Slow Fashion – ein Konzept für bessere Mode

Slow Fashion, Faire Mode kaufen, leihen, tauschen
Foto: © jUliE:p / photocase.de

Kleidung tauschen, leihen, fair oder Second Hand kaufen ­– Slow Fashion ist die Gegenbewegung zu Fast Fashion und steht für einen bewussteren Umgang mit Mode. In diesem Artikel erfährst du alles über Slow Fashion und wie du deinen Kleiderschrank nachhaltiger gestaltest.

Bis zu 12 Kollektionen im Jahr, Billig-Preise – und Menschen, die dafür unter katastrophalen Arbeits- und Produktionsbedingungen schuften. Dass Fast Fashion nicht nachhaltig sein kann, ist den meisten spätestens seit dem Einsturz des Fabrikgebäudes Rana Plaza im Jahr 2013 klar. Mehr als 1.000 Näherinnen sind damals in Bangladesch ums Leben gekommen.

Trotzdem fällt es vielen schwer von konventioneller Mode loszukommen – weil sie keine Alternativen finden, kein Geld für faire Mode haben oder nicht auf das riesige Angebot verzichten wollen.

Slow Fashion – Mode verlangsamen

Die Slow Fashion Bewegung will Mode „entschleunigen“. Das heißt einerseits: die Produktion verlangsamen, um so die Arbeitsbedingungen der Näherinnen zu verbessern, Transparenz im Produktionsprozess zu ermöglichen und schließlich nachhaltigeres Konsumverhalten zu ermöglichen.

Andererseits will Slow Fashion einen Bewusstseinswandel im Umgang mit Mode bei uns Verbrauchern herbeiführen. Statt ständig neue und oft billige Klamotten zu kaufen sollten wir demnach lernen, Qualität wertzuschätzen und Verantwortung gegenüber Mensch und Umwelt zu übernehmen indem wir unser Konsumverhalten ändern.

Slow Fashion – so konsumierst du faire Mode

Es gibt viele Wege, Mode auf faire und nachhaltige Weise zu beziehen. Die Ausrede, faire Mode sei schwer zugänglich, zu teuer oder nicht hip genug, zieht heute nicht mehr. Inzwischen gibt es nachhaltige Mode-Labels wie Sand in der Wüste. Und die sind alles andere als langweilig.

Faire Mode von Armedangels, Hessnatur, Veja & Co.

Eintönig, fade und farblos – das ist Öko-Mode heute zum Glück nicht mehr. Die Designs fairer Label kann man kaum mehr von denen konventioneller Modeketten unterscheiden; die Unterschiede sind andere: die Qualität der Kleidung und die Bedingungen, unter denen sie hergestellt wird.

„Grüne“ Modemarken wie zum Beispiel** Armedangels, Hessnatur, Veja und viele, viele weitere zeigen, wie man trendige Designs und Nachhaltigkeit zusammenbringt. Lass dich in unserer Bestenliste für nachhaltige Modemarken und nachhaltige Schuhe inspirieren.

Klar, faire Mode ist teurer als H&M, Zara und Co. Wer jedoch Wert darauf legt, dass die Klamotten nicht mit Schadstoffen belastet sind, umwelt- und tierfreundlich hergestellt werden und dass niemand dafür ausgebeutet wird, ist hier richtig. Und: Weil nachhaltige Kleidung meist schonender produziert wird, hält sie häufig länger – der Preis relativiert sich. Zudem ist faire Mode meist im selben Preissegment zu finden wie viele beliebte Marken – beispielsweise Levi’s, Adidas oder Superdry – für die Konsumenten bereitwillig einiges an Geld ausgeben.

Noch nachhaltiger als neue faire Mode zu kaufen, ist es, Mode Second Hand zu kaufen, Kleider zu tauschen oder zu leihen. Das Angebot ist da, die Nachfrage kommt.

Langsam konsumieren: Second Hand, Kleiderkreisel und Kleidertausch

Wäre das Fast Fashion Problem gelöst, wenn plötzlich alle auf Faire Mode umsteigen würden? Nicht, wenn wir in dem Tempo weiter konsumieren wie bisher. Denn das Angebot deckt die hohe Nachfrage nicht.

Das ist auch gar nicht Sinn der Sache. Denn: Eine hohe Nachfrage kann eigentlich nur zu Massenproduktion führen. Die wiederum ist nur möglich, wenn man Näherinnen niedrige Löhne zahlt, sie bis zu 20 Stunden am Tag arbeiten lässt und Klamotten aus minderwertigem Material herstellt: aus konventioneller Baumwolle, konventionellem Leder oder Synthetikfaser.

Die Lösung für dieses Problem ist leicht, sie lautet: weniger konsumieren. Ja, einerseits. Man kann aber auch einfach das nutzen, was schon da ist und es gebraucht kaufen, leihen, teilen.

1. Second Hand
Second Hand Kleidung hat sich in der Modeszene etabliert. Modeverrückte sind ständig auf der Suche nach Unikaten, Vintage-Teilen und günstigen Markenklamotten.

Slow Fashion: Second Hand gebraucht kaufen
In Second Hand Shops oder auf dem Flohmarkt findest du meist tolle Vintage-Kleidung. (Foto: © CCO / Pixabay)

Second-Hand-Shops gibt es in Großstädten zu Hauf, dank Internet ist gebrauchte Kleidung aber auch unabhängig von Ladenöffnungszeiten und in ländlichen Regionen zu haben. Auf Plattformen wie Kleiderkreisel, Kleiderkorb, Klamottenbox und Co. kann man gebrauchte Klamotten einstellen, weiterverkaufen und Second-Hand-Ware einkaufen.

2. Kleider leihen
Wer seinen Schrank und den Geldbeutel nicht überlasten will, kann Kleider leihen statt kaufen. Onlineportale wie die Kleiderei oder Kilenda machen es möglich. Wer die Klamotten länger tragen möchte, kann sie manchmal auch leasen, wie zum Beispiel die Jeans der Marke Mud Jeans – Laufzeit ein Jahr, null Prozent effektiver Jahreszins.

3. Kleider tauschen
Eine weitere Alternative zum massenhaften Klamottenkonsum ist das Kleidertauschen. Wer eine abwechslungsreiche Garderobe bevorzugt, für den sind Kleidertauschpartys genau das Richtige.

Zu Kleidertauschpartys bringt jeder seine ausrangierten Schätze mit und tauscht sie gegen die Anderer. Tauschen kann man im kleinen Kreis mit ein paar Freunden und Bekannten. Öffentliche Partys bieten aber natürlich eine größere Auswahl – einfach mal nach Tauschpartys in deiner Nähe googeln (am besten via Ecosia).

Gar nicht konsumieren, stattdessen: reparieren und umstylen

In unseren Kleiderschränken befindet sich meist mehr, als wir überhaupt tragen können. Am sinnvollsten ist es daher, zunächst einmal die Klamotten wertzuschätzen die wir bereits besitzen.

Ein Konzept, um den Kleiderschrank klein zu halten und nur das neu zu kaufen was man wirklich braucht, ist die „Capsule Wardrobe“. Das Prinzip: nur wenige, dafür vielseitige und Lieblings-Teile im Kleiderschrank haben, die gut kombinierbar und zeitlos sind.

Alle drei Monate, also saisonal, wird die Capsule Wardrobe neu arrangiert – nur wenn wirklich etwas fehlt, wird es dazu gekauft. Klamotten anderer Saisons werden gelagert und zur richtigen Zeit wieder in die Garderobe integriert – frisch kombiniert und neu entdeckt.

Capsule Wardrobe Slow Fashion
So minimalistisch und gleichzeitig vielseitig kann deine Capsule Wardrobe auf Reisen aussehen. (Foto: © Geneva Vanderzeil)

Wenn dir deine Klamotten nicht mehr gefallen, werde kreativ und näh sie um. Aus Shirt und Rock ein Kleid zu schneidern, schafft auch ein Nähanfänger. Aus langweiligen T-Shirts kannst du stylische Tops kreieren: Ärmel ab und Fransen in den Saum. Inspiration findest du auf diesen Modeblogs zu kreativer DIY-Fashion.

Auch Risse oder abgefallene Knöpfe sind kein Grund, Kleider wegzuwerfen: Solche kleinen Mängel kann man einfach reparieren. Falls ein Riss für dich selbst zu kompliziert ist, suche dir Hilfe (zum Beispiel in Repair Cafés) oder bring die Sachen zum Änderungsschneider.

Slow Fashion: nähen und reparieren statt wegwerfen
schneidern, reparieren, umstylen: Mit einer Nähmaschine kannst du selbst Hand anlegen. Falls du keine hast, bring kaputte Sachen zum Schneider oder besuche ein Repair-Café. (Foto: © pixabay)

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