Mode aus Abfall: Wie nachhaltig ist die neue H&M-Kollektion wirklich?

Conscious Exclusive Collection 2018 von H&M
Foto: © H&M

Alle Jahre wieder bringt H&M eine neue „Conscious Exclusive Kollektion“ heraus, die aus nachhaltigen Materialien besteht. Ist das nun ein Schritt in die richtige Richtung oder ziemlich ästhetisches Greenwashing?

Bereits zum siebten Mal bringt der Modekonzern H&M eine Conscious Exclusive Kollektion heraus. Mit diesen jährlich erscheinenden, limitierten und etwas hochpreisigeren Kollektionen will H&M zeigen, wie man den Lebenszyklus von Kleidungsstücken verlängern, sie später wiederverwenden oder recyceln kann. Kaufen kann man die Kollektion ab 19. April nur in ausgewählten Filialen weltweit und online.

Während Modemagazine wie Vogue, Elle oder Fashion Network der Kollektion begeisterte Überschriften widmen, sind wir da etwas kritischer. H&M zeigte sich in den vergangenen Jahren zwar bemüht, nachhaltiger zu werden, negative Schlagzeilen rütteln aber an der Glaubwürdigkeit solcher Bemühungen. So zeigte eine Dokumentation im vergangenen Jahr, dass H&M tonnenweise neue Kleidung verbrannt hat und eine Studie warf der Modekette Kinderarbeit im Niedriglohnland Burma vor.

Bio-Seide, recycelte Fischernetze und Fasern aus Holz

Dieses Jahr liegt die Aufmerksamkeit der Conscious Exclusive Kollektion auf nachhaltigen Materialien wie beispielsweise Econyl. Das ist ein Stoff, der zu 100 Prozent aus den recycelten Fasern von alten Fischernetzen und anderen Nylonabfällen besteht und auch von Fair-Fashion-Labels wie bleed oder Lanius verwendet wird.

Conscious Exclusive Collection 2018 von H&M
Die Conscious Exclusive Kollektion 2018 von H&M. (Foto: H&M)

Daneben kommen weitere recycelte Materialien zum Einsatz, wie Polyester und Silber. Sie haben immerhin den Vorteil, dass ihre Herstellung deutlich ressourcenschonender ist, als neu zu produzieren.

Die Kollektion enthält nach Angaben von H&M außerdem Kleidungsstücke aus der Holzfaser Tencel, aus Bio-Seide, Bio-Leinen und Bio-Baumwolle. So weit, so nachhaltig.

Conscious Exclusive Kollektion: nachhaltig ist nicht gleich fair

Recyceltes Plastik wie Polyester ist aber immer noch eine synthetische Faser, basiert auf Erdöl und gibt bei jeder Wäsche winzige Mikroplastik-Fasern ans Abwasser ab, die so auch in offene Gewässer gelangen. Und dort bleiben diese Fasern dann auch, weil sie genau wie Plastik nicht biologisch abbaubar sind. Mehr dazu: So macht unsere Kleidung die Meere kaputt.

Bio-Baumwolle zu verwenden ist für ein so großes Unternehmen wie H&M ein großer Schritt und fraglos ökologischer als konventionelle Baumwolle. Die Bezeichnung „Bio“ sichert dabei aber nur den biologischen Anbau der Fasern an sich. Sie sagt nichts darüber aus, wie die Faser weiterverarbeitet wird, welche Farbstoffe beispielsweise eingesetzt werden oder wie die Kleidungsstücke veredelt werden. Zudem sagt „Bio“ auch nichts darüber aus, unter welchen Arbeitsbedingungen die Materialien gewonnen und weiterverarbeitet wurden. Diese weitergehenden Garantien leisten nur anerkannte Textilsiegel.

Auf unsere Frage, woher genau H&M seine Materialien bezieht und wie sie produziert werden, antwortete das Unternehmen nicht. Man teilte uns allerdings mit, die verwendete Bio-Baumwolle werde unter „Einbeziehung der strengen Standards von GOTS“ zertifiziert – tatsächlich durch einen anerkannten Standard zertifiziert ist sie also nicht. Zur Herkunft von Leinen, Seide und Tencel äußerte sich H&M nicht.

Zum Thema Produktionsbedingungen verweist uns H&M auf den eigenen Verhaltenskodex, der Kinderarbeit ausschließen soll. Er macht allerdings die Lieferanten dafür verantwortlich, dass auch mögliche Subunternehmer den Kodex einhalten. Kontrollen finden nur durch eigene „H&M Auditoren“ statt.

Utopia.de meint: Eine nachhaltige Kollektion bedeutet in unserem Verständnis auch immer eine möglichst faire Produktion. H&M macht aber ganz im Gegenteil immer wieder mit schlimmen Produktionsbedingungen auf sich aufmerksam.

Man kann die Conscious Exclusive Kollektion von H&M aber auch nicht als reines Greenwashing abwerten. Der Konzern verwendet tatsächlich nachhaltigere Materialien und schafft es durch seine Bekanntheit dem Thema „nachhaltige Mode“ Aufmerksamkeit zu verschaffen, was auf jeden Fall ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung ist.

Fragwürdige Arbeitsbedingungen, ständig wechselnde Kollektionen, Billigmode und Klamotten-Verbrennungen sind für uns aber mit einer wirklich nachhaltigen Firmenpolitik nicht vereinbar. Unsere Empfehlung: Es gibt bereits unzählige Labels, die wirklich fair und nachhaltig produzieren – und noch dazu wirklich schöne Mode machen.

Was haltet ihr davon, wenn konventionelle Konzerne wie H&M nachhaltige(re) Produkte auf den Markt bringen? Würdet ihr die Kleider kaufen – und warum? Schreibt uns in den Kommentaren!

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