Gekaufte Wissenschaft: Dieser Bericht zeigt, wie Monsanto Glyphosat-Studien manipuliert

Foto: "DSC_0313 " von Andy Wright unter CC-BY-2.0

Laut einer neuen Untersuchung sollen Monsanto und andere Hersteller von Glyphosat wissenschaftliche Belege zu Gesundheitsgefahren des Unkrautvernichters verfälscht haben. Damit wollen die Agrar-Konzerne ein Verbot des Wirkstoffs in der EU verhindern.

„Stop Glyphosat“: Europäische Bürgerinitiative legt Untersuchung vor

Eine neue Untersuchung der europäischen Bürgerinitiative „Stop Glyphosat“ zeigt, welche Mittel und Strategien der US-amerikanische Saatgut- und Herbizid-Konzern Monsanto einsetzt, um ein mögliches Verbot des umstrittenen Pestizids Glyphosat in Europa zu verhindern. Die Untersuchung mit dem Titel Glyphosat und Krebs: Gekaufte Wissenschaft wurde am Donnerstag veröffentlicht. Laut Bericht wurden unter anderem wichtige Informationen weggelassen und stattdessen irrelevante Daten präsentiert. Dadurch wurden Sachverhalte verzerrt, Leser in die Irre geführt und wissenschaftliche Beweise geleugnet. gekaufte wissenschaft

Monsanto und andere Unternehmmen  gaben besagte Studien in Auftrag, um zu verhindern, dass Glyphosat die Zulassung in der EU verliert. Laut Bericht sollen die wissenschaftlichen Autoren der Bericht in ihrem Urteil aber nicht unabhängig sein:

„Die Bemühungen der Hersteller und Behörden, Glyphosat entgegen den Beweisen für dessen krebserzeugende und erbgutschädigende Wirkung gegen ein Verbot zu verteidigen, ist wissenschaftlich unseriös und von ernsthaften Interessenskonflikten geprägt“, so Dr. Peter Clausing, Toxikologe und Mitautor des Berichts“. Viele der Wissenschaftler, die Studien im Auftrag von Monsanto anfertigen, haben laut der Untersuchung Interessenkonflikte und stehen teilweise in enger Verbindung zum Konzern.

Der Vorwurf ist brisant, denn laut SZ und dem Umweltinstitut München spielen gerade diese Studien mit eine Rolle bei der Neuzulassung von Glyphosat in der EU. Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) sowie die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bewerteten Glyphosat erst kürzlich als nicht krebserregend – dabei stützt sich ihr Urteil unter anderem auf diese Studien. Eigene Studien haben EFSA und ECHA nicht durchgeführt.

Auffällige Unterschiede zwischen unabhängigen Glyphosat-Studien und denen der Industrie

Die Internationalen Agentur für Krebsforschung dagegen (IARC, sie gehört zur Weltgesundheitsorganisation WHO), bewertete das Pestizid bereits vor zwei Jahren als „wahrscheinlich krebserregend“. Seitdem versucht Monsanto das Urteil zu entkräften. Laut der Untersuchung erschienen dazu 2016 in einem Wissenschaftsjournal mehrere Artikel, deren Autoren größtenteils zuvor als Berater für Monsanto tätig oder zeitweise beim Konzern beschäftigt waren.

Dass Hersteller Studien in Auftrag geben, um zu beweisen, dass ihre Produkte sicher sind, verlangt das Gesetz. Auffällig bei Glyphosat sind die deutlich abweichenden Ergebnisse zwischen unabhängigen Studien und denen der Industrie. Während letztere das Pestizid als relativ unbedenklich einstufen, sehen mehr und mehr Forscher in Glyphosat eine Gefahr.

„Würden diese europäischen Behörden unabhängigen Studien mehr vertrauen als den Studien der Hersteller, dann wäre eine Verlängerung der europäischen Zulassung ernsthaft in Gefahr“, sagt Clausing gegenüber der SZ. Er sieht schwere Mängel in den Veröffentlichungen der Industrie.

Monsanto soll selbst Forschungsberichte angefertigt haben

Erst vergangene Woche geriet Monsanto unter Druck: Ein Bundesgericht in San Francisco entsiegelte Dokumente und E-Mails, die heikle Fragen zur Sicherheit von Glyphosat aufkommen lassen. Die Unterlagen deuten darauf hin, dass Monsanto Studien zur Schädlichkeit des Herbizids möglicherweise selbst angefertigt hat, statt diese von unabhängiger Stelle durchführen zu lassen. Das berichtete die New York Times.

Glyphosat wird in Deutschland großflächig in der konventionellen Landwirtschaft eingesetzt. (Bild: © Dusan Kostic / Fotolia.com)

Die Unterlagen enthalten unter anderem Hinweise darauf, dass Monsanto im Vorhinein von der IARC-Einschätzung zu Glyphosat („wahrscheinlich krebserregend“) wusste. Ein interner Mitarbeiter der US-Umweltschutzbehörde soll dem Konzern davon berichtet haben, noch bevor die Einschätzung der Krebsforscher der IARC überhaupt veröffentlicht wurde. So konnte Monsanto rechtzeitig eigene Studien in Auftrag geben, um diese Einschätzung zu widerlegen. Besagter Mitarbeiter habe demnach eine Prüfung von Glyphosat durch das US-Gesundheitsministerium verhindert.

Darüber hinaus deutet der Inhalt der E-Mails darauf hin, dass Monsanto selbst Forschungsberichte angefertigt haben könnte, die später von Wissenschaftlern lediglich bearbeitet und abgezeichnet wurden.

In einer internen E-Mail, die vergangene Woche öffentlich wurde, schrieb ein Monsanto-Vorstandsmitglied einem Kollegen, es sei möglich, Studien über Glyphosat innerhalb des Unternehmens anzufertigen und Wissenschaftler lediglich zu beauftragen, sie zu redigieren und ihren Namen unter die Forschungsarbeit zu setzen: “We would be keeping the cost down by us doing the writing and they would just edit and sign their names so to speak” (Deutsch: „Wir würden die Kosten niedrig halten, indem wir das Schreiben übernehmen und sie würden die Berichte nur bearbeiten und unterschreiben“).

In einer Stellungnahme bestritten sowohl Monsanto als auch ein Wissenschaftler, der in einem der nun veröffentlichten Dokumente genannt wird, die Anschuldigungen, so die New York Times.

Glyphosat als Pestizid: umstrittenes Unkrautvernichtungsmittel

In Deutschland wird das Pestizid großflächig in der konventionellen Landwirtschaft, aber auch im Privatgebrauch eingesetzt – und das obwohl die WHO das Herbizid als „wahrscheinlich krebserregend“ einstuft.

Die Zulassung für Glyphosat war in der EU eigentlich am 30. Juni 2016 ausgelaufen. Die EU-Kommission hatte damals die Genehmigung um eineinhalb Jahre verlängert, obwohl der Einsatz unter den Mitgliedsstaaten umstritten ist. Bei der Entscheidung über eine weitere Zulassung will die EU sich vermutlich auf die kürzlich veröffentlichte Bewertung der ECHA stützen.

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