Um Fake News von echten Nachrichten zu unterscheiden, sollte man genau hinschauen.
Um Fake News von echten Nachrichten zu unterscheiden, sollte man genau hinschauen. (Foto: Foto: CC0 Public Domain / Unsplash - Roman Kraft)

Falschmeldungen: Glauben heißt nicht wissen

Die Urheber:innen von Fake News nutzen Messenger-Dienste wie WhatsApp und Soziale Netzwerke wie Facebook und Youtube dazu, Falschmeldungen massenhaft zu verbreiten. Da die Nutzer:innen in sozialen Medien und Netzwerken emotionaler und direkter reagieren, verbreitet sich eine Nachricht hier viel schneller, als es in den meisten herkömmlichen Medien möglich ist.

Ihr wollt Fake News rechtzeitig erkennen und keine Falschmeldungen weiterbereiten? Davor schützt nur, genauer hinzuschauen, ehe ihr einen Post liked oder teilt. Klingt die Nachricht wirklich logisch, kann das Beschriebene wirklich stimmen? Oder kommt euch die Meldung komisch und arg sensationell vor? Stets könnt ihr mit etwas Eigeninitiative und Recherche herausfinden, ob eine Falschmeldung dahintersteckt. Auch wenn euch eine Nachricht logisch und möglich erscheint: Recherchiert einfach trotzdem auch mal dazu. Hat die Meldung Hand und Fuß, werdet ihr recht bald eine Bestätigung und die Originalquelle dazu finden.

Was, selbst der Physiker Harald Lesch bezweifelt den menschlichen Anteil am Klimawandel? Ja, ne, ist eben Fake. Generell gilt: Besser zweimal hingeschaut und angebliche Tatsachen hinterfragt, anstatt einfach und nachzuplappern, was man so hört und liest. Vor allem, wenn es einem unglaubwürdig erscheint. Hier sind wir als mündige Bürger:innen alle gefordert und können die Chance, selbst am Prozess der Wahrheitsfindung teilzunehmen, effektiv für uns nutzen.

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(2) Kommentare

  1. Ein weiteres, verstecktes Merkmal von Fakenews und Verschwörungsfantasien (mMn ein besseres Wort als Verschwörungstheorie) ist die Feindbild-Funktion als dunkle Negativ-Hintergrundfolie zur hellen Positiv-Selbstbestimmung und Selbstrechtfertigung, gepaart mit dem Dunning-Kruger-Effekt, d.h. Selbstüberschätzung trotz Informations- und Kompetenzmängel, mit unfehlbahrem Auftreten auch gegenüber echten und erfahrenen Fachleuten. (Beispiel aus der Zeit der PISA-Hysterie: „Bildungsexperten“ (oft als solche titulierte Journalisten und Feulletonisten), die nie vor einer Klasse gestanden hatten, traten als Lehrerbelehrer auf, wollten diejenigen, die jahrelang täglich die Bildungsarbeit vor Ort leisten und denen durch staatliche Prüfungskommissionen die Lehrbefähigung attestiert wurde, wieder aufs Töpfchen setzen und ihnen beibringen, wie man Schule macht.)
    Aktuell ausgetobt beim Thema Elektromobilität, gegen die alte, längst widerlegte Mythen gebetsmühlenhaft ins Feld geführt werden, siehe dazu derletztefuehrerscheinneuling.com -> Mythen.
    Frisch erlebt auf einer Geburtstagsfeier: „Der Chinese“ hat die weltweite Batterieproduktion totaaal im Griff, das BEV macht uns gaaanz abhängig davon, seeehr böse. (Also eine Art Weltmarkt-Eroberungsfantasie. Dass VW mit Northvolt und Tesla mit Panasonic kooperieren, tut dabei nichts zur Sache.)
    In meiner Jugend war das „Der Russe“, mit dem man bloß keine Entspannungs- und Abrüstungspolitik machen dürfe.
    Fakenews sind „Der Russe“ reloaded.
    Bin ich jetzt ein Putinversteher? 🙂

  2. Komme nach einer Abendlektüre über Rassismus (Bartolomäus Grill, Wir Herrenmenschen) nochmal zurück zu meiner These vom Feindbild als unverzichtbarem Bestandteil der Fakenews:
    Das Afrikanerbild der Kolonialzeit lebt heute in Wörtern wie Asylschwemme, Flüchtlingswelle u.ä. fort, wo Armuts- und Kriegsmigration mit finsteren
    Naturkatastrophen gleichgesetzt werden. (So in der Einleitung o.g. Buches) Fakenews sind in diesem Fall das Ignorieren der realen Gründe.
    Andere Fakenews gab es schon in der europäischen Geschichte, so die Verleumdung der Juden als Gottesmörder (obwohl ein römischer Gouverneur, römische Henker, ein römisches Hinrichtungsinstrument verantwortlich waren, so dass man die Nachfahren der realen Gottesmörder wohl eher in Rom befragen müsste), später in Pestzeiten als Brunnenvergifter, wieder als Gottesmörder beim alten Luther und seinen Anweisungen zum Pogrom („von den Jüden und ihren Lügen“, eine Steilvorlage für den „Stürmer“ und die Synagogenbrände 1938).
    Also: Fakenews haben in Europa eine Jahrtausende währende Tradition.