Öko-Test Muttermilchersatz: Palmöl, Mineralöl und andere Probleme

Fotos: Öko-Test

Muttermilchersatz hat oft Mängel: Jeder zweiten von Öko-Test getesteten Säuglingsmilch fehlt es an einer wichtigen Fettsäure. Außerdem sind fast alle Produkte mit Mineralöl-Rückständen belastet.

Viele Babys bekommen mehrmals am Tag und in der Nacht Muttermilchersatz. Diese sogenannte „Anfangsmilch Pre“ ist für Säuglinge bis zum ersten Lebensjahr geeignet und soll ihnen alles Wichtige für einen gesunden Start ins Leben mitgeben. Was genau in der Säuglingsmilch drinsteckt, hat Öko-Test im Labor untersuchen lassen.

Insgesamt 16 verschiedene Muttermilchersatz-Produkte für Säuglinge, zum Teil auch in Bio-Qualität, wurden unter anderem auf Keime, Fettschadstoffe, Mineralöl-Rückstände, Palmöl und Desinfektionsmittel-Rückstände geprüft. Besonders alarmierend: Bei einer Muttermilchersatz-Packung fand Öko-Test einen Stoff mit potenziellem Krebsrisiko.

Muttermilchersatz im Test: Anfangsmilch Pre bei Öko-Test

Säuglingsmilch ist kein idealer Ersatz zu Muttermilch, stellt Öko-Test klar: „Muttermilch lässt sich in ihrer komplexen Zusammensetzung und Wirkung für das Immunsystem nicht nachbauen“. Allerdings ist der Muttermilchersatz aus Drogerien und Supermärkten ausreichend, um nicht gestillte Babys damit gut zu versorgen.

Doch frei von Problemstoffen ist im Test kein einziges Produkt. Immerhin enthalten zwei Muttermilchersatz-Produkte nur geringe Spuren problematischer Stoffe, sodass sie von Öko-Test die Bestnote „sehr gut“ erhalten haben.

Die Vorgaben für die Säuglingsmilch sind streng: Zum Beispiel ist festgelegt, dass eine bestimmte Menge der Omega-3-Fettsäure Docosahexaensäure (DHA) enthalten sein muss. Fachleute kritisieren aber, dass der Zusatz der Omega-6-Fettsäure Arachidonsäure (ARA) dagegen nicht vorgeschrieben ist. Wichtig sei nämlich vor allem das richtige Verhältnis der beiden Omega-Säuren. Einigen Unternehmen scheint das egal zu sein – sie lassen die nicht vorgeschriebene ARA einfach weg. „An der falschen Stelle gespart“, kritisiert Öko-Test.

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Muttermilchersatz mit Mineralöl belastet: Viele Marken betroffen

Füttern von eingefrorener Muttermilch.
Öko-Test kann nur wenige Muttermilchersatz-Produkte empfehlen. (Foto: CC0 / Pixabay / StockSnap)

Nicht einmal jeder dritte Muttermilchersatz ist empfehlenswert: Nur fünf der 16 getesteten Produkten haben mit den Noten „gut“ oder „sehr gut“ abgeschnitten. Das liegt vor allem an den Mineralöl-Rückständen MOSH und MOAH, die laut Öko-Test zum Teil sogar „stark erhöht“ waren.

MOSH-Verbindungen können sich in den Organen anreichern, zum Beispiel in der Leber. Welche gesundheitlichen Folgen das langfristig hat, kann noch nicht abgeschätzt werden. Die höchsten Gehalte an MOSH hat das Labor in der Milasan Anfangsmilch Pre nachgewiesen. Sie ist mit der Note „ungenügend“ im Test durchgefallen.

Besonders bedenklich sind auch Stoffe aus der Gruppe der MOAH. Diese aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffe sehen Fachleute sehr kritisch, weil einige der Verbindungen als krebserregend gelten. MOAH stecken zum Beispiel in der Aptamil Pronutra-Advance Anfangsmilch Pre, die mit der Note „ausreichend“ abgeschnitten hat. Öko-Test vermutet Verpackungsmittel und Schmierstoffe bei der Produktion als Quelle für die Verunreinigung mit Mineralöl.

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Fettschadstoffe und Desinfektionsmittel in Anfangsmilch Pre

Wenn die pflanzlichen Öle für die Babynahrung raffiniert werden, können sich Fettschadstoffe bilden. Inzwischen haben die meisten Betriebe dieses Problem im Griff, jedoch offenbar nicht alle: In der getesteten Bio Anfangsmilch Pre des Herstellers Hipp hat Öko-Test Glycidylfettsäureester nachgewiesen. Zwar liegen die gefundenen Gehalte unterhalb des gesetzlichen Grenzwertes. „Aber diese Stoffe haben aus unserer Sicht in Babynahrung nichts verloren, weil sie im Körper Glycidol freisetzen, welches die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) als wahrscheinlich krebserregend für den Menschen einstuft“, erklärt Öko-Test. „Mangelhaft“ lautet daher das Urteil.

Desinfektionsmittel-Rückstände in Muttermilchersatz? Der Stoff Perchlorat steckt in der Holle Bio Anfangsmilch Pre und wird eigentlich als Desinfektionsmittel eingesetzt. Laut Öko-Test könne der Stoff langfristig die Jodaufnahme der Schilddrüse hemmen. Das betroffene Unternehmen will nun herausfinden, wie das Desinfektionsmittel in die Säuglingsmilch gelangen konnte. Weil das beauftragte Labor auch erhöhte MOSH-Rückstände gefunden hat, ist der Muttermilchersatz mit „ungenügend“ durchgefallen.

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Palmöl in der Babynahrung

In einigen Produkten steckt Palmöl, das schon lange in der Kritik steht: Für den Anbau der Ölpalmen in Monokultur werden oft Teile des Regenwaldes gerodet. Einige Hersteller haben das Palmöl-Problem erkannt und setzen andere pflanzliche Öle ein. Im aktuellen Test von Öko-Test sind das allerdings nur die beiden Testsieger.

Punktabzug gibt es bei Öko-Test für Palmöl aber nicht. „Denn der Anbau anderer Ölpflanzen ist nicht automatisch nachhaltiger“, so die Begründung. Gesundheitliche Nachteile habe Palmöl im Muttermilchersatz auch nicht, erläutert Öko-Test.

Alle Details findest du in der Ausgabe 06/2021 von Öko-Test sowie online auf www.ökotest.de.

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