Die armen Tiere: 5 Touristen-Attraktionen, die man auf keinen Fall mitmachen sollte

Foto: © Network for Animals / Pixabay - CC0

In der Arktis wurde vergangenes Jahr während einer Kreuzfahrt ein Eisbär erschossen – weil das Tier seinen Lebensraum verteidigt und ein Crew-Mitglied angegriffen hatte. Der Vorfall hatte weltweit für Entsetzen gesorgt. Der Eisbär ist jedoch nur eines von vielen traurigen Beispielen für Tourismus auf Kosten von Tieren.

Das Kreuzfahrtschiff MS Bremen war vergangenes Jahr auf einer Expeditionstour in der arktischen Polarinselgruppe Spitzbergen unterwegs. Die Crew wollte einen Landgang vorbereiten – ein Team aus sogenannten „Eisbärwächtern“ inspizierte zunächst die Umgebung an Land. Dabei stießen sie auf einen Eisbären, der einen der Wächter angriff und am Kopf verletzte. Die Wächter erschossen das Tier daraufhin – aus Notwehr, schrieb Reiseveranstalter Hapag Lloyd damals in einem Statement.

Aber wieso musste es überhaupt so weit kommen? Eisbären sind ohnehin vom Aussterben bedroht, ihr Lebensraum wird unter anderem wegen des Klimawandels immer kleiner. Ist es dann vertretbar, Kreuzfahrten und Expeditionstouren in diese Gebiete zu unternehmen?

Leider ist der Eisbär nur ein Symbol für die Rücksichtslosigkeit vieler Tier-Tourismus-Angebote – wenn auch ein besonders tragisches. Immer wenn Tiere zu Touristen-Attraktionen werden, ist das Risiko groß, dass viel Leid damit verbunden ist. So auch bei diesen fünf Beispielen:

1. Auf Elefanten reiten

Egal ob Thailand, Sri-Lanka oder Myanmar – Elefantenreiten ist für viele Asienreisende der Höhepunkt ihres Urlaubs. Viele Angebote vermitteln sogar, dass man den Tieren etwas Gutes tut, dabei ist das Gegenteil der Fall.

In Sri Lanka und Thailand werden Elefantenbabys illegal eingefangen. Auf der Jagd nach ihnen töten die Wilderer bis zu fünf erwachsene Tiere, die ihren Nachwuchs schützen wollen, schreibt der Tierschutzverein Pro Wildlife. In Gefangenschaft werden die Jungtiere brutal gezähmt, indem sie mit Ketten an den Beinen fixiert und mit Wasser-, Nahrungs- und Schlafentzug gequält werden, bis ihr Wille gebrochen ist. Mit spitzen Haken werden die Tiere malträtiert – der Respekt wird ihnen buchstäblich eingeprügelt. Wer darauf achtet, entdeckt die dadurch entstandenen Narben bei den Tieren.

Elefanten reiten Touristenattraktion Tiere leiden
Elefantenreiten schadet den Tieren. (Foto: Foto: "DGJ_4276 - Giddy Up Go..." von Dennis Jarvis unter CC-BY-2.0)

Elefanten sind Wildtiere, die am besten in der Freiheit aufgehoben sind. Pro Wildlife rät deshalb dazu, jegliche Touristenattraktionen zu meiden, bei denen Elefanten in Camps oder Auffangstationen, bei Prozessionen oder Festumzügen betrachtet und berührt werden können. Der Verein empfiehlt die Tiere nur in Freiheit unter professioneller Führung zu betrachten. Weitere Tipps findet ihr auf der Seite des Vereins.

2. Aquarien und Tiershows

In Aquarien und Tiershows können Tierfans Orcas und Delfine aus nächster Nähe beobachten. Für Urlauber ist es ein beeindruckendes Erlebnis, wenn die gigantischen Meerestiere nur eine Hand breit entfernt vorüberschwimmen oder aus dem Becken springen.

Aquarien, Zoos, Delfinarien: Touristenattraktion Tiere leiden
In Aquarien sterben tausende von Tieren. (Foto: "Osaka Aquarium" von Kevin Dooley unter CC-BY-2.0)

Für die Tiere bedeutet das allerdings Stress pur: Die Haltungsbedingungen in den Aquarien sind katastrophal, erklärt der Geschäftsführer des Wal- und Delfinschutz-Forums (WDSF) Jürgen Ortmüller im Interview mit welt.de. In Freiheit können Delfine bis zu 100 Kilometer weit schwimmen und bis zu 500 Meter tief tauchen. Ein Delfinarium kommt im besten Fall auf bis zu zwölf Meter Tiefe.

Während der Shows sind Delfine und Orcas ständig dem Lärm von Musik und Applaus ausgesetzt.  Doch das schlimmste: Tausende Wale und Delfine sterben in den Aquarien. Die traurige Ursachen: Die Tiere vereinsamen in Gefangenschaft. Das schwächt ihr Immunsystem, was wiederum zu Krankheiten wie Lungenentzündungen, Magengeschwüren und Blutvergiftungen führt, an denen die Tiere schließlich verenden. Laut Ottmüller sind sogar Fälle von Selbstmord bei Delfinen bekannt, bei denen die Tiere einfach bewusst aufhörten zu atmen.

3. Haie, Wale und Delfine in freier Wildbahn beobachten

Nicht nur Aquarien sind problematisch – sondern auch solche Angebote, bei denen man Haie, Wale, Delfine oder auch Rochen in ihrer natürlichen Umgebung beobachten kann. Ob auf den Malediven, in Sansibar oder auf Bali – beim Tauchen, Schnorcheln oder auf Booten können Touristen die Tiere aus nächster Nähe beobachten, füttern oder gar berühren. Je mehr Touristen auf einmal kommen, desto mehr Stress bedeutet das für die Tiere. Die Folge sind Verletzungen und Verhaltensänderungen: Die Tiere flüchten aus Angst und werden so dauerhaft aus ihrem Lebensraum vertrieben.

Auf Sansibar etwa zeigt der Delfintourismus, dass die Anwesenheit von Menschen bei den Tieren dazu führt, dass sie sich weniger um ihren Nachwuchs kümmern, nicht zur Ruhe kommen und weniger Zeit für die Futtersuche, zum Schmusen und Spielen aufbringen.

4. In Griechenland auf Eseln reiten

Tierschützer haben auch den Missbrauch von Eseln auf der griechischen Insel Santorin angeprangert. Wie die Tierschutzorganisation Network for Animals berichtete, müssten Esel dort teilweise ohne Pause sieben Tage die Woche arbeiten, in der prallen Hitze Touristen, die teils viel zu schwer für die Tiere sind, über steile Wege und Treppen transportieren.

Ein Foto der Tierschutzorganisation zeigt eine übergewichtige Urlauberin auf einem abgemagerten Tier. Wir möchten explizit darauf hinweisen, dass es uns hier nicht um die Diffamierung übergewichtiger Menschen geht, sondern um den Missbrauch von Tieren. Dieser findet genauso statt, wenn Menschen mit Normalgewicht auf diesen Eseln reiten.

Ein anderes Bild zeigt einen Esel mit aufgeriebenem, blutendem Widerrist. Die Organisation berichtet, dass die Tiere nicht genügend Wasser bekommen und teils so erschöpft sind, dass sie häufig nicht mehr aufstehen können.

Esel reiten Touristenattraktion Tiere leiden
Network for Animals deckte erst kürzlich missstände auf Santorini auf. (Foto: © Network for Animals)

5. Schnappschüsse mit Tigern, Haien oder Baby-Alligatoren

Für die Urlauber ein riesen Spaß – für die Tiere die reine Qual: An vielen Urlaubsorten können Touristen gegen Geld Wildtiere streicheln, hochnehmen und sich mit ihnen fotografieren lassen. Selfies mit Tierbabys sind dabei besonders beliebt.

Die Tiere sind dabei Stress und Misshandlungen ausgesetzt, doch es kommt noch dicker: Primaten werden laut Peta oftmals die Zähne gezogen oder abgeknipst, damit sie die Touristen nicht verletzen können. Aus demselben Grund werden Baby-Alligatoren in den Everglades (US-Bundesstaat Florida, USA) die Mäuler zugeklebt.

Laut PETA können Touristen in einem Restaurant in Mexiko sogar mit einem Ammenhai schwimmen und Selfies machen – natürlich gegen Geld. Das Tier lebt unter unwürdigen Bedingungen in einem winzigen Becken und erleidet jedes Mal Todesqualen, wenn Touristen sich mit ihm fotografieren lassen wollen.

Peta rät von solchen Touristenattraktionen abzusehen. Weil man damit nur die Jagd auf die Wildtiere, deren Gefangenschaft und katastrophalen Haltungsbedingungen unterstützt.

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