München will jetzt Cannabis anbauen

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Gibt es in München bald Hanfplantagen? Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) lässt aktuell prüfen, ob der Cannabis-Anbau in der bayerischen Landeshauptstadt rechtlich möglich ist – weil es bei medizinischem Cannabis zu Lieferengpässen kommt.

Der Deutsche Hanfverband hatte sich im April an die Stadt München gewandt und mit einer Petition gefordert: Die Stadt soll beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) einen Modellversuch für ein Cannabis-Anbauprojekt beantragen. Grund sind Lieferengpässe bei Medizinhanf. Momentan bezieht Deutschland medizinisches Cannabis aus Kanada und den Niederlanden.

Teils schwerkranke Patienten kämpften wiederholt über Wochen oder Monate hinweg mit Lieferengpässen, wird Michael Greif vom Hanfverband bei der tz zitiert. Auch der Apotheker Ralph Laves von der Münchner Feilitzsch-Apotheke meint gegenüber tz: „Wir würden es sehr begrüßen, wenn mehr Medizinalhanf angeboten würde.“

Hanfplantagen bald in München?

Die Stadt München besitzt zehn landwirtschaftliche Güter mit einer Gesamtfläche von 2.400 Hektar. Diese könnten dann die Apotheken vor Ort beliefern, wird Reiter bei der tz zitiert.

Die SPD stellte im Dezember eine Anfrage an die Verwaltung, um zu klären, ob der Anbau rechtlich möglich ist. Bereits im Juni hatten die Grünen gefordert, die medizinische Versorgung von Kranken mit Cannabis-Arzneimitteln sicherzustellen. Derzeit prüft das Referat für Gesundheit und Umwelt beide Anfragen.

Cannabis: Schon seit Jahrhunderten als Heilmittel verwendet

Seit März 2017 darf Cannabis in Deutschland als Medizin verschrieben werden. Dabei ist Cannabis als Heilmittel nicht neu, ganz im Gegenteil: Jahrhundertelang wurde es in den verschiedensten Kulturkreisen als natürliches Medikament verwendet. Ende des 19. Jahrhunderts hatte es eine Hochphase in Deutschland und Amerika, bis der Anbau in den 1960er Jahren weltweit verboten wurde.

Im Unterschied zu Cannabis als Droge hat medizinisches Marihuana als natürliches Schmerzmittel einen hohen CBD (Cannabidiol)-Gehalt. Medizinisch wirkt CBD entkrampfend, entzündungshemmend, angstlösend und gegen Übelkeit.

Dass die medizinische Verwendung von Haschisch erst vor zwei Jahren durchgesetzt wurde, könnte auch am mangelnden Interesse der Pharmaindustrie liegen. So erklärte Joachim Nadstawek, Vorsitzender des Berufsverbands der Ärzte und Psychologischen Psychotherapeuten 2016 gegenüber sz.de, „Hinter Cannabis-Studien steht keine Pharmaindustrie, da die Pflanzen nicht patentierbar sind.“

Nebenwirkungen bei Cannabiskonsum und synthetischen Schmerzmitteln

Dabei kommt auch dieses Medikament nicht ohne Nebenwirkungen aus: Cannabis ist ein Rauschmittel, das psychisch abhängig macht und schwerste Nebenwirkungen auslösen kann, eventuell auch Schizophrenie. Laut Apotheken-Umschau ist zumindest Studien zufolge das Risiko, an einer Schizophrenie zu erkranken, bei Cannabiskonsumenten erhöht.

Demgegenüber stehen gängige synthetische Schmerzmittel wie Ibuprofen, Paracetamol oder Diclofenac, die ebenfalls nicht ohne Nebenwirkungen auskommen – aber ohne Rezept für jeden in der Apotheke erhältlich sind. Sie können bei zu langer Einnahme oder Überdosierungen zu Nebenwirkungen wie Magenblutungen, Leber- und Nierenschäden oder zu Schlaganfällen führen. Seit kurzem soll auf diesen immerhin ein Warnhinweis angebracht sein, der lautet: „Bei Schmerzen oder Fieber ohne ärztlichen Rat nicht länger anwenden, als in der Packungsbeilage vorgegeben.“

Cannabis-Anbau in München: Wie geht es weiter?

Damit Cannabis in München angebaut werden darf, muss die Stadtverwaltung nun die rechtlichen Rahmenbedingungen prüfen. Dann erst kann die Stadt einen Antrag an das BfArM stellen, das für die Zulassung zuständig ist. Wie lange das dauert, ist laut tz aber nicht absehbar.

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(3) Kommentare

  1. Das ist doch mal ein Schritt in die richtige Richtung, München!
    Hoffentlich sitzen in der Stadtverwaltung denkende Menschen, die wirklich informiert sind und sinnvolle Entscheidungen treffen können.

    Was die Infos durch die Apotheken-Umschau betrifft – die Pharmaindustrie nutzt jede Möglichkeit Naturmedizin zu dämonisieren, auch gerne mit Hilfe der Apotheken-Umschau. Apotheken leben schließlich in der Hauptsache von all den Pharma-Mittelchen und eher weniger vom Verkauf von Naturheilprodukten bzw. Kräutermedizin.

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