Öko-Test: Glutenfreie Lebensmittel mit Arsen, Mineralöl belastet

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Glutenfreie Lebensmittel gibt es inzwischen ganz selbstverständlich in jedem Supermarkt. Doch ihre Qualität lässt zuweilen zu wünschen übrig, wie Öko-Test jetzt feststellte: Jedes zweite glutenfreie Produkt enthält Mängel.

Etwa 1% der Bevölkerung ist real von Zöliakie betroffen: Diese Menschen vertragen nicht das „Gluten“ genannte Kleber-Eiweiß, das in Weizen, Roggen, Gerste und verwandten Getreidearten wie Dinkel, Grünkern und Emmer steckt. Betroffene klagen über Durchfall, Blähungen, Schlaflosigkeit, Depressionen oder Nährstoffdefizite wie Eisenmangel.

Normales Mehl, Nudeln und Brot sind daher für Menschen mit einer Glutenunverträglichkeit tabu. Doch längst gibt es Regale voll mit glutenfreien Lebensmitteln – sowohl im Discounter, als auch im Bio-Supermarkt. Aber wie gut sind sie wirklich?

Bei Öko-Test mussten sich Bio-Produkte mit Lebensmitteln aus konventionellem Anbau messen. Dabei fielen vor allem Pestizide, Arsen und Mineralöl-Rückstände auf. Aber: Auch bei glutenfreien Bio-Produkten ist nicht alles im grünen Bereich.

Öko-Test: Glutenfreie Lebensmittel in Bio-Qualität

Sieben glutenfreie Bio-Produkte hat Öko-Test im Labor untersuchen lassen. Von alltäglichen Lebensmitteln wie Mehl, Nudeln und Brot bis hin zu einer Waffel-Backmischung und Haferbrei. Viermal gab es ein „gut“ oder „sehr gut“. Die besten:

  • Bio-Spirelli (Alnavit): Die Nudeln erhalten die Bestnote „sehr gut“, da sie frei von Pestiziden und Mineralöl sind. Statt Weizenmehl enthalten die Spirelli Maismehl und Reismehl. Die 400-Gramm-Packung kostet 2,99 Euro (online z.B. bei** Rewe).
  • 3-Korn Waffeln (Bauckhof): Auch die Waffel-Backmischung ist „sehr gut“, lobt Öko-Test. Auch hier dienen Reismehl und Maismehl als Ersatz für Weizenmehl. Für 200 Gramm zahlst du 1,49 Euro (online z.B. bei** Purenature).

Glutenfreies Bio-Mehl: Öko-Test findet Arsen

Zwei verschiedene Mehlmischungen mit Bio-Siegel hat Öko-Test genauer unter die Lupe genommen. Beide setzen auf Reismehl, Hirsemehl und Mais-Mehl bzw. Maisstärke.

Das Problem dabei ist: Über Reis gelangt häufig Arsen in Lebensmittel, wie hier beim verwendeten Reismehl. Arsen steht unter Verdacht, krebserregend zu sein. Daher empfiehlt Öko-Test, nicht Reismehl als glutenfreie Alternative zu verwenden.

  • Bio Helle Mehlmischung (Seitz): Bis auf einen erhöhten Arsengehalt fand Öko-Test keine weiteren bedenklichen Inhaltsstoffe. Note: „gut“. Pro Kilogramm kostet das Mehl ca 4,59 Euro (z.B. bei Querfood).
  • 4-Korn-Mehl (Wertz): Ebenfalls „gut“ ist das 4-Korn-Mehl von Wertz. Auch hier gab es bis auf den erhöhten Arsengehalt nichts zu beanstanden. Der Preis pro Kilogramm beträgt ca. 7,49 Euro.

Zur Orientierung: Der Arsengehalt bei den beiden getesteten Mehlen ist leicht erhöht, alle Grenzwerte werden aber eingehalten. Die Mehle enthalten etwa so viel Arsen wie auch in vielen Reis-Packungen enthalten ist.

Bio-Brote ohne Gluten – dafür mit Cadmium

Fertiges glutenfreies Bio-Brot schnitt nur mittelmäßig ab:

  • Im „Glutenfree Baguette“ von Schnitzer fand Öko-Test Cadmium-Rückstände. Daher ist das Baguette nur „befriedigend“.
  • Im „Bio Vollkornbrot“ von Alnavit wies das Labor neben Cadmium auch eine erhöhte Konzentration von Arsen nach – „ausreichend“ lautet daher das Fazit.

Das giftige Schwermetall kann sich im Körper anreichern und zu Knochenschäden führen, so Öko-Test.

Glutenfreie Lebensmittel: nicht bio und trotzdem „sehr gut“

Unter den 13 getesteten glutenfreien Lebensmitteln ohne Bio-Siegel erhielten immerhin fünf die Bestnote „sehr gut“. Empfehlenswert sind laut Öko-Test Nudeln, Brot, Haferflocken und Mehl:

  • Penne Rigate (Barilla): Weißes und gelbes Maismehl sowie Reismehl dienen als Mehl-Ersatz bei den Barilla-Nudeln. Sie sind frei von bedenklichen Inhaltsstoffen und damit „sehr gut“. Für 400 Gramm zahlst du 1,99 Euro (online** z.B. bei Rewe).
  • Enjoy Free Brot Hell (Aldi Süd): Auch das glutenfreie Brot vom Discounter ist „sehr gut“. Hier setzt der Hersteller auf Mais, Soja und Reis. Für 360 Gramm zahlst du 2,19 Euro.
  • Goldähren kernig (Aldi Nord): Beim Schwesterunternehmen fand Öko-Test zwar ein Pestizid, aber nur in sehr geringen Spuren. Somit erhielt auch das Goldähren-Brot ein „sehr gut“. Eine Packung mit 400 Gramm bekommst du für 2,19 Euro.
  • Köllnflocken (Kölln): Nichts zu beanstanden gab’s bei den Haferflocken von Kölln. Hier bekommst du ein Pfund für 1,39 Euro (online** z.B. bei Rewe, Mytime.de)
  • Mix it! Universal Mehl (Schär): Auch das Mehl von Schär ist laut Öko-Test „sehr gut“. Es besteht vorwiegend aus Reismehl, Kartoffelstärke und Zucker. Bedenkliche Inhaltsstoffe fanden die Experten nicht. Pro Kilogramm zahlst du ca. 3,49 Euro (online** z.B. bei Rewe).

Mineralöl in glutenfreiem Brot entdeckt

In drei glutenfreien Broten stellte Öko-Test Rückstände von Mineralöl fest. Dabei handelt es sich um MOSH (gesättigte Mineralöle) die krebserregend und erbgutschädigend sein können. Vor allem durch die Verpackungsmaschinen und Verpackungen aus Recycling-Karton kann Mineralöl an die Lebensmittel gelangen.

Erhöhte Mineralöl-Rückstände fanden die Experten im 3 Pauly Teff Bauernbrot sowie im Gluten Free Reisbrot von Schär und im Vitalbrot mit Sonnenblumenkernen von Hammermühle.

Bei Bio-Produkten stellte Öko-Test dagegen keine Mineralölrückstände fest. Hersteller Hammermühle teilte mit, dass er die Verpackung verbessern und so den Mineralölgehalt senken wolle.

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(3) Kommentare

  1. Auch Stiftung Warentest hat sich bereits mehrfach mit dem Mineralölgehalt von verpackten Lebensmitteln befasst. Einbringungsquellen können im Bereich der Grundstoffe (unpassende Verpackung, schlechte Lagerung), die Verarbeitung (Verunreinigung durch die Maschinen, die die Lebensmittel verarbeiten) oder die Produktverpackung sein.

    Insbesondere die Verpackung scheint immer wieder eine Ursache von Verunreinigungen zu sein. Dabei sind es zumeist Papierverpackungen, die als Einbrjngungsquellen von Mineralölen in Lebensmittel angesehen werden. Hier gilt, dass das Risiko mit dem Anteil des Altpapiers in der Verpackung steigt und ebenso von der Art und Menge der Druckerfarben abhängt. Kunststoffverpackungen bringen dagegen keinerlei Mineralölbestandteile in die Lebensmittel ein, ebensowenig wie Glas.

  2. Aber sollte es jetzt die Konsequenz sein, kein Altpapier mehr zu verwenden, damit noch mehr Wälder abgeholzt werden?
    Oder sollte man die geringen Anteile der berühmten MOSH/MOAH lieber hinnehmen? Es gibt dafür ja nicht mal gesetzliche Grenzwerte.
    Was ist das geringere Übel?
    Ich kenne die Antwort nicht…

  3. Die globale Waldfläche wächst seit Jahrzehnten (ein Grund könnte der steigende CO2-Gehalt der Luft sein, CO2 iSt bekanntlich Pflanzennahrung). Und wenn Papier mit den üblichen Mindeststandards verwendet wird, wird dafür nicht mehr Wald gerodet als wieder aufgeforstet wird. Papier ist im besten Sinne ein nachwachsender Rohstoff.