Die wichtigsten Siegel für Kleidung ohne Gift

Siegel für Kleidung ohne Gift
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash; Siegel: © Bluesign; Global Organic Textile Standard; IVN

So hübsch Kleidung im Schaufenster aussieht, so hässlich geht es oft bei ihrer Produktion zu: Bunte Farben, Drucke, wasserdichte, bügelfreie oder antimikrobielle Materialien sind meist nur durch viel Chemie möglich – auf Kosten von Umwelt und Gesundheit. Zertifizierte Mode macht es besser. Doch auf welche Siegel kannst du dich verlassen?

Inzwischen sind so viele unterschiedliche Textil-Labels in Gebrauch, dass es für Verbraucher sehr schwierig ist, zu durchschauen, welche davon wirklich einen Unterschied machen. Was genau bedeutet welches Siegel? Sorgen die Zertifizierungen wirklich dafür, dass die Umwelt geschont wird und dass weniger Chemie in der Kleidung ist – oder waschen sich die Hersteller damit grün? Antworten darauf gibt der Greenpeace-Ratgeber „Textil-Label unter der Detox-Lupe“ (PDF, zuletzt aktualisiert im Juni 2016).

Eines vorweg: Anders als in den Utopia-Beiträgen üblich, geht es im Greenpeace-Ratgeber ausschließlich darum, was die Textilsiegel bezüglich des Chemikalieneinsatzes für Kleidung bedeuten. Es gibt hier keine Aussagen oder Bewertungen zur Rohstoffgewinnung oder anderen ökologischen Faktoren und Sozialstandards werden nur erwähnt, wo sinnvoll.

Mehr zum Thema Siegel findest du unter utopia.de/siegel.

Hier findest du alle Beiträge zum Thema nachhaltige Mode.

Welche Siegel für giftfreie Kleidung sind empfehlenswert?

Auch, wenn wir uns das wünschen würden: Derzeit ist keiner der gängigen Textilstandards perfekt, was das Thema Chemikalien angeht, die meisten Labels haben Schwachstellen. Dennoch solltest du beim Kleiderkauf unbedingt auf gekennzeichnete Produkte achten – nur so ist sicher gestellt, dass die Textilien nicht oder kaum mit Chemikalien belastet sind.

  • Aus Greenpeace-Sicht sind derzeit das IVN Best-Label und das GOTS-Label am strengsten und damit am vertrauenswürdigsten.
  • Auch der Bluesign-Standard ist sehr streng im Chemikalienmanagement, in einigen Punkten sieht Greenpeace aber noch Verbessungsbedarf. So sind einige der besonders schädlichen und vor allem in Outdoor-Kleidung häufigen per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) verboten, andere jedoch weiterhin zugelassen.
  • Der Blaue Engel könnte prinzipiell eine gute Ergänzung für Kleidung aus Natur- und Synthetikfasern darstellen – bisher hat sich jedoch noch kein Lizenznehmer gefunden und der Standard wurde seit 2011 nicht mehr aktualisiert.
  • Der Cradle to Cradle-Standard ist Greenpeace zufolge nicht umfassend genug, was verbotene Chemikalien angeht; die Toleranzwerte einiger verbotener Chemikalien sind zudem zu hoch.
  • Auch das EU-Ecolabel für Textilien („EU-Blume“) geht laut Greenpeace nicht weit genug: „Die Liste verbotener Chemikalien ist zwar recht umfangreich, weist aber Lücken auf.“ Die Grenzwerte seien teilweise zu hoch und Laboranalysen am Endprodukt seien nur teilweise vorgesehen.
  • Der Öko-Tex Standard 100 ist ebenfalls zu schwach; von Greenpeace wird er am schächsten bewertet. Hier werden ausschließlich Endprodukte auf Schadstoffe geprüft, der Produktionsprozess wird nicht berücksichtigt. „Damit ist der Nutzen für die Umwelt eher gering“, schreibt Greenpeace.
  • Etwas umfassender ist das „Made in Green“-Label von Oeko-Tex, das die gesamte textile Lieferkette umfasst; das Chemikalienmanagement geht jedoch nicht weit genug.

Bewertung der wichtigsten Siegel

IVN zertifiziertIVN Best Siegel

Strengstes Siegel, nur für Naturfasern

Der Standard des Internationalen Verbands der Naturtextilwirtschaft (IVN) ist derzeit der strengste der Branche. Er berücksichtigt die gesamte Lieferkette vom Anbau der Fasern bis zum Endprodukt. Gültig ist das Siegel nur für Naturfasern aus Bio-Anbau. Das Chemikalienmanagement orientiert sich am GOTS, es sind jedoch noch einige Chemikalien mehr verboten. Für Anbau und Verarbeitung definiert der IVN strenge Sozialstandards.

„Seit 2014 hat sich der Standard noch verbessert: Alle Verbote sind nun mit Grenzwerten versehen.“

Hier findest du das Siegel: IVN Best-gekennzeichnete Produkte gibt es bei wenigen Naturtextil-Herstellern, zum Beispiel bei Engel Sports, Comazo Earth, Cotonea.


Siegel "GOTS"GOTS-Siegel

Strenger Standard, vor allem für Naturfasern, wenige Schwächen

Das GOTS-Label gehört zu den bekanntesten und am weitesten verbreiteten Textil-Siegeln, es wird regelmäßig aktualisiert. Er ist für Naturfaser-Textilien und einige Recycling-Fasern gültig. Der Standard legt Kriterien für die gesamte Produktionskette fest, vom Rohstoffanbau bis zum Endprodukt. Dabei legt GOTS auch soziale Mindeststandards fest.

„Der Standard umfasst alle wichtigen Chemikalien und belegt diverse Einzelsubstanzen mit Verboten.“

Hier findest du das Siegel: Kleidung mit GOTS-Siegel gibt es in jedem lokalen und Online-Fair-Fashion-Shop (z. B. Avocado Store, Glore, Greenality, Hessnatur, Grüne Erde) und hin und wieder sogar als Aktionsware in Supermärkten und Discountern.


Das unabhängige bluesign® system basiert auf dem einzigartigen Ansatz, die Umweltbelastung während des gesamten Produktionsprozesses zu minimieren.bluesign Siegel

Umfassende, detaillierte Chemikalienregelung, teilweise Verbesserungsbedarf

Bluesign berücksichtigt die gesamte Herstellungskette und überprüft alle beteiligten Betriebe. Es gibt umfangreiche Negativlisten für bedenkliche Stoffe und Richtlinien für den Gebrauch von Chemikalien.

„Insgesamt ist Bluesign ein sehr strenger Standard, nur teilweise besteht noch Verbesserungsbedarf. Wünschenswert wäre, dass als „grau“ gekennzeichnete Substanzen, für die noch eine Alternative gefunden werden muss, nach einer bestimmten Zeit sicher auf die Negativliste wandern.“

Hier findest du das Siegel: Bluesign hat Hunderte von „Systempartnern“, vor allem Outdoor-Hersteller wie zum Beispiel Vaude, Patagonia, Mammut, Schöffel, Haglöfs, The North Face, Salewa, Columbia, aber auch Adidas, Nike und G-Star Raw.


Textil-Siegel: Öko-Tex Standard 100Öko-Tex Standard 100 Siegel

Weit verbreitet, prüft nur Endprodukte, unzureichende Anforderungen

Der Standard prüft ausschließlich Schadstoff-Rückstände in Textilien und berücksichtigt nicht die Herstellungsbedingungen der zertifizierten Textilien. Für die Umwelt ist das Siegel weitgehend wertlos.„Erfreulich ist, dass die Anforderungen von Jahr zu Jahr strenger werden – sie bleiben jedoch weit hinter GOTS oder IVN Best zurück.“

Hier findest du das Siegel: Das Textilsiegel ist das am weitesten verbreitete, Produkte mit dem „Öko-Tex Standard 100“ sind überall im Einzelhandel zu finden.


Siegel: Cradle to CradleCradle to Cradle Siegel

Ausführliche Materialienbewertung, unzureichende Chemikalienregelung

Bei Cradle to Cradle liegt der Fokus auf dem Kreislaufkonzept: Es werden Produkte ausgezeichnet, die ökologisch und gesundheitlich unbedenkliche kreislauffähige Materialien verwenden. Betriebsstätten werden nicht geprüft.

„Die Verbote umfassen allerdings nicht alle umwelt- und gesundheitsschädlichen Substanzen. Außerdem greifen sie erst ab einer Verwendung dieser Chemikalien von mehr als einem Gramm pro Kilo – aus Greenpeace-Sicht kein adäquater Grenzwert.“

Hier findest du das Siegel: In Deutschland vertreibt vor allem Trigema Cradle to Cradle-Produkte, außerdem gibt es zertifizierte Arbeitskleidung und Heimtextilien. Online kann man entsprechende Produkte auch bei cradlelution finden.


Siegel: EU EcolabelEU-Ecolabel

Umfangreiche Chemikalienliste mit Schwächen

Das EU-Ecolabel für Textilien gehört zum europäischen Umweltlabel EU-Blume; sein Anspruch ist niedriger als der von GOTS, IVN und Bluesign.

„Die Liste verbotener Chemikalien ist zwar recht umfangreich, weist aber Lücken auf. […] Allerdings sind die Grenzwerte häufig schwächer als bei anderen Textilstandards. Auch sind nur teilweise Laboranalysen am Endprodukt vorgeschrieben.“

Hier ist das Siegel zu finden: Textilien mit dem EU-Ecolabel sind in Deutschland wenig verbreitet und derzeit vor allem als Aktionsware in Discountern zu finden.


Kurzinfo zu anderen Textilsiegeln

Vielleicht hast du schon einmal die folgenden Siegel auf Kleidung gefunden. Die Siegel machen keine oder kaum Aussagen zu Chemikalien, sondern beziehen sich auf Sozialstandards. Deshalb hat Greenpeace sie in seinem Ratgeber nicht so bewertet wie die obenstehenden Zertifizierungen. Wir stellen sie dennoch kurz vor.

Fairtrade‐SiegelFairtrade Certified Cotton & Fairtrade Textile Production

„Fairtrade Certified Cotton“ ist seit 2005 auf Baumwoll-Produkten zu finden. Das Label garantiert faire Arbeitsbedingungen, die Baumwollbauern erhalten Mindestpreise für ihre Baumwolle. Für Bio-Anbau zahlt Fairtrade Zuschläge und fördert die Umstellung. Der Einsatz von synthetischen Pestiziden und Düngern ist eingeschränkt, Gentechnik verboten. Mit diesem Siegel versehene Textilien müssen zu 100 % aus Fairtrade-zertifizierter Baumwolle bestehen.

Für die Weiterverarbeitung der Baumwolle verlangt Fairtrade einen „Nachweis über die Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen“, überprüft selbst aber nur die Arbeitsbedingungen im Baumwollanbau.

2016 hat Fairtrade einen neuen Textilstandard veröffentlicht, der die ganze Lieferkette umfasst. Die Kriterien umfassen faire Arbeitsbedingungen und Arbeitsrechte und der Standard definiert einen festen Zeitrahmen, innerhalb dessen existenzsichernde Löhne erreicht werden sollen. Laut Greenpeace gibt es allerdings Kritik daran, dass nicht die Marken, sondern die Fabriken zu höheren Löhnen verpflichtet würden.

Siegel: Fair Wear FoundationFair Wear Foundation

Die Fair Wear Foundation setzt sich sehr glaubwürdig für eine Verbesserung der sozialen Bedingungen in der Textilindustrie und existenzsichernde Löhne ein. Sie formuliert Richtlinien, führt Kontrollen durch und berichtet transparent und regelmäßig über die Fortschritte ihrer Mitgliedsunternehmen.

Rund 80 Unternehmen mit insgesamt etwa 120 Marken sind Mitglieder in der Fair Wear Foundation (FWF), darunter öko-faire Marken wie Hess Natur, Grüne Erde oder Nudie Jeans, aber auch konventionelle Hersteller wie zum Beispiel Takko und Jack Wolfskin. Das Label allerdings ist nur unter bestimmten Bedingungen an Kleidung zu finden: Das Unternehmen muss länger als ein Jahr Mitglied und in die beste Kategorie eingestuft sein, d. h. alle Anforderungen an faire Arbeitsbedingungen weitestgehend erfüllen.

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(34) Kommentare

  1. Besonders bei der Kleidung für meine Tochter achte ich sehr auf schadstoffarme Textilien! Erschreckend, wie hoch der Anteil an Chemikalien in einigen Kleidungsstücken ist. Greenpeace hat dazu vor kurzem eine interessante Studie veröffentlich: (http://www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.de/files/publications/detox_fs_discounter_final20102014_0.pdf).
    Toll ist, dass sich viele Firmen mittlerweile immer mehr mit dem Thema beschäftigen und mit neuen Geschäftsideen Biokleidung für Otto Normalverbraucher erschwinglich machen. Zum Beispiel hier: http://bit.ly/1C1GgR4.

  2. Ich würde mir wünschen, es gäbe EIN „alles in Ordnung“ Siegel der einfach heißen würde, dass die Ware Fair Trade, ohne Genmanipulation, Giftstoffe, oder Pestizide ist, möglichst wenig transportiert wurde und Wasser verbraucht hat… etc. also die Ware ist in jeglicher Hinsicht unbedenklich, so wie es eigentlich normal sein sollte. Diese Siegel gäbe es mit angepassten Einzelheiten für alles, von Klamotten durch Spielzeuge bis Nahrungsmitteln. Es gäbe Läden und Internetseiten, die den Sigel komplett tragen. Man könnte einfach in ein Laden gehen und kaufen was dort gibt ohne sich mit jedem einzelnen Produkt, oder Sigel auseinandersetzen zu müssen. Wäre doch herrlich…

  3. ich habe mal eine – für mich- entscheidene Frage: WO kann ich die Klamotten mit diesen Siegeln kaufen?
    ich muss zugeben, dass ich noch nie danach gesucht, bzw. gefunden habe…

  4. Danke Christian!

    ich bestelle Kleidung nicht gern per Internet. ich muss das sehen und anfassen…
    mal sehen, ob auch Läden aufgeführt sind bei dem link.

  5. Hallo liebes utopia-Team,

    ein wirklich spannender Artikel, der auch eine besondere Relevanz für uns Verbraucher hat.
    Denn Kleidung, die unsere Umwelt und Gesundheit gefährden, sollte weniger produziert und gekauft werden.
    Die aufgelisteten Gütesiegel bieten die Möglichkeit einen Überblick über die Kleidung zu bekommen, die weniger schädlich ist.
    Wichtig ist immer zu wissen, welche Gütesiegel wirklich relevant sind und welche nicht. Eure Auflistung anhand des Greenpeace Ratgebers „Textil-Label unter der Detox-Lupe“ kann dabei eine große Hilfe sein!

    Ich bin gespannt auf weitere Blogbeiträge von Euch!

    Viele Grüße wünscht kundentests.com

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