Bis zum Kohleausstieg 2038 verbraucht Deutschland fast die Hälfte des deutschen CO2-Restbudgets

Bis zum Kohleausstieg 2038 verbraucht Deutschland fast die Hälfte des deutschen CO2-Restbudgets.
Foto: CCO Public Domain / Pixabay - Denny Franzkowiak

Geplant ist der Kohleausstieg in Deutschland für das Jahr 2038. Damit würden wir 45 Prozent unseres Restbudgets an CO2 verbrauchen – also die Menge, die wir noch zur Verfügung haben, um das 1,5-Grad-Ziel einzuhalten. Wenn die Energiewende ins Stocken geraten würde, könnte der Anteil sogar auf 74 Prozent steigen.

Dass wir bis 2038 durch Kohlestrom fast die Hälfte unseres verbleibenden CO2-Budgets verbrauchen würden, zeigen neue Berechnungen des Analyseinstituts Energy Brainpool im Auftrag der Ökoenergiegenossenschaft Greenpeace Energy.

So viel CO2 darf noch in die Atmosphäre gelangen

Der letzte Woche Montag erschienene Klimabericht des Weltklimarates (IPCC) legt offen, dass ab 2020 nicht mehr als 400 Milliarden Tonnen CO2 in die Atmosphäre gelangen dürfen. Nur dann ließe sich die Erderhitzung von mehr als 1,5-Grad noch abwenden – mit einer Wahrscheinlichkeit von 67 Prozent.

Deutschlands Anteil an der Weltbevölkerung liegt bei circa 1,1 Prozent. Schätzungsweise dürfte Deutschland damit nur noch maximal 4,4 Milliarden Tonnen CO2-Emissionen ausstoßen, um dem globalen Klimaziel gerecht zu werden.

So wurde der Anteil an Kohlestrom ausgerechnet

Für die Rechnungen hat Energy Brainpool sowohl die Emissionen aus Braun- als auch Steinkohlekraftwerken modelliert. Das Ergebnis: Allein zwischen 2022 und 2038 werden die Kohlekraftwerke 1.989 Millionen Tonnen CO2-Ausstoß verursachen – fast zwei Milliarden und etwa 45 Prozent unseres Restbudgets. Davon werden fast 1.374 Millionen Tonnen allein durch die Erzeugung von Braunkohlestrom erzeugt werden.

Allein zwischen 2022 und 2038 werden die Kohlekraftwerke 1.989 Millionen Tonnen CO2 ausstoßen – fast zwei Milliarden und damit etwa 45 Prozent unseres Restbudgets.
Allein zwischen 2022 und 2038 werden die Kohlekraftwerke 1.989 Millionen Tonnen CO2 ausstoßen – fast zwei Milliarden und damit etwa 45 Prozent unseres Restbudgets. (Foto: © Greenpeace Energy)

Die Berechnung gehen vom aktuellen Kohleausstiegs-Fahrplan, einer CO2-Preisentwicklung auf etwas mehr als 40 Euro pro Tonne und keinen weiteren Klimaschutzmaßnahmen aus. „Noch können wir es schaffen, unser CO2-Budget einzuhalten und damit unsere Lebensgrundlagen nachhaltig zu schützen. Das gelingt, wenn wir den Kohleausstieg deutlich beschleunigen – und spätestens 2030 aus der Kohle aussteigen“, sagt Sönke Tangermann, Vorstand bei Greenpeace Energy.

Oder aber es drohen in anderen Bereichen massive Einschnitte und Restriktionen – wie beim Reisen, bei Gebäuden oder der Landwirtschaft, so Tangermann. Denn je höher der Anteil der Emissionen der Kohlekraftwerke am CO2-Budget, desto höhere Einsparungen müssen andere Sektoren kurzfristig realisieren.

„Es kann nicht sein, dass die Kohle einen großen Teil unseres ohnehin knappen Spielraums bei den noch möglichen Emissionen auffrisst. Eine Bundesregierung, die zu internationalen Klimazielen steht, muss deshalb schneller als geplant aus diesem schmutzigen Energieträger aussteigen und den Erneuerbaren-Ausbau massiv vorantreiben“, fordert Tangermann.

Das sind die Vergleichsszenarien

Anhand der Lage hat Energy Brainpool zwei Vergleichsszenarien modelliert. Dem einen liegt der CO2-Preis zugrunde. Würde der CO2-Preis auf mehr als 105 Euro pro Tonne ansteigen, dürfte sich der Anteil der Kohle-Emissionen an der deutschen CO2-Restmenge auf immerhin 39 Prozent verringern. „Hohe CO2-Preise leisten einen messbaren Beitrag zum Klimaschutz, zumal sie noch indirekte Effekte wie zusätzliche Ökostrom-Investitionen nach sich ziehen, die wir hier nicht mit eingepreist haben“, sagt Fabian Huneke von Energy Brainpool.

Der geringe Ausbau der Windenergie und Solaranlagen und zusätzlich der Kohleausstieg über 2038 verlängert werden würde, hätte das einen großen negativen Effekt.
Der Ausbau von Windenergie und Solaranlagen muss schneller vorangehen um das Klima zu schützen. (Foto: CCO Public Domain / pexels - Kervin Edward Lara )

Das andere Szenario hält Huneke für besorgniserregend, „wenn der Ausbau der Windenergie wie in den vergangenen Jahren auf niedrigem Niveau bleibt, gleichzeitig weniger Solaranlagen gebaut werden und zusätzlich der Kohleausstieg über 2038 verlängert werden würde“, so der Analyst, hätte das einen großen negativen Effekt.

Denn dann würde der CO2-Ausstoß aus Kohlekraftwerken in Deutschland auf 3.243 Tonnen ansteigen. Das wären dann fast drei Viertel des noch vorhandenen deutschen Verschmutzungs-Restbudgets.

Utopia meint: Die Studie zeigt wieder einmal, dass es gute Gründe für den schnellen Ausstieg aus der Kohlekraft gibt. Natürlich ist die Politik gefragt, denn nur sie kann den Ausstieg vorantreiben. Aber auch jede:r Einzelne kann etwas gegen Kohlekraftwerke tun und ein wichtiges Zeichen setzen: Zu Ökostrom wechseln. Wir als Verbraucher:innen können Druck ausüben, weil jedes Unternehmen von unserem Konsum abhängig ist. Je kleiner die Nachfrage nach Strom aus Kohlekraftwerken ist, desto weniger muss dort produziert werden.

Ökostrom wird im Gegensatz zu Kohlestrom aus erneuerbaren Energien gewonnen. Wir haben hier eine Liste mit 7 Ökostrom Anbietern, mit denen du nichts falsch machen kannst. Mit dem Wechsel kannst du dazu beitragen, dass wir bald auf klimaschädlichen Strom verzichten können. Mach auch hier den Ökostromanbieter-Preisvergleich.

** Links zu Bezugsquellen sind teilweise Affiliate-Links: Wenn ihr hier kauft, unterstützt ihr aktiv Utopia.de, denn wir erhalten dann einen kleinen Teil vom Verkaufserlös.

Gefällt dir dieser Beitrag?

Vielen Dank für deine Stimme!

Schlagwörter: