Hirnforscher Gerald Hüther: „Das Leben besteht nicht darin, sich irgendwelche Konsumbedürfnisse zu erfüllen“

Hirnforscher Gerald Hüther im Interview
Fotos: Franziska Hüther unter CC BY-SA 4.0, © Cybrain / Fotolia.de

Zu viel Konsum ist schlecht für den Planeten, das wissen viele Menschen. Doch warum wird weiterhin so viel konsumiert? Warum wollen wir immer mehr, auch wenn es genug ist? Und wie können wir unser Verhalten ändern? Über diese Fragen haben wir mit Prof. Dr. Gerald Hüther, einem der bekanntesten Hirnforscher Deutschlands, gesprochen.

Herr Hüther, wie kann man Menschen dazu bringen, ihr Verhalten zu ändern?

Gerald Hüther: Bisher haben wir immer gedacht, dass wir Menschen von außen dazu bringen können, ihr Verhalten zu ändern. Doch noch nie sind die Leute mit solchen großen Autos umhergefahren, noch nie waren die landwirtschaftlichen Nutzflächen so ausgebeutet und noch nie ist so viel Plastikmüll in den Meeren geschwommen. Also heißt das doch, dass unsere bisherigen Strategien nicht funktioniert haben.

Wenn es also nicht von außen geht, muss es von innen gehen. Wir müssen uns fragen: Was im Menschen kann man wachrufen und stärken, damit er aufwacht und sich anders verhält?

Plastikmüll im Meer ist ein Problem – aber was hat es mit uns zu tun?
Noch nie ist soviel Plastikmüll im Meer geschwommen wie heute. (Foto: The Plastic Oceans Foundation/NOAA)

Ein interessanter Ansatz, Herr Hüther. Was müssten wir in uns wachrufen?

Gerald Hüther: Wir müssten ein bestimmtes Bild von uns selbst haben und feststellen, dass dieses Bild nicht mit dem übereinstimmt, wie wir tagtäglich handeln. Durch dieses Missverhältnis ginge es uns nicht gut. Und dann würden wir versuchen, unser Verhalten an das Bild von uns selbst anzupassen.

Vorausgesetzt ist, dass wir ein starkes Bild von uns haben, denn sonst kann man dieses Bild in die Ecke legen und sagen „das interessiert mich nicht“. Das stärkste Bild, das ich für solche Fälle gefunden habe, ist die Vorstellung von der eigenen Würde.

Gerald Hüther: von der Haltung hängt es ab

Der Duden definiert Würde als das „Bewusstsein des eigenen Wertes und dadurch bestimmte Haltung“. Wie verwenden Sie den Begriff?

Gerald Hüther: Es ist das nicht so gut fassbare Gefühl, dass man etwas tut, was dem eigenen Anspruch an sich selbst nicht gerecht wird. Das Gefühl haben Soldaten, wenn sie auf andere schießen. Das Gefühl haben Bauern, wenn sie ihr Feld auf eine Art und Weise bestellen, die nicht gut ist. Das Gefühl hat man auch, wenn man Fleisch isst und weiß, dass das aus einer Tierhaltung stammt, die nicht in Ordnung ist.

Und wie können wir nun dieses bestimmte Bild von uns selbst erzeugen?

Gerald Hüther: In der Neurobiologie ist es so: Es gibt immer übergeordnete Muster, die darunterliegende Prozesse lenken und steuern. Zum Beispiel haben wir ein Bewegungsmuster, das uns hilft, ein Glas an den Mund zu führen. Das ist eine Bewegungsgestalt, die im Hirn abgespeichert ist. Wollen wir nun also etwas trinken, wissen wir durch das Muster, wie es geht und brauchen uns das Trinken nur vorzustellen. Das Gehirn reguliert dann von allein die ganzen einzelnen Bewegungen und Muskelkontraktionen, um das Glas anzuheben und zu trinken.

Dieses Beispiel können wir auch auf der Ebene der Steuerung unseres Verhaltens anwenden. Dort nennt man übergeordnete Muster innere Einstellung, Haltung oder Mindset. Von dieser Haltung hängt es ab, wie wir uns verhalten.

Gerald Hüther: „Was für ein Mensch will ich sein?“

Mein inneres Bild bestimmt also, ob ich rücksichtslos lebe oder jemand bin, dem Mitmenschen und Umwelt wichtig sind?

Gerald Hüther: Ja, dieses Bild davon, was man eigentlich für ein Mensch sein will, ist das übergeordnete Bild. Dieses Bild steuert alle darunter liegenden Handlungen. Und für dieses Bild haben wir im Deutschen das Wort Würde.

Wir sollen uns also die Frage stellen, was für ein Mensch wir sein wollen und danach handeln? Antwortet da nicht jeder etwas Anderes?

Gerald Hüther: Wenn Menschen diese Frage beantworten, dann ist die Antwort immer gleich. Denn die Frage ist so grundlegend, dass es darauf nur eine Antwort gibt: Ich möchte jemand sein, der andere Menschen glücklich macht. Oder ich möchte jemand sein, der diese Natur erhält und der dazu beiträgt, dass hier alles wachsen kann. Es gibt keine Antwort wie „ich möchte jemand sein, der besonders viel Geld hat“.

Achtsam gehen
Achtsam mit sich selbst und der Umwelt sein: Ist das der Schlüssel? (Foto: © Dirk Hinz – photocase.de)

Schwer zu glauben, dass die Antworten wirklich so positiv ausfallen würden.

Gerald Hüther: Versuchen Sie es doch einfach mal. Stellen wir uns mal vor, wir fragen jemanden und der antwortet: „Ich bin auf der Welt, damit ich ein gutes Leben habe, damit es mir gut geht.“ Dann würde ich fragen, was ist denn das, was dich glücklich macht? „Wenn ich viel Geld habe.“ Und was machst du mit dem vielen Geld? „Damit kaufe ich mir eine Segeljacht.“ Und was hast du damit vor? „Dann fahr ich umher.“ Wie viele Jahre möchtest du gern umherfahren?

Dann fängt er an nachzudenken, denn er möchte nicht sein ganzes Leben auf der Segeljacht fahren – was ich damit zeigen will: In diesen Befragungen müssen Sie immer weiterfragen. Am Ende wird die Person erkennen, dass sie nur glücklich sein kann, indem sie auf eine Art und Weise lebt, dass andere Lebewesen auch leben können. Es geht gar nicht anders.

Gerald Hüther: „Wer glücklich ist, der kauft nicht

Warum gibt es so wenig öffentliche Diskussion darüber?

Hirnforscher Gerald Hüther im Interview
Dr. Gerald Hüther gehört zu den bekanntesten Hirnforschern Deutschlands. (Foto: Franziska Hüther unter CC BY-SA 4.0)

Gerald Hüther: Ich behaupte, dass das in unserer Konsumgesellschaft so gewollt ist. Menschen, die nicht wissen, wer sie sein wollen, kann man alles aufschwatzen. „Was ist eigentlich die Würde? Was für ein Mensch will ich sein?“ Das sind Fragen, die passen nicht in eine Konsumgesellschaft. Dabei sind das Fragen, die man für sich persönlich beantworten muss, damit man einen Kompass im Leben hat. Sonst kann man ja jederzeit von jedem beliebigen Angebot aus der Bahn geworfen werden. Und da wir in einer Gesellschaft leben, in der so viele ihre Angebote loswerden wollen, hat die Konsumgesellschaft kein Interesse daran, dass sich immer mehr Menschen mit dieser Frage auseinandersetzen.

Sie sagten mal in einem anderen Interview: „Wer glücklich ist, der kauft nicht“. Ist man glücklich, wenn man diesem inneren Bild folgt?

Gerald Hüther: Es gibt wahrscheinlich keinen glücklicheren Zustand als diesem Bild zu folgen. Wenn man sich also die Frage stellt „Wer will ich sein?“ und sein Leben und Verhalten darauf ausrichtet, ist man glücklicher, hat mehr Erfolg im Leben und entwickelt sich besser weiter als andere.

Ein ziemlich attraktiver Zustand.

Gerald Hüther: Er ist nur gegenwärtig unattraktiv, weil er in unserer Gesellschaft tabuisiert wird. Hier geht es um einen Emanzipationsprozess von sich selbst als Mensch und von der Konsumgesellschaft. Denn wenn sich immer mehr Menschen die Frage stellen würden, wer sie sein möchten auf dieser Erde, gäbe es für die Konsumwirtschaft nicht mehr genug Konsumenten. Dann würden die Menschen erkennen, dass das Leben nicht darin besteht, sich irgendwelche Konsumbedürfnisse zu erfüllen. Das wäre ein Totalausfall für alle Werbestrategen.

Yoga und Meditation wirken sich positiv auf Gesundheit aus
Es ist nicht unser Besitz, der uns glücklich macht. (Foto: CC0 Public Domain / Unsplash)

Wenn man also will, dass mehr Menschen nachhaltiger leben, müsste man ihnen ein Gefühl für ihre eigene Würde vermitteln. Es geht nicht mehr nur um Nachhaltigkeit, sondern um das, was uns im Leben wichtig ist. Es muss eine öffentliche Diskussion darüber in Gang kommen, wie wichtig es ist, dass Menschen sich ihrer eigenen Würde bewusst werden.

Herr Hüther, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Gerald Hüther

Prof. Dr. Gerald Hüther gehört zu den bekanntesten Hirnforschern Deutschlands. Sein Ziel ist es, Lebensbedingungen zu schaffen, die es ermöglichen, menschliche Potenziale zur Entfaltung zu bringen: nicht nur in Erziehung und Bildung, sondern auch auf der Ebene der politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen.

Gerald Hüther hat zahlreiche Fach- und Sachbücher veröffentlicht, zum Beispiel: „Die Macht der inneren Bilder: Wie Visionen das Gehirn, den Menschen und die Welt verändern“ (online zu kaufen** zum Beispiel bei Buch7Ecobookstore oder auch Amazon), „Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn – die Macht der inneren Bildern – Biologie der Angst“ (online zu kaufen** zum Beispiel bei BooklookerAmazon)

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(33) Kommentare

  1. Mich würde mal interessieren, was mit “Konsum“ genau gemeint ist. Wo endet die Erfüllung von Bedürfnissen und wo beginnt so etwas wie die Beschaffung von unnötigen Gütern? Gebe ich mich mit einer Wintermütze zufrieden oder kann es auch eine zweite sein? Ist es dann eine teure regional aus fair gehandelter Baumwolle produzierte oder eine billige vom Discounter? Leider differenziert Hüther das nicht. So bleibt der Artikel leider nur allgemein.

  2. Er schreibt oben Folgendes:
    „Wir müssten ein bestimmtes Bild von uns selbst haben und feststellen, dass dieses Bild nicht mit dem übereinstimmt, wie wir tagtäglich handeln.“
    Damit ist ja schon geklärt, daß die Grenze zwischen Erfüllung eines echten Bedürfnisses uns Beschaffung unnötiger Güter höchst fließend ist.
    Es hängt immer von dem Umfeld ab, in dem man lebt.
    Deshalb können solche Angaben nur sehr vage sein.
    Gäbe es diesbezüglich feste Regeln, würden wir in einer Dikatur leben.

    Der Autor ruft dazu auf, sich selbst achtsam zu hinterfragen, was man wirklch braucht und alles andere ist überflüssig.
    Dieses Hinterfragen und anders als gewohnt handeln, ist ja immer auch mit Angst vor Ausgrenzung verbunden.
    Mir ist z.B. schöne Kleidung und schönes Geschirr / Einrichtung sowas von sch…egal. Dafür ist mir sehr wichtig, WAS ich esse.
    Mein Bio-Konsum wird von vielen als snobistisch betrachtet („ja, wenn Du Dir das leisten kannst“).
    Viele Menschen haben mit dieser Unstimmigkeit (Bestes Essen auf nicht zusammen passendem Geschirr) Probleme.
    Darüber muß man sich hinweg setzen, wenn man die ureigenen Bedürfnisse leben möchte.
    Das kann niemand vorschreiben.

  3. Widerspruch – sich nur auf Bio-Lebensmittel-Konsum zu reduzieren reicht nicht.
    Kleidung – Einrichtung etc. ist alles andere als ….egal. Wertige Produkte halten oft ein Leben lang. Ebenso möchte ich keine Produkte welche nur günstig sind da andere Menschen und Ressourcen ausgebeutet werden. Von der mangelnden Ästhetik ganz zu schweigen. Dazu gehört auch die Määr ein kleines Auto, für zwei Jahre geleast, wäre sinnvoll. Wir fahren unseren Wagen mindestens 20-30 Jahre. Bei entsprechneder Pflege spart man sich sogar den Wertverlust und erspart unserer Erde jede Menge Rohstoffverschwendung.

  4. Habe ich geschrieben, daß ich nur Wert auf Bio-Konsum lege?
    Natürlich reicht das nicht.

    Es ging ja nur um ein Beispiel, welches aufzeigt, warum es nicht möglich (bzw. wünschenswert) ist, feste Vorgaben zu machen.

    Der Hirnforscher hätte es sich auch leicht machen können und sagen:
    Leute lasst das Fliegen bleiben, dann ist alles andere total egal.
    Das wäre ja fachlich (fast) richtig.

    Und wenn Du nun bestätigst, daß Du nicht häufiger als alle 10 Jahre in einen Flieger steigst, dann frage ich Dich auch nicht nach dem Spirtverbrauch und Feinstaubbelastung durch Deinen 20 Jahre alten Stinker. 😉

  5. Es gibt keine Vorschriften. Es gibt nur den Entschluss, sich damit zu befassen, und damit fängt die Auseinandersetzung mit sich selbst und mit dem eigenen Leben an. Je verfeinerter dieser innere Dialog wird, desto weniger Bedürfnisse im Außen habe ich und desto mehr kann ich das (Wenige) geniessen, was ich habe. Es ist dann wie das erste Stück Brot nach dem Fasten: köstlich.
    Das Schwerste an diesem Prozess bleibt, finde ich, zu akzeptieren, dass es immer noch so viele Menschen gibt, die die Ressourcen der anderen ohne Sinn und Verstand mit verbrauchen. Die Industrieländer sind da gnadenlos.
    Wenn Menschen solche Bemerkungen machen wie „Wenn Du Dir das leisten kannst“, dann lohnt es sich genauer zu werden. Eine Demeter Hofkiste alle zwei Wochen reicht an Gemüse für eine Person (ab 12 €). Bio-Supermärkte haben in unterschiedlichem Maße Regale, in denen Ware reduziert angeboten wird. Anstatt eine Rallye zu buchen, kann man sich als Ziel setzen mit wenig auszukommen. Das war jetzt nur zum Thema Nahrung.

  6. erstmal danke, das Thema ist zu komplex um für jeden die maßgeschneiderte antwort zu liefern. Dort draussen sind Menschen die wissen nicht einmal was das Wort Konsum bedeutet. Viele verstehen nicht einmal den zusammenhang, dass der Verbrauch von Gütern die Umwelt schädigt und die Ressourcen der Erde sich aufbrauchen. Solche Artikel sind gut um eine Tür für solche Themen zu öffnen, man denkt immer alle Menschen surfen schon ein halbes Jahrhundert im internet, gleichzeitig stellt man dann fest, dass es jeden Tag Tausende von Menschen gibt, die gerade einmal seit ein paar Wochen einen Internet Browser benutzen. Erreicht man diese Menschen recht früh, ist das in Hinsicht für den Konsum ein gutes Zeichen. Doch Millionen Menschen haben keinen Zugang zu einem Computer haben, und bekommen ihr wissen passiv über einen gedruckte Zeitung oder zeitschrift, dort finden sich nach meiner Erfahrung ganz selten bis nie Artikel zu solchen Themen, einfach weil jeder der weniger konsumiert am ende der Buhmann für eine Industrie sein kann. Da Zeitungen und Verlage auch so ihre Partner in den Industrien haben, sehe ich da schon system hinter. Nichts desto trotz wer sich wirklich für sowas interessiert oder etwas mitbekommt, wird früher oder später mit gleichgesinnten einen weg finden, hier und da noch etwas besser zu machen.
    Generell finde ich bevor man immer rum mimosert könnte man ruhig mal öfter einfach danke sagen, der Verfasser hat einigen geholfen, Auftrag erfüllt . Mfg

  7. Hüther und seine Artikel sind mir schon länger bekannt und es freut mich immer wieder von ihm zu hören/lesen. Weshalb utopia aber immer wieder Kaufempfehlungen z. B. Für seine Bücher mit solchen online-Kraken wie amazon verbindet bleibt mir ein Rätsel???
    Wieviele Artikel von Utopia sind immer wieder in der moralischen Keule verpackt? Dinge die nicht in die Küche dürfen oder Sachen die man/frau niemals im Garten nutzen darf…, aber dann den Hinweis dass man den angepriesenen Artikel, weil so ökologisch , gerne bei amazon kaufen kann. Da passt für mich vieles nicht zusammen! Geschweige denn die Werbung, mit denen diese ansonsten so guten Artikel von Euch gespickt sind.

  8. Vielen Dank für Ihr Feedback. Wir können Ihre Kritik gut nachvollziehen. Zur Erklärung: Unser Ziel ist es, viele verschiedene Möglichkeiten zu nachhaltigerem Konsum aufzeigen und damit ein möglichst breites Publikum zu erreichen. Wir wissen natürlich, dass es dafür bessere Bezugsquellen gibt als Amazon (und haben auch schon mehrmals kritisch über Amazon berichtet). Oftmals zeigen wir auch alternative Einkaufsquellen auf. Wir wissen aber auch, dass viele Leute ausschließlich Amazon nutzen und diesen möchten wir zeigen, dass sie auch dort nachhaltige Produkte kaufen können.

  9. Habe mehrfach gelesen, dass die anderen Hirnforscher Herrn Hüther nicht akzeptieren. Habe zwei Bücher und einen Vortrag von ihm konsumiert: ekzessiver Gebrauch von Allquantoren, die zu logisch falschen Schlüssen führen, so auch in diesem Artikel. Keine Frage, über die Würde ließe sich einiges bewirken, aber leider nur bei wenigen, soll es wirklich von innen kommen. Die notwendige Bewusstheit ist im Hirn nicht angelegt eher selten und von wenigen aktivierbar. Realistischer scheint mir von außen – widersprüchlicher Weise impliziert das auch Herr Hüther – Werte emotional wirksam zu verankern, letzlich die gleichen biopsychologischen oder evolutionspsychologischen Mechanismen nutzend, wie unser heutiger Konsum. Konsum wird im übrigen nicht ausradiert, sondern intelligenter. Da verkennt Herr Hüther sonst den systemischen Ursprung des Gehirns.

  10. Hmm…ich glaube, man sollte vielleicht noch eine Erklärung des Wortes Allquantoren nachschieben. Und da ich mir gerade die Mühe gemacht habe, das zu recherchieren, teile ich mein neu erworbenes Wissen gerne mit allen anderen Unwissenden.
    „Gleichzeitig zeigt dieses Beispiel, dass der Allquantor und der Aspekt nicht ein und demselben Operator ohne Skopusunterschiede zugeschrieben werden können.“
    Jetzt alles klar? 😉

  11. Leider war ich weniger erfolgreich beim Recherchieren, was wohl mit „systemischen Ursprung des Gehirns“ gemeint sein könnte?
    Du meinst damit, daß wir alle aus der gleichen Ursuppe geschwommen sind?

    „Die notwendige Bewusstheit ist im Hirn nicht angelegt eher selten und von wenigen aktivierbar. “
    Ja, das scheint mir auch so, wenn ich Deinen Post lese…
    Dann schwimmen wir am Besten zurück in die Ursuppe und denken nicht weiter über das Thema nach…

  12. Prof. Hüther: „Menschen, die nicht wissen, wer sie sein wollen, kann man alles aufschwatzen….“
    Für die kapitalistische Verkaufswelt ist das doch eine super Ausgangs- Umsatz – Basis. Ich hätte dazu gerne eine Aussage von einem Psychologen gelesen. . Vermutlich würde die schwache Persönlichkeit der dem Konsumterror erlegenen Menschen offenbart.
    Von diesen Marionetten leben wir alle ganz gut.

  13. Hallo, wir sind gerade mit unserem externen Werbepartner im Gespräch, um eine bessere Vereinbarkeit der Werbung auf unserer Seite zu erreichen. Auch wir wollen nicht, dass die Nutzer zugeschüttet werden. Vor allem soll die Werbung wieder besser zu unserer Zielgruppe passen. Leider geht das nicht so schnell wie wir dachten – aber wir arbeiten daran. Generell ermöglicht u.a. die Einblendung der Werbung die kostenlose Nutzung unserer Website für alle Leser.

  14. Mal so ganz allgemein zu den obigen Kommentaren. Wie wäre es, den Artikel einfach nur zu lesen und dass, was sich gut für einen selbst anfühlt zu probieren.

    Warum wird der Artikel kritisiert, zerpflückt und nach Fehlern gesucht? Es ist doch kein Gesetz und kein Anspruch auf universelle Wahrheit!
    Es ist eine Denkanstoss, den man wahrnehmen kann und für sich passend umsetzen kann
    oder auch nicht.
    Wenn es funktioniert – freut sich die Umwelt und sonst findet man wenn man will andere Wege.

  15. Wenn ein Interviewbeitrag mit „Hirnforscher…“ überschrieben wird, soll doch wohl eine geistige Kapazität treffliche Aussagen verkünden, zumal „Hirnforschung“ wichtig ist, gleichwohl über Konsumgewohnheiten der Massen wenig auszusagen vermag. In einem Land der lesefaulen, verunsicherten, visuell abgerichteten Konsum- Narren.
    Das fehlende „Glück“, so glauben sie, wartet morgen, wenn das jetzt endlich verbesserte Produkt seinen Verbraucher findet. Den Müll von gestern dürfen sie selbst entsorgen. Sie haben ihn bezahlt.
    Das ganze frühindustrialisierte Volk braucht 2017 dringend Psychiater. Doch die potenziellen Patienten ahnen davon nichts. Trotz der wachsenden Müllberge…

  16. Hey, dagegen kann ich einen Adblocker (einfach bei Google oder Ecosia.de suchen und als Add-on für Firefox aktivieren) empfehlen, ich habe jedenfalls nichts von der ganzen Werbung hier mitbekommen! Aber klingt ja schon irrsinnig, dass selbst dieser Artikel damit gespickt ist…
    Ich glaube, je weniger man sich der Werbung aussetzt, desto weniger ist man versucht, unnötige/unökologische/unfaire Produkte zu kaufen. Also Adblocker installieren und Fernseher ausschalten! 🙂 LG

  17. Hallo Ocram, wir sind gerade mit unserem externen Werbepartner im Gespräch, um eine bessere Vereinbarkeit der Werbung auf unserer Seite zu erreichen. Auch wir wollen nicht, dass die Nutzer zugeschüttet werden. Vor allem soll die Werbung wieder besser zu unserer Zielgruppe passen. Leider geht das nicht so schnell wie wir dachten – aber wir arbeiten daran. Generell ermöglicht u.a. die Einblendung der Werbung die kostenlose Nutzung unserer Website für alle Leser.

  18. Na, da kann man sich doch prima in Verzicht schulen. 😉
    Mir fallen Inhalte von Werbebannern meist garnet auf, ich lasse mich davon nicht treiben.

    Ich akzeptiere sie dennoch, da es den Betreibern wie hier utopia, einem für uns alle kostenlosen Portal, Geld einbringt, das für den Betrieb notwendig ist.

    Möglichst günstig, hier für lau, zu konsumieren und die damit verknüpften Notwendigkeiten zu kritisieren ist auch ein nicht geringer Teil des gigantischen Konsumschmarrns.

  19. Der Artikel hat mir wirklich aus der Seele gesprochen.
    Er zeigt auf, was sich grundlegend ändern würde, wenn jeder von uns wieder anfangen würde, auf sich selbst zu hören (was in unserer lauten Werbewelt bekanntlich nicht so einfach ist).

    Ich frage mich aber jedes Mal, wie man denn andere davon überzeugt, dass es ihnen auf diese Weise besser gehen würde? Ich kenne keinen Fleischesser, der auf die Frage „Willst du der sein, der dieses Schnitzel isst?“ mit Nein antwortet, und ebensowenig einen SUV-Fahrer, der sagen würde, eigentlich hätte er lieber eine Bahncard 100…
    Also: Wie bringt man Menschen in Unterhaltungen dazu, nicht zu trotzen, wenn man etwas hinterfragt? Für Tipps bin ich immer offen 😉

  20. Zu den Beiträgen weiter oben:
    Allquantoren sind „immer“, „alle“, „jeder“, „nie“ usw., was in den Wissenschaften kaum verwendet werden sollte.
    Systemisch ist das Gehirn nicht dazu da, dass wir eine hohe Bewusstheit und Würde entwickeln, sondern, dass wir dank unserer Hormone und Neurotransmitter erfolgreich überleben. „Bikamerale Psyche“ und „Spiral Dynamics“ sind Konzepte, die darauf hinweisen, dass nur wenige auch nur in wenigen Momenten des Lebens hochreflektiert bewusst agieren. Vielleicht sind es in Zukunft mehr, aber davon sind wir weit entfernt.
    Unser Konsum heute gibt uns manchmal bewusst und zumeist unbewusst gute Gefühle. Wesentlich hierfür sind auch die „Weltmodelle“ (Wittgenstein), idols of the market place (Bacon), peer groups oder schlicht unser Umfeld. Die meisten werden nicht einfach überlegen, wer und was sie sein wollen, wenn es nicht auch Wertschätzung durch ihr Umfeld erfährt. Belohnung und Vermeidung von Verhalten erfolgt durch Neurotransmitter/Hormone im Gehirn, und soziale Ablehnung fühlt sich blöd an. Die Forschung (ich bin so ein Forscher) ist da viel weiter auch mit biopsychologischen Begründungen, als offenbar Herr Hüther. Alternativen müssen emotional wirksam gemacht werden – nicht rein rational für das Richtige erklärt werden. Welcher rauchende Arzt wüsste nicht rational, dass sein Verhalten falsch ist, und würde nicht leicht sagen können, dass er kein ungesund lebender Mensch mit schlechtem Vorbild für andere sein will, und doch überwiegen die guten Gefühlen, die ihm das Rauchen beschert. (…)
    Auf UTOPIA tummeln sich Menschen, die sich gegenseitig in alternativem Verhalten bestärken und die vielleicht auch informierter und reflektierter sind. Für eine Transformation müssen wir aber andere Konzepte entwickeln, die Mehrheit unserer Gesellschaft zu überzeugen. Da gibt es dann so etwas wie Lock-In-Effekt (siehe know-why.net), kognitive Dissonanz, u.v.m. was vor Selbstkritik und Veränderung ergo schlechten Gefühle schützt.
    Dass wir den Artikel zerpflücken ist wichtig, da das Thema entscheidend ist und die Aussage des Artikels äußerst fragwürdig. Zu oft werden Namen gut vermarktet und Falsches daraufhin geglaubt.

  21. habe das alles jetzt schnell überflogen und es stimmt, dass es ja grosse unterschiede gibt, wer sich wo tummelt. ich arbeite da mit aufwachen, also dem annehmen von gefühlen, die ängste, trauer und verzweiflung, mache bewusstseinsübungen…aber die einfachen leute machen so was nicht, genausowenig wie alternative medizin, klassische homöopathie usw. usf. das ist für einfacge leute viel zu komplex. wir alle machen aber auch nur das, was wir gelernt haben, leider auch falsch gelernt haben, wolfsgesellschaft, ellebogen gesellschaft. es ist schade.

  22. Einfache Leute?? „Die einfachen Leute machen sowas nicht…“, „…das ist für einfache Leute viel zu komplex….“.
    Ich frag‘ jetzt lieber nicht, wen du damit meinst…
    Es können also nur die überleben, die die komplexen Vorgänge (Bewusstseinsübungen? Homöopathie?) verstehen?!
    Na dann, gute Nacht! 😉

  23. „Die einfachen Leute machen sowas nicht…“
    Das war jetzt ein schönes Beispiel für einen Allquantor…stimmts ? 😉

    Danke Kai für die Erläuterung bezüglich diesem Begriff und weiter führende Links und Gedanken.

    „Die Forschung (ich bin so ein Forscher) ist da viel weiter auch mit biopsychologischen Begründungen, als offenbar Herr Hüther“.
    Nun ja, mit diesen biopsychologischen Begründungen wird ja sehr viel erklärt.
    Und leider auch Mißbrauch betrieben. So nach dem Motto, das ist eben biologisch so in unserer Psyche fest gelegt, deswegen kann ich mich in diesem Punkt sowieso nicht ändern.
    Jeder weiß – Forscher und Laien – wie schwer es ist, sich und die eigenen Denkstrukturen zu verändern.
    Wie man Veränderungen gegen diese biopsychologischen Erschwernisse durchsetzt, da wird es ja eigentlich erst interessant.

    Vielleicht geht Hüther einfach davon, aus, daß das Wissen über biopsychologische Zusammenhänge schon bekannt ist und möchte auch anstöße für dieses „Trotzdem“ geben?

    Unter welchen Umständen werden Veränderungen möglich?
    Das ist, was mich intessiert.
    Du schreibst:
    „kognitive Dissonanz, u.v.m. was vor Selbstkritik und Veränderung ergo schlechten Gefühle schützt“.

    Es mag schon stimmen, daß Veränderung negative Gefühle (Angst) hervor ruft.
    Aber ist kognitive Dissonanz wirklich ein Mittel dagegen?
    Meiner Erfahrung nach (Eigenbeobachtung) ist echte Achtsamkeit – wie sie z.B. bei Mindfulness-Based Stress Reduction gelehrt wird, wesentlich hilfreicher.
    Mit MBSR- oder ähnlichen Methoden betrachte ich die Dinge einfach ganz sachlich und nüchtern. Kognitive Dissonanz ist bei mir eher negativ besetzt („etwas Schönreden“).

    Hast Du ein Beispiel, wie k. D. in dem von Dir gemeinten Sinne eingesetzt werden kann?

  24. „Alternativen müssen emotional wirksam gemacht werden – nicht rein rational für das Richtige erklärt werden. “
    Wie könnte das genau funktionieren?
    Es wird ja sehr eindrucksvoll und mit emotionalisierenden Bildern aufgezeigt, welche Folgen unser Handeln in gewissen punkten hat.
    Beispiel Meeresschildkröten, die an Plastik verenden, Kinder im Krieg und vieles mehr.
    Das erzeugt eine Welle der Entsetzung und Empörung, aber zu echter Veränderung sind die meisten Menschen erst bereit, wenn es gar nicht mehr anders geht.
    Beispiel Rauchen: Ich mußte sehr krank werden, um aufzuhören (zum Glück schon lange her). Und es brauchte ein Anti-Rauch-Gesetz in Gaststätten, um gewisse Krankheiten signifikant zu vermindern.
    Emotionalisieren – naja bei mir vielleicht die Angst, nicht mehr Bergsteigen zu können, wenn ich nicht die Reißleine ziehe.
    Das Anti-Rauch-Gesetz hat auch emotionalisiert, vor allem die empörten Raucher…denen aber schlichtweg nichts anderes übrig bliebe, als die Gaststätten ebe nicht mehr vollzuqualmen.
    Dgl. Anschnallpflicht ect.

  25. „Wenn man also will, dass mehr Menschen nachhaltiger leben, müsste man ihnen ein Gefühl für ihre eigene Würde vermitteln. Es geht nicht mehr nur um Nachhaltigkeit, sondern um das, was uns im Leben wichtig ist. Es muss eine öffentliche Diskussion darüber in Gang kommen, wie wichtig es ist, dass Menschen sich ihrer eigenen Würde bewusst werden.“

    Aber: Wer vermittelt den Menschen ein Gefühl für ihre eigene Würde (wobei zu klären wäre, was unter „Würde“ und „eigener Würde“ zu verstehen ist)?
    Wer bestimmt was uns im Leben wichtig ist (Staat, Kirche, Sozialwissenschaft, Wirtschaft, Philosophie, Parteien…)?
    Auf die öffentliche Diskussion über die „Wichtigkeit der Bewußtwerdung“ (?) der „eigenen Würde“ bin ich jetzt schon gespannt. Vielleicht in den sozialen Medien? In den privaten TV-Sendern oder den Öffentlich-rechtlichen?
    Auf 3-sat, ARD-alpha, Phönix, Arte, die nur von Wenigen geschaut werden?

    Die Diskussion dürfte zwischen den noch Wachen, noch Denkfähigen, Interessierten, also in einem überschaubaren Kreis stattfinden (natürlich mit Vertretern der bekannten Institutionen).

    Auf die eigene Würde verzichtet die Masse Mensch zugunsten von Unterhaltung, Ablenkung und Konsum augenscheinlich bereitwillig.

    Fazit: Ein hübsches Heils- und Religionsversprechen, nicht uninteressant aber leider genau so utopisch wie all die anderen vor ihm.

  26. „Wer vermittelt den Menschen ein Gefühl für ihre eigene Würde“
    Dürfte ähnlich schwierig werden, wie die klägliche Suche nach der dt. Leitkultur…
    Ja wo is’denn nur??? 😉

    Was den maßlosen Konsum angeht, geht es ja weniger um die eigene Würde, als ums blanke Überleben unserer Nachkommen.

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