Crowdfarming: So funktioniert das Prinzip

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Crowdfarming ermöglicht einen direkten Kontakt zwischen Landwirten und Konsumenten. So kannst du zum Beispiel ein Bienenvolk adoptieren oder Pate für einen Orangenbaum werden.

Was ist Crowdfarming?

Crowdfarming steht für einen direkten Kontakt zwischen Landwirten und Konsumenten – ohne lange Lieferkette. Dafür suchen Landwirte vor allem online nach Abnehmern für ihre Produkte. Sie nehmen Bestellungen entgegen und liefern die reifen Erzeugnisse direkt an den Kunden.

Das Konzept haben die beiden Landwirte Gabriel und Gonzalo Úrculo aus Valencia entwickelt. Sie begannen damit, direkte Abnehmer für ihre Orangen zu suchen, um so die Lebensmittelproduktion transparenter zu machen und die Lieferkette zu verkürzen. Nach und nach nahmen sie weitere Obst- und Gemüsesorten und Honig in ihr Angebot auf.

Wie funktioniert Crowdfarming?

Mit Crowdfarming kannst du deinen eigenen Orangenbaum adoptieren
Mit Crowdfarming kannst du deinen eigenen Orangenbaum adoptieren (Foto: CC0 / Pixabay / Capri23auto)

Das besondere an Crowdfarming ist, dass du deine Lebensmittel direkt beim Erzeuger bestellen kannst, der sie dann für dich anbaut. Das Prinzip ist einfach: Du übernimmst eine Patenschaft für eine Pflanze oder „adoptierst“ ein Bienenvolk und erhältst dafür die komplette Ernte über die Saison verteilt.

Die Auswahl reicht dabei von Früchten wie Orangen oder Granatäpfeln über bereits verarbeitete Waren wie Olivenöl bis hin zu tierischen Produkten wie Käse oder Wolle. Einen guten Überblick über mögliche Partnerschaften bietet die Plattform Crowdfarming.com. Sie bündelt Angebote aus Europa und der ganzen Welt. Zusätzlich stellen sich die Landwirte und ihre Projekte vor. Auf Bilder kannst du dir ihre Felder ansehen auch deinen adoptierten Baum.

Wenn du kürzere Transportwege bevorzugst, kannst du auch eine Patenschaft innerhalb Deutschlands übernehmen. Das Informationsportal für Ökolandbau führt eine Liste über Biobetriebe, die Patenschaften anbieten.

Vorteile von Crowdfarming

Durch den direkten Kontakt zwischen Landwirten und Abnehmern verkürzt Crowdfarming die Lieferkette. Das hat Vorteile für Landwirte und Konsumenten:

  • Landwirte können besser planen, weil sie genau wissen, wie viel sie anbauen müssen. So können sie eine Überproduktion vermeiden und angemessene Preise kalkulieren. Durch Planungssicherheit haben sie außerdem mehr Gestaltungsspielraum: Sie können auf Qualität statt auf Masse setzen.
  • Abnehmer wissen genau, wo ihre Lebensmittel herkommen und wie sie hergestellt werden.
  • die kurze Lieferkette schützt Landwirte vor Preisdumping durch Großhändler und macht die Preise für Verbraucher transparenter.

Crowdfarming: Nachhaltige Alternative zum Supermarkt?

Deine Crowdfarming-Ernte legt oft eine lange Strecke zurück
Deine Crowdfarming-Ernte legt oft eine lange Strecke zurück (Foto: CC0 / Pixabay / hpgruesen)

Viele Crowdfarming-Anbieter werben mit besonders nachhaltigen Produkten für verantwortungsbewusste Konsumenten. Aber aufgepasst: Nur weil du eine lange Lieferkette umgehst, ist dein Produkt nicht automatisch nachhaltiger. Es lohnt sich, genauer hinzusehen:

  • Produziert der Landwirt zertifizierte Bio-Qualität? Fotos von Landwirten auf dem Feld und der persönliche Kontakt können den Eindruck erwecken, dass es sich um ökologische Landwirtschaft handelt. Leider gilt beim Crowdfarming das gleiche wie im Supermarkt: nur ein Bio-Siegel garantiert eine ökologische Produktion.
  • Gibt es positive Bewertungen von anderen „Paten“ ? Wenn du die Ernte direkt von den Landwirten beziehst, gibt es keine unabhängige Instanz, die die Qualität überprüft – du musst dem Anbieter komplett vertrauen. Waren in Supermärkten müssen hingegen den Ansprüchen der Ketten genügen. Auch fand Öko-Test in Orangen eines Direkt-Anbieters ein Pestizid, welchen in der EU verboten ist. Wenn die Anbieter Rückmeldungen von Paten zulassen, sorgt das für mehr Transparenz.
  • Stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis? Informiere dich darüber, wieviele Kilogramm Ernte du in etwa erwarten kannst, bevor du eine Patenschaft abschließt. So kannst du den Preis für ein Kilo Ernte abschätzen und mit Preisen im Bio-Markt vergleichen.
  • Lohnt sich der direkte Versand? Für die Landwirte ist der Versand oft mit einem großen Aufwand verbunden: Sie müssen ihre Produkte für jeden Paten extra verpacken und versenden. Besonders für Produkte aus dem Ausland ist dies unter Umständen weniger nachhaltig als ein gesammelter Transport an einen größeren Abnehmer. Frag im Zweifel nach, wie deine Produkte verpackt werden und bevorzuge eine nachhaltige Verpackung ohne Plastik. Auch kannst du gezielt nach Crowdfarming-Anbietern aus deiner Region suchen.

Wenn du diese Fragen sicher mit Ja beantworten kannst, ist Crowdfarming eine gute Alternative zum Supermarkt. Wenn du nicht sicher bist, bietet sich der Gang in einen lokalen Bio-Markt an: Hier erhältst du garantiert Lebensmittel in Bio-Qualität, oft lose oder nachhaltig verpackt. Viele Märkte arbeiten zudem mit ausgewählten Bio-Landwirten zusammen und umgehen so ebenfalls eine lange Lieferkette.

Crowdfarming: Solidarische Landwirtschaft 2.0?

In der solidarischen Landwirtschaft schließen sich Landwirte und Verbraucher zusammen
In der solidarischen Landwirtschaft schließen sich Landwirte und Verbraucher zusammen (Foto: CC0 / Pixabay / Goumbik)

Das Crowdfarming-Prinzip erinnert an das Konzept der solidarischen Landwirtschaft: Landwirte und Verbraucher schließen sich zusammen, um eine unabhängige Lebensmittelversorgung zu garantieren.

Crowdfarming ist allerdings weniger regional gebunden als die solidarische Landwirtschaft. Die Patenschaft, die du beim Crowdfarming übernimmst, ist symbolischer Art.

Anders als bei der solidarischen Landwirtschaft darfst du nicht automatisch bei landwirtschaftlichen Prozessen mitbestimmen. Auch wirst du nicht mit allen Erzeugnissen, die der Landwirt produziert, versorgt. Du erhältst nur die Ernte des Tieres oder der Pflanze, für das du eine Patenschaft übernommen hast.

Anders als bei der solidarischen Landwirtschaft kannst du über Crowdfarming auch Lebensmittel beziehen, die nicht bei uns wachsen. Wenn du sie über diesen Weg kaufst, ermöglicht das einen kurzen und transparenten Lieferweg.

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