Marktcheck Duftstoffe: Gefährliche Substanzen, dürftige Kennzeichnung

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Foto: © SWR Marktcheck

In unzähligen Produkten stecken Duftstoffe – dabei sind die Substanzen nicht ungefährlich: Sie können Stressreaktionen und Allergien auslösen und sogar das Hormonsystem beeinflussen. Trotzdem sind die gesetzlichen Regelungen erschreckend nachlässig.

Duftstoffe zu vermeiden ist gar nicht so leicht – vor allem bei Kosmetik und Reinigungsmitteln. Gute Gerüche verbinden wir mit Frische und Sauberkeit, deshalb stecken die Hersteller jede Menge Duftstoffe in Shampoo, Cremes, Waschmittel und unzählige andere Produkte. Selbst Klopapier oder Müllbeutel gibt es mit Duftnote.

Insgesamt setzt die Industrie mehr als 3000 verschiedene Duftstoffe ein – und zwar in unvorstellbar großen Mengen: Laut dem aktuellen SWR-Marktcheck sind es allein in Deutschland etwa 20.000 Tonnen pro Jahr.

Marktcheck zeigt: Duftstoffe können gefährlich sein

Die Duftstoffe können dabei einen natürlichen Ursprung haben oder aber künstlich im Labor hergestellt werden. Teilweise kann ein Duft sich aus bis zu 100 Einzelsubstanzen zusammensetzen.

Allerdings können die Substanzen auch gefährlich werden, wie der aktuelle Marktcheck deutlich macht: Genau wie bei Lärm könne ein Zuviel an Gerüchen Stress auslösen. Bestimmte Duftstoffe können zu Kopfschmerzen und Unwohlsein führen oder die Haut- und Atemwege reizen.

Andere wiederum könnten das Hormonsystem beeinflussen können und sogar auf die Fruchtbarkeit und die Organe wirken. Nach Nickel seien Duftstoffe die zweithäufigsten Auslöser für Kontaktallergien – sie verursachen Hautausschläge, Ekzeme oder Juckreiz. Mehrere Millionen Menschen in Deutschland seien von den Nebenwirkungen von Duftstoffen betroffen.

Nur wenige Substanzen werden gekennzeichnet

Dafür, dass Duftstoffe so problematisch sein können, sind die gesetzlichen Regelungen ziemlich dürftig: Von den 3000 eingesetzten Duftstoffen muss die Kosmetikindustrie nur 26 auf der Verpackung kennzeichnen – die anderen 2974 Substanzen werden als „Parfum“ oder „Aroma“ bezeichnet. Allen 26 Stoffen wurde mindestens eine allergieauslösende Wirkung nachgewiesen – daher die Kennzeichnungspflicht.

Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass die anderen Duftstoffe unbedenklich sind: „Leider wissen wir nicht genau, wie viele der 3000 Stoffe untersucht worden sind, um zu der 26er-Liste zu kommen. Ich persönlich fände es extrem wichtig, dass alle 3000 so untersucht sind, dass wir wissen, wie viele wir deklarieren müssen“, erklärt eine Toxikologin des Bundesumweltamts im SWR-Marktcheck.

Tipps für den Umgang mit Duftstoffen

Eine verständlichere Kennzeichnung von empfehlenswerten Produkten wäre wünschenswert, findet die Toxikologin des Umweltamts. Solange die Kennzeichnung allerdings noch so undurchsichtig ist, sollte man Düfte eher meiden und sparsam einsetzten.

Der Marktcheck gibt in seiner Sendung darüber hinaus noch weitere Tipps:

  • Düfte nicht einsetzen um schlechte Gerüche etwa in der Wohnung zu überdecken. Besser ist regelmäßiges und richtiges Lüften.
  • Kinder sind besonders empfindlich – deswegen bei Kindern Duftstoffe möglichst vermeiden.
  • Über Inhaltsstoffe informieren – allen voran bei Wasch-, Körperflege- und Reinigungsmitteln.
  • Barcode-Scanner verwenden: Apps wie Codecheck oder ToxFox warnen auch vor bedenklichen Duftstoffen

Hier gibt es den ganzen SWR-Marktcheck im Video:

„Wenn Duftstoffe krank machen“ (Mediathek) 

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