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Netflix, Youtube, Spotify: So klimaschädlich ist Streaming wirklich

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Foto: Pixabay.de/ CC0/ mohamed_hassan

Du suchtest gerne mal Netflix? Damit bist du nicht allein – trotzdem solltest du dabei auch mal an die Umwelt denken. Denn auch digitale Streaming-Dienste wie Netflix verursachen CO2 – und zwar viel.

Streaming ist das neue Fernsehen. Darauf deuten auch Umfragen hin:  Hier gaben über die Hälfte der Befragten an, kostenpflichtige Videostreaming-Dienste zu nutzen. Dank Corona hatten Streaming-Anbieter einen enormen Zuwachs. Netflix allein hat in der ersten Jahreshälfte 2021 5,5 Millionen User:innen dazu gewonnen – die Zahl der Abonent:innen in Deutschland liegt aktuell bei 10,7 Millionen.

Viele nutzen Streaming-Dienste, weil es bequem ist – manche vielleicht auch, weil es umweltfreundlicher erscheint. Immerhin bestehen DVDs bzw. Blu-rays und die dazugehörigen Verpackungen aus Kunststoff – der beim Streamen immerhin wegfällt. Doch sind Netflix & Co. wirklich besser für die Umwelt?

Video-Streaming-Dienste und CO2: Wie klimaschädlich sind sie?

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Produziert der Streaming-Dienst Netflix viel CO2? (Foto: Pixabay.de/ CC0/ jade87)

Alles im Internet verbraucht Energie, vom Googeln bis zum Lesen auf Utopia.de. Doch welchen Anteil daran haben eigentlich die Streaming-Dienste?

Darüber sind sich Forscher:innen nicht einig. 2019 veröffentlichten Forscher:innen des französischen Thinktanks „Shift Project“ eine Studie mit erschreckenden Zahlen. Der zufolge habe Video-Streaming allein 2018 mehr als 300 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente verursacht. Das entspreche der Menge, die das gesamte Land Spanien in einem Jahr ausstößt. Die Zahl ist also enorm. Den Forscher:innen zufolge besteht der globale Datenverkehr zu 80 Prozent aus Video-Daten.

Die Forscher:innen zeigten auch auf, wie sich der weltweite Video-Konsum zusammensetzt:

  • 34 Prozent Video-on-Demand-Services: Seiten wie Amazon Prime und Netflix verursachten über 100 Millionen Tonnen CO2-Equivalent – also so viel wie ganz Griechenland im Jahr 2017 ausgestoßen hat.
  • 27 Prozent pornographische Videos: Diese führten 2018 zu 80 Millionen Tonnen CO2-Emissionen – so viel wie alle Haushalte Frankreichs im selben Jahr produzierten.
  • 21 Prozent Video-Plattformen wie YouTube
  • 18 Prozent „Andere“, beispielsweise Social-Media-Videos auf Facebook, Instagram und Snapchat
Grafik globaler videokonsum internet
Globaler Video-Konsum im Internet (Daten: theshiftproject.org)

Einige Medien kritisieren, dass Studien wie die von Shift Project wenig aussagekräftig sind, weil sie mit groben Schätzwerten arbeiten müssen. Denn der genaue Stromverbrauch beim Streamen über Streaming-Dienste hängt unter anderem davon ab, welchen Strom die Rechenzentren verwenden, mit welchem Endgerät man streamt und woher ein Videostream stammt. Diese Faktoren lassen sich nur schwer bestimmen.

„Die Zahlen liegen bei wenigen Akteuren, die sich nicht in die Karten schauen lassen, da die Energiekosten Teil der Geschäftsstrukturen sind“, erklärt Clemens Rohde vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung gegenüber der taz.

Neuste Studien zeigen: Das Netz ist entscheidend

Seit der Studie von Shift-Projekt sind viele weitere Analysen und Zahlen zu Streaming-Diensten und ihrem CO2-Verbrauch veröffentlicht worden, zum Beispiel:

  • Eine Studie des Umweltbundesamts kommt zu dem Ergebnis, dass Übertragungen über das Glasfasernetz am klimafreundlichsten sind: Wer darüber eine Stunde lang Serien in HD-Qualität streamt, verursacht nur 2 Gramm CO2e-Emissionen. Ein Breitbandanschluss über Kupferkabel (VDSL) kommt auf die doppelte Menge.
    Auch das Mobilfunknetz macht einen enormen Unterschied: Der Studie zufolge produziert 5G etwa fünf Gramm CO2e die Stunde, 4G 13 Gramm und das noch immer genutzte 3G-Netz (UMTS) 90 Gramm – auch diese Daten beziehen sich auf eine Stunde Videostreaming in HD-Qualität.
    Ein weiterer wichtiger Faktor ist das Rechenzentrum, welches die Daten überträgt: Manche erzeugen 105 Kilogramm, andere bis zu 153 Kilogramm pro Terabyte Speicherkapazität pro Jahr. Anders als bisherige Studien basiert diese nicht auf Schätzwerten sondern auf gesammelten Nutzerdaten.
Die Studie des Umweltbundesamts kommt zu dem Schluss: Wer eine Stunde über ein Glasfasernetz Netflix streamt, verursacht 2 Gramm CO2e – über UMTS-Netz sind es 90 Gramm.
Die Studie des Umweltbundesamts kommt zu dem Schluss: Wer eine Stunde über ein Glasfasernetz in HD-Qualität streamt, verursacht 2 Gramm CO2e – über ein UMTS-Netz sind es 90 Gramm. (Quelle: Umweltbundesamt (https://www.umweltbundesamt.de/presse/pressemitteilungen/video-streaming-art-der-datenuebertragung))
  • Laut einer Studie vom Februar 2020 ist der Datenverkehr in den letzten acht Jahren zwar um das 6,5-Fache gestiegen und die Anzahl der Server um den Faktor 26. Aber: Der Energieverbrauch hat im selben Zeitraum nur um sechs Prozent zugenommen. Den Forscher:innen zufolge liegt das daran, dass der Datenaustausch jährlich rund 20 Prozent effizienter wird. Der Anteil von Datenzentren am weltweiten Energieverbrauch liegt stabil bei einem Prozent.
  • Netflix selbst hat 2021 Zahlen zum eigenen CO2-Fußabdruck veröffentlicht. Dem Konzern zufolge betrug der eigene CO2-Fußabdruck 2020 1,1 Millionen Tonnen. Etwa die Hälfte davon (50 %) sei durch die  Serien- und Film-Produktion erzeugt worden. Der Test stamme größtenteils von „Unternehmenstätigkeiten“ (z. B. Büros) und „bezogenen Waren“ (z. B. Marketingausgaben). Allerdings berücksichtigt der Konzern dabei keine Emissionen aus der Internetübertragung oder von elektronischen Geräten. Laut der Nachhaltigkeitsbeauftragten Emma Stewart haben „Internetdienstanbieter und Gerätehersteller hier die operative Kontrolle über das Design und die Herstellung ihrer Geräte – nicht wir.“

Wieso schauen wir so viele Online-Videos?

Fest steht: Beim Streamen müssen sehr viele Daten übertragen werden – und wir streamen immer mehr. Unser massiver Video-Konsum setzt sich aus verschiedenen Quellen zusammen. „Einige Videos sehen wir an, weil wir das wollen, andere, weil uns das digitale System dazu zwingt“, erklärt Maxime Efoui-Hess, einer der Autoren der Shift-Projekt-Studie, im Gespräch mit Utopia.

Webseiten wie beispielsweise Facebook würden Clips oft automatisch abspielen, um die Aufmerksamkeit zu erlangen. Streaming-Dienste wie etwa YouTube, würden die Autoplay-Funktion nutzen, um die Aufmerksamkeit der Nutzer:innen zu behalten. Auf diese Weise würden wir dazu verleitet, Videos anzusehen, ohne dass wir uns gezielt dafür entschieden hätten. Und das treibt den Datentransfer in die Höhe.

Streaming-Dienste und CO2: Ist Netflix umweltschädlicher als eine DVD?

Wenn Streaming-Dienste wie Netflix so viel CO2 verursachen, sollten wir dann einfach wieder zur guten alten DVD greifen? So leicht ist das leider nicht.

Denn auch DVDs haben Nachteile: Zum einen verbraucht die Herstellung Ressourcen. Zum anderen besteht die Disk aus Plastik, kommt im Plastikbehälter und wird in Plastik eingeschweißt. Außerdem braucht es Energie, um DVDs und Verpackung herzustellen und diese in Läden zu transportieren. Kund:innen fahren dort hin, um sie einzukaufen.

Forscher:innen des Lawrence Berkeley National Laboratory und der McCormick School of Engineering haben 2014 untersucht, wie viel Primärenergie und Treibhausgasemissionen bei einer DVD anfallen und diese Werte mit denen von Video-Streaming verglichen. Das Ergebnis: Wenn man sich die DVD per Post schicken lässt, verbraucht sie in etwa gleich viel Energie wie Streaming. Fährt die Person mit dem Auto zu einem DVD-Verleih oder -Laden, verbraucht sie dadurch mehr Energie und stößt der Studie zufolge mehr CO2 aus.

Die Studie bezieht sich auf Durchschnittswerte – Faktoren wie Elektroautos, öffentliche Verkehrsmittel oder Ökostrom wurden nicht beachtet. Außerdem berücksichtigt sie nicht alle wichtigen Faktoren – auf den gesamten Ressourcenverbrauch der einzelnen Methoden geht die Studie nicht ein. Sie ist allerdings etwas veraltet, heutzutage arbeitet Streaming effizienter. Schaust du den Film über einen Streaming-Dienst in hoher Auflösung auf einem großen Fernseher, kann es allerdings auch mehr Energie verbrauchen.

„Zur DVD zurückzukehren ist nicht die Lösung“, findet Maxime Efoui-Hess vom Shift Projekt. Seiner Meinung nach müssen wir weniger Online-Videos ansehen und die Videos gezielter auswählen.

Musik-Streaming-Dienste und CO2: Wie klimaschädlich sind sie?

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Auch Musik-Streaming verursacht CO2. (Foto: Pixabay.de/ CC0/ foundry)

Forscher:innen der Universitäten in Glasgow und Oslo haben den ökologischen CO2-Fußabdruck von Musik-Streaming analysiert und mit dem von Kassetten, Schallplatten und CDs verglichen.

Zunächst die guten Nachrichten: Die US-Musikindustrie produziert dank Streaming weniger Plastikmüll. Im Jahr 2000 wurden CDs aus 61.000 Tonnen Plastik gefertigt, bis 2016 schrumpfte die Zahl auf 8.000 Tonnen.

Die Treibhausgasemissionen durch Musik sind allerdings gestiegen, schätzen die Forscher:innen. 2000 hat die Musikindustrie US-weit etwa 157 Millionen Kilo Treibhausgase verursacht. Im Jahr 2016 hingegen soll die Zahl zwischen 200 Millionen und 350 Millionen Kilo gelegen haben. Die Forscher:innen berücksichtigen in ihrer Schätzungen sowohl CO2-Emissionen durch Streaming-Dienste als auch solche, die durch Downloads von Albums und Singles entstanden sind.

US-Musikindustrie
* Die Zahl für 2016 ist ein Mittelwert aus den Schätzungen der Wissenschaftler:innen. (Daten: www.gla.ac.uk)

Macht es einen Unterschied, wo ich streame?

Greenpeace hat 2017 in der Studie „Clicking Clean“ unter anderem untersucht, mit was für Strom Streaming-Anbieter ihre Rechenzentren versorgen. Bei den Musik-Anbietern schnitt iTunes (Note A) besonders gut ab. Greenpeace maß dem Streaming-Anbieter einen „Clean Energy Index“ von 83 Prozent bei. Dieser berechnet sich aus dem gesamten Stromverbrauch des Unternehmens und dem Anteil von Strom aus erneuerbaren Energien. Spotify erhielt die Note D, Soundcloud die Note F.

Im Bereich Video schnitt YouTube am besten ab. Weil der Streaming-Dienst zu 56 Prozent „Clean Energy“ bezieht, erhielt er die Note A. Amazon Prime erhielt immerhin Note C, Netflix Note D für die CO2-Bilanz des Stroms. Die Studie ist allerdings schon etwas älter. Laut eigenen Angaben bezieht Netflix inwzischen teilweise Strom aus erneuerbaren Energien und gleicht den Rest über Zertifikate (Renewable Energy Certificates) aus.

clicking clean streaming
Auszug der Daten der Clicking Clean Studie von Greenpeace (Daten: www.greenpeace.de)

Klimafreundliches Streaming: Kann man den CO2-Ausstoß reduzieren?

„Wie wir unsere digitale Infrastruktur betreiben, kann darüber entscheiden, ob wir den Klimawandel rechtzeitig stoppen können“ – erklärt Greenpeace-IT-Spezialist Gary Cook. Um das Klima zu schonen, müssen wir nicht ganz auf digitale Techniken verzichten – aber wir müssen sie anders nutzen.

Denn Streaming an sich ist nicht schlecht, die Datenübertragung wird sogar immer effizienter. Auch Prozessoren erbringen zum Beispiel immer mehr Leistung bei geringerem Energieaufwand.

Doch leider steigen auch die Ansprüche der Konsument:innen: Vor wenigen Jahren waren noch HDTV-Videos mit einer Auflösung von 720p Standard – heute verlangen viele Zuschauer:innen 4K-Qualität (2160p). Gleichzeitig streamen immer mehr Menschen immer mehr Songs und Videos.

Forscher:innen vom Shift Project sehen vor allem die Streaming-Dienste in der Pflicht, die Emissionen zu senken. Ihre konkreten Vorschläge:

  • Streaming-Dienste müssen ihr Design ändern. Denn Funktionen wie Autoplay und integrierte Videos würden „darauf abzielen, den Konsum [von Videos] zu maximieren“.
  • Außerdem bräuchten Streaming-Dienste strengere nationale und internationale Regulierungen – hier sehen die Forscher:innen besonders die EU in der Pflicht.
  • Darüber hinaus müsste man Wege entwickeln, um Server energieeffizienter zu betreiben.

Forscher:innen der Universität Glasgow argumentieren außerdem, dass man die Klimabilanz nachhaltig verbessern könnte, wenn mehr Anbieter ihre Rechenzentren mit Ökostrom betreiben würden.

Tipp: Zu Ökostrom zu wechseln ist ganz leicht – vor allem für Privatpersonen. Die besten Anbieter findest du in unserer Bestenliste:

Nachhaltiger streamen: 10 Tipps

Die großen Änderungen müssen also die Streaming-Anbieter vornehmen. Doch auch du kannst CO2-Emissionen durch Streaming vermeiden. Dazu musst du keineswegs ganz auf Videos, Serien und Spielfilme verzichten.

  1. Streame weniger und sei dabei wählerischer: Wenn ein Film oder eine Serie dir nicht zusagt, dann schalte ab.
  2. Streame Serien und Musik am besten über WLAN.
  3. Qualität reduzieren: Es muss nicht immer 8K-Qualität sein – die meisten Videos kannst du auch in geringerer Qualität wiedergeben. Natürlich solltest du noch erkennen können, was auf dem Bildschirm passiert, doch dafür reichen auch niedrigere Auflösungen.
  4. Kleineren Bildschirm nutzen: Clemens Rohde vom Fraunhofer-Institut empfiehlt, Videos auf dem Smartphone anzusehen und nicht auf einem großen Bildschirm, um die Netzlast zu reduzieren.
  5. Achtsam bleiben: Wenn du einen Film anschaust, solltest du nicht gleichzeitig am Handy hängen oder surfen – das verbraucht mehr Datenvolumen, und du bekommst die Handlung nicht richtig mit. Konzentriere dich lieber auf eine einzige Sache.
  6. Digital Detox: Verbringe nicht jeden Abend vor dem Bildschirm. Lies zur Abwechslung ein Buch. Mehr Tipps: Digital Detox: bewusst offline gehen.
  7. Richtig Musik hören: Lade Songs runter, die du regelmäßig hörst. Das ist sparsamer, als sie jedes mal neu zu streamen.
  8. Keine Youtube-Musik: Der Streaming-Dienst spielt nicht nur Ton, sondern immer auch ein Video ab – das treibt den Datentransfer unnötig in die Höhe.
  9. Plugins nutzen: Eine:r unserer Utopia-Leser:innen schlägt vor: Wenn es die Musik/ den Vortrag nur auf YouTube gibt, dann nutze Plugins wie YouTube Audio. Sie sorgen dafür, dass nur der Ton des Videos gestreamt wird.
  10. Handy aufräumen: Lösche Apps, die du nicht nutzt. Auch die verbrauchen durch Updates Datenvolumen. Lasse Apps nicht im Hintergrund weiterlaufen, sondern schließe sie. Einzige Ausnahme: Wenn du die App ständig nutzt und immer wieder öffnen müsstest.

Noch mehr Tipps findest du hier: Wie groß ist unser digitaler CO2-Fußabdruck?

Übrigens: Wer wissen will, wie viele Treibhausgase er oder sie persönlich ungefähr beim Streamen verursacht, kann dies ausrechen lassen – zum Beispiel hier über das Portal JustWatch.

Weiterlesen auf Utopia.de:

English version available: How Sustainable are Online Streaming Services Really?

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