Die wichtigsten Siegel für Kleidung ohne Gift: bluesign, bioRe & Co.

Die wichtigsten Textil-Siegel
Bild: Utopia

Bevor Shirts, Shorts, Jacken und Kleider sauber und schick im Schaufenster hängen, werden sie durch ein Bad von Chemikalien gezogen. Knallbunte Farben und Drucke, Nässeschutz und Materialeigenschaften wie „bügelfrei“ oder „antimikrobiell“ werden durch viel Chemie ermöglicht, die Umwelt und Gesundheit belastet. Zertifizierte Kleidung kann hier einen Unterschied machen! Greenpeace hat die wichtigsten Siegel wie bluesign, Cradle to Cradle, bioRe oder EU-Ecolabel für giftfreie Kleidung unter die Lupe genommen und zeigt, welchen du vertrauen kannst.

Inzwischen ist eine Vielzahl von Textil-Labeln auf dem Markt. Für Verbraucher ist es schwierig zu erkennen, was sich hinter den Siegeln verbirgt. Bieten die Zertifikate einen echten Nutzen für Umwelt und Verbraucher oder sind sie nur ein Feigenblättchen? Antworten darauf gibt der Greenpeace-Ratgeber „Textil-Label unter der Detox-Lupe“.

Eines vorweg: Im Ratgber geht ausschließlich darum, was Textilsiegel bezüglich des Chemikalieneinsatzes für Kleidung gewährleisten. Aussagen zum Anbau von Naturfasern, zum Recycling von Synthetikfasern oder zu den sonstigen ökologischen Dimensionen werden nicht getroffen, Sozialstandards nur erwähnt wo sinnvoll.

Welche Siegel für Kleidung sind empfehlenswert?

Die Auseinandersetzung mit den Gütesiegeln hat gezeigt, dass gegenwärtig kein Standard perfekt ist. Bei allen Textil-Labeln wurden unter der „Detox-Lupe“ Schwachstellen gefunden. Es gibt derzeit keinen Standard, der umfassend alle gefährlichen Substanzen regelt, mit Prüfmethoden hinterlegt und ausreichend strenge Grenzwerte festlegt. Dennoch solltest du als Verbraucherin oder Verbraucher beim Kleiderkauf auf gekennzeichnete Produkte achten.

Aus Greenpeace-Sicht kannst du gegenwärtig GOTS-, IVN Best und bioRe-gelabelter Kleidung vertrauen. Der Blaue Engel könnte eine gute Ergänzung für Kleidung aus Synthetikfasern darstellen, bisher hat sich jedoch noch kein Lizenznehmer gefunden. Bluesign ist eingeschränkt empfehlenswert, da der Standard einige Risiko-Chemikalien explizit erlaubt. Cradle to Cradle bewertet umfassend, Toleranzwerte einiger verbotener Chemikalien sind jedoch zu hoch. Öko-Tex wäre zu wünschen, dass der Standard 100 zum Auslaufmodell wird, allein das Endprodukt zu überprüfen ist nicht mehr zeitgemäß. Verbraucherinnen und Verbraucher fordern neben sauberen Textilien auch die Transparenz und Rückverfolgbarkeit von Produktionsprozessen.

Bewertung der wichtigsten Siegel

bluesign

bluesign Siegel

Umfangreiche, detaillierte Chemikalienregelung, dennoch verbesserungswürdig

Das Schweizer Unternehmen bluesign technologies AG hat einen Standard entwickelt, der gezielt Prozesse in der Textilherstellung optimiert. Anhand der Bewertung eingesetzter Chemikalien und Prozesse werden Empfehlungen erarbeitet, die sich an den besten verfügbaren Techniken orientieren.

Hier ist das Siegel zu finden: Bluesign findet man derzeit vor allem bei Outdoor-Produkten. Baby- und Kinderkleidung mit bluesign-Label gibt es bei Jako-O.

 

cradle to cradle

Cradle to Cradle Siegel

Design-Konzept mit ausführlicher Materialienbewertung, wenig Transparenz

Die Beratungsunternehmen EPEA International und MBCD haben 1995 das Cradle to Cradle Design-Konzept entwickelt. Es werden Produkte ausgezeichnet, die nach Bewertung des Cradle to Cradle Design-Konzept Innovation Institute umweltsichere, gesundheitlich unbedenkliche und kreislauffähige Materialien verwenden. Die Zeichen-Vergabe erfolgt ausschließlich anhand eingereichter Unterlagen, Betriebsstätten werden nicht geprüft. 

Hier ist das Siegel zu finden: In Deutschland vertreiben Trigema und Puma einige Cradle to Cradle-Produkte. Im Einzelhandel gibt es zudem einige Heimtextilien mit dem Siegel.

 

EU-EcolabelEU-Ecolabel

Revision macht Hoffnung auf Verbesserung, fällige Entscheidung lässt aber auf sich warten.

Die EU-Blume ist 1993 als Umweltlabel eingeführt worden. Wie der deutsche Blaue Engel gilt das EU-Ecolabel für verschiedene Produktgruppen. Bei Textlien gilt ein Standard aus dem Jahr 2009, dessen Überarbeitung sich in die Länge zieht. Entwürfe versprechen Verbesserungen, in Brüssel ist jedoch noch keien Einigung in Sicht.

Hier ist das Siegel zu finden: Textilien mit dem EU-Ecolabel sind in Deutschland kaum verbreitet. In Deutschland zählt vor allem Aktionsware von Discountern dazu, die meist zusätzlich mit weiteren hier vorgestellten Standards ausgelobt wird.

 

GOTSGOTS-Siegel

Hohes Niveau, nur für Naturfasern, Chemikalienmanagement mit wenigen Schwachpunkten

Die International Working Group on Global Organic Textile hat den Standard mit strengen Umweltkriterien 2006 eingeführt und regelmäßig aktualisiert. Er ist ausschließlich für Naturfaser-Textilien gültig. Der Standard definiert Anforderungen entlang der ganzen Wertschöpfungskette. Für die Textilverarbeitung definiert er soziale Mindeststandards inklusive der Zahlung von Mindestlöhnen.

Hier ist das Siegel zu finden: GOTS-gelabelte Produkte gibt es zum Beispiel in sogenannten Green Fashion Concept Stores, bei Hessnatur, in Onlineshops für grüne Mode, bei Händlern wie REWE oder als Aktionsware bei Discountern.

 

IVNIVN Best Siegel

Höchstanspruch mit Beschränkung auf Naturfasern, Kritik nur wegen fehlender oder zu hoher Grenzwerte

Der Internationale Verband der Naturtextilwirtschaft (IVN) hat das Label im Jahr 2000 eingeführt. Gültig ist es, wie der GOTS, nur für Naturfasern. Es müssen 100 Prozent biologisch erzeugte Fasern eingesetzt werden, das Chemikalienmanagement ist besonders streng geregelt. Für Anbau und Verarbeitung definiert das Siegel Sozialstandards und garantiert existenzsichernde Löhne.

Hier ist das Siegel zu finden: IVN Best-gekennzeichnete Produkte gibt es bei Naturtextil-Spezialisten wie Hess Natur oder Cotonea.

 

Ökotex 100Öko-Tex 100 Siegel

Weit verbreitet, auch dank niedriger Anforderungen

Den Öko-Tex Standard 100 vergibt die Internationale Gemeinschaft für Forschung und Prüfung auf dem Gebiet der Textilökologie seit 1992. Der Standard prüft nur auf Schadstoff-Rückstände in Textilien und hat somit keinerlei Aussagekraft, was die Herstellungsbedingungen der zertifizierten Textilien betrifft. Untersuchungen werden ausschließlich an eingereichten Proben durchgeführt, es finden keine Betriebsprüfungen statt. 

Hier ist das Siegel zu finden: Das Textilsiegel ist am weitesten verbreitet, Produkte mit dem Öko-Tex 100 sind überall im Einzelhandel zu finden.

 

Ökotex 100 plusÖko-Tex 100 plus Siegel

Höherer Anspruch gegenüber Öko-Text 100, deutlich geringere Verbreitung

Seit 2004 vergab die Internationale Gemeinschaft für Forschung und Prüfung ergänzend den Öko-Tex Standard 1000 für Produktionsstätten; seit neuestem heißt der Standard STeP (Sustainable Textile Production) und soll eine nachhaltige und faire Produktion zertifizieren. Der Öko-Tex Standard 100plus ist eine Kombination aus Öko-Tex 100 und STeP. den beiden. Er definiert soziale Mindeststandards und die Zahlung von Mindestlöhnen für die Verarbeitung. Da die Siegel von Öko-Tex 100 und Öko-Tex 100 plus kaum voneinander zu unterscheiden sind, müssen Verbraucher beim Kauf genau hinsehen. 

Hier ist das Siegel zu finden: Während der Öko-Tex 100 von mehreren tausend Herstellern genutzt werden darf, sind es deutlich weniger als hundert Hersteller, die Textilien mit dem Öko-Tex 100 plus ausloben dürfen.

Kurzinfo zu anderen Siegeln

Als kritischem Konsumenten sind dir vielleicht auch weitere Textil-Labels aufgefallen, die in diesem Ratgeber nicht besprochen wurden. Das liegt daran, dass diese keine Aussagen zum Umgang mit Chemikalien machen. Greenpeace stellt dennoch einige ausgewählte Standards kurz vor:

bioRebioRe

Das Textil-Label zeichnet Bio-Baumwoll-Textilien der Schweizer Firma Remei AG aus. Der Standard regelt die Weiterverarbeitung der Bio-Baumwolle aus den eigenen Anbauprojekten in Indien und Tansania. bioRe-Produkte gibt es im Greenpeace Magazin Shop, bei** Mammut, Elkline, Globetrotter oder unter dem FairAlliance-Label der REWE-Group.

 

Cotton made in AfricaCotton made in Africa

ist ein Projekt der Aid by Trade Foundation, die vom Unternehmer Dr. Michael Otto 2005 gegründet wurde. Ziel ist die Verbesserung der Lebensverhältnisse afrikanischer Baumwollbauern. Gentechnisch veränderte Baumwolle ist ganz und Pestizide sind teilweise verboten. Die Bauern werden geschult, erhalten aber keinen Mehrpreis für ihre Baumwol

 

fairtrade certified cottonFairtrade Certified Cotton

In Deutschland gibt es seit 2008 Kleidung, die mit dem Fairtrade-Siegel gekennzeichnet ist. Baumwollbauern erhalten einen Mindestpreis für ihre Baumwolle, die garantiert gentechnikfrei und unter Verzicht auf bestimmte Pestizide hergestellt wurde. Für die Weiterverarbeitung der Fairtrade Baumwolle müssen menschenwürdige Arbeitsbedingungen sichergestellt werden.

 

Made ByFair Wear Foundation

Fair Wear Foundation ist eine Multistakeholder-Initiative. NGOs, Gewerkschaften, Unternehmen, Wirtschafts- und Handelsverbände kooperieren, um die sozialen Bedingungen in der Textilindustrie zu verbessern (Sozialstandards, existenzsichernde Löhne, Schulungen). Es gibt über 80 Mitgliedsunternehmen, darunter öko-faire Marken wie Hess Natur, HempAge oder Nudie Jeans, aber auch z.B. Jack Wolfskin und Vaude. Das Logo ist nur unter bestimmten Bedingungen an Kleidung zu finden: Das Unternehmen muss länger als ein Jahr FWF-Mitglied und in die beste Kategorie eingestuft sein.

 

Made ByMADE-BY

MADE-BY ist eine in den Niederlanden gegründete Initiative, die unternehmensbezogen arbeitet. Beteiligte Unternehmen legen ihre Produktionsstandards offen und werden anhand einer Score-Card bewertet. Die Nachhaltigkeits-Performance des Unternehmens wird jährlich veröffentlicht. Die MADE-BY Kennzeichnung macht keine Aussage zur Produktqualität, über einen Code soll man aber online einzelne Herstellungsschritte nachvollziehen können.

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(34) Kommentare

  1. Besonders bei der Kleidung für meine Tochter achte ich sehr auf schadstoffarme Textilien! Erschreckend, wie hoch der Anteil an Chemikalien in einigen Kleidungsstücken ist. Greenpeace hat dazu vor kurzem eine interessante Studie veröffentlich: (http://www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.de/files/publications/detox_fs_discounter_final20102014_0.pdf).
    Toll ist, dass sich viele Firmen mittlerweile immer mehr mit dem Thema beschäftigen und mit neuen Geschäftsideen Biokleidung für Otto Normalverbraucher erschwinglich machen. Zum Beispiel hier: http://bit.ly/1C1GgR4.

  2. Ich würde mir wünschen, es gäbe EIN „alles in Ordnung“ Siegel der einfach heißen würde, dass die Ware Fair Trade, ohne Genmanipulation, Giftstoffe, oder Pestizide ist, möglichst wenig transportiert wurde und Wasser verbraucht hat… etc. also die Ware ist in jeglicher Hinsicht unbedenklich, so wie es eigentlich normal sein sollte. Diese Siegel gäbe es mit angepassten Einzelheiten für alles, von Klamotten durch Spielzeuge bis Nahrungsmitteln. Es gäbe Läden und Internetseiten, die den Sigel komplett tragen. Man könnte einfach in ein Laden gehen und kaufen was dort gibt ohne sich mit jedem einzelnen Produkt, oder Sigel auseinandersetzen zu müssen. Wäre doch herrlich…

  3. ich habe mal eine – für mich- entscheidene Frage: WO kann ich die Klamotten mit diesen Siegeln kaufen?
    ich muss zugeben, dass ich noch nie danach gesucht, bzw. gefunden habe…

  4. Danke Christian!

    ich bestelle Kleidung nicht gern per Internet. ich muss das sehen und anfassen…
    mal sehen, ob auch Läden aufgeführt sind bei dem link.

  5. Hallo liebes utopia-Team,

    ein wirklich spannender Artikel, der auch eine besondere Relevanz für uns Verbraucher hat.
    Denn Kleidung, die unsere Umwelt und Gesundheit gefährden, sollte weniger produziert und gekauft werden.
    Die aufgelisteten Gütesiegel bieten die Möglichkeit einen Überblick über die Kleidung zu bekommen, die weniger schädlich ist.
    Wichtig ist immer zu wissen, welche Gütesiegel wirklich relevant sind und welche nicht. Eure Auflistung anhand des Greenpeace Ratgebers „Textil-Label unter der Detox-Lupe“ kann dabei eine große Hilfe sein!

    Ich bin gespannt auf weitere Blogbeiträge von Euch!

    Viele Grüße wünscht kundentests.com

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