Altruismus: Warum es dich glücklich macht, selbstlos zu sein

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Wenn du selbstlos handelst, kann das dazu führen, dass du dich wohler fühlst. Und nicht nur das, Altruismus hat auch gesellschaftliche Vorteile.

Der Großteil der westlichen Bevölkerung ist wohlhabender als ihre Elterngeneration. Uns geht es also gut – dennoch ist der Anteil der Menschen, die glücklich und zufrieden sind nicht gestiegen. Ganz im Gegenteil: Es gibt immer mehr Menschen, die an psychischen Störungen leiden.

Der Soziologe Robert D. Putnam führt diese Entwicklung zurück auf den Verlust des „sozialen Kapitals“ und der Tatsache, dass die Tendenz dahin geht, dass viele Menschen nur noch für sich alleine agieren. Deshalb könnten prosoziale und altruistische Handlungen möglicherweise dazu beitragen, psychische Belastungen zu lösen. Und tatsächlich: Die Forschung zeigt, dass Altruismus mit Wohlbefinden und Gesundheit zusammenhängt.

Was verstehen wir genau unter Altruismus?

Altruistisches Verhalten geht mit angenehmen Gefühlen einher.
Altruistisches Verhalten geht mit angenehmen Gefühlen einher. (Foto: CC0 / Unsplash / The virtual Denise)

Altruismus ist zunächst einmal vom Egoismus abzugrenzen und steht im Gegensatz zu diesem dafür, auf andere Rücksicht zu nehmen. Wenn wir altruistisch denken, fühlen und handeln sind wir selbstlos und stellen die Interessen anderer Personen über unsere eigenen. Ehrenamtliches Engagement ist ein Paradebeispiel für altruistisches Verhalten. Doch auch Trinkgeld geben, für wohltätige Zwecke spenden oder Patenschaften übernehmen ist Ausdruck von Altruismus. All dies geschieht in der Abwesenheit einer offensichtlichen oder sofortigen Belohnung.

Der Altruismus begegnet oft dem Vorwurf, er wäre nur eine verkleidete Form des Egoismus. Denn natürlich würden selbstlose Menschen in irgendeiner Form etwas zurückerhalten – etwa in Form angenehmer Gefühle. Ganz von der Hand zu weisen ist dieser Vorwurf nicht. Allerdings kann man Altruismus seinen selbstlosen Charakter nicht absprechen, nur weil er positive Auswirkungen hat. Vielmehr ist Altruismus als Motivation zu sehen: Die Motivation das Wohlbefinden anderer zu erhöhen. Dass bei der Befriedigung meiner Motive angenehme Gefühle entstehen, ist ein natürlicher Nebeneffekt.

Altruismus hat einen Gegenwert – Vertrauen, Anerkennung, Unterstützung – und das ist gut so. Umso wahrscheinlicher ist es, dass viele Menschen selbstloser handeln, denn der Gedanke eines Vorteils spielt eine Rolle.

Altruismus ist auch ein Instinkt

Altruistisches Verhalten ist die Basis einer Solidargemeinschaft.
Altruistisches Verhalten ist die Basis einer Solidargemeinschaft. (Foto: CC0 / Unsplash / Timm Marshall)

Anderen zu helfen, gibt auch der Instinkt vor. Das menschliche Gehirn ist auf Altruismus programmiert. Soziale Anerkennung und Akzeptanz, die wir für altruistisches Verhalten erlangen können, sind Grundbedürfnisse. Können wir diese Bedürfnisse erfüllen, indem wir zum Beispiel anderen helfen und uns dadurch sozial eingebunden fühlen, dann fühlen wir uns wohl und zufrieden.

Selbst im Tierreich lässt sich altruistisches Verhalten finden: So stützen Elefanten verletzte Herdenmitglieder mit ihren Stoßzähnen. Eine spezielle Art der Erdhöhrnchen riskiert ihr Leben, um andere Erdhörnchen vor Fressfeinden zu warnen – allerdings tut sie das nur bei Verwandten. Denn dieses Verhalten ist vor allem genetisch motiviert. Das eigene Erbgut soll weitergegeben werden, das Interesse selbst zu überleben wird hintenan gestellt.

Im Gegensatz dazu herrscht beim Menschen eher die sogenannte „Indirekte Reziprozität“. Danach verhalten sich Menschen altruistisch, weil sie glauben, dass sie in der Zukunft selbst Empfänger altruistischer Handlungen werden. Außerdem hoffen Menschen, dass die Person, der sie geholfen haben wiederum anderen hilft. Das ist die Basis für eine Solidargemeinschaft, in der der Gewinn der Gemeinschaft und nicht die persönliche Gewinnmaximierung im Vordergrund steht.

Auch in Bezug auf den Umweltschutz spielt Altruismus eine Rolle – weniger Müll und Verbrauch von Ressourcen, bedeutet auch eine bessere Welt für die Menschen in der Zukunft.

Altruismus – Auswirkungen auf Wohlbefinden und Gesundheit

Nicht nur auf gesellschaftlicher Ebene hat Altruismus positive Auswirkungen. Auch wenn es vordergründig nicht um den eigenen Vorteil geht, so hat selbstloses Handeln positive Auswirkungen.

Zum Beispiel zeigt sich in Bezug auf das Wohlbefinden, dass Personen die altruistisch sind:

Zurückzuführen sind diese Effekte wahrscheinlich darauf, dass wir uns sozial integriert, selbstwirksam, kompetent und sinnerfüllt fühlen, wenn wir altruistisch agieren.

Auf Ebene der körperlichen Gesundheit konnte außerdem gezeigt werden, dass altruistische Personen länger leben als nicht altruistische Personen.

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(1) Kommentar

  1. Im Endeffekt sind wir eh keine getrennten Einzelwesen. Wir sind alle aufs Tiefste verbunden. Das wissen inzwischen auch Physiker. Die Doku QIE weiss eigens darüber zu sagen. In der Spiritualität ist das schon lange klar, es ist genau dies der ursprüngliche Zustand. Im Film spricht ein Raumfahrer über seine Erfahrungen im All. Er sagt er habe sich noch nie so glücklich gefühlt. Warum? Weil er eben die Verbundenheit von allem gespürt hat. Würden wir alle immer diese Verbundenheit spüren, gäbe es weder Krieg, noch irgendeinen Grund für Streit, noch Rechthaberei. Wer in diesem Zustand ist hat die direkte Erfahrung. Da gibt es dann keinen Grund mehr für Streit und Rechthaberei. Es gibt also wohl zwei Formen, wie der Mensch sich wahrnehmen kann. Als separiertes Einzelwesen, das ihn dann zum Egoismus führt und andere als Gegner betrachtet gegen die er sich durchsetzen muss. Oder er ist im Urzustand und damit im Frieden mit sich und der Welt. Das ist wohl was auch im Unterrichtsfach Glück in Indien eben vermittelt werden soll.

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