Angst vor dem Tod: So begegnest du ihr

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Die Angst vor dem Tod beschäftigt jeden Menschen in verschiedenen Situationen des Lebens auf unterschiedliche Weise. Hier bekommst du Anregungen, wie du etwas entspannter und gelassener auf dein eigenes Lebensende blicken kannst.

Im Verlauf unserer Kindheit beginnen wir irgendwann, uns unserer eigenen Endlichkeit bewusst zu werden. Ab diesem Zeitpunkt begleiten uns Gedanken an den Tod unser ganzes Leben lang. Der Umgang mit diesem Thema ist bei jedem anders: Einige verdrängen diese Gedanken, andere verlieren sich in Angst– und Panikzuständen, einigen ist es vielleicht schon gelungen, Frieden mit ihrem Lebensende zu schließen.

Falls dich Gedanken an den Tod belasten und dir ein Gefühl von Verzweiflung und Angst verleihen, können dir die folgenden Denkanstöße und Tipps vielleicht helfen, das Thema aus einer anderen Perspektive zu betrachten und dir dadurch einen entspannteren und gelösteren Umgang mit dem Tod ermöglichen.

Einige Aspekte dieses Artikels beruhen auf dem Buch „Über das Sterben“ des Palliativmediziners Gian Domenico Borasio, der auf Basis seiner Erfahrungen mit sterbenden Menschen verschiedene Aspekte des Sterbens beleuchtet.

Kommunikation: Sprich über deine Angst vor dem Tod

Trau dich, mit engen Freund*innen oder Familienmitgliedern offen über den Tod zu sprechen.
Trau dich, mit engen Freund*innen oder Familienmitgliedern offen über den Tod zu sprechen. (Foto: CC0 / Pixabay / StockSnap)

Um mit deiner Angst vor dem Tod umzugehen, solltest du dir zunächst vor Augen führen, dass du mit diesen Gedanken keineswegs allein bist: Alle Menschen müssen irgendwann sterben. Und viele von uns haben sich bereits mehr oder weniger damit beschäftigt.

Da viele Menschen bei diesem Thema jedoch unangenehme Gefühle verspüren, wird es leider oft verdrängt und verschwiegen. Deshalb stellt der Tod in unserer westlichen Welt oftmals ein großes Tabuthema da. Dies kann die Angst jedoch verschlimmern. Denn der Tod wird dadurch als abstraktes und ungewisses Konzept wahrgenommen, das scheinbar so gefährlich und furchteinflößend ist, dass es keiner wagt, darüber zu sprechen.

Trau dich also mit Familie und Freund*innen über deine Gedanken zu sprechen. Nur durch Kommunikation kannst du herausfinden, ob andere Menschen vielleicht bereits ähnliche Gefühle hatten und wie sie mit ihnen umgegangen sind.

Indem du dich traust, deine angsteinflößenden Gedanken laut auszusprechen, nimmst du ihnen zudem bereits einen großen Teil ihrer negativen Kraft. Denn wenn wir uns in einem Gedankenkarussell verlieren, merken wir oft gar nicht, dass unsere Gedanken immer irrationaler werden und wir somit immer negativere Gefühle verspüren.

Der Tod als essentieller Teil des Lebenszyklus

Tatsächlich sind der Geburts- und Sterbevorgang die einzigen Ereignisse, die alle Lebewesen gleichermaßen betreffen. Beides sind physiologische Vorgänge, die dank spezieller Vorkehrungen der Natur im Regelfall möglichst gut verlaufen sollten.

Führ dir vor Augen, dass der Tod damit die gleiche Stellung wie die Geburt hat. Beides sind natürliche Prozesse, die zum Lebenszyklus dazugehören. Der Tod befördert dich in diesem Sinne also in den Bereich zurück, in dem du dich bereits vor deiner Geburt befunden hast. Wie auch immer dieser genau aussieht, bleibt dabei deiner eigenen Vorstellungskraft und deinem Glauben überlassen.

Angst vor dem Tod: Die Furcht vor der Ungewissheit

Es macht uns oft Angst, nicht genau zu sehen, wohin unser Weg führen wird.
Es macht uns oft Angst, nicht genau zu sehen, wohin unser Weg führen wird. (Foto: CC0 / Pixabay / Seaq68)

Ein zentraler Grund für unsere irrationale Angst vor dem Tod ist die Ungewissheit und damit einhergehend die Furcht, vor dem, was eventuell kommen wird. Rational betrachtet wissen wir letztendlich nur zwei Dinge:

  1. Wir werden sterben.
  2. Wir wissen nicht, wann und wie.

Führ dir diese zwei Dinge vor Augen und akzeptiere die Ungewissheit. Schließlich ist unsere Zukunft immer ungewiss: Wir wissen nicht, was morgen, nächste Woche oder in zehn Jahren sein wird. Statt sich jedoch in Gedanken zu verlieren, welche dramatischen Situationen oder Probleme entstehen könnten, solltest du Frieden mit der Ungewissheit schließen und sie als Bereicherung akzeptieren.

Der römische Philosoph Seneca fasste dies bereits im Jahr 49 in seiner Schrift „De brevitate vitae“ (Von der Kürze des Lebens) treffend zusammen:

„Könnte man sich die Zahl der noch zur Verfügung stehenden Lebensjahre so wie die Zahl der vergangenen vor Auge führen, wie würden jene Menschen geängstigt, die nur wenige Jahre vor sich sehen, wie schonend würden sie mit diesen Jahren umgehen. Eine bestimmte, noch so kurze Zeitspanne kann man leicht einteilen. Mit erhöhter Sorgfalt muss man etwas hüten, von dem man nicht weiß, wann es zu Ende geht.“

Jedem Menschen steht also eine bestimmte Zeitspanne auf der Erde zur Verfügung, von der wir glücklicherweise nicht wissen, wie lang sie sein wird. Denn diese Ungewissheit sollte uns dazu ermuntern, unsere Lebenszeit umso intensiver zu nutzen.

Der Tod als Bereicherung

Menschen, die auf einer Palliativstation oder in einem Hospiz tätig sind, werden oft gefragt, ob der tägliche Umgang mit dem Tod nicht zu großen emotionalen Problemen führen würde. Tatsächlich ergab eine Studie des Psychotherapeuten Dr. Martin Fegg und seiner Mitarbeiter*innen, dass die Lebensqualität von Pflegepersonal auf einer Palliativstation und von Pfleger*innen einer Geburtsstation keine signifikanten Unterschiede aufweist.

Laut Borasio liegt dies insbesondere daran, dass man sich durch den täglichen Umgang mit sterbenden Menschen, jeden Tag seiner eigenen Endlichkeit bewusst wird. Was viele dabei vielleicht als Belastung sehen, nimmt Borasio als Geschenk wahr: Da man sich ständig des eigenen Lebensendes bewusst ist, kann man sich besser auf die Dinge konzentrieren, die im Leben wirklich wichtig sind und verliert sich nicht in banalen Ablenkungen.

Zudem kann man im Rahmen von Palliativ- und Hospizarbeit von sterbenden Patient*innen viel über das Leben lernen. So belegen laut Borasio verschiedene Studien, dass schwerkranke und sterbende Menschen deutlich klarere Vorstellungen davon haben, worum es in ihrem Leben wirklich geht, als gesunde Menschen. Da das Lebensende kurz bevor steht, sind sie sich ihrer obersten Prioritäten bewusst und nicht bereit, ihre letzte Zeit zu vergeuden.

Führ dir deshalb vor Augen, dass der Tod eine Bereicherung für dein Leben darstellt. Der Fakt, dass wir nicht unendlich viel Zeit haben, kann uns dazu ermuntern, bessere Entscheidungen zu treffen und dabei auch das ein oder andere Risiko hinzunehmen. Vielleicht steckst du gerade in einem Job fest, der dir überhaupt keinen Spaß macht. Statt wertvolle Lebenszeit zu vergeuden, lohnt es vielleicht eher, zu kündigen und nach sinnvolleren Alternativen zu suchen. Auch wenn dir diese drastische Veränderung erst einmal Angst macht.

Wer ist der Tod?

Es kann dir helfen, dem Tod einen Brief zu schreiben, indem du ihm deine Sorgen und Ängste mitteilst.
Es kann dir helfen, dem Tod einen Brief zu schreiben, indem du ihm deine Sorgen und Ängste mitteilst. (Foto: CC0 / Pixabay / stempow)

Wie bereits erwähnt, resultiert unsere Furcht vor dem Tod in erster Linie daraus, dass wir den Tod nicht wirklich bestimmen oder benennen können. Er ist viel mehr ein scheinbar großes, gefährliches Konstrukt. Wird er in Filmen oder Comics als Person dargestellt, sehen wir ihn deshalb oft als brutalen, furchteinflößenden Sensenmann, was unsere Angst nur noch vergrößert.

Einen Gegenentwurf zu der Vorstellung des Todes liefert Thees Uhlmann in seinem Buch „Sophia, der Tod und Ich“. Hier tritt der Tod als männliche Figur auf, die durch ihre naive, lustige und leicht verplante Art sehr sympathisch erscheint.

Stellst du dir den Tod also eher als eine*n Freund*in vor, der/die dich eines Tages einmal abholen wird, wird es dir vielleicht leichter fallen, deinem Lebensende etwas entspannter und gelassener entgegenzublicken. Um diese Vorstellung zu intensivieren, kannst du dem Tod einen Brief schreiben. Erkläre ihm deine Ängst und Sorgen und schreibe vielleicht auch, wofür du ihm dankbar bist.

Weiterlesen auf Utopia.de:

Quelle: Gian Domenico Borasios: Über das Sterben: Was wir wissen. Was wir tun können. Wie wir uns darauf einstellen. 2. Auflage. München: C.H.Beck, 2012.

Bitte lies unseren Hinweis zu Gesundheitsthemen.

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