Gutachten bestätigt: Glyphosat-Bewertung ist Monsanto-Plagiat

Farmer Pestizide Glyphosat
Foto: Pixabay / CC0

Hat das Bundesinstitut für Risikobewertung in seinem Gutachten zu Glyphosat tatsächlich von Monsanto und anderen Glyphosat-Herstellern abgeschrieben? Ein Gutachten bestätigt den Vorwurf.

Vor etwa drei Wochen berichteten Medien, dass das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in seiner Bewertung des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat abgeschrieben hat – und zwar ausgerechnet von Glyphosat-Herstellern wie Monsanto. Das BfR wies die Vorwürfe zurück und erklärte, lediglich über Studien der Hersteller „berichtet“ zu haben.

Am Donnerstag bestätigte jedoch ein offizieller Plagiatsprüfer: „Über zahlreiche Seiten hinweg wurden Textpassagen praktisch wörtlich übernommen. Die systematische Unterlassung von Quellenangaben und das gezielte Entfernen von Hinweisen auf die tatsächlichen Verfasser der Texte lässt sich nur als bewusste Verschleierung ihrer Herkunft deuten.“

Glyphosat-Bewertung Wort für Wort übernommen

Es handelt sich dabei um besonders heikle Textpassagen, etwa im Kapitel über das krebserzeugende Potenzial von Glyphosat. Das BfR hatte teilweise ganze Abschnitte wortwörtlich kopiert – ohne Monsanto und Co. als Quelle anzugeben.

Für sein Gutachten verglich der Plagiatsprüfer Stefan Weber drei Kapitel des BfR-Berichts mit Passagen aus dem Zulassungsantrag der Glyphosat-Hersteller. Beauftragt wurde der Gutachter von der österreichischen Umweltschutzorganisation Global 2000.

Glyphosat-Zulassung wird neu verhandelt

Weber kam zu dem Schluss, dass der Glyphosat-Bewertungsbericht des BfR in „wesentlichen Teilen die Kriterien eines Textplagiats“ erfülle. Die Bewertung des BfR spielt im Zulassungsprozess von Glyphosat eine wichtige Rolle.

Monsanto Glyphosat
Roundup von Monsanto. Das BfR hat unter anderem von Monsanto abgeschrieben. (Foto: "DSC_0313 " von Andy Wright unter CC-BY-2.0)

Ende diesen Jahres läuft die aktuelle EU-Zulassung von Glyphosat aus. Die EU-Kommission wird dann entscheiden, ob sie die Zulassung um weitere zehn Jahre verlängert. Greenpeace zufolge haben sich bislang Frankreich, Österreich und Italien gegen eine Verlängerung ausgesprochen Deutschland hingegen hat sich noch nicht festgelegt.

Glyphosat-Verbot: Über eine Million Unterschriften

Der Widerstand gegen eine Neuzulassung ist groß: Am Freitag bestätigte die Europäische Kommission den Erhalt von mehr als einer Million zertifizierten Unterschriften für ein Verbot von Glyphosat. Ein Bündnis aus Umweltorganisationen und Netzwerken in 28 Ländern hatte seit Februar Unterschriften gesammelt –  1.072.426 Personen haben die Petition unterzeichnet.

Glyphosat Petition Protest
Protest gegen Glyphosat. (Fotos: © Campact e.V.)

In Anbetracht des nun bestätigten Plagiats des BfR fordert unter anderem der Naturschutzbund Deutschland (NABU) eine Neubewertung des Mittels im EU-Zulassungsverfahren: „Einen weiteren Freifahrtschein für Glyphosat darf es nicht geben, solange der Verdacht besteht, dass bei der Risiko-Analyse die Industrie die Richtung vorgegeben hat.“, so der Geschäftsführer des NABU.

Stellungnahme des BfR

Inzwischen hat sich das Bundesinstitut für Risikobewertung zu dem Plagiat-Gutachten geäußert. Der Behörde zufolge zeugen die Plagiatsvorwürfe von „Unkenntnis der gesetzlichen und international üblichen Verfahren“. Das BfR habe seine Bewertung von Glyphosat entsprechend der gesetzlichen Vorgaben durchgeführt.

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(5) Kommentare

  1. Das BfR hat genau das getan, was es laut Gesetz soll. Es hat alle vorliegenden Studien gelesen und bewertet. Die stammen nun einmal zum größten Teil vom Hersteller. Dadurch kommt man also nicht überraschend zu einer ähnlichen Einschätzung wie die Studien.
    Um das zu ändern, sollte man nicht das BfR kritisieren. Vielmehr müssten die zugrunde liegenden Gesetze geändert und mehr Geld für unabhängige Studien zur Verfügung gestellt werden.

  2. Sicher. Aber sie dürfen sich dort doch hoffentlich an wissenschaftlich allgemein übliche Zitierstandards halten. So gibt das einen ganz üblen Beigeschmack. Es ist natürlich richtig, daß häufig das Know How für bestimmte Technologien nur noch bei Unternehmen liegt, und durch die Drittmittelforschung an den Universitäten wird Unabhängigkeit auch nicht gerade gestärkt. Ein echtes Problem.

  3. @physiker
    >Es hat alle vorliegenden Studien gelesen und bewertet

    Ja, kritische sind untauglich

    >Dadurch kommt man also nicht überraschend zu einer ähnlichen Einschätzung wie die Studien

    Aber mit den gleichen Worten ohne Zitatanmerkungen?

  4. Ach Du liebe Güte. Unser „freundliches“ westfälisches Unternehmen BaySanto mal wieder.

    Allerdings fürchte ich, die Gesamtangelegenheit ist (wie sollte es anders sein) weit komplizierter. Nur mal als Szenario: Roundup aka Glyphosat ist schon lange aus dem Patentschutz heraus. Oder anders ausgedrückt: jeder darf es herstellen, und es ist derartig billig geworden, daß keiner mehr wirklich daran verdient. Monsanto hatte dann lange – und hat noch – die Strategie seine genetisch veränderten „Roundup Ready“ Saatgüter unter Patent zu stellen und teuer an denn Mann und die Frau zu bringen – der Verkauf von Glyphosat war dann lediglich ein Zusatzgeschäft, allerdings auch ein nicht Schlechtes, da die ausgebrachten Mengen die im Kontext der Roundup Ready Feldfrüchte benötigt wurden immer größer wurden. Nun laufen auch Patente auf Gentechnik irgendwann aus, und obendrein sind die Europäer insgesamt nie so recht begeistert gewesen von Gentechnik in der Landwirtschaft. Man verdient hier also weder wirklich an gentechnisch verändertem Saatgut noch an Glyphosat. Mithin könnte Bayer et al gar nichts Besseres passieren, als daß Glyphosat verboten würde. Dann wäre man ja (leider, leider) gezwungen mit „riesigem“ Forschungsaufwand neue Herbizide zu entwickeln, die dann – natürlich mit frischem Patentschutz – zu horrenden Preisen in den Markt gedrückt werden könnten. Das wären dann Substanzen, deren Wirkprofil und langfristige Auswirkungen auf Mensch und Natur vollkommen unbekannt und potentiell weit schlimmer wären als die von Glyphosat. Wirtschaftlich es jedenfalls ganz klar so, daß Firmen wie Monsanto nicht die Bohne eines Interesses daran haben daß ausgelaufene Patente am Markt bleiben. So gesehen kann man sich doch fragen: wer zieht wirklich die Strippen hinter der Kampagne gegen Glyphosat? Und so sehr ich diese massenhafte Agrarchemie ablehne: was kommt wenn Glyphosat von Markt verschwindet? Und wieso schießen sich so viele auf Glyphosat ein, während aus fachlicher Sicht moderne Pestizide ein um Größenordnung schlimmeres Problem darstellen?

    Fragen über Fragen. Wie gesagt – nur mal ein Szenario. Nothing is what it seems… Und das neue Herbizid wird sich vermutlich nur durch ein einziges Molekül – womöglich gar ein für die Wirkung völlig irrelevantes – vom alten Unterscheiden. Bei Medikamenten ist das gängige Praxis der Unternehmen, um durchgehende Patentierung und damit die Möglichkeit des ungehemmten Preisdiktates zu gewährleisten.

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