„Cargo Sous Terrain“: Untergrundtunnel soll Lieferverkehr revolutionieren

Cargo Sous Terrain: Untergrundtunnel soll Lieferverkehr revolutionieren
Foto: cst.ch

In der Schweiz soll nun eine Untergrund-Bahn den Transport von Konsumgütern erleichtern, Schienen und Straßen entlasten, und die Umweltbelastung reduzieren. Hält das Projekt, was es verspricht?

Etwa 50.000 LKWs gibt es in der Schweiz. 20.000 von ihnen sind täglich auf den Hauptverkehrsstraßen unterwegs, um Produkte von A nach B zu bringen. Dementsprechend häufig kommt es zu Staus und somit Komplikationen in den Lieferketten. Wie die ZEIT berichtet, soll die sogenannte Cargo-Bahn dieses Problem lösen – und zwar, indem sie Waren unterirdisch transportiert.

Cargo Sous Terrain: Wozu braucht es die U-Bahn?

Laut Angaben der ZEIT hat die Schweiz schon seit Längerem mit Problemen beim Warentransport zu kämpfen. Das liegt vor allem daran, dass viele Logistikzentren teilweise weit abgeschieden von Stadtzentren im Umland zu finden sind. Zudem verzeichnen viele Betriebe nur noch wenige Verteilzentren.

Das führt dazu, dass LKWs Waren über weite Strecken zwischen den einzelnen abgeschiedenen Zentren und schließlich bis zum Ziel-Supermarkt im Stadtinneren transportieren müssen. Selbst für regionale Produkte fallen dabei unzählige Kilometer an.

Ein solch ineffizientes Transportsystem verursacht nicht nur unnötig viele CO₂-Emissionen, sondern sorgt oft für Lieferprobleme. Denn die LKWs stehen immer öfter im Stau. Es gibt zudem Prognosen, nach denen sich der Lieferverkehr bis 2040 noch einmal um 30 Prozent steigern wird.

Cargo Sous Terrain (kurz: CST), also eine unterirdische Cargo-Bahn, soll diese Probleme beheben. Sie soll aus selbstfahrenden Kapseln bestehen, die rund um die Uhr Produkte transportieren. Dafür will das Ingenieurbüro Cargo Tube einen etwa 500 Kilometer langen Tunnel ausbauen. Die Kosten für CST belaufen sich auf etwa 35 Milliarden Franken. Bereits ab 2031 soll das unterirdische Transportsystem starten.

Wie nachhaltig ist Cargo Sous Terrain?

Cargo Sous Terrain soll das Verkehrsaufkommen auf den Straßen reduzieren und damit auch zum Klimaschutz beitragen.
Cargo Sous Terrain soll das Verkehrsaufkommen auf den Straßen reduzieren und damit auch zum Klimaschutz beitragen.
(Foto: CC0 / Pixabay / Schwoaze)

Laut eigenen Angaben soll Cargo Sous Terrain künftig pünktliche Lieferungen garantieren und gleichzeitig den Verkehr sowie die Umwelt entlasten. So solle sich der Transport von Gütern auf den Straßen um 40 Prozent reduzieren. Das hätte wiederum zur Folge, dass die Schweiz CO₂-Emissionen einsparen könnte und sich die Lärmbelastung verringern würde.

Zudem soll CST nur mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben werden. CST berichtet deshalb von Analysen, die ergeben, dass sich die Ökobilanz mit der unterirdischen Bahn um bis zu 80 Prozent verbessern könnte.

Der Verwaltungsratspräsident Peter Sutterlüti berichtet gegenüber der ZEIT, dass dabei auch die Verteilung der Güter im Inneren der Stadt umweltfreundlich ablaufen soll. So transportieren Aufzüge die Ware aus den unterirdischen Kapseln nach oben. Dort sollen dann Wasserstoff-Lastwagen und Elektro-Sprinter die Produkte in die entsprechenden Märkte bringen.

Doch an dem Projekt gibt es auch Kritik.

Kritik: Wie realitisch ist das neue Transportsystem?

Ist die Logistik von Cargo Sous Terrain ausgereift genug?
Ist die Logistik von Cargo Sous Terrain ausgereift genug?
(Foto: cst.ch)

Der größte Kritikpunkt an Cargo Sous Terrain ist die Frage der Umsetzung. So bewerben die Gründer:innen ihr Projekt zwar tatkräftig und auch zahlreiche Schweizer Politiker:innen loben es, doch wenn es um die konkrete Umsetzung geht, hat CST bislang nur wenig vorzuweisen.

Der Architekt Stadelmann berichtet der ZEIT, dass er die Idee sogar für unrealistisch halte. So ist bislang unklar, wie die CST-Hubs und im Speziellen der Übergang von den Kapseln in die Feinverteilung an der Oberfläche genau aussehen sollen. Laut Stadelmann bräuchte es für die Verteilung in der Stadt nämlich unzählige Last- und Lieferwägen. Schon die Parkplätze, die dafür notwendig wären, seien kaum realisierbar.

Auch der größte private Logistiker in der Schweiz Nils Planzer geht laut der ZEIT davon aus, dass Cargo Sous Terrain niemals umgesetzt werden kann. Er hält das gesamte Projekt für eine „Geldvernichtungsmaschine“. Die Umweltprobleme des Transportverkehrs lassen sich seiner Meinung nach auch anders lösen: Wasserstoff- und Elektrofahrzeuge könnten auch ohne CST Waren emissionsfrei transportieren.

Mobility Pricing könne Stau vorbeugen. Bei diesem Konzept berechnen Expert:innen täglich die Verkehrsspitzen, also das größte Verkehrsaufkommen pro Tag. Je nachdem wann und wo ich als Autofahrer:in verkehre, muss ich dafür höhere oder niedrigere Kosten zahlen. Dies könne Verhaltensänderungen hervorrufen, die das Verkehrsaufkommen besser regulieren.

Auch diese mögliche Lösung wird in der Schweiz schon seit Längerem diskutiert. Ob sich Cargo Sous Terrain künftig nun doch als realisierbar erweist oder Logistikzentren doch auf weniger futuristische Ideen zurückgreifen müssen, wird sich in den nächsten Jahren zeigen.

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