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„Alternativer Nobelpreis“: Darum geht’s beim Right Livelihood Award

Foto: Right Livelihood

Der Alternative Nobelpreis würdigt Menschen und Organisationen, die mit praktischen Lösungen und Modellen für eine bessere Welt kämpfen. Wer den Right Livelihood Award bereits erhielt, erfährst du hier.

Wer den Nobelpreis erhält, hat zweifellos bahnbrechende und inspirierende Arbeit auf seinem oder ihrem jeweiligen Gebiet geleistet. Vor den Augen der Weltöffentlichkeit wird diese Leistung jedes Jahr wieder am zehnten Dezember in Stockholm gewürdigt. Kurz vorher findet, ebenso in Stockholm, eine weitere wichtige Preisverleihung statt: Dann erhalten vier Personen und/oder Organisationen für ihre Verdienste um die Gestaltung einer besseren Welt den Right Livelihood Award – inoffiziell auch „Alternativer Nobelpreis“ genannt. 

Bereits seit 1980 ehrt die Stiftung Right Livelihood Award Foundation mit dem Preis Personen, Organisationen und Repräsentant:innen sozialer Bewegungen, die sich für mehr Frieden, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit einsetzen. Die Preisträger:innen 2022 zeigen laut der Stiftung „Wege für notwendige gesellschaftliche Transformationen“ auf.

So entstand der Alternative Nobelpreis

Die Skulptur des Alternativen Nobelpreises besteht aus einem besonderen Material.
(Foto: Right Livelihood)

Die Geschichte des Right Livelihood Award begann 1979, als der deutsch-schwedische Schriftsteller, Philanthrop und Aktivist Jakob von Uexkull an die Nobel-Stiftung mit dem Vorschlag herantrat, zwei neue Preise zu schaffen – einen in der Kategorie Umwelt, den anderen für die Überwindung von Armut.

Die Idee für die Preise entstand auf von Uexkulls Reisen, während derer er vielerorts nicht nur Zeuge von Umweltzerstörung und Armut wurde, sondern auch davon, wie wenig sich die Entscheidungsträger:innen der internationalen Gemeinschaft um die Lösung dieser dringenden globalen Probleme bemühte. 

Auf der anderen Seite bemühten sich hingegen Aktivist:innen und zivilgesellschaftliche Organisationen um eine bessere Welt, wurden aber nicht gehört. Genau diese wollte von Uexkull unterstützen.   

Er bot daher an, seine Briefmarkensammlung (damals eine Million US-Dollar wert) zu verkaufen und an die Nobel-Stiftung zu spenden, um die neuen Preise zu finanzieren. Doch die Stiftung lehnte ab, woraufhin von Uexkull 1980 kurzerhand den Right Livelihood Award gründete. Aufgrund seiner Entstehungsgeschichte ist der Award auch als Alternativer Nobelpreis bekannt, obwohl es sich dabei um keine offizielle Bezeichnung handelt.

Anders als der Nobelpreis verzichtet der Alternative Nobelpreis auf enggefasste Preiskategorien. Er zeichnet stattdessen Menschen und Organisationen aus, die sich auf ganz unterschiedliche Weise mit praktischen Lösungen und Modellen für eine menschenwürdige Subsistenz („Livelihood“ lässt sich als „Existenzgrundlage“, „Lebensunterhalt“ übersetzen) aller einsetzen. Daher würdigt die internationale Jury Engagement auf einer Bandbreite an Gebieten wie Umweltschutz, Abrüstung, Menschenrechte, nachhaltige Entwicklung, Kultur, Bildung, Gesundheit oder der Schutz indigener Völker

Preisträger:innen des Alternativen Nobelpreises 2022

Der Alternative Nobelpreis ehrte bisher die Leistungen von 190 Akteur:innen aus 74 Ländern. Neben einer Award-Skulptur (bestehend aus Humanium Metal, einem Material, das aus recycelten Waffen hergestellt wird) erhalten die Preisträger:innen ein durch Spenden finanziertes Preisgeld. Die Höhe des ausgeschütteten Geldes kann daher variieren. In der Regel erhalten drei Preisträger:innen die Geldsumme zusammen; es kann allerdings auch vorkommen, dass ein Teil des Preisgeldes an zwei Personen oder Organisationen gemeinsam geht. Ein vierter Preis ist ein undotierter Ehrenpreis, der:die Empfänger:in erhält also kein Geld.

Darüber hinaus ist mit der Auszeichnung eine langfristige Unterstützung verbunden, durch die Stiftung die Arbeit der Preisträger:innen international bekannt machen und dauerhaft stärken will.

Im Jahr 2022 sind die Preisträger:innen:

  • Fartuun Adan und Ilwad Elman: Die somalischen Menschenrechtsverteidigerinnen leiten Friedensprojekte auf Gemeindeebene und bieten damit marginalisierten Gruppen, insbesondere Überlebenden geschlechtsspezifischer Gewalt und ehemaligen Kindersoldat:innen lebensrettende Unterstützung. 
  • Oleksandra Matwijtschuk und das Center for Civil Liberties (CCL): Als Vorsitzende des Zentrums für bürgerliche Freiheiten (CCL) baut Oleksandra Matwijtschuk mit ihrer Organisation bereits seit über einem Jahrzehnt demokratische Institutionen in der Ukraine auf. Ihre Arbeit zielt darauf ab, die Zivilgesellschaft zu stärken sowie Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen zu dokumentieren und ihre gesellschaftliche und rechtliche Aufarbeitung zu ermöglichen – die seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine umso wichtiger ist. Das CCL erhält dieses Jahr ebenfalls den Friedensnobelpreis. 
  • Das Kollektiv Cecosesola aus Venezuela entwickelte ein kooperatives Wirtschaftssystem, das 100.000 Familien in einkommensschwachen Regionen mit erschwinglichen Waren und Dienstleistungen versorgt.
  • Das Africa Institute for Energy Governance (AFIEGO): Das AFIEGO ist eine ugandische Organisation, die Gemeinden dabei unterstützt, sich gegen umweltschädliche Projekte bei der Öl- und Gasförderung zu wehren. 

Die Jury begründete ihre Entscheidung damit, dass die Preisträger:innen angesichts des „Versagens von Regierungen und des Zusammenbruchs bestehender Ordnungen“ neue, auf den Menschen ausgerichtete Gemeinschaften schaffen und stärken. Sie würden zeigen, dass Systemwandel möglich sind und man Gesellschaften nicht auf Ausbeutung, sondern auf Grundsätzen von Gerechtigkeit aufbauen kann. 

Dafür wurde der Right Livelihood Award vergeben

Preisträger:innen des Alternativen Nobelpreises kämpfen für Umweltschutz, Menschenrechte, Bildung und Demokratie.
(Foto: CC0 / Pixabay / dmncwndrlch)

Unter den Preisträger:innen des Alternativen Nobelpreises finden sich – im Gegensatz zum Nobelpreis – viele Frauen sowie viele Menschen und Organisationen, deren Namen bis zur Ehrung kaum bekannt waren. Aber auch prominente Namen sind vertreten. 

Zu den bisherigen Preisträger:innen aus den letzten Jahren gehören unter anderem:

  • Marthe Wandou (2021, Kamerun) setzt sich seit den 1990er-Jahren für die Prävention und Bekämpfung sexualisierter Gewalt gegen Kinder, insbesondere gegen Mädchen ein. Sie hat zudem eine Organisation gegründet, welche sich mit Bildungsangeboten, psychosozialer Betreuung und rechtlichem Beistand um die Überlebenden dieser Gewalt kümmert. 
  • Greta Thunberg (2019, Schweden) hat den Alternativen Nobelpreis dafür bekommen, dass sie politische Forderungen nach dringenden Klimaschutzmaßnahmen auf der Grundlage wissenschaftlicher Fakten inspiriert und verstärkt hat. 
  • Davi Kopenawa / Hutukara Yanomami Association (2019, Brasilien) setzt sich dafür ein, dass die Wälder und die biologische Vielfalt des Amazonasgebiets sowie das Land und die Kultur der dort lebenden indigenen Völker geschützt werden.
  • Yacouba Sawadogo (2018, Burkina Faso) wurde dafür gewürdigt, dass er seit mehreren Jahrzehnten erfolgreich einen fast 40 Hektar großen Wald auf ehemals unfruchtbarem und verlassenem Land angelegt hat. Heute umfasst dieser mehr als 60 Baum- und Straucharten und gilt als einer der biodiversesten Wälder in der Sahelzone. 
  • Yetnebersh Nigussie (2017, Äthiopien) fördert die Rechte und die Inklusion von Menschen mit Behinderungen, ermöglicht diesen, ihr Potenzial voll auszuschöpfen, und trägt dazu bei, die gesellschaftliche Wahrnehmung von Behinderungen zu verändern. 
  • Syria Civil Defence (2016, Syrien) ist eine auch als „Weißhelme“ bekannte Organisation bestehend aus Tausenden syrischer Freiwilligen, welche seit 2013 über 100.000 Menschen – unabhängig von ihrer religiösen oder politischen Zugehörigkeit – vor den Zerstörungen des syrischen Bürgerkriegs gerettet haben.
  • Edward Snowden (2014, USA) veröffentlichte Beweise dafür, dass die US-Regierung heimlich ein globales System der Massenüberwachung betreibt. 

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