Faktenchecker: Welche es gibt und wie du sie nutzt

Faktenchecker: die gibt es, so kannst du sie nutzen
Foto: CCO Public Domain / Pixabay - GustavoWandalen

Im Internet, und besonders in den sozialen Medien, kursieren täglich Falschnachrichten und Behauptungen. Faktenchecker wollen diese aufdecken.

Faktenchecker nennt man Organisationen, bei denen unabhängige Journalist:innen ausgesuchte Nachrichten, Meldungen und Webseiten prüfen, bewerten, hinterfragen und gegebenenfalls richtigstellen. Im Idealfall erfahren Leser:innen nicht nur, bei welcher Nachricht es sich um eine Falschmeldung handelt, sondern erfahren auch gleich die wahre, also die den Fakten entsprechende Nachricht.

Da die meisten Faktenchecker ihren Fokus auf aktuellen Themen haben, berichten sie momentan zum Großteil über Falschmeldungen rund um den Krieg in der Ukraine. In unserer Liste befinden sich zusätzlich zwei Faktenchecker aus den Bereichen Computer und Internet.

ARD-Faktenfinder

  • Wer macht’s? Mitarbeiter:innen der Tagesschau
  • Schwerpunkte: das aktuelle Tagesgeschehen
  • Finanzierung: durch GEZ-Gebühren, da es ein Angebot des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist, online seit 2017
  • Beiträge finden sich auf der Webseite der Tagesschau

Correctiv Faktencheck

  • Wer macht’s? Journalist:innen eines gemeinnützigen Recherchezentrums in Deutschland
  • Schwerpunkte: gesellschaftliche Themen, Zusammenarbeit mit Facebook
  • Finanzierung: durch Spenden
  • Weitere Infos zum Correctiv Faktencheck: Zur Bewertung der Nachrichten verwendet Correctiv eine Skala mit elf Kategorien, von „Richtig“ über „Teilweise falsch“ bis hin zu „Frei erfunden“.
  • Beiträge finden sich auf der Homepage, bei Twitter, Instagram, Youtube und Facebook oder als Newsletter

Um in Zukunft vor Falschmeldungen gewappnet zu sein, bietet Correctiv Workshops an und gibt regelmäßig Interviews, bei denen du lernen kannst, Fake von Fakt zu unterscheiden. Jeder kann potenzielle Falschmeldungen an Correctiv senden per Online-Tool, Whatsapp oder E-Mail.

dpa Faktencheck

  • Wer macht’s? Journalist:innen der Deutschen Presse-Agentur
  • Schwerpunkte: politische Themen, Wirtschaft, Wissenschaft, Panorama
  • Finanzierung: durch die freie Marktwirtschaft als Agentur mit Kunden wie Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen, Online-Portalen, Radio- und TV-Sendern sowie Unternehmen, Organisationen und Institutionen
  • Beiträge finden sich auf der Webseite

Faktenfuchs (br24)

  • Wer macht’s? Journalist:innen vom Bayerischen Rundfunk
  • Schwerpunkte: gesellschaftliche Themen
  • Finanzierung: durch GEZ-Gebühren, da es ein Angebot des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist.
  • Weitere Infos zum Faktenfuchs: Aufgrund der Bundestagswahl im Jahr 2021 ist das Team größer als sonst. Christian Nitsche, Chefredakteur des BR, möchte verhindern, dass Desinformation und irreführende Nachrichten die Grundlage für Wahlentscheidungen sind.
  • Beiträge finden sich bei BR24 (online und in der App), künftig auch im BR-Fernsehen, im Radio und bei B5 aktuell, sowie bei Twitter.

Hoax Info Berlin

  • Wer macht’s? Frank Ziemann
  • Schwerpunkte: Hoax. Das sind Kettenbriefe, in denen Menschen aufgefordert werden, ihn an möglichst viele Menschen weiterzuleiten. Beispiele: Viruswarnungen, Bitten um die Erfüllung des letzten Wunsches eines Kindes oder auch Glücksbriefe, die Gewinne versprechen.
  • Finanzierung: Mitarbeiter der TU Berlin
  • Beiträge finden sich auf der Webseite
Mann mit iPad und Kaffeetasse
Warnungen vor Viren und Aufforderungen Geld zu überweisen, solltest du ignorieren. (Foto: CCO Public Domain / Pixabay - Karolina Grabowska)

Mimikama

  • Wer macht’s? ein ehrenamtliches Team, unter anderem in Zusammenarbeit mit Polizeidienststellen, dem BKA und dem LKA
  • Schwerpunkte: Internetmissbrauch, Internetbetrug und Falschmeldungen wie Abofallen, Spam-Mails, schädliche Links, Fake-Gewinnspiele und Kettenbriefe im Internet
  • Finanzierung: durch die Vermarktung von Werbeplätzen und kleinen Spenden von Internetnutzer:innen
  • Beiträge: Twitter, Instagram, Facebook, Youtube, Telegram, Pinterest und in ihrer Hoax-Suchmaschine

newsguard

  • Wer macht’s? 50 Journalist:innen
  • Schwerpunkte: 150 deutsche Nachrichtenseiten
  • Finanzierung: durch Kooperationen mit Mobilfunkkonzernen, digitalen Plattformen und sozialen Medien, sowie Internet- und Suchmaschinenanbietern (Bsp. Microsoft).
  • Beiträge: Browser-Plugin für Safari, Chrome, Firefox, Edge und iOS und Android.

Weitere Infos zu newsguard: Newsguard ist kein richtiger Faktenchecker. Es ist ein Plugin, mit dem du Nachrichtenseiten mit einem Mausklick überprüfen kannst. Wenn du bei Google nach einem Begriff suchst, zeigt das Plugin dir an, wie seriös eine Webseite ist: je nachdem wird ein grünes Häkchen oder ein rotes X angezeigt.

Die Journalist:innen bewerten die Nachrichtenseiten nach neun Qualitätskriterien, unterteilt in Glaubwürdigkeit und Transparenz:

Glaubwürdigkeit:

  • Es werden nicht regelmäßig Falschinformationen veröffentlicht
  • Es gibt eine klare Unterscheidung zwischen Nachricht und Meinung
  • Unterlaufende Fehler werden regelmäßig richtiggestellt
  • Verantwortungsbewusste Recherche und Aufbereitung von Informationen
  • Vermeidung irreführender Überschriften

Transparenz:

  • Die Webseite veröffentlicht Eigentumsverhältnisse und Finanzierung
  • Werbung wird als solche gekennzeichnet
  • Offenlegung der redaktionell Verantwortlichen, einschließlich möglicher Interessenskonflikte
  • Informationen über Journalismus und Journalisten

Die Bewertung der Nachrichtenseiten geschieht alle drei Monate, nach und nach kommen immer mehr hinzu. Eine bewertete Seite kann sich zur Kritik äußern, diese wird dann in dem Bericht von newsguard mit veröffentlicht.

Chrome auf Handy
Mit dem Plugin von Newsguard kannst du Nachrichtenseiten auf ihre Seriosität prüfen. (Foto: CCO Public Domain / Pexels - Deepanker Verma)

Volksverpetzer

  • Wer macht’s? Thomas Laschyk (Chefredakteur und Geschäftsführer) und Andreas Bergholz + 18 ehrenamtlich engagierte Mitglieder für Recherche, Lektorat, Artikel und Feedback
  • Schwerpunkte: gesellschaftliche Themen
  • Finanzierung: durch Merchandising (Shirts, Tassen, Masken und Sticker) und Spenden (Crowdfunding, PayPal oder Banküberweisung)
  • Hintergrund: Volksverpetzer ist ein Wortspiel auf Volksverhetzer. Die Intention dahinter: Strategien der Volksverhetzer werden aufgezeigt, Lügen entlarvt und damit sozusagen verpetzt.
  • Weitere Infos zum Volksverpetzer: Thomas Laschyk will nicht nur trockene Faktenchecks liefern, sondern auch mit Witz, Satire und emotionalen Erzählungen gegen Hass, Hetze und Fake News aufklären.
  • Beiträge: als Blog, bei Twitter und bei Instagram

Wie kontrollieren sich Faktenchecker?

Auch professionelle Faktenchecker sind nicht unfehlbar und könnten auf ihrer Homepage oder ihren Social-Media-Kanälen ebenfalls Falschmeldungen verbreiten. Um das zu verhindern, gibt es das International Fact-Checking Network (IFCN). Es zertifiziert Faktenchecker bzw. Fact-Checking-Organisationen. Um zertifiziert zu werden, müssen die Organisationen fünf Kriterien erfüllen:

  • Überparteilichkeit und Fairness
  • Quellentransparenz
  • Angabe zur eigenen Finanzierung
  • Erläuterung der eigenen Arbeitsweise
  • Bekenntnis zur Korrektur von Fehlern

Eine Zertifizierung ist für ein Jahr gültig und muss danach neu beantragt werden.

Die Kontrollen führen externe Gutachter:innen durch. Das können andere Faktenchecker-Organisationen, investigative Journalist:innen oder (Kommunikations-)Wissenschaftler:innen sein.

Faktenchecker und Social Media

Um direkt die Inhalte auf der Plattform zu bewerten und somit die Verbreitung von Fake News zu minimieren, arbeitet Facebook mit externen Faktenchecker-Organisationen zusammen. Hierzu gehört beispielsweise auch der Correctiv Faktencheck.

Dadurch wird Nutzern, die eine Falschmeldung veröffentlichen wollen, diese als solche angezeigt. Laut Facebook überprüfen mehr als 60 Organisationen in mehr als 50 Sprachen die Inhalte. Facebook hat sechs Bewertungsoptionen definiert, um die Fakten einzuordnen – von falsch über fehlender Kontext zu wahr. Beispiel:

Falsch: Die Inhalte basieren nicht auf Fakten, Zitate sind falsch, Inhalte sind erfunden oder Bildmaterial wird ohne Zusammenhang zum Text verwendet.

Teilweise falsch: Inhalte weisen sachliche Ungenauigkeit auf, Zahlen und Daten werden falsch berechnet, wahre und falsche Kernaussagen werden vermischt.

Satire: Inhalte, mit denen Kritik geübt wird, die deswegen ironisch, übertrieben oder absurd scheinen.

Bei Instagram werden seit Dezember 2019 Inhalte auf Richtigkeit geprüft. Da Instagram Teil von Facebook ist, werden die Inhalte auf der Foto-Plattform von Faktencheck-Organisationen überprüft, die bereits mit Facebook zusammenarbeiten.

Twitter checkt die Fakten selbst und nicht über externe Organisation. Um Falschmeldungen besser einzudämmen, hat Twitter im Februar 2020 seine Nutzungsbedingungen geändert. Ein Inhalt verstößt gegen die Richtlinie, wenn:

Manipulation: Wenn der Inhalt im Wesentlichen bearbeitet oder gefälscht wurde (in Zusammensetzung, Ablauf, Abfolge und / oder Gestaltung).

Irreführende Verbreitung: Wenn der geteilte Inhalt zu Verwirrung oder Missverständnissen führen kann und darauf schließen lässt, dass Nutzer:innen mit Absicht die Art oder Herkunft des Inhalts verfälscht haben, um so andere Nutzer:innen zu täuschen.

Schädliche oder gefährliche Auswirkung: Wenn Tweets die körperliche Sicherheit von Personen oder Gruppen gefährden, Massengewalt oder weit verbreitete Unruhen anzetteln oder die Meinungsfreiheit bedrohen.

Facebook und Twitter App auf dem Handydisplay
Facebook und Twitter prüfen ihre Inhalte, um Fake News zu minimieren. (Foto: CCO Public Domain / Pixabay - Thomas Ulrich)

7 Tipps wie du Fake News erkennst

  1. Nachrichten googlen: Fake News werden oft durch Social Media verbreitet. Daher, gebe Schlüsselwörter in eine Suchmaschine ein und schaue dann: Über welche Medien wird die Nachricht verbreitet? Berichten große und seriöse Zeitungen über die Nachricht? Welche Informationen geben andere Medien? Von wann ist die Nachricht? Handelt es sich um eine alte Meldung, die wieder hochgekocht ist und eigentlich gar nicht mehr aktuell ist?
  2. Verfasser anschauen: Wie lange ist das Profil der Person schon aktiv? Was wurde in dem Profil sonst noch gepostet? Wie viele Menschen und welche Menschen haben den Beitrag geteilt? Wie viele Freunde/Follower hat dieses Profil?
  3. Quellen prüfen: Wenn eine Webseite angegeben wird oder die Nachricht auf einer Webseite veröffentlich wurde, kannst du schauen, ob es ein Impressum gibt. In Deutschland müssen alle Webseiten ein Impressum haben, in dem der Urheber angegeben ist. Wenn es kein Impressum gibt, solltest du der Seite nicht vertrauen.
  4. Bilder prüfen: Oft werden Bilder aus dem Kontext gerissen oder für ganz andere Themen verwendet. Mit der umgekehrten Google-Bildersuche kannst du schauen, wann und ich welchem Kontext das Bild zum ersten Mal verwendet wurde.
  5. Videos prüfen: Bei Amnesty International findest du ein Onlinetool, bei dem du die URL eines Youtube-Videos eingeben kannst. Das Tool zeigt dir dann, ob es mehrere Kopien des Videos davon gibt, wann die restlichen Videos hochgeladen wurden und zeigt die Vorschaubilder der Clips an. Das hilft dir dabei, das Originalvideo zu finden.
  6. Fotos und Videos genau anschauen: Vielleicht findest du im Bild Hinweise auf den Ort oder die Zeit der Aufnahme. Durch Werbetafeln, Verkehrsschilder und Autokennzeichen kannst du herausfinden, ob die Aufnahmen wirklich so getätigt wurden, wie im Text angegeben.
  7. URL vergleichen: Es gibt Falschmeldungen, die im Design von seriösen Medien erscheinen. Schaue dir hier die URL an und vergleiche sie mit der URL der originalen Homepage. Oftmals unterschieden sich die URLs durch Bindestriche, einzelne Buchstaben oder Anhänge wie .net.

Bei den Faktenchecker-Webseiten selbst gibt es häufig keine Funktion, um einzelne Nachricht direkt zu überprüfen. Du kannst aber bei Google ins Suchfeld den Faktenchecker, dann einen Doppelpunkt und dann die Schlagwörter aus der Nachricht, die du checken möchtest, eintippen. Zum Beispiel hast du gelesen, dass die Impfung der Politiker fake sei, weil auf einigen Fotos keine Nadel zu sehen ist. Dann kannst du das so bei Google eingeben: „correctiv: Corona Impfung Politiker fake“. Dann gibt dir Google alle Inhalte auf correctiv.org an, die mit „Corona Impfung Politiker fake“ zu tun haben.

Impressum
In Deutschland muss jede Homepage ein Impressum haben. (Foto: CCO Public Domain / Pixabay - M.H.)

Utopia meint: Es ist wichtig nicht einfach alles zu glauben, was wir im Internet lesen. Denn da kann jeder ganz einfach Texte, Bilder oder Videos veröffentlichen. Natürlich ist es da nicht immer einfach einen klaren Durchblick zu haben, aber mit ein paar Kniffen und Faktencheckern können wir immer mehr Unwahrheiten erkennen.

Schade ist allerdings, dass es nicht so einfach ist, auf den Webseiten der Faktenchecker nach Schlagwörtern direkt zu suchen. Da müssen wir dann eben den Umweg über Google nehmen oder selber recherchieren.

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