„Ohne Kükentöten“? Aldi ändert Eier-Werbung nach Klage

Aldi ändert Werbung
Foto: © Aldi Süd

„Wir schaffen das Kükentöten ab“: Mit Aussagen wie diesen warb Aldi Nord seit 2020. Dagegen klagte die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch – erfolgreich. Die Anschuldigung gegen Aldi: Verbrauchertäuschung.

Aldi Nord stoppt nun die irreführende Werbekampagne zum Thema Kükentöten. Die Verbraucherorganisation Foodwatch hatte die Handelskette bereits 2020 für die Werbung angeklagt.

Der Lebensmittelhändler gab in der Werbung an, das Kükentöten abzuschaffen beziehungsweise ab 2022 ohne Kükentöten auszukommen. Konkret hießen die Aussagen von Aldi Nord: „Wir schaffen das Kükentöten ab“, „Als erster Lebensmittelhändler beendet ALDI das Kükentöten“, „Ohne Kükentöten bei ALDI Nord“ und „Die ALDI-Initiative – ohne Kükentöten“.

Das Kükentöten oder Kükenschreddern bezeichnet das massenhafte Töten frisch geschlüpfter männlicher Küken. Dabei kam in Deutschland bis vor kurzem in der Regel ein zweistufiges CO2-Verfahren zum Einsatz, bei dem die Tiere mit dem Gas zunächst betäubt und dann getötet werden. Männliche Küken werden getötet, weil Hähne keine Eier legen und die Tiere auch nicht darauf gezüchtet sind, schnell viel Fleisch anzusetzen. Damit sind sie in der Logik der Agrarindustrie nutzlos.

Foodwatch-Klage: Werbung ist Verbrauchertäuschung

Foodwatch hatte im November 2020 die Klage gegen Aldi eingereicht. Darin heißt es: „Diese Werbung stellt eine irreführende Täuschung des Verbrauchers dar“. Die Werbung erwecke den Eindruck, dass für alle Produkte, die bei Aldi verkauft werden, das Kükentöten beendet würde. Allerdings bezieht sich das Versprechen von Aldi nur auf das Sortiment der Schaleneier – aber eben nicht auf die Eier, die beispielsweise in Nudeln, Süßwaren und Gebäck verarbeitet werden. In Deutschland steckt fast jedes zweite Ei in verarbeiteten Lebensmitteln.

Etwa die Hälfte der Eier in Deutschland stecken in verarbeiteten Lebensmitteln.
Etwa die Hälfte der Eier in Deutschland stecken in verarbeiteten Lebensmitteln. (Foto: CC0 Public Domain / Pexels - Suzy Hazelwood)

„Statt Preisschlachten liefern sich die Handelskonzerne neuerdings einen Überbietungswettbewerb um Tierschutzversprechen. Den Tieren und auch den Landwirt:innen ist damit herzlich wenig gedient“, sagt Matthias Wolfschmidt, internationaler Strategiedirektor bei Foodwatch. Weiter kritisiert er: „Den Verbraucher:innen wird weisgemacht, die Handelskonzerne seien Vorreiter beim Tierschutz, während es in Wahrheit in weiten Teilen weitergeht wie gehabt.“

Aldi ändert Werbung

Aldi hat jetzt auf die Klage reagiert: In einem gerichtlichen Vergleich erklärte der Konzern, in Zukunft nur noch damit zu werben, als „erster großer Lebensmittelhändler“ das Töten männlicher Küken „beendet“ zu haben, wenn er zugleich kenntlich macht, dass diese Aussage nur Schaleneier betrifft. Das heißt also, Aldi wirbt nach wie vor mit den gleichen Slogans, geht aber in den Werbetexten darauf ein, dass es hierbei nur um Eier an sich geht (und eben nicht um die verarbeiteten).

Kükentöten offiziell verboten

Das Kükentöten ist seit Anfang dieses Jahres in Deutschland verboten. Daher wollen Aldi und andere Handelskonzerne künftig auf die Geschlechtsbestimmung im Brutei setzen. Die als „männlich“ identifizierten Eier werden dann aussortiert. Alternativ werden die sogenannten „Bruderhähne“ zur Mast aufgezogen. Beide Verfahren kritisiert Foodwatch. Sie seien Folgen der Hochleistungszucht in Deutschland. Legehennen leiden unter teils schwerwiegenden Krankheiten, wie Knochenbrüchen und Brustbeinschäden, weil sie auf das Legen von maximal vielen Eiern gezüchtet werden.

Neben der Aussortierung der Eier und dem Aufziehen von Bruderhähnen, gibt es die Zweitnutzungshühner. Das ist ein längerfristig gedachter Lösungsansatz, bei dem Hühnerrassen eingesetzt oder neu gezüchtet werden, die sowohl Eier legen als auch Fleisch ansetzen können.

Utopia meint: Es ist begrüßenswert, wenn Supermärkte versuchen, mehr für das Tierwohl zu tun. Aber diese Maßnahmen sollten nur als erster Schritt begriffen werden. Gerne täuschen Werbeversprechen darüber hinweg, dass der Großteil der tierischen Lebensmittel noch immer aus industrieller Massentierhaltung stammt.

Ein wohlklingender Werbeslogan ist kein Garant für eine bessere Tierhaltung. Stattdessen kannst du dich an offiziellen Siegeln orientieren oder auf pflanzliche Lebensmittel setzen.

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