Cranberry: Wunderbeere mit Fragezeichen

Cranberry: Wunderbeere mit Fragezeichen
Foto: © Fotolia / Vladyslav Danilin

Die Cranberry gilt als Superfood: Sie soll bei Blasenentzündung helfen, beim Abnehmen helfen und sogar Krebs vorbeugen. Doch was kann die Wunderbeere wirklich?

Die Cranberry, zu deutsch Moosbeere oder Kra(a)nbeere, erfreut sich größter Beliebtheit als Bestandteil zahlreicher Rezepte und als Cranberrysaft entweder pur oder in diversen Cocktails. Die leuchtend rot oder dunkelrot gefärbten Kranbeeren werden gerne mit Preiselbeeren verwechselt, sind jedoch viel größer und tragen Fäden, die an einen Kranichschnabel erinnern – daher der Name Cranberry.

Die roten Cranberries gelten neben ihrer vielseitigen Einsetzbarkeit in der Küche auch als Wunderbeeren, die gegen Harnwegsinfektionen bei Frauen helfen sollen. Zusätzlich wirken die Beeren entwässernd und sollen beim Abnehmen helfen. Auch Antioxidantien und Flavonoide, die gegen Krebs helfen und den Alterungsprozess bremsen können, sind in den Cranberries enthalten. Sie gelten auch als Superfood und werden entsprechend angeboten. Wir haben die Kranbeeren unter die Lupe genommen – und sind auf ein paar Fragezeichen gestoßen.

Botanisches über die Cranberry Pflanze

Die Cranberry-Pflanze ist eigentlich ein immergrüner Zwergstrauch aus der Familie der Heidekrautgewächse. Cranberries gehören zu Gattung der Heidelbeeren und an diese erinnert der Strauch der Moosbeere auch: Die Zweige „kriechen“ über den Boden, wachsen bis zu einem Meter pro Jahr und wurzeln sich fest. Dadurch entsteht in einer Moosbeeren-Plantage oder in Gebieten mit größeren wilden Vorkommen eine Art Strauchteppich, wo einzelne Cranberry Pflanzen nicht voneinander zu unterscheiden sind. Dies moosige Strauchteppich gab der Moosbeere auch ihren deutschen Namen.

Heimisch ist die Großfrüchtige (oder Amerikanische) Moosbeere, wie die Cranberry korrekt heißt, in den östlichen Hochmooren Nordamerikas, von Kanada im Norden reicht das Verbreitungsgebiet südlich bis nach Tennessee und Virginia in den USA. Die Kranbeere braucht torfige, lockere Böden und kalte, schneereiche Winter, dann gedeiht sie am besten. In Deutschland wurde der Zwergstrauch schon in einige Mooren angesiedelt, aber auch daheim im Garten fühlt sich die Cranberry, den richtigen Boden vorausgesetzt, schnell wohl und ist sehr pflegeleicht. Der Cranberrystrauch blüht von Mai bis August mit weißen oder rosa Blüten. Die Früchte sind im Herbst, ab Ende September, reif und können geerntet werden.

Produktion und Ernte der Cranberries

Die reifen Kranbeeren sind etwa so groß wie Stachelbeeren, leuchtend rot, einige Sorten auch dunkelrot bis schwarz, und haben vier Luftkammern, die den Beeren im Wasser Auftrieb verleihen. Genau diesen Auftrieb macht sich die kommerzielle Produktion der Cranberries zunutze. Weil eine Cranberry leichter als Wasser ist, werden die Felder bei der sogenannten „Nass-Ernte“ komplett überflutet. Eine spezielle Maschine erzeugt dann kleine Strudel im Wasser, die 90 Prozent der reifen Moosbeeren von den Sträuchern wirbelt.

Anschließend werden die auf dem Wasser schwimmenden Beeren abgeschöpft. Da Cranberries mit intakten Luftkammern wie ein Gummiball hochspringen, wird bei der Ernte auch gleich sortiert: die härteren werden frisch oder getrocknet verkauft, die weichen zu Saft, Marmelade, Sauce oder Ähnlichem verarbeitet. Der weltweit größte Produzent sind die USA, die gleichzeitig auch die größten Konsumenten der Moosbeere sind.

Cranberry und Moosbeere mit Joghurt

Die Cranberry im Nachhaltigkeits-Check

Fast alle Cranberries, die bei uns im Laden landen, egal ob verarbeitet, getrocknet oder frisch, stammen aus den USA. Damit hat die Moosbeere in jedem Fall einen langen Transportweg hinter sich und bekommen dafür einen ökologischen Minuspunkt. Aber auch die Anbauregionen in sensiblen Ökosystemen wie Mooren oder moorähnlichen Gebieten sowie die komplette Flutung bei der Nass-Ernte bestehen den Nachhaltigkeits-Check nicht unbedingt. Pestizide zur Bekämpfung des häufig wegen der Monokulturen auftretenden Pilzbefalls, das Auswaschen von Schadstoffen ins Grundwasser bei der Ernte und Eingriffe in empfindliche Biotope sind für uns ein weiteres Minus.

Dass es auch anders geht, zeigen Initiativen zum nachhaltigen Cranberry-Anbau wie die Studie der Universität von Wisconsin. Bio-Qualität und Verantwortung für die Umwelt werden den Anbauern immer wichtiger. Trotzdem ist es besser, sich in Bio- oder Naturkost-Läden zu erkundigen, ob es nicht auch heimische Cranberries zu kaufen gibt. Zur Erntezeit im Herbst kannst du da durchaus Glück haben. Und Gartenbesitzer können ihre eigenen Moosbeeren züchten und ernten – durch die lange Haltbarkeit der roten Moosbeeren, vor allem eingekocht oder getrocknet, ist das unser Tipp in Sachen Nachhaltigkeit für Kranbeeren.

Ein kleine Auswahl der besten Cranberry Rezepte

Der Geschmack frischer Cranberries ist sauer und sehr herb, sodass sie pur fast nicht genießbar sind. Getrocknet schmecken sie süßer und nur noch ganz leicht herb. Verwendet werden frische Kranbeeren daher hauptsächlich für herzhafte Gerichte, wie Fleisch und Wild. Die Cranberry-Sauce ist das amerikanische Gegenstück zu unserer Preiselbeer-Sauce und beim Thanksgiving-Truthahn unverzichtbar.

Alternativ wird aus den Moosbeeren auch ein leckeres Cranberry Chutney oder Cranberry Relish. Gut geeignet sind die Beeren zum Beispiel auch als besonderes Etwas im Sauerbraten vom Hähnchen. Für Desserts und Süßspeisen wird die getrocknete Cranberry eingesetzt, ebenso wie als Zutat zum Müsli oder für Cranberry Muffins und Cookies. Ein Geheimtipp sind die Kranbeeren auch für alle, die Rosinen nicht mögen: einfach durch getrocknete Cranberries ersetzen, Kuchen schmecken damit oft sogar noch ein bisschen besser.

Der Vielseitige im Glas: Cranberry-Saft

Ebenso vielfältig wie die Cranberry frisch und getrocknet in der Küche eingesetzt werden kann, zeigt sich Cranberry-Saft bei den Getränken. Unverdünnt und ungezuckert enthält der Cranberrysaft zwar die meisten Vitalstoffe, ist aber auch entsprechend sauer und herb. Dafür lassen sich mit dem Saft der Kranbeere unendlich viele Variationen mixen: Verdünnt mit Wasser als erfrischendes Getränk im Sommer, als Teil eines Smoothies – und natürlich gehören Cranberry und Cocktail auch zusammen. Eine Cocktailbar ohne Cranberry-Saft gilt als unvollständig, ist der Saft doch Zutat in einigen der beliebtesten Cocktails.

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In einigen der beliebtesten Cocktails ist Cranberry-Saft ein Muss. (Foto: © Unsplash)

Cranberry als Superfood 

Cranberries gehören in der Küche und an der Bar eindeutig dazu, aber stimmt es, dass die rote Beere auch gut für die Gesundheit ist, ja gar als Superfood gehandelt wird? Die Moosbeere enthält in frischem Zustand eine Menge sekundäre Pflanzenstoffe, die ihr den Ruf eingebracht haben, vor allem Frauen bei Harnwegsinfektionen zu helfen. Entweder, in dem sie aktiv entwässern und die die Infektion verursachenden Bakterien bekämpfen oder indem das regelmäßige Glas Cranberrysaft vorbeugend gegen eine erneute Blasenentzündung wirkt.

Die Wirkung ist aber unter Experten umstritten. Eine Metastudie aus dem Jahr 2011 untersuchte die Ergebnisse zahlreicher Tests mit Cranberry-Saft als Mittel gegen das hauptsächlich weibliche Leiden. Die Ergebnisse waren eher ernüchternd: Der Saft war in keiner der betrachteten Studien wirksamer als das Placebo oder reines Wasser. Zu Cranberry Tabletten oder Kapseln gab es überhaupt nicht genug relevante Daten, um irgendwelche Schlüsse zu ziehen. Hier laufen derzeit aber Studien, um herauszufinden, wie viel „aktiven“ Wirkstoff es in Kapseln oder Tabletten braucht, um eine Wirkung zu erzielen.

Eine ganz aktuelle Studie von 2016, veröffentlicht im American Journal of Clinical Nutrition, scheint das Gegenteil zu belegen. Hier wurden bei Frauen mit einer Tendenz zur Blasenentzündung weniger Infekte festgestellt, wenn sie regelmäßig Cranberry-Saft tranken. Doch auch diese Studie ist nicht unumstritten. Die Finanzierung durch den weltgrößten Hersteller von Cranberry-Saft und die wissenschaftliche Mitarbeiter durch die Angestellten der Firma lassen die Ergebnisse etwas zweifelhaft wirken (vox.com). Was die Wirkung von Cranberries bei Harnwegsinfekten betrifft, gilt also auch weiterhin: Man weiß es nicht genau.

Ist die Cranberry also nicht gesund? 

Nur weil die Cranberry keine Wirkung gegen Harnwegsinfekte nachweisen kann, bedeutet das nicht, dass die rote Beere nicht gesund oder gar ungesund wäre. Frische Cranberries enthalten rund 13 g Vitamin C pro 100g, eine Menge Vitamin A und Antioxidantien – sie sorgen für den Ruf als „Superfood„. Diese Stoffe finden sich auch im puren, unverdünnten Saft, der aber ebenso sauer und herb wie die Moosbeeren selbst schmeckt.

Mit 46 kcal auf 100g und nur 12g Kohlehydraten sind frische Kranbeere auch sehr diättauglich. Vitamin C ist allerdings hitzeempfindlich – kochen, braten oder backen zerstört das Vitamin ebenso wie der Trocknungsprozess. In der getrockneten Cranberry findet sich daher kein Vitamin C oder Vitamin A mehr und 100g der trockenen Beeren haben 319 kcal und enthalten mehr als 75 Prozent Kohlehydrate. Klingt nur bedingt diättauglich, doch der hohe Gehalt an Mineralstoffen macht das wieder wett.

Die Cranberry ist eine ausgezeichnete natürlich Quelle von Kalium, Natrium und Magnesium, dazu liefert sie Kupfer und Mangan. Getrocknete Cranberries im Müsli oder als Knabbersnack zwischendurch sind also ein durchaus gesundes Superfood im Sinne einer ausgewogenen Ernährung.

Nachhaltig sind Cranberries wegen des zumeist langen Transportweges aus den USA allerdings nicht.

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