Schwere Anschuldigung gegen H&M-Zulieferer: Systematische Gewalt gegen Frauen

Faire Löhne: Hält H&M seine Versprechen?
Foto: "H&M HandM Store" von Mike Mozart unter CC-BY-2.0

Ein Großteil der H&M-Kleidung wird in Asien produziert – oft unter schlimmen Arbeitsbedingungen für die Näher. Wie ein aktueller Bericht zeigt, sind die Zustände vor allem für Frauen furchtbar: Der Bericht spricht von sexuellen Übergriffen, Gewalt und Erpressungen.

Wenn Kleidung so billig ist wie bei H&M und ähnlichen Marken, leiden darunter vor allem die Arbeiter in den Produktionsländern – das ist schon lange bekannt. Wie schlimm es teilweise in den Fabriken und Werken zugeht, zeigt nun ein aktueller Bericht, veröffentlicht von „Global Labour Justice“ – eine Vereinigung von Gewerkschaften und NGOs.

Der Bericht basiert auf Ermittlungen in neun Textilfabriken in Asien, die im Zeitraum von Januar bis Mai 2018 stattfanden. Mit dabei waren Werke in Bangladesch, Kambodscha, Indonesien, Indien und Sri Lanka, sie beliefern neben H&M auch die Bekleidungsmarke GAP.

Die Ergebnisse der Untersuchung sind erschreckend: Mehr als 540 Arbeiter berichteten von Misshandlungen und Drohungen.

Stimmen aus verschiedenen H&M-Zulieferwerken

„Mein Vorgesetzter kam von hinten auf mich zu, als ich an der Nähmaschine arbeitete. Er schrie: ‚Du erfüllst dein Produktionsziel nicht.‘ Er zog mich aus dem Stuhl und ich fiel auf den Boden. Er schlug mich, auch auf meine Brüste. Er zog mich hoch und stieß mich wieder auf den Boden. Dann trat er mich“, sagte beispielsweise Radhika, die in einem H&M-Zuliefer-Werk in Indien arbeitet.

Das größte Problem: Die Frauen können sich kaum gegen die Angriffe wehren – sonst verlieren sie „Privilegien“ wie etwa Pausen oder Urlaub. Auch ihr Job steht auf dem Spiel: „Wenn eine Frau nicht die sexuellen Wünsche ihres Vorgesetzten erfüllt, bekommt sie womöglich mehr Überstunden. Vielleicht darf sie auch keine Pause machen. Der Vorgesetzte wird anfangen, in allem was sie tut einen Fehler zu finden. Sie wird keinen Urlaub nehmen dürfen“, erzählen andere Frauen.

Belästigungen sind der Alltag

In dem Bericht kommen seitenweise Frauen zu Wort, die von Gewalt, Beschimpfungen, Drohungen und sexuellen Übergriffen berichten. Die Täter sind Mechaniker, die die Nähmaschinen reparieren, Dienstvorgesetzte, Aufsichtspersonen oder andere männliche Arbeiter in der Fabrik. Für manche Frauen sind die Belästigungen sogar zur Routine geworden.

Einige Arbeiterinnen haben die Angriffe und Belästigungen gemeldet – Radhika etwa hatte eine schriftliche Beschwerde in der Personalabteilung eingereicht. Viel gebracht hat das jedoch nicht: Ihr Vorgesetzter, der sie geschlagen und getreten hatte, musste sich lediglich bei ihr entschuldigen.

Das sagt H&M

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H&M nimmt den Bericht ernst. (Foto: "H&M HandM Clothing Store" von Mike Mozart unter CC-BY-SA 2.0)

Der schwedische Modekonzern H&M hat sich bereits zu den Vorwürfen gegen seine Zulieferer geäußert: „Alle Arten von Misshandlung oder Belästigung sind gegen alles, wofür die H&M-Gruppe steht“, heißt es in einer E-Mail von H&M an den britischen Guardian. „Gewalt gegen Frauen ist eine der am meisten verbreiteten Menschenrechtsverletzungen […] Wir werden durch jeden Abschnitt des Berichts gehen und auf Fabrik-Ebene Nachuntersuchungen mit unseren Teams in den jeweiligen Produktionsländern vor Ort durchführen.“

H&M ist in der Verantwortung

Auch wenn H&M die Gewalt in den Zulieferer-Fabriken mit deutlichen Worten verurteilt – die Verantwortung komplett von sich schieben kann die Kette nicht. Denn es sind auch die Anforderungen der Fast-Fashion- und Billigmode-Industrie, die solche Zustände fördern. „Wir müssen verstehen, dass die geschlechtsspezifische Gewalt ein Ergebnis der globalen Supply-Chain-Struktur ist. Das Lieferketten-Modell von Unternehmen wie H&M und GAP erzeugt unzumutbare Produktionsziele und schwache Verträge. Das führt dazu, dass Frauen unbezahlte Überstunden machen und sehr schnell unter extremem Druck arbeiten“, sagt auch Jennifer Rosenbaum von Global Labour Justice laut dem Guardian.

Der aktuelle Bericht von Global Labour Justice zeigt erneut, warum man Abstand von Billigmode und Fast Fashion nehmen sollte. Zum Glück gibt es jede Menge nachhaltige und faire Labels. Sie garantieren faire Bezahlung und menschenwürdige Arbeitsbedingungen – außerdem ist ihre Mode auch für die Umwelt besser. Hier findest du empfehlenswerte Anbieter: Fair Fashion: die wichtigsten Marken, die besten Shops 

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