Carnaubawachs: Das solltest du über das vegane Wachs wissen

Foto: CC0 / Pixabay / Mareefe

Vegane Naschkatzen werden die Aufschrift „Carnaubawachs“ schon öfter in der Zutatenliste ihrer Gummibärchen entdeckt haben. Wir wollen dir hier erklären, wo Carnaubawachs herkommt und wo es noch verwendet wird.

Merkmale des Carnaubawachs

Im rohen Zustand weist Carnaubawachs eine gelbe oder gelbgrünliche bis dunkelgraue Farbe auf. Von den natürlichen Wachsen, also Wachsen tierischer oder pflanzlicher Herkunft, ist es das härteste. Der Schmelzpunkt von Carnaubawachs liegt bei 80-87 °C und das ist für ein natürliches Wachs sehr hoch. Beim Schmelzen entfaltet das Wachs einen charakteristischen heuartigen Duft.

Heutzutage findet es vor allem wegen seines Glanzes und seiner Festigkeit Anwendung, zum Beispiel in Kosmetikprodukten oder als Zusatzstoff für Polituren. Damit ersetzt Carnaubawachs künstlich gestellte Hartwachse. Verwendet und verkauft wird das Wachs oft als Pulver.

Herkunft und Verarbeitung des Carnaubawachs

Carnaubawachs stammt von der brasilianischen Carnaubapalme. Deren Blätter sind beidseitig mit dem Pflanzenwachs beschichtet, um sie vor Verdunstung zu schützen. Nach dem Trocknen der Blätter löst sich der Großteil des Wachses sich bereits von selbst. Der Rest wird durch Schaben, Klopfen und Bürsten gewonnen. Ungefähr fünf Gramm Wachs erhält man von einem Baum.

Von den ca. 35 Blättern einer Palme werden jährlich 10-20 Stück geerntet und „entwachst“. Das gewonnene Wachs wird anschließend geschmolzen, damit sich Unreinheiten absetzen und abgesiebt werden können.

Alternativ werden die jungen Triebe und Blätter der Palme ausgekocht. Dann kann das Wachs von der Oberfläche des Wassers abgeschöpft werden. Bekannt ist das Carnaubawachs bereits seit 1648, im größeren Stil verwendet wird es in Brasilien seit 1810.

Verwendung in Lebensmitteln

Carnaubawachs für schönen Glanz
Carnaubawachs für schönen Glanz (Foto: CC0 / Pixabay / ejaugsburg)

Carnaubawachs ist unverdaulich und gilt als unbedenklich für Mensch und Umwelt. Auf Lebensmittelverpackungen erkennst du das Wachs an der Kennzeichnung E903. Verwendet wird es zum Beispiel:

  • als Überzugsmittel für Gummibärchen oder Kaugummi, damit sie nicht zusammenkleben. Damit ersetzt es oft das sonst verwendete Bienenwachs.
  • als Schutzüberzug für Zitrusfrüchte. Diese Beschichtung dient der Konservierung der Früchte.
  • als Poliermittel beim Dragieren, also dem Überziehen einer Süßigkeit mit einer festigenden Schicht, findet Carnaubawachs ebenfalls Anwendung – oft auch bei medizinischen Tabletten.

Weil Carnaubawachs ein pflanzliches Wachs ist, wird es besonders gerne für vegane Gummibärchen verwendet, damit auf das tierische Bienenwachs verzichtet werden kann.

Verwendung für Kosmetikprodukte

Die Anwendungsmöglichkeiten von Carnaubawachs im kosmetischen Bereich sind ebenfalls sehr vielfältig:

  • In Salben und Cremes gibt Carnaubawachs Konsistenz.
  • Das Wachs dient als Zusatz zur Stabilisierung in Lippenpflegestiften, Mascara, Sonnencreme oder wasserfestem Make-Up.
  • Auch in der Seifen– und Kerzenherstellung ist Carnaubawachs häufig ein Bestandteil.

Weitere Verwendungsmöglichkeiten für Carnaubawachs

  • Viele Pflege- und Reinigungsmittel für Autos oder Möbel enthalten Carnaubawachs: Polituren für Möbel, Autos und zur Oberflächenpflege sind häufig mit Carnaubawachs versetzt, um einen schöneren Glanz zu erhalten. Das gleiche gilt für einige Reinigungsmittel. Auch Schuhcremes können Carnaubawachs enthalten.

Außerdem findet Carnaubawachs Einsatz als Skiwachs, Politurmittel für Holz- und Drechselarbeiten und kann zur Lederpflege verwendet werden.

Ganz früher wurde Carnaubawachs sogar in der Herstellung von Schallplatten eingesetzt. Häufig wird es bei der Verwendung auch mit anderen Wachsen vermischt, um deren Schmelzpunkt zu erhöhen und für einen schöneren Glanz zu sorgen.

Aufgrund des langen Transportwegs solltest du bei Möbel- oder Autopflege aber lieber eher nach einheimischen ökologischen Produkten suchen. Carnaubawachs wird oft unter schlechten Bedingungen gewonnen: Die Arbeiter auf den Farmen arbeiten oft zu Löhnen unter dem Existenzminimum bei 40°C ohne Schatten und sauberes Trinkwasser. Auch Kinder arbeiten immer wieder auf den Plantagen mit. Das kam im Zuge der ARD-Recherche beim Haribo-Check heraus.

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(5) Kommentare

  1. Kennt jemand ein Pflanzliches Wachs /Pflanze aus der diese Gewonnen werden kann (mit ‚Hausmitteln) – welches sich zur Kerzenherstellung eignet und in Deutschland angebaut werden kann?
    → also lokal gewonnen?
    fände ich spannend mal mit zu experimentieren..

  2. Früher hat man dazu das Harz von Bäumen verwendet.
    Allerdings ist das kein Hausmittel.
    Bienen-Wachs kann man dazu auch verwenden, die Rezeptur bzw. die Verarbeitung müßtest Du aber mal selbst recherchieren.

  3. „Früher hat man dazu das Harz von Bäumen verwendet.“
    Nö, was du meinst sind Kienspäne, also keine Kerzen.
    „Bienen-Wachs kann man dazu auch verwenden“
    Es wurde aber ausdrücklich nach p f l a n z l i c h e m Wachs gefragt.

  4. Wenn du dich von Kerzen lossagen könntest, bräuchtest du kein Wachs in irgendeiner Form, sondern könntest dir aus Salatöl eine Lampe herstellen, die in etwa sowas wie eine Petroleumlampe ersetzt.
    Dazu kannst du dann lokales Rapsöl etc verwenden und bist garantiert nicht am Urwaldtot mit beteiligt.

  5. So!
    Da hätten wir also wieder eine Wunderpflanze aus Weitweg!
    Und was man damit alles machen kann, was diese Pflanze so hergibt.
    Klingt wieder so super.
    Wieviel Urwald wird wohl dafür abgeholzt werden, wenn die Südamerikaner merken, dass dieses Carnaubawachs bei den Veganern und sonstwie bewussten Menschen heiß begehrt wird, weil es ja so vegan und so vielseitig ist?
    Man kriegt das gruselige Gefühl, Zeuge einer Geburtsstunde für Palmöl 2.0 zu werden.

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