Sanfter Tourismus: 15 Utopia-Tipps für nachhaltigen Urlaub

Sanfter Tourismus, nachhaltig Reisen
Foto © Utopia/Christian Riedel

Sanfter Tourismus kennt weder Autostaus, die sich gen Süden schieben, noch Flieger, die verspätet auf Mittelmeer-Inseln jetten. Utopia macht fünf Vorschläge, wie Erholung auch ein bisschen umweltfreundlicher geht.

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, sich als Tourist nachhaltiger zu verhalten. Dass Hotels anbieten, die Handtücher nicht mehr täglich zu waschen, spart ihnen Geld, ja, aber es senkt eben auch Wasserverbrauch und Wasserbelastung durch Waschmittel. Lokale Unterkünfte statt Hotelketten, lokale Restaurants statt internationalem Fast-Food zu wählen sorgt dafür, dass das Geld am Reiseort bleibt.

Für eilige Leser: Hier 10 Reisetipps für sanften Tourismus:

Sanfter Tourismus heißt auch, sich achtsamer zu verhalten. So gibt es in vielen Ländern keine Möglichkeit, Sondermüll wie etwa Altbatterien umweltgerecht zu entsorgen. Daher verzichtet man am besten schon beim Kofferpacken auf solche Gegenstände. Oder man nimmt Batterien und ähnliches vom Urlaubsort wieder mit, damit sie bei uns fachgerecht entsorgt werden können.

Sanfter Tourismus Tipp #1: nahe Reiseziele

„Warum in die Ferne schweifen?“, fragte Goethe sinngemäß und hat immer noch recht: Sanfter Tourismus ist es, wenn sich die Urlaubsziele in der Nähe befinden. Nicht immer müssen es ferne Inseln oder andere Kontinente ein, wenn auch unsere heimischen Seen zum Baden einladen oder Alpenwanderungen uns der Natur nahe bringen.

Das liegt sogar im Trend: Bei „Micro-Adventures“ geht es darum, das Abenteuer nicht an exotischen Orten zu suchen, sondern ganz in der Nähe. Eine Stadtführung in der eigenen Stadt wahrnehmen, im Nachbarort campen statt im Ausland, in der Stadt mit öffentlichen Verkehrsmitteln bis zur Endstation fahren, dort die Gegend erkunden – und dann zu Fuß nach Hause wandern. Ideen gibt es viele, als Erfinder gilt der Brite Alastair Humphreys.

Sanfter Tourismus Tipp #2: nachhaltigere Verkehrsmittel

Sich Ziele in der Nähe zu suchen hat noch einen zweiten Vorteil: Man kann sie mit der Bahn oder mit dem Bus erreichen, beides im Vergleich die nachhaltigsten Verkehrsmittel für Fernreisen. Auf diese Weise reist man fast automatisch wesentlich umweltfreundlicher als mit Auto oder Flugzeug. Profunde Anleitungen für europäische Bahnreiseziele hat zum Beispiel www.vertraeglich-reisen.de/anreise-zug/.

Auch im Urlaub selbst ist sanfter Tourismus möglich, indem man aufs Auto verzichtet: Auf den Inseln im Norden Deutschlands und auch in vielen Städten lassen sich problemlos Fahrräder leihen. Auch in den Alpen haben sich einige auf umweltfreundliche Mobilitätskonzepte spezialisiert, etwa die 25 Orte der „Alpine Pearls“ mit Orten in Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien, Frankreich und Slowenien. Siehe auch unseren Beitrag Pedelec-Reisen: Urlaub mit dem E-Bike.

Sanfter Tourismus, nachhaltig Reisen: Im Urlaub einfach mal Wandern gehen
Einfach mal wieder Wandern gehen – meist Musterbeispiel für sanften Tourismus (Foto © Utopia/Christian Riedel)

Sanfter Tourismus Tipp #3: Flugzeug, Bahn oder Bus?

Daran ist nicht zu rütteln: Fliegen ist von allen Urlaubsarten die umweltschädlichste. Der Ausstoß von Treibhausgasen ist enorm und schon eine einzige Flugreise kann mehr CO2 produzieren als man sonst im ganzen Jahr hinterlässt. Eine Flugreise von München nach Athen verursacht laut Atmosfair rund 570 kg CO2 – das ist bereits etwa ein Viertel des klimaverträglichen CO2-„Jahresbudgets“ eines Menschens.

Wenn Sie mit Bus und Bahn reisen kommt das Klima viel besser weg: Zwischen 25 und 50 Gramm Treibhausgase stoßen Reisebus und Bahn im Fernverkehr laut VCD pro gefahrenen Kilometer aus. Lies dazu auch: Vergleich von Fernbus, Auto, Bahn, Flugzeug, wo wir auch Fernbuslinien vorstellen.

Sanfter Tourismus Tipp #4: Carsharing-Urlaub

Für Reisen in die nähere Umgebung ist das Auto oft das preiswerteste Verkehrsmittel. Aber leider nicht das umweltfreundlichste: Der CO2-Verbrauch liegt bei ca. 150g pro Person und Kilometer.

Auch für Urlaubsfahrten kann man Fahrgemeinschaften bilden – oder Carsharing-Angebote für den Nahurlaub nutzen.

Sanfter Tourismus Tipp #5: Mietwagen meiden

Autos sind einfach ein Problem, zumindest in Sahen sanfter Tourismus.

Nimm also, wenn das geht, keinen Mietwagen, sondern statt dessen öffentliche Verkehrsmittel. So gewinnst du auch einen viel intensiveren Eindruck von Land und Leuten und bekommst Einblicke in das Alltagsleben und Kontakt zu Einheimischen. Und auch der Schadstoffverbrauch ist geringer. In Frankreich zum Beispiel kosten Busse nur wenige Euro.

Sanfter Tourismus Tipp #6: Flüge vermeiden

Wer dennoch fliegen will, sollte es wenigstens sinnvoll tun: Statt drei mal eine Woche Kurzurlaub mit Flügen zu machen heisst sanfter Tourismus, nur einmal drei Wochen in den Urlaub zu fliegen. Das reduziert die Belastung des persönlichen Klimagas-Fußabdrucks auf ein Drittel.

Sanfter Tourismus Tipp #7: CO2-Verbrauch ausgleichen

Eine Flugreise läßt sich nicht vermeiden? Ein bisschen sanfter Tourismus ist auch über die Kompensation der CO2-Emissionen möglich: Verschiedene Klimainitiativen rechnen aus, wie viel CO2 der betreffende Flug verursacht und erlauben es, die klimaschädlichen Emissionen durch eine Geldspende in Klimaschutzprojekte zu kompensieren. Das kann man als Ablasshandel kritisieren – wenn man lieber die Hände in den Schoß legt und gar nichts macht. Lies auch: Artikel zur CO2-Kompensation.

Sanfter Tourismus Tipp #8: mit wenig Gepäck reisen

Ob Auto oder Flugzeug: Je schwerer Taschen und Koffer, desto mehr CO2 fällt auf der Fahrt in den Urlaub an. Beim sanften Tourismus packst du nur soviel ein, wie wirklich nötig ist.

Weiterer Vorteil: Du musst weniger Wäsche schleppen. Und anschließend auch weniger waschen.

Sanfter Tourismus Tipp #9: Siegel checken

Die Reisebranche kann sich noch immer kaum auf Siegel einigen, an denen man erkennen kann, wann sanfter Tourismus vorliegt. Es gibt Dutzende von Siegeln für bessere Reisen, doch nur wenige sind sinnvoll. Dennoch drei wichtige Beispiele:

  • TourCert: Die Zertifizierung berücksichtigt ganzheitlich ökologische und soziale Kriterien von Reiseveranstaltern, Reisebüros und Unterkünften. tourcert.org
  • Viabono: Fördert auf Initiative des Bundesumweltministeriums nachhaltigen Tourismus, ist etwa bei Unterkünften, Campingplätzen, Kanuanbietern oder Naturparks zu finden. viabono.de
  • Blaue Flagge: Zeichnet in 40 Ländern nachhaltige betriebene Gewässer aus, etwa Sportboothäfen und Badestrände an Binnengewässern. blaue-flagge.de

Guter Ausgangspunkt: Siegelseiten ansteuern und dort die Listen der Teilnehmer als Grundlage für das Planen von Reisen verwenden.

Sanfter Tourismus: Urlaub muß sein – Reisen muß nicht mehr zu Lasten der Umwelt gehen
Urlaub muß sein – und muß heute auch nicht mehr zu Lasten der Umwelt gehen (Foto © Utopia/Christian Riedel)

Sanfter Tourismus Tipp #10: Wasser sparen

Achte auch in den Ferien auf einen geringen Wasserverbrauch, gerade in südlichen Ländern. Dusche auch im Urlaub nicht übermäßig lange und verwende deine Handtücher mehrere Tage hintereinander, damit sie nicht so oft gewaschen werden müssen.

Sanfter Tourismus Tipp #11: Bio-Hotel, Bio-Bauernhof und Co.

Bio-Domizile sind anders: Bio-Hotels gehen beispielsweise bewusster und sparsam mit Ressourcen um, reduzieren den Müll und servieren beim Essen bevorzugt regionale Bio-Küche. Häufig ist auch vegetarisch/vegan zu haben. Die Vereinigung der Bio-Hotels hat inzwischen fast 100 Hotels in Europa im Programm. Sie sind inhaltlich verschieden ausgerichtet, als Gemeinsamkeit genügen sie verschiedenen Nachhaltigkeitskriterien. biohotels.info

Und auf Bio-Bauernhöfen oder Bio-Campingplätzen kannst du verantwortungsvoll im Einklang mit der Natur deinen Urlaub verbringen. Siehe auch:nachhaltige Reiseveranstalter für Direktbucher und nachhaltige Reiseveranstalter für Pauschalbucher.

Sanfter Tourismus Tipp #12: Lokale Wirtschaft unterstützen

Entdecke während der Urlaubsreise mehr als das, was im Reiseführer steht. Esse in einheimischen Restaurants, kaufe Souvenirs in kleinen Geschäften und probiere regionale, landestypische Besonderheiten. So unterstützt du die lokale Wirtschaft und erlebst fremde Kulturen hautnah. Ein guter Weg sind auch Eco-Lodges.

Sanfter Tourismus Tipp #13: keine Klimaanlage

Die Klimaanlage im Hotelzimmer (und nicht nur dort) in einer der größten Stromfresser. Und völlig absurd: Zwar wird es im Zimmer kälter, dafür wird der Rest der Welt noch wärmer – so daß man noch mehr Klimaanlagen bräuchte … sanfter Tourismus ist das jedenfalls nicht.

Besser: Lässt sich die Benutzung nicht völlig vermeiden, achte darauf, die Klimaanlage beim Verlassen des Zimmers abzuschalten und die Raumtemperatur nicht auf zu niedrige oder zu hohe Werte zu regulieren. Ein Eisschrank am Badeort ist auch nicht besonders gesund …

Sanfter Tourismus Tipp #14: Spezialisten befragen

Sanfter Tourismus liegt im Trend und spezialisierte Portale bieten übersichtliche Informationen zu nachhaltigeren Reisen. Hier drei wichtige Vertreter:

  • forum anders reisen: Über 100 Reiseveranstalter vermitteln Destinationen in aller Welt von Sport und Strandurlaub bis Abenteuer und Kultur. Mitglieder müssen Nachhaltigkeitskriterien erfüllen, TourCert-Zertifizierung ist Pflicht. forumandersreisen.de
  • Verträglich Reisen: Eher ein Magazin, das aber auch zahlreiche Reiseveranstalter mit Gartenreisen, Wellnessreisen, kulinarischen Reisen und vielem mehr vorstellt. vertraeglich-reisen.de

Sanfter Tourismus Tipp #15: Trinkgeld geben

Auch bei nachhaltigeren Reiseanbietern ist nicht alles Gold, was glänzt, und nicht alle Veranstalter setzen immer alles ideal um. Die Reiseleiter – deutsche ebenso wie neuerdings „local guides“, die natürlich mehr Verbindung zum lokalen Leben haben, aber auch einfach billiger sind – erhalten zum Teil Hungerlöhne und geringe Spesen und werden mit Knebelverträgen in Scheinselbständigkeit zum Beispiel zu Wartetagen gezwungen, die dann aber nicht bezahlt werden. Von Mitarbeitern (die das Prinzip der „nachhaltigeren Reisen“ nach wie vor gut finden und hoch halten!) ist durchaus auch mal die Klage zu hören, dass auch der sanfte Tourismus nicht immer fair mit den eigenen Leuten umgeht – und man als Tourist daher Reiseleiter, Busfahrer, Hotels und so weiter mit Trinkgeld bedenken sollte, um dies etwas auszugleichen.

Mehr über nachhaltigen Urlaub auf Utopia in den Listen für die besten nachhaltigen Reiseportale sowie nachhaltige Reiseanbieter für Direktbucher und Pauschalreisen.

Utopia.de wünscht: Gute Reise!

Utopia-Team/aw

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(2) Kommentare


  1. Klingt nett, ist aber nicht zu Ende gedacht. Natürlich ist Urlaub in der Nähe besser als Reisen mit dem Flieger. Aber jede Ferienunterkunft ist zusätzlicher Ressourcenverbrauch und zwar viel mehr als man denkt – die Wohnung zu Hause steht in der Zeit leer und die Bahn verbraucht auch mehr Ressourcen als nachhaltig vertretbar sind. Echte Erholung findet man zu Hause, am Besten mit Freunden aus der Umgebung, beim wandern usw. Und es gibt mehr als genug für uns alle zu tun auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit, da kann man die freie Zeit sehr gut nutzen.

    • Klar, bleib ruhig zu Hause, dann ist am Zielort schon mal weniger los…;-)
      Natürlich hast Du recht, daß es die Ressourcen am meisten schont, wenn man zu Hause bleibt.
      Mit echter Erholung ist es bei mir allerdings so eine Sache, weil wir zwei Zimmer im Haus zum HomeOffice umgebaut haben.
      Da ist es wirklich schwer echten Abstand zu bekommen.
      Dafür sparen wir jeden Tag die Fahrt zu einer Arbeitsstelle, weil wir 98% online arbeiten.
      DA muß ich dann von Zeit zu Zeit mal raus, was Anderes sehen, weg von Vollzeit-Verfügbarkeit.
      Dazu eignet sich „Schlafen im Stroh“ ein Programm mit Zertifiztierung der Bergbauern-Höfe, daß es so leider nur in der Schweiz gibt.
      Das ist wie Zelten, aber mit Dusche und Bio-Frühstück und mitten in der Wanderzone.

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