7 Video-Chat-Apps, die uns jetzt Geschäftsreisen (und das Coronavirus) ersparen können

Foto: PD / Unsplash / Benjamin Child

Du willst mit anderen Leuten reden, dafür aber nicht vor die Tür gehen? Derzeit verständlich – hier sind 7 Online-Meeting-Systeme, die dir dabei helfen, per Video-Chat und kostenloser Telefon-Konferenz-Schaltung in Kontakt zu bleiben. 

Seit über 20 Jahren sind Videokonferenzen technisch kein Problem mehr. Längst hätten wir damit viele klimaschädliche Dienstreisen ersetzen können. Längst könnten Kinder an Unterrichtsstunden auch per Stream teilnehmen. Längst könnten Ärzte per Video zumindest einfache Diagnosen stellen. All das hat #neuland versäumt …

Aber Schwamm drüber. Denn nun gibt uns das Coronavirus die Möglichkeit, Video-Chats neu auszuprobieren – um weder uns noch andere anzustecken und vielleicht auch, um mal auf den Geschmack zu kommen. Denn auch wenn Streaming das Klima belastet: Jedes Meeting, das ohne Anreise per Auto, Bahn und Flieger auskommt, produziert garantiert weniger CO2. Und derzeit verhindert man so eben auch die Ausbreitung des Coronavirus.

Video-Chat-Apps, die uns Reisen (und Coronavirus) ersparen

Wir haben uns ein paar Tools angeschaut, die Menschen auf verschiedenen Plattformen auf einfache Weise miteinander verbinden. Wir konzentrieren uns auf die Möglichkeit, schnell mal kostenlos etwas zu besprechen, auch wenn die meisten Dienste gegen Aufpreis viele erweiterte Funktionen bieten. 

Fairmeeting

Fair an diesem Tool ist, dass es datenschutzkonform und dezentral arbeitet, auf Open-Source-Software basiert und von Vielnutzer*innen nach Möglichkeit bezahlt werden kann. Allerdings sorgt die P2P-Arbeitsweise dafür, dass die Video- und Tonqualität des Gesamtmeetings schlecht werden kann, wenn eine*r der Teilnehmer*innen eine schlechte Leitung hat. Gut aber: Jede*r kann im Handumdrehen einen virtuellen Video-Chat-Raum eröffnen. Einfach mal ausprobieren!

  • läuft auf Windows, Mac, Android, iPhone (u.v.m. via Jitsi-Client) und im Webbrowser
  • Anmeldung für niemanden notwendig
  • Chat, Audio, Video (Screensharing mit Chrome-Plugin)
  • Dialoge und Gruppengespräche
  • kostenlos (genauer: pay what you can) für 2 bis 19 Teilnehmer*innen
  • fairmeeting.net

Skype

Gut am Video-Chat-Klassiker Skype ist, dass es die Skype-App für viele Geräte gibt und viele Menschen auch schon ein Konto haben. Die Grundversion ist kostenlos, bezahlen muss man erst, wenn man normale Telefonnummern anrufen will. Das Anmelden dauert nur wenige Minuten, eine beliebige E-Mail-Adresse reicht. Einzigartig: Ein aktives Telefonat kann während des Gesprächs auf Ende-zu-Ende-Verschlüsselung umgestellt werden. 

  • läuft auf Windows, Mac, Android, iPhone und im Webbrowser
  • Anmeldung für alle Teilnehmer*innen notwendig
  • Chat, Audio, Video, Screensharing
  • Dialoge und Gruppengespräche
  • kostenlos für 2 bis 50 Teilnehmer*innen
  • skype.com

 Hangouts

Ja, der Video-Chat Hangouts ist von der Datenkrake Google, aber ebenfalls auf zahlreichen Plattformen verfügbar. Voraussetzung ist ein Google-Konto, zum Beispiel Gmail, dann ist die Anmeldung ein Klacks. Ebenfalls sehr verbreitet.

  • läuft auf Windows, Mac, Android, iPhone und im Webbrowser
  • Anmeldung für alle Teilnehmer*innen notwendig
  • Chat, Audio, Video, Screensharing
  • Dialoge und Gruppengespräche
  • kostenlos für 2 bis 10 Teilnehmer*innen
  • hangouts.google.com

Whatsapp

Auwei, noch eine Datenkrake, aber weil sehr viele Menschen ohnehin WhatsApp installiert haben, sei darauf hingewiesen: WhatsApp kann nicht nur Emojis, sondern auch Telefonate und Video-Chats mit bis zu vier Personen, wobei der Screen dann viergeteilt wird.

  • läuft auf Android und iPhone (Desktop/Web nur Chat)
  • Anmeldung für alle Teilnehmer*innen notwendig
  • Chat, Audio, Video
  • Dialoge und Gruppengespräche
  • kostenlos für 2 bis 4 Teilnehmer*innen
  • whatsapp.com
Home Office(Foto: PD / Unsplash / Andrew Neel)
Tagen und meeten im Home Office: für die Umwelt zuweilen besser.

Facetime

Wie von Apple gewohnt arbeitet Facetime nur auf Apple-Geräten, dort aber besonders problemlos, weil es meist schon installiert ist. Die Anmeldung zum Video-Chat läuft entweder über das normale Telefonbuch (iPhone) oder eine Apple-ID (Mac, iPad). Einziger Haken: Alle müssen Apple haben.

  • läuft auf Mac, iPhone, iPad
  • Anmeldung für alle Teilnehmer*innen notwendig
  • Chat, Audio, Video
  • Dialoge und Gruppengespräche
  • kostenlos für 2 bis 32 Teilnehmer*innen
  • Hilfe: support.apple.com/de-de/HT204380

Whereby

Das Videokonferenzsystem Whereby kommt aus Norwegen und richtet sich eigentlich an berufliche Anwender*innen. Auf der Website kann jede*r ein kostenloses Konto mit einem virtuellen Gesprächsraum eröffnen (Anmeldung via Mail), in dem dann bis zu vier Teilnehmer*innen sprechen können. Die Besucher*innen des Video-Chatrooms brauchen anders als die Owner*innen keinerlei Anmeldung – das macht den Einsatz supereinfach.

  • läuft auf Android, iOS und im Webbrowser
  • Anmeldung nur für erste*n Teilnehmer*in notwendig
  • Chat, Audio, Video, Screensharing
  • Dialoge und Gruppengespräche
  • kostenlos für 2 bis 4 Teilnehmer*innen
  • whereby.com

Gotomeeting

Tools wie dieses sind eigentlich für Online-Meetings von Business-Anwender*innen gedacht und bieten zum Beispiel Aufzeichnungen in der Cloud, Konferenzen mit 250 Teilnehmer*innen und vieles mehr. Dennoch lohnt sich auch hier ein Blick auf die Free-Version, die für einfache Meetings nämlich oft völlig ausreicht.

  • läuft auf Android, iOS und im Webbrowser
  • Anmeldung nur für erste*n Teilnehmer*in notwendig
  • Chat, Audio, Video, Screensharing
  • Dialoge und Gruppengespräche
  • kostenlos, aber zeitbegrenzt (40 Minuten) für 2 bis 4 Teilnehmer*innen
  • gotomeeting.com/de-at

Es gibt noch viele andere Tools, um Telefongespräche oder Video-Chats zu führen, etwa webex.com des US-Netzwerkriesen Cisco oder das gehypte US-Unternehmen zoom.us, das Gespräche in der kostenlosen Version ebenfalls auf 40 Minuten begrenzt, wenn mehr als 3 Personen teilnehmen. Dafür kann man theoretisch auch zu 100 Teilnehmer*innen eines Vortrags sprechen – und sich den realen Vortrag sparen. Allerdings wurde 2019 eine schwere Sicherheitslücke auffällig, so daß man den Dienst lieber nur per Web nutzen sollte.

Nennenswert noch: Teamspeak  und Discord – beide kommen eigentlich aus dem Bereich der Online-Gamer und haben ihre Stärken bei Gruppen-Telefonaten ohne Video. Wenn ihr noch gute Video-Chat-Apps oder Online-Meetings für den Webbrowser kennt, schreibt uns in den Kommentaren!

Video-Chats sind keine Privatgespräche!

Natürlich können auch diese Dienste mal überlastet sein, etwa weil nun wahrscheinlich mehr Menschen als sonst sie nutzen werden. Und natürlich haben die Dienste auch in der Basisversion AGBs, die du dir gründlich durchlesen solltest.

Weitere Tipps:

  • Headsets oder wenigstens Kopfhörer eignen sich, um bei den anderen besser gehört zu werden und umgekehrt, um die anderen besser zu verstehen – ohne Mitbewohner*innen zu nerven.
  • Vermeide allzu hallende Räume oder Nebengeräusche wie eine Waschmaschine, denn die können die Stimmerkennung bzw. die Geräuschunterdrückung überfordern.
  • Wenn zu viele Leute gleichzeitig an einem Video-Chat teilnehmen, sinkt zuweilen die Qualität: Es hilft, wenn einige Leute auf ihr Videobild verzichten.
  • Wenn zu viele Teilnehmer ihre Mikrophone anhaben, summieren sich natürlich die Störgeräusche. Cool also, wenn die, die gerade nichts zu sagen haben, vorübergehend ihr Mikro abschalten. Davon haben alle was.
  • Achte auf das, was im Hintergrund zu sehen ist: Vielleicht möchte man den Kolleg*innen nicht zu intime Einblicke geben in die Art, wie man privat lebt, wohnt, haust …
  • Das gilt auch für den Desktop: Screensharing ist eine feine Sache, aber vielleicht zeigt der private Desktop eben auch private Dinge, die lieber verborgen geblieben wären … bei einigen Apps kann man zum Beispiel nur ein Browser-Tab sharen, das ist sinnvoll.
  • Teste vor wichtigen Gesprächen, ob das auch wirklich alles funktioniert.

Auch sollte man sich bewusst machen: Video-Chats sind meist keine „Privatgespräche“, die für Geschäftsgeheimnisse oder allzu persönliche Informationen geeignet sind. Man sollte sie daher wie „halböffentliche“ Gespräche im Café oder im Bahnabteil betrachten, wo man allzu Diskretes ebenfalls nicht ausplaudern würde.

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