Hitzewellen und Extremwetter: Weltklimarat mahnt zum Handeln

Am Montag legt der Weltklimarat den neuesten Wissensstand zur globalen Erwärmung vor.
Foto: CC0 Public Domain – Unsplash/ Kelly Sikkema

Am Montag hat der Weltklimarat (IPCC) den neuesten Bericht zur globalen Erwärmung vorgestellt. Das Fazit: Die drastischen Folgen der Erderwärmung werden immer klarer und der angestrebte Klimaschutz reicht nicht.

Der Weltklimarat führt die Folgen der menschengemachten Erderwärmung in seinem neuen Bericht drastischer vor Augen als je zuvor. Anbei die wichtigsten Punkte des Berichts, der am Montag in Genf veröffentlicht wurde:

Die globale Mitteltemperatur könnte bereits in den frühen 2030ern auf 1,5 Grad gegenüber vorindustriellem Niveau ansteigen, allerspätestens aber 2040. 2018 hatte der Weltklimarat eine Prognose veröffentlicht, laut der wir die Marke zwischen 2030 bis 2052 erreicht würden, die Zeitspanne war also größer. Ohne entsprechende Verschärfung der Maßnahmen, werden wir das 1,5-Grad-Ziel bald verfehlen.

Außerdem werde es häufiger zu bisher selten auftretenden Wetterextremen kommen, und zwar auch dann, wenn wir es schaffen, die globale Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen.

  • „Es ist sehr wahrscheinlich, dass Episoden mit Starkniederschlägen in den meisten Regionen mit einer weiteren Klimaerwärmung intensiver und häufiger werden“, heißt es. „Sehr wahrscheinlich“ heißt: mit 90 bis 100-prozentiger Sicherheit.
  • Auch Hitzewellen, die bisher etwa alle 50 Jahre auftraten, werde es einmal pro Jahrzehnt geben.
  • Dürren werden 1,7 mal häufiger, Brände intensiver und länger.

Der Meeresspiegel wird dem Bericht zufolge stark ansteigen. Bei Klimaneutralität bis 2050 soll er bis Ende des Jahrhunderts immer noch um bis zu 62 Zentimeter höher sein als 1995-2014.

Ein Drittel des Reports beschäftigt sich mit regionalem Klima. Die Forscher:innen weisen außerdem auf Entwicklungen in der Forschung hin. Früher ließen sich einzelne Wetterereignisse nicht klar mit dem Klimawandel in Zusammenhang bringen. Aber jetzt könne man tatsächlich quantitative Aussagen über extreme Wetterereignisse treffen.

Der Weltklimarat hat außerdem einen interaktiven Atlas vorgestellt, um die Auswirkungen des Klimawandels auf die eigene Heimat nachvollziehen zu können. Hier gelangst du zum Atlas, hier zum Bericht des IPCC.

Wir brauchen Klimaneutralität bis 2050

„Wenn wir auf einem globalen Level bis 2050 null CO2-Emissionen ausstoßen, ist es sehr wahrscheinlich, dass wir die Klimaerwärmung auf unter zwei Grad beschränken können. Wenn wir das schaffen, ist es wahrscheinlich, dass die Temperatur bis zum Ende des Jahrhunderts langsam auf etwa 1,5 Grad sinkt, mit zeitweisen Überschreitungen von nicht mehr als 0,1 Grad Celsius“, erklärte die Paläoklimatologin Valérie Masson-Delmotte auf der Pressekonferenz des Weltklimarats. „Wenn die Treibhausgasemissionen aber auch in kommenden Jahrzehnten auf dem heutigen Level bleiben, würden wir bis Mitte des Jahrhunderts zwei Grad globale Erwärmung erreichen.“

Jedes zusätzliche halbe Grad Erwärmung, warnt die Forscherin, wird Zunahmen in der Intensität und Häufigkeit von warmen Extremen verursachen, sowie von heftigem Niederschlag und Dürren. „Bei zwei Grad globaler Erwärmung würde extreme Hitze öfter kritische Toleranz-Schwellenwerte für die Landwirtschaft und die menschliche Gesundheit erreichen.“

IPCC: Änderungen im Klima sind irreversibel

Das Forschungsteam wies auf der Pressekonferenz darauf hin, dass einige Auswirkungen auf die Natur nicht mehr aufzuhalten seien. „Viele der durch den menschengemachten Klimawandel in Gang gesetzten Veränderungen sind langsame Prozesse“, hieß es.

Änderungen in Eisdecken, Tiefseetemperaturen und Versauerung werden für Jahrhunderte oder Jahrtausende andauern, sie sind also zu unseren Lebzeiten irreversibel. Die Änderungen können aber verlangsamt werden durch rapide Rückgänge in Treibhausgasemissionen. Dies betrifft nicht nur das Klimagas CO2, sondern auch Treibhausgase wie Methan.

Selbst, wenn es gelingen sollte, bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen, dürfte der Meeresspiegel Ende des Jahrhunderts um die 60 Zentimeter höher sein als 1995-2014. Klimaneutralität heißt, dass nur noch höchstens so viel Treibhausgas ausgestoßen wird wie Senken aufnehmen können.

„In der Arktis sind Dreiviertel des Meereisvolumens im Sommer schon abgeschmolzen“, sagte Mitautor Dirk Notz vom Max-Planck-Institut für Meteorologie. „Wir werden es vermutlich nicht mehr verhindern können, dass das Nordpolarmeer bis 2050 im Sommer zumindest in einzelnen Jahre weitgehend eisfrei sein wird.“

Der Weltklimarat beleuchtete die physikalischen Grundlagen zuletzt 2013. Seitdem hätten sich Unsicherheiten in den Klimamodellen deutlich reduziert. Anders als damals stellen die Wissenschaftler:innen jetzt klar fest: Wenn die Treibhausgas-Emissionen nicht sehr schnell heruntergefahren werden, wird das Ziel, die Erwärmung auf unter zwei Grad über vorindustriellem Niveau zu begrenzen, scheitern. Zudem könnten mehr Klimaveränderungen direkt auf den Einfluss des Menschen zurückgeführt werden, sagte Mitautorin Veronika Eyring von der Universität Bremen.

„Menschlicher Einfluss hat das Klima so aufgeheizt wie seit 2000 Jahren nicht mehr“

„Es ist zweifelsfrei, dass der menschliche Einfluss die Atmosphäre, den Ozean und das Land aufgeheizt hat“, heißt es in dem Bericht. „Menschlicher Einfluss hat das Klima so aufgeheizt, wie es seit mindestens 2000 Jahren nicht mehr vorgekommen ist. (…) 2019 war die CO2-Konzentration in der Atmosphäre höher als zu jedem anderen Zeitpunkt seit mindestens zwei Millionen Jahren.“

Der Weltklimarat nennt auch zwei Horrorentwicklungen, die zwar unwahrscheinlich, aber nicht auszuschließen seien. Zum einen ist das ein Anstieg des Meeresspiegels um zwei Meter bis Ende des Jahrhunderts, je nachdem, wie der Eisschild der Antarktis weiter schmilzt. Zum anderen ist das ein Kollaps der Atlantischen Umwälzströmung (AMOC), die schon an Fahrt verloren hat. Sie verteilt kaltes und warmes Wasser im Atlantik und beeinflusst etwa den für Milliarden Menschen wichtigen Monsun in Afrika und Asien. Ein Zusammenbruch des Systems, zu dem auch der Golfstrom gehört, hätte auch Auswirkungen auf Europa.

Die globale Mitteltemperatur liegt nach diesem IPCC-Bericht für den Zeitraum 2011 bis 2020 knapp 1,1 Grad über dem vorindustriellen Niveau (1850-1900). Laut Pariser Klimaabkommen wollen die Staaten die Erderwärmung unter zwei Grad halten, möglichst bei 1,5 Grad. „Wenn wir die Emissionen nicht schnell genug herunterfahren und bis etwa 2050-2070 netto-null erreicht haben, werden wir beide Pariser Klimaziele verfehlen“, sagte Mitautor Douglas Maraun von der Universität Graz.

Bericht des Weltklimarats stellt 5 Szenarien vor

Waldbrände können durch verschiedene Arten entstehen, wie zum Beispiel Blitzeinschläge, weggeworfene Zigaretten und Brandstiftung.
Weil Wetterlagen sich langsam bewegen, können Hitzewellen und Hitzeglocken entstehen. (Foto: CCO Public Domain / Pixabay - Gerd Altmann)

Der Weltklimarat entwirft fünf Szenarien. Darunter sind zwei, in denen die Welt etwa 2050 Klimaneutralität erreicht und danach mehr CO2 speichert als ausstößt. Nur damit könnte der Anstieg der Mitteltemperatur Ende dieses Jahrhunderts bei 1,8 Grad oder darunter bleiben.

Bei gleichbleibenden Emissionen bis 2050 würde die Temperatur Ende dieses Jahrhunderts um 2,1 bis 3,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau liegen. In zwei weiteren Szenarien mit mindestens der Verdoppelung der CO2-Emissionen bis Mitte des Jahrhunderts wäre ein Anstieg der Temperatur um bis zu 5,7 Grad möglich.

„Wenn man sich anschaut, was die einzelnen Regierungen für den Klimaschutz zugesagt haben, würde man im Moment am ehesten im mittleren Szenario landen“, sagte Notz. „Für die Zukunft bleibt aber natürlich unklar, ob die Zusagen eingehalten werden oder ob die Regierungen andererseits ihre Bemühungen noch verstärken werden.“

Ein Realitätscheck: Die Energie-Agentur der US-Regierung (EIA) hat 2019 berechnet, dass der CO2-Ausstoß wegen der erst beginnenden Industrialisierung vieler Länder bis 2050 von heute im Jahr rund 36 Milliarden Tonnen auf mehr als 42 Milliarden Tonnen wachsen könnte. China produziert zur Zeit das meiste Treibhausgas, etwa ein Viertel der Gesamtmenge, vor den USA mit 18 und der EU mit 17 Prozent. Der Anteil der CO2-Emissionen, die in Senken wie Wäldern oder Ozeanen aufgenommen werden und nicht in der Atmosphäre bleiben, liegt nach dem Bericht bei etwa 44 Prozent.

Der IPCC-Bericht wurde von mehr als 230 Forschenden aus 66 Ländern verfasst. Die Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger wurde von den 195 IPCC-Mitgliedsländern einstimmig abgesegnet. „Die Regierungen sitzen also mit im Boot, keiner kann hinterher sagen: Ich habe damit nichts zu tun“, sagte Jochem Marotzke vom Max-Planck-Institut für Meteorologie.

Ein Baustein kann sein: Sofort Umsteigen auf einen Ökostromtarif.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat nach dem neuen Bericht des Weltklimarats IPCC eine rasche Abkehr von Kohle, Öl und Gas und einen Ausbau von der Sonnen- und Windkraft gefordert. „Es gab schon genug Weckrufe und Appelle“, erklärte die SPD-Politikerin am Montag in Berlin. „Der heute vorgestellte IPCC-Bericht führt uns erneut vor Augen, dass die Zeit für die Rettung des Planeten, wie wir ihn kennen, abläuft.“

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) sprach von einem nicht mehr zu überhörenden Warnsignal. „Dank verbesserter Beobachtungen, Messungen und Klimamodelle gibt es heute nicht mehr den geringsten Zweifel daran, dass wir Menschen es sind, die das Klima weltweit verändern.“

Schlimmste Folgen können noch abgewendet werden

Der Bericht des Weltklimarats zeigt eine düstere Zukunft auf. Doch noch besteht kein Grund, die Hoffnung zu verlieren: Die Erderwärmung kann noch gestoppt werden, wenn Politik und Industrie sofort weitreichende Maßnahmen ergreifen.

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