Hört auf Lachs zu essen: Hannes Jaenickes eindringlicher Appell an uns alle

Foto: © ZDF/ Andre Becker

Am Dienstagabend läuft im ZDF eine neue Folge der Dokumentationsreihe „Hannes Jaenicke im Einsatz für …“. Dieses Mal geht es um Lachs. Er ist einer der begehrtesten Speisefische – seine Beliebtheit verursacht jedoch schwere ökologische Probleme.

Kann man Lachs noch guten Gewissens essen? Eigentlich nicht – sagt der Schauspieler und Umweltaktivist Hannes Jaenicke. Für seine ZDF-Doku hat er sich genauer angesehen, was mit den Fischen alles passiert, bevor sie auf unserem Teller landen. Seine Sendung ist ernüchternd.

Ein Virus aus der Fischzucht

Eines der größten Probleme: Es gibt immer weniger wilde Lachse. Das liegt zum einen an der Überfischung der Tiere. Die wilden Pazifischen Lachse aus dem Pazifikraum werden aber auch von einem Virus bedroht – das seinen Ursprung in Zuchtfarmen hat. Das Virus verursacht Blutarmut und Leberschäden bei den Fischen.

Die wilden Lachse stecken sich auf der Reise zu ihren Laichplätzen mit dem Virus an. Sie durchqueren auf dem Weg Gebiete, in denen Lachs-Farmen stehen. Die Farmen platzieren ihre Fische in Netzgehegen im Meer, über das Meerwasser kommen die wilden Lachse in Kontakt mit dem Virus.

Klassische Sushi mit Lachs
Lachs ist unter anderem bei Sushi beliebt. (Foto: CC0 / Pixabay / DesignNPrint)

Hannes Jaenicke: „Die größte Lüge der Fischfarmindustrie“

Eigentlich sollen Fischzucht-Betriebe die Bestände wilder Fische schützen. Wenn die Menschheit genug Fisch züchtet, muss sie ihn nicht mehr aus dem Meer fischen – so zumindest die Theorie. Hannes Jaenicke nennt dieses Argument jedoch die „größte Lüge der Fischfarmindustrie“.

„Solange diese Lachsfarmen im Meer und in den Fjorden stehen, zerstören die alles, was im freien Ozean passiert.“ Neben Viren geben die Farmen auch Parasiten, andere Krankheiten, Futter- und Kotreste in die Gewässer – und beschädigen damit Ökosysteme.

„Der Mensch ist das dümmste aller Tiere“

Dass der Bestand an wilden Lachsen immer weiter abnimmt, hat dramatische Auswirkungen. Dem ZDF zufolge ist der Fisch eine wichtige Proteinquelle für mehr als 100 Tierarten, darunter Grizzlybären und Schwertwale. Lachse, die nicht von Tieren gefressen werden sondern verwesen, liefern außerdem Nährstoffe für Wälder.

All diese Kreisläufe der Natur stört der Mensch mit seinem großen Hunger nach Lachs. Jaenickes dominantester Gedanke während des Drehs zur Doku war deshalb: „Der Mensch ist das dümmste aller Tiere“ – sagte der Schauspieler in einem Interview. „Weil kein anderes Lebewesen sein Habitat derart vernichten würde, wie wir das tun.“

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(5) Kommentare

  1. Schrecklich, was da im Verborgenen in den „Lachs-Pharmen“ geschiet und macht auch die Notwendigkeit geschlossener Kreisläufe deutlich.

    Gut, dass wenigstens einige Prominente ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nach kommen und sich für eine bessere Welt einsetzen, statt die Gesellschaft nur mit seichter Unterhaltung zu verdummen!
    🙂

  2. Na ja, ich hab den Beitrag auch gesehen, aber da ist vieles auch nur sehr oberflächlich und ohne Sachverstand in Teilaspekten dargestellt worden.

    Wenn das Fazit von Jaenecke ist: „..hört auf, Lachs zu essen..“, dann hat er selber das Problem in seiner Gesamtheit wohl nicht verstanden.

    Naiv, wer glaubt, dass wir künftig ohne Aquakultur auskommen werden. Mann kann sich natürlich einen Aluhut aufsetzen und sich die Augen zuhalten, aber die Lösung der Probleme liegt nicht darin, dass wir keinen Fisch mehr essen(wenn wir ihn nicht essen, isst ihn halt ein Chinese..), sondern dass politisch erzwungen wird, mit einem Teil der Gewinne der Lachsindustrie nachhaltige und ökologische Anlagen zu schaffen, die die meisten der bisherigen Probleme abstellen.

    Ein Beispiel können die landgestützten Lachsfarmen im Kreislaufsystem sein, mit Kläranlagen und Abfall-Biogas-Nutzung. Damit gibt es kein Lachs-Laus Problem mehr und auch keine Gewässerverschmutzung. Regional erzeugtes Futter in einer anderen Zusammensetzung (z.B. auf Algenbasis statt Soja und mit einem geringeren Fischmehlanteil) ließe sich ebenfalls umsetzen.

    Schon heute werden entlang der gesamten Küste gigantische neue Meeresalgen-Aquakulturen geplant, um Seaweed für unsere Nahrung zu nutzen oder um daraus wichtige Nährstoffe zu extrahieren.

    Das Problem für die Wildlachse ist sehr vielschichtig, die negativen Folgen der Lachszucht sind nur ein Teilaspekt. Ich kenne mich da ein wenig aus (Beruflicher Hintergrund).

    Flüsse werden in Norwegen zur Wasserkraftnutzung ausgebaut (wird ja insbesondere hier als grüne Energie hochgelobt), begradigt und denaturiert. Natürliche Strukturen werden weniger. An den Flussmündungen gibt es viel Wildfischerei durch Einheimische. Der Fischparasit Gyrodactylus hat ganze Wildlachsbestände in vielen Flüssen nahezu ausgerottet, das Klimaproblem nimmt zu, es gibt zu wenig Niederschläge und folglich wenig Wasser in den Laichflüssen, damit weniger Aufsteiger und weniger Reproduktion.

    Ist leider immer das Problem, wenn sich teils Ahnungslose mit solchen Sachthemen befassen und dann ein sehr einseitges Ergebnis präsentieren, das dann von vielen, denen es gerade gut in den Kram passt, auch noch entsprechend hochgepuscht wird.

    Trotzdem gut, wenn solche Berichte grundsätzlich auf die Probleme aufmerksam machen. Etwas mehr Kompetenz wäre jedoch wünschenswert.

  3. @waldtroll: sehr differenziertes Statement! Kein stumpfes Draufhauen, kein sinnfreies Geplapper, um geplappert zu haben, sondern ausnahmslos fundierte Argumente, die das gesagte jeweils untermauern! Bravo und danke. Ich würde am Liebsten nur noch solche Statements lesen!

  4. Das sehe ich auch so. Allerdings wurden die landgestützten Lachsfarmen im Kreislaufsystem auch in der Doku erwähnt. Aber stimmt, es wurde zu wenig darauf eingegangen.
    Leider kommen wichtige Alternativen bei solchen Diskussionen meistens viel zu kurz. Mit erhobenem Zeigefinger auf Missstände zu deuten ist immer einfach. Auswege aus der Misere aufzuzeigen erfordert dagegen etwas mehr Einsatz und Durchblick.
    Es sollte einfach mehr fachbereichsübergreifend gearbeitet werden.

  5. Es ist noch gar nicht so lange her, da war Lachs eine Delikatesse, welche es mal zu Weihnachten, oder auch nicht, gab. Heute ist er zu einem Allerweltsfisch verkommenen, der allenfalls nach nichts schmeckt. Kleiner Tipp am Rande: Wenn ein rares, bislang teures Nahrungsmittel plötzlich billig und massenhaft auftaucht, sollte man stutzig werden.