Kosmetik ohne Palmöl

Palmöl in Kosmetik
Foto: © Adam Gregor - Fotolia.com; Colourbox.de

Auch in Kosmetik-Produkten kann sich Palmöl verstecken, sogar Naturkosmetik kommt nicht ohne aus. Utopia zeigt, wo das Problem liegt und was du tun kannst.

Shampoos und Körperlotionen, Abdeckstifte und Tagescremes – viele Kosmetikprodukte können offenbar nicht ohne Palmöl hergestellt werden. Das Öl ist geruchsneutral, glättet die Haut, kann leicht in allen möglichen Zustandsformen verarbeitet werden und gehört zu den billigsten hochwertigen Ölen, die wir derzeit kennen.

„Billig“ natürlich nur für die Kosmetikfirmen, die es  einkaufen. Auf der anderen Seite der Welt kommt das Öl die Menschen teuer zu stehen: Wegen des Hungers unserer Industrien auf das hochwertige Öl werden in tropischen Gebieten Bevölkerungen enteignet, vertrieben und ihre Regenwälder rücksichtslos abgeholzt oder brandgerodet. Pro Jahr kommen etwa 60 Millionen Tonnen Palmöl von 17 Millionen Hektar Monokulturen, eine Fläche halb so groß wie Deutschland. (Details hier Palmöl: Wie stoppen wir die Regenwaldzerstörung?).

Wo liegt das Problem?

Bei Lebensmitteln kennt man bereits die üblichen Verdächtigen und kann ihnen einigermaßen aus dem Weg gehen: Ganz allgemein hilft, alle Arten von Fertigprodukten und industriell gefertigten Lebensmitteln zu meiden. Mehr dazu in unserem Beitrag 10 beliebte Produkte mit Palmöl und gute Alternativen.

Doch ist auch Kosmetik ein Problem? Ja! Zwar wandert nach WWF-Angaben der Großteil des Palmöls (68%) in die Lebensmittelindustrie, doch 27% gehen für kosmetische Produkte, Seifen usw. drauf. Es lohnt also auch hier, nach Produkten zu suchen, die ohne das problematische Erzeugnis auskommen oder versuchen, bei der Nutzung des Öls bessere Wege zu gehen.

Wir haben in einer Bildergalerie einige Produkte zusammengestellt – Kosmetik ohne Palmöl im Überblick:

Kosmetik ohne Palmöl zu finden ist allerdings nicht einfach, denn bei Kosmetika gibt es keine zu Lebensmitteln vergleichbare Deklarierungspflicht; hinter mindestens 55 Deklarationen kann sich Palmöl verstecken. Zugleich ist es ein Naturprodukt, daher ist auch zertifizierte Naturkosmetik nicht automatisch frei davon.

Für Kosmetik werden auch oft sogenannte Palmölderivate verwendet, also Zwischenprodukte, die auf der Basis von Palmöl hergestellt werden. Sie enthalten zwar nur noch minimale Anteile des Öls, bewegen sich aber trotzdem im selben Kreislauf. Solche Derivate finden sich z.B. in Tensiden, aber auch andere wichtige Kosmetik-Inhaltsstoffe wie Emulgatoren, Konsistenzgeber und Stabilisatoren.

Kosmetik einfach ‚palmölfrei‘ kaufen?

Es liegt nahe, nun einfach Produkte zu kaufen, die stattdessen zum Beispiel Raps- oder Sonnenblumenöl enthalten. Einige Shops haben sich darauf bereits spezialisiert und kennzeichnen entsprechende Produkte als „palmölfrei“ – wie etwa veganese.de,  memolife.de**, duftundschaum.net oder Shanti.

Das ist gut und richtig, doch Vorsicht: Die Lösung für das Problem liegt nicht darin, einfach nur ein anderes Öl zu verwenden. Das liegt daran, dass die Ölpalme sehr ertragreich ist: Für die Ausbeute von einem Hektar Palmölfeldern bräuchte man 3 ha Rapsfelder, 4 ha Sonnenblumenfelder, knapp 5 ha Sojafelder oder 7 Hektar Kokospalmenfelder. Würden wir das Öl aus Palmkernen im großen Maßstab einfach nur 1:1 durch ein anderes Öl ersetzen, wäre je nach Produktionsland wenig gewonnen.

Kosmetik mit ‚besserem‘ statt völlig ohne Palmöl

Einige Unternehmen beschreiten daher den Weg, „besseres“ Palmöl zu suchen, etwa mit Hilfe des 2004 ins Leben gerufenen „Roundtable for Sustainable Palm Oil“ (RSPO). Trägt ein Produkt das Zertifikat des RSPO, wird auf den Plantagen freiwillig mehr für Naturschutz und Menschenrechte getan als gesetzlich vorgeschrieben. Wie bei vielen Zertifikaten ist natürlich auch bei RSPO nicht alles ohne Makel und Kritik, Details dazu in Palmöl: Wie stoppen wir die Regenwaldzerstörung?

Zertifiziertes Palmöl ist immerhin ein erster Schritt. Nach Angaben des WWF sind weltweit allerdings nur 10% der Produktion zertifiziert, in Deutschland 30% des Verbrauchs. Hier kommt das 2013 gegründete Forum Nachhaltiges Palmöl (FONAP) ins Spiel: Es ist eine öffentliche Selbstverpflichtung von Herstellern, sich für RSPO-Standards einzusetzen; Mitglieder sind u.a. Beiersdorf (Nivea), Börlind, dm, Logocos Naturkosmetik und Weleda.

Beispielhafte Marken

Auch RSPO, FONAP und die hier engagierten verändern nicht die Welt von heute auf morgen, aber sie versuchen es wenigstens. Auch bewusst einkaufende Konsumenten können ihren Teil tun und Kosmetik von Unternehmen zu beziehen, die versuchen, andere Wege zu gehen. Einige Beispiele**:

  • Dr. Bronner’s nutzt Fairtrade-zertifiziertes Palmöl von Serendipalm aus Ghana, das auch Unternehmen wie Gepa und Rapunzel beliefert.
  • Dr. Hauschka nutzt kein reines Palmöl aus südostasiatischen Ländern und hat seinen Bedarf reduziert. Seinen Verbrauch beziffert das Unternehmen mit 25 Kilogramm pro Jahr – für Abdeckstifte. Für Zwischenprodukte sucht man gemeinsam mit Lieferanten nach Alternativen; so stammt das verwendete Glycerin seit einigen Jahren aus Bio-Kokosöl aus kleinbäuerlichem Anbau.
  • Gepa bietet Seifen ohne das problematische Öl. Die Stückseifen enthalten stattdessen Wachs, das aus Reiskleie hergestellt wird.
  • Lavera nutzt seit 2012 kein reines Palmöl mehr und sucht nach Alternativen für Zwischenprodukte. „Das ist nicht so einfach, wie man vielleicht vermuten würde“, sagt Sabine Kästner, Unternehmenssprecherin von Lavera: „Andere Inhaltsstoffe gibt es in diesem Maße leider nicht, was auch damit zusammenhängt, dass Alternativen nicht immer die bessere Lösung wären“.
  • Marina Gebhardt verwendet in ihrer Demeter-zertifizierten Körperpflegeserie weder Palmöl noch Derivate – als Emulgatoren werden Wollwachs, Honig, Bienenwachs und Sojalecithin von Rapunzel eingesetzt.
  • Regenwaldladen bietet größtenteils palmölfreie Produkte von Lippenpflege bis Haarseife. Die Produkte stammen meist aus Brasilien, wo im Amazonasgebiet inzwischen ebenfalls Palmölplantagen ausbreiten, und werden in enger Zusammenarbeit mit lokalen Bevölkerungsgruppen gemacht. Die meisten Inhaltsstoffe stammen aus Wildsammlung.
  • Sanoll aus Österreich arbeitet mit Seifenkrautextrakt und bietet ein breites Spektrum an Naturkosmetik, von Gesichts- bis zur Haarpflege.

Die WWF-Palmöl-Scorecard (PDF) listet unter anderem Kosmetik- und Drogerie-Hersteller sowie Supermärkte und beleuchtet, wie gut oder schlecht sie in Sachen Palmöl dastehen. umweltblick.de hat eine Liste von Produkten ohne Palmöl. Auch Utopia zeigt 10 beliebte Produkte mit Palmöl und gute Alternativen.

Auch wir haben in einer Bildergalerie einige Produkte zusammengestellt und stellen dort Kosmetik ohne Palmöl vor.

Ein kleines ‚Aber‘ hierzu: So manches palmölfreie Produkt hat unter Umständen andere Schwächen, ist etwa nicht Naturkosmetik-zertifiziert, nicht vegan etc. Hier muss jeder selbst entscheiden, was ihm wichtiger ist.

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(2) Kommentare

  1. Ich benutze gerne die Produkte von CMD. In den von mir bisher benutzten Produkten war nirgendwo Palmöl enthalten. Ob das für alle Produkte der Firma gilt, kann ich allerdings nicht beurteilen.
    Was mir außerdem sehr gut gefällt: Es gibt kaum Umkartons, die Produkte werden in Deutschland produziert, viel sind vegan und zertifiziert. Außerdem gibt es auf der Homepage eine Liste der Inhaltsstoffe inklusive deutscher Deklaration.

  2. Pflegeprodukte selber herstellen ist gar nicht so schwierig. Für eine Creme zum Beispiel muß man nur eine Emulsion anrühren. Das geht mit einfachem Speiseöl und Wasser. Den Emulator findet man auch in Reformhäusern bei den Spinnradprodukten. Wenn man sauber arbeitet und die Creme schnell aufbraucht, muß man sie nicht einmal konservieren.

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