Buen Vivir: Das Konzept des Zusammenlebens aus Südamerika

Foto: CC0 / Pixabay / falco

Die Lebensphilosophie Buen Vivir stammt aus Südamerika und steht wörtlich für „das gute Leben“. Wir erklären dir das Konzept von Buen Vivir und was es mit Nachhaltigkeit zu tun hat.

Die Fridays-for-Future-Demonstrationen haben in Deutschland und auf der ganzen Welt die Gesellschaft wachgerüttelt. Das Ziel: Den eigenen Lebensstil ändern, weniger konsumieren und so gemeinsam das Wachstumsstreben bremsen und ein Gleichgewicht mit der Natur und ihren Ressourcen schaffen. Doch diese Idee ist gar nicht so neu: 2009 haben Ecuador und Bolivien Nachhaltigkeit in ihrer Verfassung unter dem Stichwort „Buen Vivir“ verankert. Dahinter steckt viel mehr als bloß ehrgeizige Ziele…

Buen Vivir: Das steckt dahinter

Der spanische Ausdruck „Buen Vivir“ steht für das „gute Leben„. Buen Vivir ist eine Lebensphilosophie, die ursprünglich von den indigenen Völkern Südamerikas stammt. In Ecuador und Bolivien ist Buen Vivir zum Maßstab politischen Handelns geworden. Dort definieren die Menschen Buen Vivir so:

  • Das Prinzip Buen Vivir lehnt es ab, nur nach Wachstum zu streben, sondern es geht viel mehr um ein Gleichgewicht. Damit ein Gleichgewicht herrschen kann, sollen alle so gut versorgt werden, dass ihre Grundbedürfnisse befriedigt sind und sie ein würdiges Leben führen können.
  • Buen Vivir nimmt nicht nur den einzelnen Menschen in den Blick, sondern auch die Natur. Die Natur ist in diesem Konzept ebenfalls ein Subjekt, dessen Rechte beachtet werden müssen.

Die Ursprünge von Buen Vivir

Die Idee von Buen Vivir stammt von indigenen Völkern Südamerikas.
Die Idee von Buen Vivir stammt von indigenen Völkern Südamerikas.
(Foto: CC0 / Pixabay / eismannhans)

Die indigenen Völker kennen den Gedanken von Buen Vivir in verschiedenen Facetten und benutzen unterschiedliche Begriffe in ihrer Muttersprache dafür:

  • Das Volk Kichwa kennt es als „summa kawsay“ und bezeichnet damit einen Wohlfahrtsstaat der Gemeinschaft, wo Harmonie herrscht.
  • Das Volk Aymara spricht von “suma qamaña”. Dieser Begriff umfasst die Harmonie zwischen Erde, dem Leben, des Kosmos und der Geschichte.

Bei Buen Vivir geht es also um das Verhältnis zwischen den Einzelnen, dem Kollektiv und der Natur. Wichtig ist dabei ein nachhaltiges Zusammenleben, wo der tatsächliche Wert des Einzelnen, des Kollektivs, der Produkte und der Natur eine wichtige Rolle spielt. Dadurch, dass die Natur als Rechtssubjekt gilt, geht es um nachhaltige Entwicklung statt Ausbeutung.

Buen Vivir in der Politik

Mit der Idee hinter Buen Vivir forderte Ecuador Ausgleichszahlungen, um kein Öl mehr im Nationalpark Yasuní zu bohren.
Mit der Idee hinter Buen Vivir forderte Ecuador Ausgleichszahlungen, um kein Öl mehr im Nationalpark Yasuní zu bohren.
(Foto: CC0 / Pixabay / distelAPPArath)

Buen Vivir wurde vor einigen Jahren politisch: In Bolivien wurde Evo Morales 2006 Präsident, in Ecuador 2007 Rafael Correa. Beide Staatschefs waren politisch links orientiert und wollten der indigenen Bevölkerung eine Stimme geben. Außerdem war ihr Ziel, sich von den großen Global Playern der neoliberalen Marktwirtschaft und den ehemaligen Kolonialmächten Europa und den USA zu emanzipieren.

Indem sie dafür sorgten, dass Buen Vivir in der Verfassung verankert wurde, haben Bolivien wie Ecuador die Pluralität der eigenen Bevölkerung ernst genommen und diese auch politisch abgebildet. Man spricht hier von Plurinationalismus. 

Buen Vivir als offene Plattform

Einen genauen Fahrplan gibt es noch nicht, wie Buen Vivir umgesetzt werden kann. Das Konzept von Buen Vivir versteht sich stattdessen als Prozess. Darum gibt es in Lateinamerika viele Diskussionen zu diesem Thema, die jedoch nur kaum in Europa bemerkbar werden (Ausnahmen sind zum Beispiel das Symposium zu Buen Vivir in Halle an der Saale im Oktober 2013).

Buen Vivir ist weder die westliche Neuinterpretation von einer indigenen Weltanschauung, noch die Umsetzung von einer indigenen Lebensart. Stattdessen ist Buen Vivir eine Plattform, um gemeinsam an einer Zukunftsperspektive zu arbeiten. Das alles geschieht in dem Verständnis, die Natur als eigenes Rechtssubjekt zu verstehen.

Fazit: Was kann Buen Vivir bewegen?

Du kannst mit unseren fünf Ideen die Philosophie von Buen Vivir in deinen Alltag integrieren.
Du kannst mit unseren fünf Ideen die Philosophie von Buen Vivir in deinen Alltag integrieren.
(Foto: CC0 / Pixabay / Pexels)
  • Buen Vivir steht im Gegensatz zur Philosophie des Westens, die vor allem nach Wohlstand und Fortschritt strebt.
  • Buen Vivir beinhaltet verschiedene Werte der Nachhaltigkeit und eine Harmonie zwischen den Interessen der Menschen und der Natur.
  • Die Natur ist dabei ein eigenes Subjekt.

Um das Wettbewerbsdenken zu überwinden, können wir als Kollektiv kleine Schritte tun. Wir haben dazu fünf Ideen, wie du ein bisschen mehr Buen Vivir in dein Leben einfließen lassen kannst und die Natur als Subjekt respektierst:

  1. Konsumiere weniger.
  2. Kaufe lokal ein, um Händler vor Ort zu unterstützen und lange Transportwege zu vermeiden.
  3. Achte auf Nachhaltigkeit. Das heißt, dass du den wirklichen Wert eines Produktes zahlst. Bei Fair-Trade-Produkten und lokalen Erzeugnissen mit entsprechender Kennzeichnung ist dies gesichert.
  4. Investiere in grüne Geldanlagen und Banken.
  5. Unterschreibe Online-Petitionen und engagiere dich, um dich als Teil des Kollektivs zu begreifen.

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