Pampers-Hersteller recycelt Windelmüll zu Schulbänken und Katzenstreu

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Babywindeln stellen ein gigantisches Müllproblem dar. Bislang werden die vollen Windeln über den Hausmüll entsorgt und verbrannt. Sie zu recyceln galt als unrealistische Zukunftsvision. Jetzt will der Pampers-Hersteller Einwegwindeln recyceln. Die erste Anlage dazu existiert bereits.

Herkömmliche Einwegwindeln von Babys produzieren viel Müll. Berge von Müll. Bis ein Kind trocken ist und keine Windeln mehr braucht, hat es ungefähr 5.000 Windeln verbraucht. Der Windelanteil am gesamten Müllaufkommen liegt in deutschen Städten teilweise bei zehn Prozent, berichtet der Bund Naturschutz.

Für die Umwelt sind Einwegwindeln fatal: Sie werden mit viel Energie und hohem Kunststoffbedarf produziert – nur um wenige Stunden später weggeworfen zu werden. Sie zu recyceln, wäre für die Umwelt ein Gewinn. Logistisch und technisch ist das allerdings eine Herausforderung. Die Windeln müssten gesammelt und transportiert werden. Auch der Recyclingprozess selbst ist anspruchsvoll: Windeln bestehen aus mehreren, miteinander verklebten Materialschichten.

Bislang war es nicht möglich, die in Windeln enthaltenen Rohstoffe wiederzuverwerten. Jetzt will Procter & Gamble, Hersteller der Pampers-Windel und Marktführer bei Windeln, diese nicht nur produzieren, sondern sie künftig auch mit einem neuen Verfahren recyceln.

Windel-Recycling-Maschine in Treviso
Windel-Recycling-Maschine in Treviso (Procter & Gamble)

10.000 Tonnen Windeln sollen recycelt werden

Procter & Gamble (P&G) hat eine Technologie entwickelt, um Einwegwindeln und andere Hygieneprodukte zu recyceln. Die erste Anlage steht im norditalienischen Treviso und läuft bereits. Betrieben wird der Prototyp von Fater S.p.a., einem Joint Venture von Procter & Gamble, und der italienischen Gruppo Angelini.

„Die Anlage ist darauf ausgelegt, 10.000 Tonnen benutzter Windeln pro Jahr zu recyceln. Um die Zahl einordnen zu können: Das entspricht in etwa dem Müllaufkommen an Hygieneprodukten, das im Durchschnitt pro eine Million Einwohner pro Jahr anfällt“, so Björn Sievers, Sprecher von Procter & Gamble in Deutschland. „Die Technologie ist weltweit führend und einzigartig.“

Windeln werden zu Schulbänken und Katzenstreu

In einem zweistufigen Verfahren werden die Windeln im ersten Schritt mit Hilfe von Hochdruckdampf und Druck sterilisiert und die Gerüche beseitigt. Im zweiten Schritt werden die Windeln zerkleinert und in ihre Bestandteile getrennt. „Aus einer Tonne Windeln gewinnen wir mit der patentierten Technologie rund 150 Kilogramm Zellulose, 75 Kilogramm Kunststoff und 75 Kilogramm absorbierendes Polymer“, erklärt Björn Sievers. Damit lassen sich fast 100 Prozent der eingesetzten Rohstoffe einer trockenen Windel zurückgewinnen.

Durch technisch aufwändiges Recycling werden schmutzige Windeln zu Katzenstreu und Schulbänken
Durch technisch aufwändiges Recycling werden schmutzige Windeln zu Katzenstreu und Schulbänken (Foto: Colourbox.de, C0 Public Domain / Pixabay - Taken)

Ein Bestandteil, der die Windel erst zur Windel macht, ist die saugstarke Zellulose. Die soll in der italienischen Recyclinganlage so recycelt werden, dass sie wiederverwendet werden kann, zum Beispiel für Katzenstreu. Der Plastikbestandteil wird für Schulbänke, Wäscheklammern, Kunststoffkörbe etc. genutzt.

Ziel von Procter & Gamble ist es nach eigenen Aussagen, die Rohstoffe möglichst lange im Kreislauf zu halten. Das große Unternehmensziel lautet, bis 2030 nur noch recyclebare oder wiederverwertbare Verpackungen anzubieten.

Herausforderung ist die Sammlung

Recycling schön und gut – aber dazu müssen die vollen, stinkenden Windeln erst einmal gesammelt und zur Recycling-Anlage transportiert werden. Bislang müssen Windeln in Deutschland über den Hausmüll entsorgt werden. P&G prüft die Möglichkeiten von Sammelsystemen für daheim und einer Sammlung über Kindertagesstätten, wo erfahrungsgemäß viel Windelmüll anfällt.

Auch andere Unternehmen arbeiten bereits an Recycling-Ideen für Einwegwindeln. DYCLE plant, Babywindeln einzusammeln – die müssen allerdings zu 100 Prozent biologisch abbaubar sein – und in wertvolle Humuswerte umzuwandeln.

In den Niederlanden arbeitet die Recycling-Firma ARN an einer Fabrik, die künftig Windeln recyceln soll. Aus dem Windelinhalt soll dabei Kunstdünger entstehen, aus dem wiedergewonnenen Plastik Gartenmöbel oder Blumentöpfe.

Eine ökologisch sinnvolle Alternative: Stoffwindeln
Eine ökologisch sinnvolle Alternative: Stoffwindeln (Foto: © yavdat - Fotolia.com)

Alternative: Stoffwindel und Ökowindel

P&G will das System bis 2030 in zehn Metropolregionen weltweit etablieren. Bis wir die Windeln unserer Kinder recyceln können, wird also noch etwas Zeit vergehen. Die Alternativen für umweltbewusste Eltern sind Ökowindeln, beziehungsweise Stoffwindeln. Mehr über die Vor- und Nachteile von Stoffwindeln, erfährst du hier. Wenn du dich für Öko-Windeln interessierst, ist Fairwindel eine gute Alternative. Sie kommt ohne Superabsorber auf Erdölbasis aus und besteht zu ungefähr 80 Prozent aus biologisch abbaubaren und nachhaltigen Materialien. An einer Optimierung wird gearbeitet.

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(5) Kommentare

  1. Ich verstehe die ganze Diskussion um Einweg-Windeln sowieso nicht:
    Ich bin seinerzeit (Mitte der 70-er Jahre) noch klassisch in Stofftücher gewickelt worden – nach Aussage meiner Mutter schon deswegen, weil seinerzeit Windeln in der DDR gerade mal Mangelware waren. Die Tücher wurden einfach gewaschen und wiederverwendet. Und dachdem die Tücher nicht mehr genötigt wurden, konnte man sie immer noch Putzlappen verwenden.
    Zudem hat mir eine Kindergärtnerin aus meinem Bekanntenkreis mal erklärt, daß diese Praxis für die Entwicklung der Kinder förderlich wäre:
    Mit etwa einem Jahr wird es den Kindern unangenehm, in nase oder „verschissene“ Tücher gewickelt zu sein, weshalb sie in diesem Fall schneller „trocken“ werden.

  2. Stimmt schon, Stoffwindeln sind ökologischen. Aber bei weitem nicht so bequem. Und das ist das Problem. Bei Stoffwindeln musst Du alle Nase lang wechseln. Wir hatten unsere Große in Stoffwindeln. Nachts ca 5 Mal wechseln, weil alles durchgenässt war. Tagsüber auch rund 5 Mal wechseln, wenn nicht gerade Sommer war und man sie ohne alles laufen lassen konnte. Vor allem das nachts so oft wechseln war anstrengend! Unseren Kleinen haben wir dann nur noch am Tag in Stoff gehabt, nachts gab es Öko-Einwegwindeln. Die hielt in der Regel die ganze Nacht. Das macht einen enormen Unterschied in der Schlafqualität! Auch wenn ich Stoffwindeln für erstrebenswert halte kann ich verstehen, wenn anderen das zu umständlich ist.

  3. Daran wie ich das seinerzeit empfunden habe, kann ich mich nicht mehr erinnern – ist zu lange her (laut gelacht).
    Im Erst:
    Natürlich sind Einweg-Windeln eine praktische Sache, die den Eltern viel erleichtern und dem Kind ein angenehmes Gefühl vermitteln. Aber eben um den Preis der Umwelt.
    Wie Eltern das handhaben, ist letztlich ihre Entscheidung.

  4. eine Nachbarin, die benutzte Leihwindeln aus Stoff, die benutzten Leihwindeln, sammelte sie in einem Eimer wurden abgeholt, und sie bekam frische Leihwindeln gebracht, für zuhause.
    Sie braucht die Stoffwindeln nicht kaufen und mit der Reinigung hatte sie auch nichts zu tun.
    Hörte durch sie von Leihwindeln zum ersten mal, macht angesichts 5.000 Windeln die ein Baby braucht Sinn.
    Nur für unterwegs hatte sie ganz wenige Einwegwindeln.

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