Ist Palmöl wirklich krebserregend?

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Palmöl steckt in jedem zweiten Supermarktprodukt: In Kosmetika, Fertigprodukten, Süßigkeiten und Brotaufstrichen ist das billige Fett zu finden. Doch wie schädlich ist es für die Gesundheit, möglicherweise krebserregend? Öko-Test, Stiftung Warentest und Marktcheck haben Produkte mit Palmöl getestet.

Palmöl in Nutella und Co: krebserregend?

Ist Palmöl wirklich krebserregend? Ja und nein, das unbehandelte Öl an sich ist nicht krebserregend. Doch die Europäische Lebensmittelbehörde Efsa warnt vor Produkten, die raffiniertes Palmöl enthalten. In einer Risikobewertung aus dem Mai 2016 wurden Stoffe bewertet, die bei der Verarbeitung von Pflanzenölen bei Temperaturen um die 200 Grad entstehen.

Die Untersuchung ergab, dass die entstandenen Stoffe Glycidyl-Fettsäureester (GE) sowie 3- und 2-Monochlorpropandiol (3- und 2-MCPD) und deren Fettsäureester gentoxisch und krebserregend sind. Sie wurden in unterschiedlichen Pflanzenölen gefunden, die Konzentrationen in Palmölen und -fetten sind jedoch besonders hoch.

Die Efsa hält die Aufnahmemenge der Stoffe insbesondere bei Kindern und bei Menschen, die sehr viele verarbeitete Produkte essen, für besorgniserregend. Auch Säuglinge, die ausschließlich durch Säuglingsanfangsnahrung ernährt werden, nehmen besonders große Mengen der gesundheitsbedenklichen Fettsäureester auf. Um die Aufnahme von 3-MCPD-Estern zu senken, rät das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft zu naturbelassenen Fetten und Ölen, sparsamer Verwendung von Streichfetten wie Margarine und einem maßvollen Umgang mit fettreichen Lebensmitteln.

Ferrero, Barilla und das Palmöl

Auf die Untersuchung der Efsa gab es in den vergangenen Woche Reaktionen. Viele Medien haben berichtet, dass die italienische Supermarktkette Coop Nutella aus dem Sortiment wirft, weil es krebserregendes Palmöl enthält. Das stimmt aber nicht.

„Abgesehen davon, dass ich noch nie etwas davon gehört habe: Es ist schlicht unvorstellbar, Nutella aus den Regalen zu verbannen“

sagte Roberto Graziola, Chef-Einkäufer für die Coop-Filiale in Bozen. Richtig ist, dass Coop auf die Verwendung von Palmöl in den Eigenprodukten verzichten will. Der Lebensmittelhersteller Barilla will das Öl aus Produkten wie Pesto und Soßen verbannen.

Ferrero, zu dessen Produkten auch Nutella gehört, macht in Italien indes Werbung für den Schokoaufstrich und das enthaltene Palmöl. Laut Ferrero werden bei der Verarbeitung des Öls Verfahren mit kontrollierten Temperaturen eingesetzt. Somit sei Nutella und das enthaltene Öl nicht gesundheitsbedenklich.

Schadstoffe in Palmöl-Produkten: Greenpeace warnt

Auch Greenpeace hat sich Palmöl-Produkte genauer angesehen und elf Lebensmittel aus dem Supermarkt in einem Labor untersuchen lassen. Das Ergebnis der Analysen: In allen Produkten mit Palmöl waren die Schadstoffe 3-MCPD und Glycidyl-Ester enthalten – teilweise in bedenklich hohen Konzentrationen. Bei drei Produkten (einer Milka-Schokolade und zwei Margarinen) war die  3-MCPD-Konzentration so hoch, dass vor allem Kinder die von der Efsa festgesetzte „tolerierbare tägliche Aufnahmemenge“ schnell überschreiten. Mehr Informationen dazu im Beitrag „Greenpeace warnt: Gefährliche Schadstoffe in Palmöl-Produkten“.

Produkte mit Palmöl im Test: Was kann man noch essen?

Wir haben beim Bundesinstitut für Risikobewertung nachgefragt. Dort bestätigte man uns, dass für den Gehalt an GE, 2-MCPD und 3-MCPD im Lebensmittel insbesondere die Verarbeitungsschritte entscheidend sind. Dies sei ein generelles Problem bei pflanzlichen Ölen, die schädlichen Stoffe könnten beispielsweise auch beim Rösten von Nüssen entstehen.

Wenn Ferrero also das Öl tatsächlich so verarbeitet wie behauptet, ist der Konsum von Nutella und Co. dahingehend unbedenklich. Dafür spricht auch eine Öko-Test-Untersuchung aus dem Februar 2014. Das Verbrauchermagazin hat Nuss-Nougat-Cremes getestet und konnte keinen der gesundheitsbedenklichen Stoffe in Nutella finden.

Auch in der Untersuchung von Stiftung Warentest im April 2016 enthielt Nutella nur geringe Mengen der krebserregenden Stoffe und schneidet mit der Note ‚gut‘ sogar als Testsieger ab. Die Untersuchung bestätigt, dass es sich nicht nur um ein Problem bei Palmöl handelt: Der auf Sonnenblumenöl basierende Bio-Schokoaufstrich „Nocciolata“ erhält wegen der enthaltenen Schadstoffe die Note ‚mangelhaft‘. Entscheidend ist also nicht das Öl, sondern das Verarbeitungsverfahren. Laut Stiftung Warentest hat der Anbieter das Verfahren inzwischen verändert.

Zudem besteht das Problem nicht nur bei Schokoaufstrichen: Im Labortest der SWR-Sendung Marktcheck enthielten auch Oreo-Kekse und TUC-Cracker hohe Gehalte der bedenklichen Stoffe. Diese Tests und Untersuchungen beschäftigen sich hauptsächlich mit den enthaltenden Schadstoffen, die Umweltauswirkungen der verwendeten Öle fließen jedoch jedoch selten in das Testergebnis ein.

Palmöl: die tägliche Umweltzerstörung

Auch wenn also das Palmöl zumindest in Nutella gesundheitlich unbedenklich ist, gibt es andere Gründe, die gegen seinen Konsum sprechen. Das Öl ist eines der wichtigsten Rohstoffe für die Lebensmittelindustrie und wird in großen Mengen verarbeitet. Seine Gewinnung verursacht massive Probleme in den Herkunftsländern: Treibhausgase, Regenwaldzerstörung und Menschenrechtsverletzungen. Lies mehr über die Problematik im Beitrag „Unsere tägliche Umwaldzerstörung beim Einkauf“.

Alternativen zu Nutella

Wenn du auf Nutella verzichten möchtest, gibt es gute Alternativen: Diese fünf Nutella-Alternativen sind palmölfrei, bio, fair oder vegan. Oder probiere doch mal aus Nutella selber zu machen. Dabei kannst du selbst bestimmen, welche Zutaten du verwendest und in welchen Mengen. Viel Spaß dabei!

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(1) Kommentar

  1. Da es momentan wieder so viele Palmöl-Artikel gibt, möchte ich kurz auch noch einmal eine andere Seite ansprechen. Ich habe vor einer ganzen Weile einen interessanten Artikel zu Palmöl gelesen, der auch mal die andere Seite beleuchtet (und leider ist es schon so lange her, dass ich ihn jetzt auf Anhieb nicht gefunden habe, aber es gibt auch andere Artikel, bei ein bisschen Google Recherche). Letztendlich ging es in diesem Artikel nicht nur um die eine Seite, die böse, von Palmöl, sondern auch darum, dass es nicht viel bringen würde auf Palmöl komplett zu verzichten und dafür andere Öle vermehrt in Lebensmitteln zu kaufen. Da Palmöl wohl viel schneller geerntet werden kann als z.B. Kokosöl wäre eine komplette Umstellung auf dieses nur eine Verschiebung des Problems und vielleicht würde es sogar schlimmer werden. Um trotzdem nicht einfach so weiter zu machen wie bisher, ist es glaube ich wichtig, dass man auf nachhaltigen Anbau achtet, denn dann können auch die positiven Eigenschaften des schnell wachsenden Palmöls genutzt werden. Aber das ist nur so ein kleiner Denkanstoß, was nicht ausschließt auch einfach auf eine Diversität von Ölen zu achten und das Beste draus zu machen.

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