DIN SPEC: Neuer Standard für die Nachhaltigkeitsbewertung von Start-ups

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DIN SPEC 90051-1 ist ein Ansatz, um die Nachhaltigkeit von Start-ups zu bewerten. Dabei steht vor allem das zukünftige Potenzial der jungen Unternehmen im Fokus: Welche positiven Beiträge für mehr Nachhaltigkeit wird das Start-up einmal leisten?

Nachhaltigkeit ist inzwischen auch in der Geschäfts- und Finanzwelt angekommen: Investor*innen setzen zunehmend auf nachhaltige Unternehmen, die nicht kurzfristigen Trends hinterherlaufen oder ihr Geschäftsmodell auf endliche Ressourcen aufbauen. Eine Strategie für Corporate Social Responsibility gibt es inzwischen in vielen Unternehmen, mit dem CSE-Siegel auch eine Zertifizierung. Dies ist jedoch nur eine von vielen Formen der Nachhaltigkeitsbewertung. Doch bei Start-ups funktionieren klassische Formen der Nachhaltigkeitsbewertung nicht. Die Gründe:

  1. Start-ups arbeiten meist an neuen Produkten, die noch in der Entwicklung sind und deren Zukunft (und damit auch deren Auswirkungen) gar nicht absehbar sind. Mehr als Schätzungen sind also nicht möglich.
  2. Start-ups fehlen aufgrund ihrer jungen Firmengeschichte historische Daten über die Auswirkungen ihrer Produkte.
  3. Start-ups sind zunächst sehr kleine Unternehmen und haben daher kaum Ressourcen, um sich mit Nachhaltigkeit und einer Nachhaltigkeitsbewertung zu befassen.

Vor diesem Hintergrund haben Wissenschaftler*innen und Branchenverbände gemeinsam den DIN-SPEC-Standard 90051-1 herausgebracht. Hierbei handelt es sich um kein Siegel oder Zertifikat. Vielmehr ist es eine Art Vorlage, mit der Investor*innen, Ratingagenturen und Firmeninhaber*innen ein Start-up hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit bewerten können. Die Bewertung eines Start-ups anhand dieser DIN SPEC beruht auf der subjektiven Einschätzung der Person, die die Bewertung durchführt, so der DIN-SPEC-Standard.

DIN SPEC 90051-1: Nachhaltigkeit von Start-ups bewerten

DIN SPEC 90051-1 zeigt die Nachhaltigkeit von Start-ups auf.
DIN SPEC 90051-1 zeigt die Nachhaltigkeit von Start-ups auf.
(Foto: CC0 / Pixabay / RonaldCandonga)

Besonders bei der Nachhaltigkeitsbewertung der Start-ups mit DIN SPEC 90051-1 ist:

  • Die Bewertung bezieht sich nicht auf die bereits vorhandenen Auswirkungen des Start-ups, sondern auf die zukünftigen Auswirkungen: Es gehe darum, „in Zukunft positive Beiträge zur ökologischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Nachhaltigkeit zu leisten“, heißt es im DIN-SPEC-Standard.
  • Die frühzeitige Integration von Nachhaltigkeitsbelangen in das Start-up.
  • Bewertet werden auch Vision und Strategie, Team, Prozesse, Partnerschaften und Ressourcen sowie Produkt bzw. Dienstleistung und Marktposition.

Was versteht DIN SPEC 90051-1 konkret unter „nachhaltig“? Ein Unternehmen soll dazu beitragen, die natürlichen Lebensgrundlagen für heutige und zukünftige Generationen zu bewahren. Dabei beruht dies auf dem Konzept der planetaren Grenzen, das Wissenschaftler*innen um den schwedischen Professor Johan Rockström 2009 veröffentlichten. Es geht darum, bestimmte Grenzen (zum Beispiel Klimawandel) nicht zu überschreiten, da sonst irreversibler Schäden an der Umwelt drohen. Außerdem umfasst der Nachhaltigkeitsbegriff eine ökologische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Dimension. Grundsätzlich sollen Unternehmen negative Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft vermeiden.

Ziele des DIN-SPEC-Standards 90051-1

Der DIN-SPEC-Standard 90051-1 verfolgt eine Reihe von Zielen:

  • Start-ups mit dem DIN-SPEC-Standard 90051-1 sollen helfen, politische und gesellschaftliche Nachhaltigkeitsziele schneller zu erreichen.
  • Die Entscheidung für Investoren in nachhaltige Unternehmen soll vereinfacht werden.
  • Start-ups sollen „für den Erfolgsfaktor Nachhaltigkeit sensibilisiert werden“, heißt es im DIN-SPEC-Standard.
  • Für Start-ups bieten sich Profilierungschancen und Wettbewerbsvorteile. Die Nachhaltigkeitsorientierung kann etwa dazu führen, dass ein Start-up erkennt, wo es Ressourcen und damit auch Kosten einsparen kann.

Wie erfolgt eine Bewertung nach DIN SPEC 90051-1?

DIN SPEC 90051-1 Nachhaltigkeitsbewertung
DIN SPEC 90051-1 Nachhaltigkeitsbewertung
(Foto: Screenshot / DIN SPEC Standard)

Eine Bewertung nach DIN SPEC 90051-1 kann nur erfolgen, wenn das Start-up auch in einer bestimmten Branche tätig ist. Diese Branche oder der Technologiebereich muss als nachhaltig eingestuft werden. Unternehmen aus den Bereichen fossile Energieträger, Waffen- oder Tabakherstellung sind daher ausgeschlossen. Auch kontroverse Geschäftsbereiche wie Gentechnik und Tierhaltung können zum Ausschluss führen.

Bei der Bewertung der Nachhaltigkeit stehen zwei Fragen im Fokus:

  1. Was befähigt das Start-up, nachhaltige Ergebnisse zu erzielen?
  2. Welche Wirkungen gehen schon jetzt und in Zukunft vom Start-up aus?

Diese beiden Fragen sind in der oberen Grafik unter „Befähiger“ und „Ergebnisse“ weiter differenziert. „Partnerschaften und Ressourcen“ bezieht sich zum Beispiel auf Lieferanten. Auch die Risiken werden bei der Bewertung miteinbezogen. Für jeden Aspekt gibt es eigene Prüffragen und Indikatoren.

Ablauf der DIN-SPEC-Bewertung 90051-1

DIN SPEC Bewertung: Der Ablauf
DIN SPEC Bewertung: Der Ablauf
(Foto: Screenshot / DIN SPEC Standard)

Wenn das Unternehmen grundsätzlich einer nachhaltigen Branche zugeordnet werden kann, erfolgt die individuelle Prüfung. Zu den Prüffragen zählen zum Beispiel:

  • Wird ein ökologisches oder gesellschaftliches Problem adressiert?
  • Welche wesentlichen Auswirkungen auf Gesellschaft und Umwelt hat die Lieferkette?
  • Was ist der gesellschafts- und nachhaltigkeitsbezogene Mehrwert für die Kundschaft?
  • Leistet das Start-up durch seine Produkte und Dienstleistungen bereits Beiträge zur Vermeidung von Schäden für Umwelt, Gesellschaft bzw. Wirtschaft?

Die Ergebnisse aus der Bewertungen geben darüber Aufschluss, wie nachhaltig ein Unternehmen bereits ist und welche Maßnahmen es noch umsetzen kann.

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