Avocado: wichtige Fakten zum problematischen Superfood

eine reife Avocado
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Die Avocado ist als Superfood buchstäblich in aller Munde, gerne streicht man sie als Guacamole aufs Brot. Aber wie gesund ist sie eigentlich? Und wie bedenklich ist ihr Anbau für die Umwelt? Utopia gibt Antworten und Tipps.

Die Frucht des Avocadobaums kam bereits mit den spanischen Konquistadoren aus den tropischen Regionen Mittelamerikas nach Europa – aber erst seit den 1990er Jahren erobert die exotische Steinfrucht den heimischen Speisezettel. Inzwischen macht sie auch als Superfood von sich reden. Hier die wichtigsten Fragen:

Avocado: Diese Sorten gibt es

Die bis zu 20 Meter hohen Avocadobäume gedeihen mittlerweile nicht mehr nur in der Herkunftsregion, sondern in fast allen tropischen und subtropischen Gebiete der Erde. Avocados gibt es in
drei unterschiedlichen Typen, die sich in Form und Fettgehalt der Avocados unterscheiden:

  • dem mexikanischen (M)
  • dem guatemaltekischen (G)
  • und dem westindischen (W)
Ein Avocado-Baum an dem eine noch grüne Avocado wächst
Ein Avocado-Baum an dem eine noch grüne Avocado wächst. (Foto: © Fotolia / p!xel 66)

Von über 400 Avocado-Sorten (oft auch Kreuzungen zwischen zwei Typen) sind nur wenige in Europa über den Handel zu bekommen. Am häufigsten führen die heimischen Lebensmittel-Läden
Avocados der Sorte „Fuerte“ (Kreuzung aus G und M) und „Hass“ (G). Seltener finden sich die Sorten Bacon, Edranol, Ettinger, Pinkerton, Reed und Ryan im Sortiment.

Eine Fuerte-Avocado ist birnenförmig mit einer glatten, dunkelolivgrünen Schale, die Hass-Avocado eher eiförmig bis rund mit einer rauen, grünen Schale, die bei der reifen Frucht schwarz wird. Auch im Geschmack unterscheiden sich die Sorten. Während das gelbliche Fruchtfleisch der Hass eher nussig schmeckt, ist das grünliche Fruchtfleisch der Fuerte mild-cremig im Geschmack. Bei beiden Sorten gleich: der hohe Fettgehalt mit bis zu 25%.

Fettes Superfood: Ist Avocado gesund?

Guacamole aus Avocado
Der Klassiker: Guacamole aus Avocado (Foto: utopia/aw)

Der hohe Fettgehalt lässt das Superfood Avocado nicht gerade gesund erscheinen, sondern eher wie eine leckere Kalorienbombe wirken: 100 g Avocado enthalten rund 220 kcal.

Doch die Fette der Avocado sind großteils gesunde, ungesättigte Fettsäuren. Sie können sogar beim Abnehmen helfen, indem sie den Stoffwechsel ankurbeln. Deswegen empfiehlt man gerne auch Guacamole (Rezept unten).

Zusätzlich zu den wertvollen ungesättigten Fettsäuren haben Avocados auch noch einen gesund hohen Gehalt an B-Vitaminen, Vitamin A und E sowie Mineralstoffen wie Kalium oder Magnesium. Das „Superfood“ ist zudem reich an vielen verschiedenen essentiellen Aminosäuren, die unser Körper zum Beispiel für den Muskelaufbau oder den Stress-Abbau dringend benötigt. Damit ist die Avocado eine gesunde pflanzliche Eiweißquelle bei veganer Ernährung, um Mängeln vorzubeugen. Ob sie aber wirklich die bessere Ökobilanz hat als ein Ei, darf zumindest hinterfragt werden.

Noch etwas macht Avocados trotz ihres Fettgehalts gesund: die Steinfrucht enthält quasi keine Kohlenhydrate. Damit ist das Superfood auch für eine Low-Carb-Ernährung bestens geeignet und verhindert während einer Diät durch die langsam verdaulichen Fette Heißhunger-Attacken.

Aber: Es gibt reichlich regionale Lebensmittel, die eine bessere Ökobilanz haben als eine Avocado, und die dennoch gesund sind. Lies dazu den Beitrag Regionale Alternativen zu Superfood.

Probleme: Transportwege und Wasserverbrauch

Apropos Transport.: So gesund die Avocado als trendiges Superfood auch sein mag, so ist ihr Konsum aus ökologischer Sicht ziemlich bedenklich.

Die in Deutschland erhältlichen Avocados stammen mehrheitlich aus Peru, Chile, Mexiko, auch Südafrika, haben also lange Transportwege hinter sich. Da die verschiedenen Typen zu unterschiedlichen Zeitpunkten reifen, sind die Früchte des Avocadobaums bei uns fast ganzjährig erhältlich und unterscheiden sich in ihrer Ökobilanz kaum. Negativ wirken sich hier vor allem die langen Transportwege mit Kühlcontainern aus, ohne die Avocados hierzulande gar nicht angeboten werden könnten.

Speziell in Mexiko, die vor allem die USA mit Avocado beliefern, beklagen Umweltorganisationen, dass derzeit illegal Wälder gerodet werden, um Platz zu machen für Avocadofelder. Denn in den Industrieländern boomt die Avocado. Im Zweifel lieber Avocado aus Israel und Spanien kaufen, die uns eben näher sind als Südamerika.

Ein weiterer Kritikpunkt ist der Wasserverbrauch. Ein Avocadobaum benötigt pro Tag rund 50 Liter des in den eher heißen, trockenen Anbaugebieten ohnehin schon knappen Wassers. Schätzungen gehen von fast 1000 Liter Wasser aus, die für ein Kilo Avocado aufzuwenden sind – das sind oft nur drei Stück.

In vielen Fällen ist das Wasser wegen selbst gebohrter Brunnen und schlechter Filterung auch noch sehr schadstoffbelastet. Das belastet Avocados, die selbst eigentlich keinen Pestizid-Einsatz benötigen würden, unnötig mit Umweltgiften.

Keine Avocado ohne Bio-Siegel!

Noch ein Kritikpunkt: Biologische, nachhaltige Landwirtschaft wird in den Hauptanbaugebieten nicht gerade groß geschrieben. Die vom Avocadobaum benötigten mineralischen Dünger versalzen den Boden und verseuchen das Grundwasser noch weiter, so dass Trinkwasser oft Mangelware ist. Was wir hier als gesund essen ist andernorts also ungesund für alle. Rewe testet Licht-Label bei Bio-Gemüse

 

Wer Avocados kauft, sollte daher nicht nur auf Reifegrad und äußeren Zustand achten, sondern auch auf Kennzeichnung mit EU-Bio-Siegel und möglichst nahes Herkunftsland. Damit lässt sich der ökologische Fußabdruck durch den Verzehr von Avocados zumindest etwas reduzieren. Richtig „gut“ wird die Avocado davon aber auch nicht. Immerhin: Die Supermarkt-Kette Rewe testet seit Mitte März die Bio-Etikettierung per Lichtlabel, um Plastikverpackungen zu sparen.

Das gibts beim Kaufen zu beachten

Für den Kauf von Avocados ist es wichtig zu wissen, dass die Früchte immer in unreifem, harten Zustand zu Boden fallen oder vom Baum geerntet werden. Der Reifeprozess erfolgt erst während der Lagerung bei Zimmertemperatur und kann durch Kühlung auf vier bis sechs Grad Celsius unterbrochen werden. Dementsprechend kommt die Avocado bei uns meist noch im unreif direkt aus dem Kühlhaus in den Verkauf. Manche Händler lassen jedoch die Avocados erst reifen und verkaufen die bereits vollreifen Früchte.

  • Reif oder nicht? Bei Avocados der Sorte Hass lässt sich der Reifegrad einfach anhand der Farbe der Schale feststellen: ist diese grün, ist die Frucht unreif, eine olivbraune bis schwarze Schale verrät die reife Frucht. Ist die Schale verschrumpelt, ist dieses Exemplar bereits überreif und sollte nicht mehr gekauft werden.
  • Bei den grünen Avocados der Sorte Fuerte hilft der Greif-Test, den Reifegrad zu bestimmen. Harte Früchte sind unreif, solche die elastisch nachgeben reif und sollte sich die Frucht matschig anfühlen, ist sie bereits überreif.

Ob eine reife oder unreife Avocado gekauft wird, hängt von Verwendungszeitpunkt ab: Wer es nicht so eilig hat, kauft besser eine unreife Frucht und lässt die Avocado daheim nachreifen, da reife Exemplar am besten sofort verzehrt werden. Und natürlich sollte die Frucht bereits vor dem Kauf auch auf Schimmel, Druckstellen oder ähnliches untersucht werden, die leicht während des Transports entstehen können.

Die Avocado ist gesund

Reif: Avocados richtig lagern

Wie du eine Avocado richtig lagerst, hängt von zwei Dingen ab: Erstens, wie reif ist sie? Und zweitens, wann möchtest du sie essen? Eine unreife Frucht, die bald gegessen werden soll, lagert am besten bei Zimmertemperatur zusammen mit einem Apfel. Dieser beschleunigt den Reifeprozess und kann daher, wenn noch länger Zeit bis zum Verbrauch ist, einfach weggelassen werden.

Ist die Avocado bereits reif und soll noch nicht verzehrt werden, unterbricht eine Lagerung im Kühlschrank den Reifeprozess für 2-3 Tage. Damit die Exotin ihren Geschmack voll entfalten kann, sollte sie mindestens eine Stunde vor dem Verzehr aus dem Kühlschrank genommen werden. Länger als ein paar Tage können Avocados jedoch auch unreif im Kühlschrank nicht gelagert werden, weswegen ein Kauf auf Vorrat bei dem Superfood nicht sinnvoll ist.

Lies dazu auch: 9 Lebensmittel, die du wahrscheinlich immer falsch gelagert hast.

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(6) Kommentare

  1. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Avocado meinen Eisenhaushalt deckt. Seit ich Vegetarierin bin habe ich keine Probleme mehr mit Eisenmangel, wenn ich ca. alle zwei Wochen eine Avocado esse. Es steht zwar fast nirgendwo im Internet, dass Avocado einen hohen Eisengehalt hat, aber ich bin der festen Überzeugung, dass der Körper das Eisen aus Avocado besonders gut aufnehmen kann. Ich habe es Freunden empfohlen, die auch positive Wirkung berichten. Vielleicht sollte man dazu mal Nachforschungen anstellen und einen Artikel schreiben? Denn wenn man so einfach vegetarisch leben kann ist das sicherlich noch nachhaltiger als Fleisch zu konsumieren, trotz der problematischen weiten Reise der Avocado, oder was meint ihr?

  2. Avocados aus Spanien gibt es immer öfter zu kaufen, gerade auch in Bio-Qualität. In Österreich z.B. vermarkten Merkur und Billa (REWE-Gruppe) spanische Avocados…da sie sich bei der internationalen Beschaffung auch sonst viele Lieferanten teilen, gibt es sicher auch in größeren REWE in Deutschland spanische Avocados. 😉

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