Selbstliebe lernen: Tipps und Übungen für das geliebte Ich

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„Selbstliebe“ ist einer der Trend-Begriffe unserer Zeit, doch in der Realität gar nicht so leicht umzusetzen. Wir zeigen dir einige Tipps, wie du lernen kannst, dich selbst so zu lieben, wie du bist.

Wie kann man Selbstliebe lernen?

Meistens fällt es uns vergleichsweise leicht, andere Menschen zu lieben und Kindern, dem Partner, Eltern oder Freunden unsere Liebe zu zeigen. Doch wenn es darum geht, uns selbst zu lieben, befinden wir uns oft in einer Sackgasse. Dabei ist Selbstliebe eine essentielle Grundlage, um Probleme zu bewältigen, mit Stresssituationen umzugehen und letztendlich auch andere Personen zu lieben. Du gehst außerdem deutlich selbstbewusster, entspannter und freier durchs Leben, wenn du deinen eigenen Wert erkennst und schätzen kannst. 

Doch kann man Selbstliebe lernen? Definitiv: ja. Es gibt einige einfache Tipps und Tricks, die du problemlos in deinen Alltag integrieren kannst und die dir dabei helfen können, dich selbst besser wahrzunehmen, zu akzeptieren und wertzuschätzen. Die Basis all dieser Praktiken ist jedoch der Grundsatz, dass Selbstliebe nur aus deinem Inneren kommen kann und nicht durch äußere Einflüsse ausgelöst wird.

Selbstliebe durch Achtsamkeit

Yoga und Meditation können dir helfen, achtsamer durchs Leben zu gehen.
Yoga und Meditation können dir helfen, achtsamer durchs Leben zu gehen.
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Selbstliebe fängt bereits damit an, Gefühle und Signale des Körpers wahrzunehmen. Oft hetzen wir so durch den Alltag, dass wir den Zustand unseres Körpers gar nicht mehr spüren. Erst am Abend bemerken wir Kopfschmerzen, Schwäche oder Übelkeit, die wir uns nicht erklären können.

Um dich davor zu schützen, helfen meist schon mehrere kurze Pausen von zwei bis drei Minuten. Schließe kurz die Augen, atme tief ein und aus und fühle, wie es dir in diesem Moment geht. Diese besondere Art der Aufmerksamkeit wird als „Achtsamkeit“ bezeichnet. Achtsamkeit bezieht sich speziell auf die Wahrnehmung des inneren und äußeren Zustands und die Fähigkeit, diesen anzunehmen, ohne zu bewerten.

Damit bildet Achtsamkeit sozusagen die Basis für Selbstliebe. Sie hilft uns, uns selbst besser kennenzulernen und zu verstehen. Oft wissen wir viel zu wenig über unsere eigene Persönlichkeit, da wir uns nie Zeit nehmen, uns mit uns selbst auseinanderzusetzen. Doch wie willst du dich selbst lieben, wenn du deine eigenen Stärken und Qualitäten gar nicht kennst? Meistens fällt es uns sehr leicht, unsere Schwächen und Nachteile aufzuzählen. Doch werden wir nach unseren Stärken gefragt, will uns einfach nichts einfallen. Achtsamkeitsübungen können dir dabei helfen, deine eigenen Qualitäten besser wahrzunehmen. Sie unterstützen dich aber auch darin, deine Schwächen und Grenzen zu erkennen und mit Gelassenheit und Ruhe zu akzeptieren.

Eine Methode, um Achtsamkeit zu „trainieren“, ist die Meditation.

  • Es gibt verschiedene Möglichkeiten, diese durchzuführen. Am Anfang helfen dir geführte Meditationen, die Basis und verschiedene Variationen kennenzulernen (empfehlenswerte Mediations-Apps findest du hier).
  • Später kannst du die Übungen auch allein durchführen und auf deine Bedürfnisse abstimmen.
  • Bei jeder Meditation setzt du dich in eine für dich bequeme Haltung, schließt die Augen und beginnst, deinen Körper, deine Umgebung und speziell deine Atembewegung wahrzunehmen. Wichtig hierbei ist, dass du nur registrierst, ohne etwas zu bewerten.

Eine weitere Methode, die du auch in deine Meditation mit einbauen kannst, ist der „Bodyscan“

  • Dabei legst du dich auf eine weiche Unterlage und nimmst jedes Körperteil einzeln bewusst war.
  • Du beginnst zum Beispiel bei der linken kleinen Zehe und arbeitest dich dann bis zur Stirn hinauf.
  • Nimm wahr, welche Bereiche des Körpers sich gelöst und welche sich vielleicht verspannt anfühlen.
  • Auch hier geht es vor allem darum, zu spüren und registrieren, ohne eine Wertung vorzunehmen.

Eine dynamische Variante der Meditation, bei der du Geist und Körper in Einklang bringst, ist Yoga. Dabei hast du die Wahl aus einer Vielzahl von Yoga-Formen. Das Spektrum reicht vom kraftvollen Vinyasa-Power-Yoga bis zum ruhigen Yin-Yoga.

Ein Grundsatz beim Yoga ist das Motto: „Alles kann. Nichts muss.“ Dieses bezieht sich auch wieder auf das Akzeptieren deiner (körperlichen) Grenzen. Vielleicht bist du noch nicht so beweglich und schaffst noch keinen Spagat oder Handstand. Nimm diesen Zustand mit Gelassenheit an. Nur dann bist du in der Lage, durch achtsames Training deine Grenzen ausweiten zu können. Zwing dich also in keine Haltung, die sich nicht gut anfühlt und behandle deinen Körper mit Vorsicht und Respekt. Schaffst du es, diesen Gedanken auch auf deinen Alltag zu übertragen, bist du der Selbstliebe schon ein ganzes Stück näher.

Selbstfürsorge – Der Umgang mit dem eigenen Ich

Als Kinder machen wir einfach das, was uns Freude bereitet. Als Erwachsene verlieren wir oft diese Fähigkeit.
Als Kinder machen wir einfach das, was uns Freude bereitet. Als Erwachsene verlieren wir oft diese Fähigkeit.
(Foto: CC0 / Pixabay / dagon_)

Wenn du anfängst, die Botschaften deines Körpers wahrzunehmen und zu akzeptieren, wirst du vermutlich automatisch das Verlangen haben, diesen nachzugehen. Hier kommt die Selbstfürsorge ins Spiel. Sicher kennt jeder von uns das Bedürfnis, für das Wohlbefinden uns nahstehender Personen sorgen zu wollen. Und so wie du dich um Menschen, die du liebst, kümmerst, solltest du auch mit dir selbst umgehen.

Das kann sich in unterschiedlichsten Bereichen äußern. Zum Beispiel indem du dir die Zeit nimmst, ein ausgewogenes, gesundes Abendessen für dich zu kochen, dir dazu eine Kerze anzuzünden und deinen Lieblingsfilm anzusehen. Oder indem du nach einem stressigen Tag ein entspanntes Bad nimmst, in die Sauna oder zu einer Yoga-Stunde gehst.

Oft vernachlässigen wir neben Beruf und alltäglichen Pflichten die Dinge, die uns eigentlich Spaß machen. Doch ein essentieller Teil der Selbstliebe ist es, dass du dir bewusst Zeit nimmst, Dinge zu tun, die dir gut tun.

„Body-Image“ – Zufriedenheit mit dem eigenen Körper

Anstatt sich am Schönheitsideal zu orientieren, sollten wir unseren eigenen Körper schätzen und lieben lernen.
Anstatt sich am Schönheitsideal zu orientieren, sollten wir unseren eigenen Körper schätzen und lieben lernen.
(Foto: CC0 / Pixabay / 1556045)

Werbeplakate, Fashion-Shows, Mode-Magazine oder der Fitnesswahn, der speziell durch soziale Medien verbreitet wird, stürzt besonders junge Menschen immer wieder in Selbstzweifel. Begriffe wie „Body-Shaming“, der die Scham über die eigene Figur bezeichnet, machen die Runde. Essstörungen und zwanghaftes Sportverhalten sind keine Seltenheit.

Viele von uns werden das Gefühl kennen, vor dem Spiegel zu stehen und das eigene Spiegelbild abwertend, enttäuscht oder sogar wütend zu betrachten. Dieses Gefühl, sich unwohl in der eigenen Haut zu fühlen, rührt vor allem durch das ständige Vergleichen mit scheinbar „perfekten“ Menschen, wie dem Bikini-Model auf der Werbetafel oder dem durchtrainierten Athleten im Fitnessstudio.

Eine Reaktion auf diese Entwicklungen sind Gegenströmungen zum Fitnesstrend, die die Diversität des menschlichen Körpers betonen und zu Selbstliebe und Zufriedenheit mit der eigenen Figur aufrufen. Letztendlich hat jeder von uns andere Gene, Voraussetzungen und demnach einen individuellen Körper, der zu wertvoll ist, um ihn mit anderen zu vergleichen. Wir sollten deshalb aufhören, ständig einem vermeintlichen Schönheitsideal nachzueifern und versuchen, unseren Körper so anzunehmen, wie er ist. Dann sind wir auch in der Lage, uns selbst mit Respekt, Wertschätzung und Selbstliebe zu behandeln.

Das Schönheitsideal in unseren Köpfen ist leider seit langer Zeit sehr fest verankert, da es tagtäglich durch äußere Einflüsse genährt und bestätigt wird. Es scheint DEN einzigen perfekten Körper zu geben, der das Ziel eines jedes Menschen sein sollte. Um dieses Bild aus deinen Gedanken zu vertreiben und zu lernen, deine eigene Figur und Individualität zu schätzen, gibt es einige Tipps:

  • Hör auf, dich mit anderen zu vergleichen! Du hast deine eigenen Voraussetzungen, Erbanlagen und vor allem deine ganz persönliche Geschichte, die deinen Körper prägt.
  • Erweitere deinen ästhetischen Horizont! Anstatt sich immer wieder von den gleichen Models berieseln zu lassen, die in den Medien den Ton angeben, such dir andere Inspirationen. Es gibt viele starke Frauen (und auch Männer), die mit den unterschiedlichsten Figuren Schönheit und Selbstbewusstsein ausstrahlen.
  • Sei dankbar für das, was dein Körper jeden Tag für dich leistet: Dass er dich von A nach B trägt, dir erlaubt, neue Dinge auszuprobieren, dich anzustrengen und zu entspannen. Bilde eine Einheit mit deinem Körper und arbeite nicht gegen ihn.
  • Konzentrier dich auf dein Inneres! Leider ist unsere Gesellschaft viel zu viel darauf fokussiert mit äußeren, oberflächlichen Reizen beeindrucken zu wollen. Dabei sind es die inneren Werte, die uns zu dem Menschen machen, der wir sind. Kein Sixpack wird dich zu einem guten, liebenswerten Menschen machen, Werte wie Hilfsbereitschaft und Mitgefühl hingegen schon.

Wenn du versuchst, diese Anregungen langfristig in deinen Alltag zu integrieren, wirst du merken, wie viel gelassener und liebevoller du mit deinem eigenen Körper umgehst.

Natürlich sind eine gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung ein wichtiger Aspekt einer gesunden Lebensweise und wenn du ein paar Kilo abnehmen möchtest, um dich wohler zu fühlen, ist das auch völlig in Ordnung. Es ist jedoch ein Unterschied, ob du dich zum Workout und dem Salat zum Mittag aus Wut, Ärger und Selbstzweifeln zwingst, oder ob du dir und deinem Körper aus Selbstliebe etwas Gutes tun möchtest.

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(5) Kommentare

  1. Ich kann nicht zu dem Schluss kommen, dass „mangelnde Selbstliebe“ ein Problem unserer Gesellschaft ist, vielmehr sehe ich die weitverbreitete übertriebene Selbstdarstellung und Selbstbewunderung als kritisch an. Die um sich greifende Ich-Bezogenheit erweist sich insbesondere in Form einer Selfie-Manie bereits im Sinne einer Zivilisationskrankheit als Zeichen übergroßen Geltungsdrangs. Überall sieht man Leute, die sich mit sich selbst beschäftigen. Psychologen sehen darin ein Defizit an Selbstwertgefühlen, das man versucht zu kompensieren. Weil Menschen sich nicht selbst lieben bzw. akzeptieren können, suchen sie die Bestätigung von anderen? Das ist für einen Laien wie mich schwer nachzuvollziehen. Wenn ich mich selbst für minderwertig halte, muss ich dann nicht befürchten, dass mir andere diese Annahme eventuell bestätigen könnten? Dann halte ich es jedenfalls für sehr mutig, an die Öffentlichkeit zu gehen.

    Für mich persönlich impliziert das Posting massenweiser Bilder von sich selbst schon eher die folgende Aussage: Schaut mal her und nehmt zur Kenntnis, wie wichtig und wertvoll ich bin. Und das zeugt eher von einem falschen Selbstbild, wenn man sich zu wichtig nimmt und es macht zumindest für mich nur eines klar: An mangelndem Selbstbewusstsein scheinen Selfie-Junkies kaum zu leiden.

    Dieses gesellschaftliche Phänomen, das man bereits als Massenseuche (auch scherzhaft „Selfitis“ genannt) bezeichnen könnte, greift um sich und suggeriert, dass es nichts Wichtigeres im Leben gibt als gesellschaftliche Anerkennung, Wertschätzung und Bewunderung. Mit dem Setzen von Prioritäten, die diesem Wunschdenken entsprechen, werden unsere Wertevorstellungen völlig auf den Kopf gestellt und von einer gesunden Zelebrierung des Ichs kann keine Rede mehr sein. Ein Wettlauf um Bestätigung ist im Gange, die sich in simplen Zahlen widerspiegelt. Was nunmehr zählt, ist die Anzahl der Klicks, Likes und Followers. Das geht sogar so weit, dass man bereit ist, sich letztere zu erkaufen. Diese verhängnisvolle Gier fordert ständige Präsenz, Sichtbarkeit und Erreichbarkeit und verschlingt kostbare Zeit für die wirklich wichtigen Dinge, die unsere Aufmerksamkeit wert wären.

    Die konkurrierende Sucht nach Beachtung und die gleichzeitig oft fehlende Empathie und Solidarität, die in der wahrnehmbar wachsenden Ignoranz und Gleichgültigkeit andern gegenüber mündet, sind ein ausgeprägtes gesellschaftliches Problem der Generation „Ich“.

  2. Hallo sigrebe,
    ich will dir widersprechen. Ich denke die Dynamiken im Innern eines Menschen sind komplexer, als dass wir sagen können: Wenn sich jemand präsentiert, dann muss er auch ein hohes Selbstbewusstsein bzw. hohes Selbstwertgefühl haben. Das sehe ich ganz und gar nicht so – ausgenommen wir haben es mit Menschen zu tun, die eine narzistisch geprägte Persönlichkeit haben. Ich bin der Annahme, dass zumindest zum großen Teil ein mangelndes Selbstwertgefühl dahinter steckt. An dieser Stelle sollte man sich auch vor Augen führen, dass Selbstbewusstsein und Sebstwert nicht das Gleiche sind. Sprechen wir von Selbstbewusstsein ist das streng genommen eigentlich die bewusste Beobachtung und Reflexion der eigenen Person und Selbstwertgefühl dagegen, wie das Wort sagt, der Wert den ich mir selbst zuschreibe.

    Traurig an der Selfie-Generation ist doch, dass dieser Wert ganz offensichtlich über den Zuspruch von außen erlangt wird, statt sich selbst als wertvoll zu erachten. Diesen Wert erhält man dann auch noch meist für Oberflächlichkeiten wie Kleidung und Six-Pack. Das Problem: Solange die Facebook-Gemeinde fleißig die Selfies liked ist der Selbstwert im grünen Bereich. Was passiert denn aber, wenn diese Likes ausbleiben? Dann sinkt der Selbstwert! Denn wir können hier nicht von Selbstliebe sprechen, wenn mein Wert von Außen bestimmt wird. Der Selbstwert dieser Selfie-Generation ist fragil – so sehe ich das. Eigentlich ist doch diese Generation „Ich“ nicht wirklich ICH fixiert, sondern doch eher fixiert auf den Zuspruch ANDERER.

    Das Wichtige für mich in diesem Artikel ist, dass es erlaubt ist sich selbst zu lieben und man dies nicht durch Likes oder ähnliches erlangt. Selbstliebe führt zu Selbstfürsorge, was wiederum dazu führt, dass man mit sich im Einklang ist und nicht nach Anerkennung gieren muss. Daraus resultiert ein gesundes Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl, was für mich eine unbedingte Voraussetzung dafür ist mentale (und körperliche) Kapazitäten frei zu haben , um für Werte wie Solidarität einzustehen. Und nur eine gute Sebstkenntnis, die durch Selbstliebe gefördert wird, kann in Empathie für andere münden.

  3. Dass ein gesundes Selbstbild die Selbstliebe – im Sinne von Selbstakzeptanz mit allen Fehlern und Schwächen – erfordert, ist doch unbestritten! Leider ist das Netz voll von Narzissten und Psychopathen, die es mit der Selbstliebe übertreiben oder korrekter gesagt „Selbstliebe“ durch „Eigenliebe“ ersetzen.
    Dass diese Begriffe nicht gleichzusetzen sind, ist auf den ersten Blick nicht erkennbar und man hätte auf diesen kleinen aber wesentlichen Unterschied in diesem Artikel deutlicher eingehen können. Eigenliebe (die ich als überzogene Selbstliebe betrachtet habe) im Sinne von Selbstverliebtheit ist ein unnatürliches, egoistisches Gefühl, das infolge des Vergleichs und des Ausrichtens nach anderen entsteht. Es ist die Entfremdung des natürlichen Selbst in einem Verschwimmen von Realität und Fiktion. Im Hinblick auf die Balance gibt es zwar eine gesunde Selbstliebe, aber keinen gesunden Narzissmus (Eigenliebe). Diesem Verwechslungsfehler in begrifflicher Hinsicht war ich kurzzeitig aufgesessen, als ich schlussfolgerte, dass ich in unserer Gesellschaft keinen Mangel an Selbstliebe sehe. An meiner Meinung in Bezug auf die Selfie-Manie ändert das aber nichts, für mich ist es einfach nur „krank“, dass jemand ein Feedback erwartet, nachdem er ein Selfie vom Zähneputzen oder von seinem Abendessen gepostet hat. Und schließlich entspricht es nicht nur meiner subjektiven Wahrnehmung, dass es im Netz nur so von Selbstdarstellern wimmelt, die sich auf übertriebene Weise in selbstherrlichen Posen zum Affen machen. Von dieser Art Liebe brauchen wir nicht noch mehr – und das ist es, worauf ich mit Recht hingewiesen habe.
    Dass es auch Menschen gibt, die aus Unsicherheit im Hinblick auf ihre Wertigkeit nach Bestätigung suchen, will ich gar nicht grundsätzlich leugnen.
    Aber ungeachtet dessen, ob nun die Motivation, sich ständig präsentieren zu wollen, Minderwertigkeitsgründen geschuldet ist oder aus reiner Selbstüberschätzung resultiert, halte ich die Folgen dieser digitalen Selbstdarstellung für fatal. Junge Menschen folgen diesen vermeintlichen Vorbildern in blinder Naivität, indem sie diesem Trend nacheifern und den Blick für die wesentlichen Dinge im Leben aus den Augen verlieren.

    Mein Fazit zum Artikel: Selbstliebe ist wichtig, auch um die Fähigkeit zur Empathie zu entwickeln. Aber wir sollten aufpassen, dass diese nicht bereits bei der Selbst-Empathie endet, ansonsten dient sie nur uns selbst und nicht unserer Umwelt (Gesellschaft).

  4. Zitate zum Thema Selbstliebe von Rolf Merkle:

    1) Das wichtigste Gebot der Selbstliebe: Behandle dich selbst so, wie du von anderen behandelt werden möchtest.

    2) Nimm dich selbst an. Dann musst du dir die Liebe nicht von anderen leihen.

    3) Sei liebenswert, wenn du geliebt werden willst.

    4) Um dich geliebt zu fühlen, musst du zuerst dich selbst lieben.

    5) Wenn du dich für liebenswert hältst, musst du den Vergleich mit anderen nicht fürchten.

    6) Trau keiner Stimme in deinem Inneren, die nicht liebevoll zu dir spricht.

    7) Selbstliebe ist die Voraussetzung für wahre Nächstenliebe.

  5. Dass bei aller Erlaubnis zur Selbstliebe auch die Gefahr besteht, diesen Begriff falsch auszulegen (falsch verstandene Selbstliebe im Sinne von Selbstverliebtheit), hätte man in diesem Artikel meines Erachtens noch besser herausarbeiten können. In der Deutung im Sinne eines Freibriefs verfallen leider immer wieder Menschen in unerwünschte Extreme.

    Bezüglich der Begrifflichkeit möchte ich daher ergänzend und erläuternd noch ein Zitat hinzufügen, das ich für die Differenzierung (Einschränkung) für wesentlich halte.

    „Im Prinzip ist die Selbstliebe eine grundlegende Einstellung dir selbst gegenüber. Ganz klar abzugrenzen ist an dieser Stelle der Narzissmus, Egozentrik und Egoismus. Das hat nämlich absolut nichts mit Selbstliebe zu tun! Das ist nämlich vielmehr ein krankhaftes Wichtigtuen zum Verstecken der eigenen Schwächen und des eigenen Selbsthasses und damit ein komplettes Gegenteil.“

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