Bio-Eier, Freilandeier, Bodenhaltung – welche Eier soll ich kaufen?

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Ob zu Ostern oder im restlichen Jahr: Wir Deutsche essen jede Menge Eier. Aber wie unterscheidet man Bio-Eier und Freilandeier, wie vermeidet man Bodenhaltung und Käfigeier? Was bedeutet der Code auf dem Ei? Und wie zuverlässig sind diese Angaben überhaupt?

Deutsche essen durchschnittlich 239 Eier pro Jahr und Kopf, insgesamt fast 20 Milliarden Stück (BMEL). Zu Ostern essen wir besonders viele – aber auch den Rest des Jahres über sollten wir uns über die Qualität, Herkunft und Entstehung der Eier mal Gedanken machen.

Welche Eier kaufen? Hier die 5 wichtigsten Tipps:

  1. Kaufe stets Bio-Eier.
  2. Weiche nur zur Not auf Freilandeier aus.
  3. Meide Eier aus Bodenhaltung.
  4. Achte bei verarbeiteten Produkten, die Ei enthalten, mindestens auf das grüne EU-Bio-Siegel.
  5. Meide Billig-Eier und gefärbte Eier ohne eindeutige Kennzeichnung.

Immerhin: In Deutschland kommen die meisten Eier aus heimischer Produktion, etwa 72 Prozent. Aus Bio-Haltung stammen allerdings nur rund 12 Prozent, aus Freilandhaltung um die 20 Prozent (BMEL). Die Herkunft und Haltungsform kann beim Ei(n)kauf jede:r selbst erkennen kann – und zwar am Eier-Code.

Der Code auf dem Ei: Was heißt „0-DE-1234567“?

Seit 2004 haben Eier eine einheitliche Kennzeichnung. Die führende Ziffer des Eiercodes informiert dabei über eine der vier Haltungsformen:

  • 0 = Ökologische Erzeugung („Bio-Eier“)
  • 1 = Freilandhaltung („Freilandeier“)
  • 2 = Bodenhaltung
  • 3 = Kleingruppenhaltung („Käfigeier“)

Das Kürzel des Produktionslandes zeigt, aus welchem EU-Land das Ei kommt:

  • DE = Deutschland
  • AT = Österreich
  • IT = Italien
  • NL = Niederlande
  • etc.
Ei-Kennzeichnung, Bio-Eier erkennst du an der 0-…
Ei-Kennzeichnung, Bio-Eier erkennst du an der 0-… (Null Minus Landeskennzeichen…) ((C) utopia)

„0-DE-1234567“ ist also ein Bio-Ei aus Deutschland. Vorsicht: Es gilt der Aufdruck auf dem Ei selbst! Es kann gut sein, dass ein ähnlicher Code auf der Verpackung DE (als Ort der Verpackung!) ausweist, während die Bio-Eier jeweils ein NL tragen (weil Hennen im Nachbarland sie legten). Du must also aufs Ei schauen, um dessen Herkunft zu erkennen. 

Der mehrstellige Code am Ende (im Beispiel: „1234567“) verrät, aus welchem Bundesland und von welchem Produzenten die Eier stammen. Ohne Hilfsmittel ist dieser Zahlencode allerdings schwer zu durchschauen – hier hilft die Smartphone-App „Eiercode“ bzw. „Was steht auf dem Ei?“ (iPhone/Android) oder die Webseite was-steht-auf-dem-ei.de.

Code 0: Bio-Eier sind die besseren

Bei der Produktion von Bio-Eiern gelten die strengsten Regeln. Die Legehennen dürfen nicht in Käfigen gehalten werden, sondern nur in offenen Ställen mit Auslauf. Der Stall muss Sitzstangen haben – jede Henne hat ein Recht auf 18 Zentimeter Sitzstange – und zu einem Drittel mit Stroh, Holzspänen, oder Sand ausgestreut sein. Im gesamten Stall dürfen nicht mehr als 3.000 Hennen wohnen. Man trennt außerdem zwischen Stall und ständig verfügbarem Auslauf: Im Stall dürfen sich maximal sechs Hühner einen Quadratmeter teilen (weitere sechs auf einer Stange), im Auslauf müssen jedem Huhn vier weitere Quadratmeter zur Verfügung stehen.

Außerdem gelten die Regeln der ökologischen Landwirtschaft, wichtig etwa beim Futter: Statt aus industriellen Abfallfetten stammt das Fett im Futter hier beispielsweise aus ökologisch erzeugten Pflanzenölen, Gentechnik ist nicht erlaubt, kranke Tiere sind wenn möglich mit Naturheilmitteln zu kurieren. Anders als bei den übrigen Haltungsarten dürfen die Schnäbel hier nicht systematisch gekürzt werden.

Tipp: Einige Initiativen setzen sich dafür ein, dass die die „Brüder“ der Legehennen mit aufgezogen anstatt wie üblich gleich nach dem Schlüpfen getötet werden. Mehr lesen: Hier gibt’s Eier ohne Kükenschreddern

Code 1: Freilandhaltung = Auslauf ohne Bio

Hühner halten
So idyllisch ist die Hühnerhaltung selten – industrielle Freilandhaltung sieht anders aus. (Foto: CC0 / Pixabay / klimkin)

Auch bei der Freilandhaltung darf man die Hennen nicht in Käfigen halten, sondern nur in Ställen mit Auslauf. Allerdings haben die Hennen bei Freilandeiern weniger Platz: Im Stall müssen sich neun Hühner einen Quadratmeter teilen (Bio: sechs Hühner). Erst im tagsüber unbegrenzt zugänglichen Auslauf stehen bei Freilandeiern jedem Huhn – wie bei Code 0 – vier weitere Quadratmeter zur Verfügung. Die Auslauffläche sollte größtenteils bewachsen sein, in der Praxis wächst dort aber wegen des Hühnerkotes oft nicht mehr viel.

Der entscheidende Unterschied ist, dass für die Legehennen bei Freilandeiern kein Bio-Futter verwendet werden muss. So kam seinerzeit auch der Eier-Doxin-Skandal zustande: Dem Futter wurden technische Fette (u.a. Reste aus industrieller Produktion von Diesel) beigemischt – Prost Mahlzeit!

So sind Freilandeier ethisch sicher besser als „Käfigeier“ – aber Bio-Eier sind eben besser.

Code 2: „Bodenhaltung“? Das klingt besser, als es ist.

„Bodenhaltung“ klingt halbwegs natürlich. Ist sie aber nicht. Neun Hennen teilen sich bei Bodenhaltung einen Quadratmeter. Nur innerhalb ihrer geschlossenen Ställe dürfen sie sich „frei“ bewegen.

Der „Boden“ ist bei der Bodenhaltung keineswegs das, was wir darunter verstehen: Es können nämlich auch drei Etagen sein, dann teilen sich 18 Hühner einen Quadratmeter Stallgrundfläche („Volierenhaltung“). Oft handelt es sich um Gitterroste, damit der Kot hindurchfallen und automatisiert entfernt werden kann, sofern er eben nicht an den Hennen kleben bleibt.

Massentierhaltung: Geflügelzucht, Hühner
Bodenhaltung bedeutet für Hühner meist ein Stall ohne Auslauf. (Foto: © chris74 / stock.adobe.com)

Anders als bei Bio- oder Freilandhaltung haben Hennen bei Bodenhaltung darüber hinaus keinen Auslauf, es gibt nur einen Scharrbereich mit Streu. Das Futtermittel kann von sonst woher kommen. Kurzum: Code-2-Hühnereier aus Bodenhaltung kann man guten Gewissens nicht kaufen.

Code 3: Kleingruppenhaltung ist Käfighaltung

Die konventionelle „Käfighaltung“ existiert in der EU begrifflich nicht mehr, heute gibt es nur noch die „Kleingruppenhaltung“, was possierlich klingt, aber natürlich auch nur eine Käfighaltung ist.

Hinzu kommt, dass diese Haltungsbedingungen bundesweit unterschiedlich geregelt sind, ausgehend von der Tierschutznutztierhaltungsverordnung, deren Lektüre wenig Spaß macht und die an vielen Stellen vage bleibt.

Code-3-Eier sollte man auf jeden Fall meiden, doch im direkten Handel findet man sie ohnehin kaum noch. Sie werden verarbeitet und uns so indirekt untergejubelt.

Wer kauft eigentlich noch Käfigeier?

Wir alle – ohne es zu wissen. Zwar findet man im direkten Handel kaum noch Käfigeier. Doch einer Packung Eiernudeln sieht man eben nicht an, was für Käfigeier darin verrührt wurden.

Der Trick: Mit der Verarbeitung des Eis entfällt die Pflicht zur Kennzeichnung. Verarbeitete Lebensmittel aus dem Supermarkt können daher Käfigeier enthalten.

Abhilfe: Bio. Denn industrielle Lebensmittel mit Bio-Siegel müssen auch Bio-Eier verwenden. Oder: verarbeitete Produkte meiden. Oder: vegane Produkte konsumieren.

Einige Websites bieten Listen von Produkten bzw. Herstellern, die keine Käfigeier verarbeiten, etwa tierschutzbund.de oder bei albert-schweitzer-stiftung.de. Sie zeigen teils auch, welche Firmen definitiv Käfigeier verarbeiten – und wer sich um eine Antwort drückt.

Was ist mit gefärbten (Bio-) Eiern?

Bereits gekochte und gefärbte Eier, wie man sie manchmal bei Feinkostläden, Bäckereien oder Metzgereien an der Theke, immer häufiger aber auch im Supermarkt findet, sind „verarbeitet“ und daher auf die oben genannte Weise nicht kennzeichnungspflichtig.

Daher kann es sich bei gefärbten Eiern auch um billige Eier aus Käfig- oder Bodenhaltung handeln – wenn man nicht im Bioladen einkauft, ist das sogar wahrscheinlich. Die beste Lösung: im Bioladen kaufen.

Oder so: Ostereier färben – So geht’s mit Naturmaterial.

Gefärbte Eier sind selten Bio-Eier
Gefärbte Eier sind selten Bio-Eier (Foto: utopia/aw)

Haltbarkeitsdatum: Wie alt ist das Ei?

Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) auf der Verpackung (selten auf dem Ei) darf nicht mehr als 28 Tage nach dem Legedatum liegen. Obwohl man also nie genau weiß, wann ein Ei gelegt wurde, braucht man nur 28 Tage vom Mindesthaltbarkeitsdatum abziehen, um zu sehen, wann es frühestens gelegt worden ist: Älter kann es nicht sein, nur frischer.

Aber: Das Mindesthaltbarkeitsdatum markiert nicht das Ende der Haltbarkeit, das Ei verfällt nicht plötzlich an diesem Tag. Viele Eier kann man auch nach dem MHD noch problemlos essen. Prüfe einfach, ob es gut oder schlecht ist. Hierfür kannst du verschiedene Eier-Tests anwenden, um Foodwaste zu vermeiden:

Ob ein Ei noch „gut“ ist, kann man ganz einfach mit dem Wasserglas-Test herausfinden: Ei in ein Glas voll mit kaltem Wasser geben – wenn es sinkt, ist es in Ordnung, wenn es oben schwimmt, sollte man es nicht mehr essen.

Müssen Eier in den Kühlschrank?

Eigentlich nicht. Sie halten problemlos drei Wochen auch ohne Kühlung, im Kühlschrank auch ein, zwei Wochen über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus. Wer sie roh verwendet – Mousse au Chocolat, Tiramisu, Mayonnaise etc. – sollte dennoch auf Bio-Eier achten, die maximal zwei Wochen alt sind, wo also das MHD mindestens zwei Wochen in der Zukunft liegt.

Was kosten Bio-Eier & Freilandeier?

Bio-Eier (Code 0) kosten nach Utopia-Stichproben beim Bio-Supermarkt pro Stück 40 bis 50 Cent, bei gehobenen Supermärkten zwischen 30 und 40 Cent, beim Discounter teils nur 23 Cent. Eier ohne „Kükenschreddern“ (s. oben) kosten meist noch ein paar Cent mehr.

Eier aus „normaler“ Freilandhaltung (Code 1) kosten zwischen 20 und 30 Cent, Eier aus Bodenhaltung bereits nur noch 10 bis 20 Cent – sie sollten für verantwortungsvolle Konsument:innen aber aber keine Option sein.

Echte Bio-Eier können also teuer sein. Doch Eier sind eben aufwändig in der Produktion und gelten im Übermaß auch nicht als gesund. Wer also mit dem Preis gegen Bio argumentiert, sollte lieber weniger Eier, dafür nur die besten essen. Und ab und zu mal vegane Ei-Alternativen wagen, selbst eine Avocado ist besser.

Bio beim Ei: Alles bloß Etikettenschwindel?

Es gibt – zum Glück aber seltenen – Etikettenschwindel, den du als Konsument:in selbst erkennen kannst:

  • Auf der Eier-Schachtel sind deutsche (Bio-)Eier ausgelobt, innen drin zeigt der Eier-Code aber, dass es sich um Importeier handelt. Auch umgekehrt gibt es das. Es kann sich dabei um Schwindel handeln, aber auch um ein Versehen oder um bereits bedruckte Kartons, die man verwendet, statt sie wegzuwerfen.
  • Auf der Eier-Schachtel werden Bio-Eier versprochen, drin stecken aber Code-1-Eier, also Freilandhaltungseier. Hier kann und muss man von einem Schwindel ausgehen.
Für dieses Eiersalat-Rezept benötigst du zehn hartgekochte Eier.
Etikettenschwindel ist selten: In der Regel sind wo Bio-Eier draufsteht auch Bio-Eier drin. (Foto: CC0 / Pixabay / Couleur)

Schlimmer sind Schwindel, die man nicht erkennen kann:

  • Der Code ist in Ausnahmefällen eine platte Lüge, die angeblichen Bio-Eier stammen nicht aus Bio-Haltung oder wenigstens Freilandhaltung und werden einfach umetikettiert, an der Quelle verschleiert durch trickreiche Auslegung der Gesetze, auf dem Weg verschleiert durch Importe und Exporte.

Keine Frage: Wenn man ein Ei für den doppelten Preis verkaufen kann, dann ist die Versuchung groß, per Etikettenschwindel schnelles Geld zu machen. 2019 untersuchte man in Freiburg und Karlsruhe 1068 Proben von Eiern und Eiprodukten aus Baden-Württemberg. Beanstandet wurden 124 Proben (11,6 Prozent), aber, und jetzt kommt’s: Nur ein kleiner Teil fiel wegen mikrobiologischer Mängel oder hoher Schadstoffbelastung durch, vielmehr stellten die Prüfer bei 113 Proben (also: 90 Prozent der Beanstandungen) Verstöße gegen das Kennzeichnungsrecht fest. Meist ging es dabei aber um die Herkunft.

44 Eier überprüfte man daraufhin, ob Bio wirklich Bio war. 4 Eier waren verdächtig (ua-bw.de), und dort wiederum war es so, dass in einem Bio-/Nicht-Bio-Mischbetrieb versehentlich konventionelles Futter verwendet worden war. Was auch lehrt, dass man Bio-Eier im Idealfall nur mit den erweiterten Siegeln von Anbauverbänden wie Bioland, Demeter, Naturland kaufen sollte, also von Betrieben, die Bio aus Überzeugung betreiben, und nicht nur fürs Geld.

Betrug an den Kund:innen aber ist aber kein Problem von Bio-Eiern per se, sondern ein rein menschliches Problem: Schwarze Schafe gibt es eben überall. Wenn also in Medien von „Bio-Schwindel“ die Rede ist, sollte man ganz genau lesen, um was es im Detail wirklich geht – meist ist das Problem eben nicht Bio, sondern der Schwindel.

Bio-Eier sind kein Etikettenschwindel
Bio-Eier sind kein Etikettenschwindel (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay - Couleur)

Problematischer finden wir eher, dass beispielsweise im Frühjahr 2017 Eier mit Code 2 in Code-1-Kartons verkauft werden durften, weil wegen der Vogelgrippe die Freilandeier knapp wurden. Das musste zwar gekennzeichnet werden, aber es steht symbolisch für den Wunsch, diese Kennzeichnungen unterlaufen zu wollen. Es ist unverständlich, warum der Gesetzgeber bei diesem Etikettenschwindel mitmachte.

Machen Bio-Eier den Eierkuchen oder andere Speisen besser?

Es ist leider nicht so, dass Eierkuchen oder andere Gerichte mit Bio-Eiern besser schmecken. Auch finden es einige Verbraucher:innen seltsam, dass das Eigelb der Bio-Eier oft blasser ist als bei normalen – das liegt aber daran, dass man an die Nicht-Bio-Hühner eben auch Mais oder gleich direkt Farbstoffe verfüttert – damit das Eigelb gelber wird.

Beim direkten Vergleichen zwischen gekochtem Bio-Ei und einem konventionellen können einige Feinschmecker aber nach eigener Aussage den Unterschied herausschmecken.

Hier einige einfache Rezepte:

Wichtiger als das Hoffen auf einen besseren Eierkuchen ist aber, wie wir mit den Tieren umgehen – und hier ist, abseits von der veganen Ernährung, die einzige vertretbare Option die Bio-Haltung. Die weniger strengen Regeln der konventionellen Haltung begünstigen die immer wieder auftauchenden Eier-Skandale.

Sind Discounter-Eier wirklich Bio?

Längst bieten auch Discounter Bio-Eier und solche aus Freilandhaltung an. Die müssen nicht zwangsläufig schlechter sein als andere. Aber eine preisgetriebene Logik führt geradezu automatisch dazu, dass Billig-Bio-Anbieter beim Einkauf vor allem auf den Preis schauen.

Der Preisdruck führt für die Produzenten wiederum dazu, dass das Ei so günstig wie möglich produziert werden muss – nur eben so, dass es die Bio-Kriterien mit minimalstem Aufwand erfüllt.

Aber: Selbst Billig-Bio ist immer noch besser als gar nicht bio. Eine Ausnahme mag aber durchaus auch mal die regionale Herkunft von vertrauenswürdigen Halter:innen sein.

Sind Bio-Eier mit Verbandslogo besser?

Eier ohne Küken-Schreddern: Initiativen
Bio-Eier mit den Siegeln der Anbauverbände stehen für noch etwas mehr Tierwohl – und einige Verbände setzen sich aktiv gegen Kükenschreddern ein. (Foto: © Szasz-Fabian Jozsef - stock.adobe.com)

Ja, besser als „irgendein“ Bio-Ei ist ein Bio-Ei, das zusätzlich eine Verbandszertifizierung hat. Bioanbauverbände wie Bioland, Demeter, Naturland haben teils noch strengere Richtlinien für den Platz, den Hennen haben und wie dieser gestaltet sein muss, oder das Futter, das sie erhalten.

Dort gibt es teils auch striktere Bestimmungen, dass etwa das Futter zu gewissen Anteilen aus regionalem Anbau kommen muss, wie die Hennen tierärztlich zu betreuen sind, ob der Hof parallel auch Nicht-Bio-Eier produzieren darf etc.

Die Details dazu würden einen eigenen Artikel ergeben, wichtig ist vor allem eines: Produzenten, die sich diesen Verbänden angeschlossen haben, halten nicht einfach nur Mindestvorschriften ein, um das EU-Bio-Siegel zu ergattern, sondern sie entwickeln Bio insgesamt weiter, wie etwa Naturland selbst mit dem Projekt Ei Care.

Kann ich Ei ersetzen?

Wegen all der Probleme rund ums Ei verzichten viele Menschen inzwischen bewusst auf Eier. Und auch das geht – z.B. mit diesen drei Rezepten:

Utopia empfiehlt: Nimm Bio-Eier!

Utopia empfiehlt, grundsätzlich Bio-Eier aus Ökohaltung (Code 0) zu kaufen, am besten solche mit zusätzlichen Siegeln von Bioanbauverbänden wie Bioland, Demeter, Naturland. Für alle, die genauer hinschauen wollen, können Freilandeier (Code 1) manchmal die bessere Wahl sein: Billige Bio-Eier vom Discounter können aus Nachhaltigkeitssicht „schlechter“ sein als Freilandeier vom Regionalmarkt, wo kleine Händler:innen ihre Waren anbieten, die mit lokalem Futter entstanden sind.

Eier aus Bodenhaltung oder Käfighaltung sollte man meiden.

Einfache Bio-Siegel wie das EU-Bio-Siegel stellen halbwegs sicher, dass minimale Regeln eingehalten werden, die für eine bessere Tierhaltung sorgen. Als Kernproblem bleibt, dass die Produktion tierischer Nahrungsmittel im industriellen Maßstab eigentlich nicht nachhaltig sein kann, auch nicht bei Eiern. Und dass auch die Bio-Tierhaltung Tierleid nicht ausschließen kann. Außerdem gibt der Eier-Code keine Auskunft darüber, wie groß der Stall war (Kleinhaltung oder Massentierhaltung), ob die Tiere gesund waren usw.

Hier ist die Politik gefragt, strengere Vorgaben für die Tierhaltung zu machen und die Einhaltung von Tierwohlstandards konsequenter zu kontrollieren. Auch Lebensmittelproduzenten und Supermärkte sollten mehr Verantwortung übernehmen und sich nicht immer mit dem Preisargument aus der Verantwortung ziehen.

Und: Solange wir Verbraucher:innen nicht einsehen wollen, dass ein Ei eigentlich mehr als 50 Cent kosten muss, wenn es unter würdigen Bedingungen entstehen soll, solange wird man uns eben auch faule Eier unterjubeln. Wie bei allen Produkten tierischen Ursprungs gilt also selbstverständlich auch für Bio-Eier: Bewusst und vor allem in Maßen konsumieren!

Bio-Eier, Freilandeier, Bodenhaltung – welche Eier soll ich kaufen?

Weiterlesen auf Utopia.de: 

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(7) Kommentare

  1. Erst einmal: ein schöner, übersichtlicher Artikel und ich würde ihn gerne so unterschreiben.
    Allerdings kommen mir ganz bestimmt keine Eier mehr in den Einkaufswagen. Der Hauptgrund dafür ist das Töten der männlichen Küken in der Eierproduktion. Dazu gibt es ja schon einen Artikel auf Utopia – ich würde es begrüßen, wenn dieser Missstand auch hier Erwähnung finden würde, da er untrennbar mit diesem Thema verbunden ist.

    Die „Alternative“, die männlichen Küken zu Masthähnchen zu machen, was sich wirtschaftlich ohnehin nicht rentiert, will ich persönlich nicht unterstützen. Von dem Prinzip, Tiere für die Schlachtbank heranzuzüchten, habe ich mich schon lange distanziert.

  2. Hi Sophie,

    ich bin auf den Artikel gestoßen, um nochmal zu sehen, ob es Bio-Eier sein „müssen“ – anscheinend ja 🙂
    Jedenfalls habe ich vor kurzer Zeit einen kleinen Bericht gesehen, wo jemand exakt das Problem vermeidet. Er zieht die männlichen Küken (unwirtschaftlich da wenig Fleisch) groß, dann werden sie geschlachtet. Meines Wissens nach, kosteten die Eier 2,79€.

  3. Danke für den informativen Artikel!
    Ad „Als Kernproblem bleibt, dass die Produktion tierischer Nahrungsmittel im industriellen Maßstab eigentlich nicht nachhaltig sein kann, auch nicht bei Eiern.“ >> Das ist ein Problem das auf sehr viele Bio-Produkten zutrifft. Der Verbraucher denkt, er kauft ökologisch verträgliche Produkte von glücklichen Tieren die auf der Weide stehen. Dass „Bio“ gar nicht diesen Anspruch hat, sondern – wie im Artikel erwähnt – Bio-Siegel noch weiter aufgeweicht werden, spricht sich leider viel zu langsam rum.
    Bei Eiern (wobei dasselbe Prinzip für alle Lebensmittel gilt) gibt es aber eine weitere Qualitätsstufe, die ich im Artikel vermisst habe: regional produzierte Eier vom Kleinbauern. Mein lokaler „Naturladen“ verkauft zB. Bio-Eier, die nicht zertifiziert sind, weil der Bauer sich für seinen winzigen Bertrieb kein Bio-Zertifikat leisten kann/will. Die Ladenbesitzerin kennt ihn und seine Landwirtschaft persönlich und weiß dass die Eier Bio-Standards weit übertreffen.
    Ein weiteres Beispiel sind sog. „Wieseneier“ die ich in ein paar Supermärkten gesehen habe, wo die Hühner artgerecht auf Gras, gemeinsam mit Hähnen, und in verhältnismäßig kleinen Ställen gehalten werden. Kosten dasselbe wie die Bio-Eier daneben, sind aber qualitativ um Welten besser (schmecken auch toll durch das Grünfutter)

    Wer also auf die artgerechte Haltung der Hühner und Nachhaltigkeit Wert legt, sollte mE weniger auf Bio-Siegel schauen sondern mehr dem Bauern auf die Finger. Bauernhof-Idylle wie in der Werbung gibt es nie im (Bio-)Supermarkt zu kaufen, sondern am ehesten bei regionalen Kleinbauern – oft nicht Bio-zertifiziert, aber de facto Bio 2.0 😉

  4. Moin also ml ehrlich so ein schwachsinnigen artikel hab ich selten gelesen. Top Bioeier dasBiosiegel ist nur eine frage des des Geldes, biosiegel ist nichts anderes als Augenwicherei. Freiland sind schlechter laut dieses Artikel .
    Super wir haben eigene Hühner ich lade den Verfasser dieses Artikels gerne ein zu Uns zu kommen und sogenannte Bioeier zu Verzeheren und dann unsere.

  5. Besonders die Ausführungen über Schwindler in der Branche kann ich bestätigen. Hatte beim Discounter ein 10er Pack Freilandeier gekauft, dann den Code auf der „Was-steht-auf-dem-Ei“-Seite eingegeben, NL war das Herkunftsland. Wenige Tage später berichtete ein Magazin (Panorama?) über diesen Erzeuger. Heimlich gedrehte Aufnahmen zeigten viel freie Auslaufwiese um den Stallkomplex, aber wo waren die Hühner? Zusammengepfercht im Stall, durch einen Elektrodraht an den Ausgängen am Verlassen des Stalls gehindert. Seitdem heißt Freiland für mich: Um den Stall ist viel freies Land herum. Frei von Hühnern.