Wegen Nestlé: Den Bewohnern von Vittel wird das Wasser knapp

Nestlé, Wasser, Vittel
Foto: Screenshot YouTube ZDF

In der französischen Gemeinde Vittel sinkt der Grundwasserspiegel jedes Jahr drastisch – weil Nestlé große Mengen Wasser für die Wassermarke „Vittel“ abpumpt. Nach internationaler Kritik versucht Nestlé nun, Schadensbegrenzung zu betreiben.

Vor allem in Deutschland gehört Vittel zu den bekanntesten Wassermarken von Nestlé. Das Wasser stammt von einer Quelle in Vittel, eine kleine Kurstadt im Nordosten Frankreichs. Nestlé füllt dort jedes Jahr 750 Millionen Liter Wasser ab – und macht damit über 260 Millionen Euro, laut Geschäftsbericht.

Für den kleinen Ort hat das Konsequenzen: Wie das Reportage-Magazin „Frontal 21“ des ZDF berichtete, sinkt der Grundwasserspiegel stark – jedes Jahr um 30 Zentimeter. Das ruft Unmut bei den Bewohnern von Vittel hervor und auch Umweltverbände kritisieren den Konzern stark. „Nestlé nimmt keine Rücksicht“, zitiert tagesschau.de den Präsident des Umweltverbandes VNE, Jean-Francois Fleck. „Der Konzern schützt die Ressource Wasser nicht, sondern er beutet sie aus.“

Die Reaktion von Nestlé: Laut Frontal 21 und tagesschau.de will Nestlé für die Einwohner Wasser aus benachbarten Dörfern und Regionen in 20 Kilometern Entfernung herbeischaffen. Dafür soll eine Pipeline gebaut werden – die von Steuergeldern und damit von den Bürgern bezahlt werden sollte.

Seitdem Frontal 21 diese Pläne veröffentlicht hat, steht Nestlé stark in der Kritik. Nestlé-Waters-CEO Maurizio Patarnello ist deshalb eigens nach Vittel gereist – und Nestlé machte gleich mehrere Ankündigungen.

Nestlé will einen Teil der Kosten tragen

Verschiedene Wassermarken: San Pellegrino und Vittel gehören zu Nestlé. (Foto: Utopia)

So erklärte Patarnello, bis 2025 insgesamt 92 der Nestlé-Werke nach dem „Standard der Alliance for Water Stewardship“ (AWS) zertifizieren zu wollen. Bislang tragen acht Nestlé-Standorte in Pakistan, Kanada und den USA das Zertifikat. Außerdem sei Wasser ein „emotionales Thema“.

Wie die Lebensmittel Zeitung berichtet, erklärte außerdem Nestlé-Waters-Nordeuropachef Henrik Gotterbarm, dass der Bau der Pipeline in Vittel nicht zu Lasten der Anwohner gehen werde. Nestlé sei bereit, „einen Anteil an den geschätzten Kosten von 17 Millionen Euro zu tragen“, heißt es in dem Zeitungsbericht.

Eigentlich wäre genug Wasser da

Bleibt die Frage, wer den restlichen Anteil bezahlen soll. Und auch wenn Nestlé sich an den Kosten beteiligt – die Idee an sich bleibt absurd. Denn eigentlich wäre in Vittel genug Wasser für die Bewohner vorhanden. Dass dieses Wasser auch in erster Linie den Bewohnern zur Verfügung gestellt werden sollte, geht zudem aus einem Gutachten hervor, das die Juristin Odile Agrafeil erstellt hat für die staatliche Umweltorganisation CEDER.

„Unser Fazit ist: Wasser ist ein Allgemeingut. Wasser gehört allen. Und alle sollten beachten, dass die Bevölkerung ein recht auf Wasser hat in ausreichender Menge und guter Qualität,“ sagt sie gegenüber tagesschschau.de.

Der Konzern argumentiert dennoch für die Pipeline: Diese könnte auch von anderen Gemeinden genutzt werden und auch marode Leitungen hätten dann ein Ende. Ohnehin pumpe Nestlé in Vittel bislang 25 Prozent weniger Wasser ab, als die Wasserrechte erlauben würden.

Aber auch wenn Nestlé rechtlich mehr als die 750 Millionen Liter jährlich abpumpen könnte, dass das Unternehmen das nicht tut, hat einen guten Grund: Risikoanalysen zufolge droht die Quelle in Vittel 2050 zu versiegen, schreibt die Lebensmittelzeitung.

Wieso tut die Stadt nichts gegen die Wasserentnahmen?

Dass das Wasser von Vittel vor allem Nestlé vorbehalten ist, hat auch wirtschaftliche Gründe: Nestlé ist der größte Arbeitgeber und Steuerzahler der Stadt. Der Bürgermeister von Vittel, Frank Perry, hält sich mit Aussagen gegen die Aktivitäten von Nestlé zurück. „Wir können nicht einfach sagen: Halt! Wir stoppen die Wasserentnahme. Man muss das richtige Gleichgewicht zwischen der Wirtschaft und dem Umwelt- und Wasserschutz finden“, wird er bei tagesschau.de zitiert.

Hier die Reportage von Frontal 21 im Video

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(30) Kommentare

  1. Hallo fractality, ich bin angesichts solch „flacher“ Kommentare echt schockiert. Schauen Sie sich doch mal diesen Film an: https://www.youtube.com/watch?v=5Cp6J-i5I7E . Ich denke, er macht mehr als deutlich, warum das, was Nestle macht, jenseits jeglicher moralischer Werte ist.
    Im Kakaobereich mischt Nestle ebenfalls kräftig mit und lässt Kindersklaven für sich arbeiten: https://www.youtube.com/watch?v=ZJXdg1ZddcE
    Palmöl bezieht der Konzern von einem Unternehmen, das gerade massenhaft Regenwald roden ließ … Die Liste lässt sich fortsetzen.
    Bei Nestle zählt die Gewinnmaximierung. Mensch und Umwelt sind nur Mittel zum Zweck und dürfen vernachlässigt werden. Mit ein bisschen „greenwashing“ wird dann versucht, nach außen hin gut da zu stehen. Leider zeigt der Blick hinter die Kulissen (siehe „Schmutzige Schokolade), dass nicht wirklich Interesse daran besteht, etwas für die Menschen vor Ort zu tun.
    Wir als Verbraucher haben es in der Hand, wen wir mit dem Kauf unserer Lebensmittel/Produkte unterstützen. Nestle bekommt von mir nicht einen Cent, denn ich möchte weder für Umweltverschmutzung/-zerstörung noch für Kindersklaverei u.ä. mitverantwortlich sein.

  2. Hallo Fractality,

    wirst Du vielleicht von Nestle bezahlt?
    Ich nehme an, dass die Konzerne auch „freie Lobbyisten“ beschäftigen, um in öffentlichen Foren Meinungsmache zu betreiben…

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