Glyphosat: was du über das Unkrautvernichtungsmittel Roundup wissen solltest

Glyphosat & Roundup: umstrittene Unkrautvernichtugnsmittel
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Vergangenes Jahr wurde die Zulassung von Glyphosat in der EU Jahre verlängert, gerade erst stuften EU-Behörden es als nicht krebserregend ein – doch die Debatte um die Gefahren des Pestizids endet damit nicht. Dabei geht es nicht nur um unsere Gesundheit: Roundup & Co. haben ein noch viel größeres Zerstörungspotenzial.

Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat wird seit Jahren kontrovers diskutiert: Während viele Wissenschaftler und Verbände davon überzeugt sind, dass der Stoff gefährlich ist und verboten gehört, sind staatliche und internationale Institutionen zurückhaltender. Was hinter der Debatte steckt und wie bedenklich Glyphosat wirklich ist, erfährst du hier.

Was ist Glyphosat – was ist Roundup?

Glyphosat ist ein Unkrautvernichtungsmittel (Herbizid) – und das am häufigsten eingesetzte Pestizid weltweit. Auch in Deutschland wird es laut BUND auf 40 Prozent der Ackerfläche eingesetzt.

Der Wirkstoff, der zur Gruppe der Phosphonate zählt, ist der wichtigste Bestandteil zahlreicher Herbizid-Produkte, sowohl für den Gebrauch in der Landwirtschaft als auch im privaten Bereich.

Bei Glyphosat handelt es sich um ein sogenanntes Breitbandherbizid. Es vernichtet jede Pflanze – es sei denn, sie wurde gentechnisch so verändert, dass sie gegen das Herbizid resistent ist. Der Wirkstoff wird von den Pflanzen über die Blätter aufgenommen, gelangt dann in alle Bestandteile der Pflanze und blockiert einen essentiellen Stoffwechselprozess; die Pflanze stirbt.

Glyphosat lässt sich weder abwaschen, noch wird es anderweitig in nennenswertem Umfang abgebaut. Es reichert sich im Boden an und kann durch Verwehungen oder Auswaschungen auch in Gewässer gelangen. Laut BUND halten sich Rückstände in Futtermitteln und Lebensmitteln bis zu einem Jahr (PDF).

Der US-amerikanische Saatgut- und Herbizid-Konzern Monsanto ließ sich Glyphosat als Pflanzenvernichtungsmittel Anfang der 1970er Jahre patentieren. 1974 kam das Ackergift unter dem Namen „Roundup“ auf den Markt.

Zunächst kam es zur Behandlung der Felder vor der Aussaat zum Einsatz – in Deutschland ist das noch immer so. In den 1990er Jahren wurden gentechnisch veränderte Pflanzen zugelassen, die gegen das Herbizid resistent sind („Roundup Ready Crops“) – und Monsanto verkauft seitdem beides: Roundup und Roundup-resistentes Saatgut.

Was ist das Problem mit Glyphosat?

Der Unkrautvernichter steht seit längerem in der Kritik, denn er birgt gleich mehrere Probleme und Risiken – für die Umwelt, die Tierwelt und für den Menschen.

Glyphosat schadet der Artenvielfalt

Glyphosathaltige Herbizide wie Monsantos Roundup töten ausnahmslos alle Pflanzen, mit denen sie in Berührung kommen. So verschwinden nicht nur im Ackerbau unerwünschte Beikräuter, sondern auch wertvolle Wildpflanzen. Weniger Wildpflanzen aber bedeuten auch weniger Lebensraum und Nahrung für Insekten. Weniger Insekten wiederum bedeuten weniger Nahrung für Vögel. So führt der Einsatz von Glyphosat mittelfristig dazu, dass die biologische Vielfalt schwindet.

Glyphosat bedroht die biologische Vielfalt
Glyphosat wird auch für Tiere zur Gefahr. (Foto: makamuki0 - pixabay)

Resistente Unkräuter

Je mehr glyphosathaltige Pestizide eingesetzt werden, desto größer ist das Risiko, dass die „Unkräuter“, die damit eigentlich vernichtet werden sollen, resistent gegen den Wirkstoff werden. Im Extremfall könnte Glyphosat also irgendwann gar nicht mehr wirken – und die Bauern müssten entweder auf andere, nicht weniger gefährliche Pestizide ausweichen oder die Beikräuter doch wieder mit traditionellen Verfahren behandeln. Durch die Kombination verschiedener Pestizide können „Superunkräuter“ entstehen, die gegen verschiedene Herbizide resistent sind.

Pestizide breiten sich aus

Auch wenn Glyphosat nur auf einem bestimmten Feld ausgebracht wird, lässt sich kaum vermeiden, dass Spuren auch auf benachbarte Äcker gelangen. Je nach Spritzmethode und Wind können so angrenzende Felder massiv belastet werden.

Roundup macht Monsanto reich und Bauern abhängig

Das vielleicht größte Problem, das Glyphosat mit sich bringt, ist die Konzentration von Macht in den Händen weniger Konzerne – allen voran Monsanto. Da Monsanto nicht nur Roundup verkauft, sondern auch das Saatgut für Pflanzen, die dagegen resistent sind („Roundup Ready Crops“), verdient der Konzern gleich doppelt. Gleichzeitig macht Monsanto mit dieser Strategie Bauern auf der ganzen Welt von sich und seinen Patenten abhängig.

Roundup: die Glyphosat-Wunderwaffe von Monsanto

Roundup, der Glyphosat-basierte Bestseller das Saatgut-Konzerns Monsanto, ist das weltweit meistverkaufte Unkrautvernichtungsmittel. Es wird in großem Stil in der Landwirtschaft angewendet (zum Beispiel beim Anbau von Raps, Mais, vielen verschiedenen Getreidesorten, Soja und Baumwolle), aber auch in Grünanlagen (zum Beispiel von Städten und Kommunen) – und selbst Hobbygärtner versprühen noch immer Roundup in ihren Gärten und Einfahrten.

Parallel zur „klassischen“ Unkrautbekämpfung mittels Roundup macht Monsanto vor allem gute Geschäfte mit dem Verkauf von gentechnisch verändertem Saatgut in Kombination mit Roundup. Die sogenannten „Roundup Ready Crops“ sind resistent gegen Glyphosat. Damit ist die Anwendung von Roundup auch während der Wachstumsperiode der Pflanzen möglich – alles außer den extra gezüchteten Pflanzen wird vernichtet. Das befördert Monokulturen und gefährdet die Artenvielfalt in besonderem Maße.

Monsanto macht so mit Roundup gleich doppelt Profit: mit dem Herbizid als solches und mit dem Roundup-resistenten Saatgut. Das treibt Bauern auf der ganzen Welt in die Abhängigkeit: Wenn sie Roundup verwenden oder einmal damit begonnen haben, Roundup Ready Crops zu anzubauen, sind sie quasi gezwungen, das genveränderte weiterhin Saatgut von Monsanto zu kaufen. Das Saatgut müssen sie jedes Jahr neu kaufen, denn die Pflanzen produzieren keine keimfähigen Samen. Aufgrund von versehentlichen Resistenzen von Unkräutern müssen sie die Herbizidmengen erhöhen, während ihre Erträge sinken – gerade in Entwicklungsländern führt das oft zur Verschuldung der Bauern.

Der sehr sehenswerte Dokumentarfilm „Monsanto, mit Gift und Genen“ (2007) beschäftigt sich mit den zweifelhaften Machenschaften von Monsanto – auch in Bezug auf Roundup.

Monsanto selbst behauptet bis heute, dass Roundup und Glyphosat für den Menschen und die Umwelt  unbedenklich seien:

„Comprehensive toxicological studies […] demonstrated that glyphosate poses no unreasonable risk to people, the environment, or pets when used as directed on the label.“

(„Umfassende toxikologische Studien haben […] gezeigt, dass Glyphosat kein unangemessenes Risiko für Menschen, die Umwelt oder Haustiere birgt, wenn es gemäß der Anweisungen auf dem Etikett verwendet wird.“)

Glyphosat und unsere Gesundheit

Gelangt Glyphosat in den menschlichen Körper?

Ja. Verschiedene Studien konnten bereits Rückstände des Herbizids im menschlichen Körper feststellen – und zwar sowohl bei Menschen, die dem Stoff beruflich ausgesetzt sind als auch bei eigentlich „Unbeteiligten“.

Laut BUND lassen sich bei rund 70 Prozent der Deutschen Rückstände von Glyphosat im Urin nachweisen. Bei einer Stichproben-Untersuchung 2013 war etwa die Hälfte der städtischen Bevölkerung aus insgesamt 18 EU-Staaten damit belastet. (PDF)

Eine weitere Untersuchung der Heinrich Böll Stiftung fand sogar bei rund 75 Prozent der Probanden eine Glyphosat-Belastung von mindestens 0,5 Nanogramm pro Milliliter im Urin (Grenzwert für Trinkwasser: 0,1 ng/ml). Insgesamt konnte die Studie bei 99,6 Prozent, d.h. so gut wie allen untersuchten Personen, Rückstände nachweisen. Untersucht wurden dabei über 2000 Deutsche aus allen Teilen des Landes.

In einer Langzeitstudie konnte das Umweltbundesamt (UBA) nachweisen, dass die Belastung mit Glyphosat in den vergangenen 15 Jahren deutlich gestiegen ist.

Auch in verschiedenen Produkten, mit denen wir regelmäßig in Berührung kommen, werden immer wieder Rückstände von Glyphosat gefunden:  Zum Beispiel in Brot und Brötchen, in Bier und in Damenhygieneprodukten.

Glyphosat Bier
Auch im Bier wurde Glyphosat schon nachgewiesen (Foto: boing / photocase.de)

Ist Glyphosat krebserregend?

Das Unkrautvernichtungsmittel steht im Verdacht, das Hormonsystem zu beeinflussen und so möglicherweise die Fortpflanzungsfähigkeit zu beeinträchtigen. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass Glyphosat bzw. glyphosathaltige Pestizide ungeborene Kinder schädigen und zu Missbildungen führen können.

Glyphosat steht darüber hinaus seit Jahren unter dem Verdacht, Krebs auslösen zu können. In Laborversuchen wirkte der Stoff genotoxisch, d.h. er hemmt Funktionen der Zellen und begünstigt Mutationen. In Gegenden mit hohem Glyphosateinsatz wurden zudem besonders hohe Krebsraten beobachtet.

Epidemiologische Studien aus Kanada, den USA und Schweden weisen darauf hin, dass Menschen, die Glyphosat ausgesetzt sind, ein höheres Risiko haben, an Lymphdrüsenkrebs (Non-Hodgkin-Lymphomen) zu erkranken.

Auch in Tierversuchen mit Mäusen und Ratten zeigte sich ein Anstieg an bösartigen Tumoren nach dem Kontakt mit dem Wirkstoff.

Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat das Pestizid im März 2015 offiziell als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft. Damit steht Glyphosat auf der zweithöchsten Gefahrenstufe (2A).  Auch Schädigungen des Erbguts sind laut IARC nicht auszuschließen.

Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) dagegen bewerten Glyphosat nicht als gesundheitsgefährdend bzw. krebeserregend. Die Grundlagen dieser Einschätzungen sind allerdings mindestens zweifelhaft: Im Juli 2015 stellte sich heraus, dass das BfR seine „wissenschaftliche“ Einschätzung teils auf Leserbriefe stützte, die von Monsanto-Mitarbeitern stammten. Auch die ECHA führte keine eigene Forschung durch – und im März 2017 wurde bekannt, dass Monsanto teils gezielt Einfluss auf Studien nimmt.

Wird Glyphosat verboten?

In der EU lief die aktuelle Zulassung von Glyphosat als Bestandteil von Unkrautvernichtungsmitteln Ende Juni 2016 aus. Nach vielen Debatten und Protesten kam bei der Abstimmung der EU-Staaten über eine Neuzulassung zunächst die erforderliche Mehrheit nicht zustande. Letztlich einigte man sich auf eine Frist von 18 Monaten, in denen das Herbizid in der EU weiter verwendet werden darf.

In dieser Zeit sollte die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) ein Gutachten erstellen, um die Frage zu klären, ob Glyphosat krebserregend ist oder nicht. Dieses Gutachten soll mit als Grundlage für die Entscheidung über die weitere Zulassung dienen. Das Urteil der ECHA fiel im März 2017: Sie stuft Glyphosat als „nicht krebserregend“ ein. Das Urteil birgt einige Brisanz – denn fast zeitgleich wurde bekannt, dass Monsanto ein Verbot aktiv zu verhindern versucht.

Mehr dazu: Glyphosat: Nimmt Monsanto gezielt Einfluss auf Studien?

Was genau das Gutachten der ECHA nun wirklich für die Zulassung des Pestizids bedeutet, ist noch völlig unklar. Klar ist aber: Es werden zukünftig strengere Regeln gelten. Die Mehrheit der EU-Staaten stimmte im Juli 2016 dafür, die Auflagen für den Gebrauch von Glyphosat zu verschärfen. Nun müssen die EU-Staaten den Einsatz von glyphosathaltigen Mitteln – einschließlich Monsantos Roundup –beispielsweise in öffentlichen Parks und auf Kinderspielplätzen so weit wie möglich einschränken. Bestimmte Beistoffe (POE-Tallowamine), die in glyphosathaltigen Produkten enthalten sind um die Wirksamkeit zu verstärken, werden verboten.

In einigen EU-Staaten gibt es bereits Teilverbote und Einschränkungen. In Frankreich beispielsweise dürfen Roundup-Produkte nicht mehr in Gartencentern verkauft werden. In den Niederlanden ist es Privatpersonen verboten, Roundup zu verwenden. Und in der Schweiz gelten Anwendungsverbote für bestimmte Orte (zum Beispiel rund um oberirdische Gewässer, an Waldrändern, auf Terrassen und Dächern und an Böschungen).

Eine Reihe von Baumärkten in Deutschland verzichtet bereits auf den Verkauf von glyphosathaltigen Pestiziden, darunter die Baumarktketten Toom und  Obi.

Was kann ich tun, damit Glyphosat verschwindet?

  • Bleib auf dem Laufenden: Voraussichtlich steht in 18 Monaten die Neuzulassung von Glyphosat in der EU an. Umweltschutzverbände und Kampagnenorganisationen protestieren regelmäßig gegen den Einsatz von gefährlichen Pestiziden. Mach mit – je mehr Menschen sich den Petitionen und Protesten anschließen, desto mehr Aufmerksamkeit bekommt das Thema und desto wahrscheinlicher wird ein Verbot.
  • Kauf Bio: Bio-Ware darf nicht mit synthetischen Pestiziden behandelt werden, also auch nicht mit Glyphosat. Je mehr Bio-Lebensmittel wir kaufen, desto lauter das Signal an die Landwirtschaft, dass wir gesunde, unbehandelte Produkte aus nachhaltigem Anbau wollen!
  • Lass die Finger von Roundup & Co.: In deinem eigenen Garten solltest du auf keinen Fall Roundup oder sonstige glyphosathaltigen Produkte einsetzen. Unkrautbekämpfung geht auch gut ohne giftige Pestizide.

Tipps: Unkraut bekämpfen ohne Roundup

Ohne Roundup
Unkraut jäten – ohne Roundup! (Foto: © Peter Atkins - Fotolia.com)
  • Unkraut erkennen: Nicht alles, was rund um deine Blumen- oder Gemüsebeete wächst, ist Unkraut. Informiere dich über die einzelnen Pflanzen, bevor du einfach alles vernichtest.
  • Unkraut jäten: Die effektivste und umweltschonendste Methode ist immer noch, unerwünschte Pflanzen von Hand zu entfernen.
  • Mulchen: Mulch aus Holzschnipseln verhindert, dass Unkraut im Beet austreiben kann.
  • Hausmittel verwenden: bestimmte Pflanzenjauchen oder sogar Essig helfen unter Umständen genauso gut gegen Schädlinge wie Roundup.
  • Mehr Tipps findest du z.B. beim BUND

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