Elektronische Bücher: Sind eBook-Reader wirklich öko?

eReader & eBooks: umweltfreundlich?
Fotos: © Tijana - Fotolia.com, Tolino - thalia.de

eBook-Reader sind auf dem Weg zum Mainstream. Doch sind sie wirklich öko? Utopia zeigt, wann elektronische Lektüre die Umwelt schont – und unter welchen Umständen Sie besser zum Buch greifen sollten.

Sie ist 2,3 Gramm schwer und besteht aus kupferumhülltem Eisen – die 1-Cent-Münze. Schicken Sie sie Ihrem Ökostrom-Anbieter, und Sie können dafür den Stromspeicher eines typischen E-Book-Readers etwa sechs Mal komplett laden. Damit lassen sich dann ungefähr 40.000 Seiten lesen, also mindestens 80 Bücher (wenn Sie dicke Fantasy-Schinken mögen). Das Kunststück funktioniert, weil E-Book-Lesegeräte mit einer ganz speziellen Bildschirmtechnologie arbeiten: Winzige Farbtropfen bewegen sich unter dem Einfluss elektrischer Spannung derart, dass entweder ein schwarzer Punkt zu sehen ist oder nicht.

Amazon Kindle eReader
Noch Platzhirsch: Amazon Kindle eReader (Foto: Amazon)

Die Technik, „E-Ink“ genannt, eignet sich perfekt zur Anzeige von Text. Das Schriftbild ist ebenso kontrastreich wie bedrucktes Papier, es lässt sich auch am Strand noch hervorragend entziffern, und dank einer zusätzlichen Beleuchtung fühlt sich der Partner im gemeinsamen Schlafzimmer durch einen nächtlichen Lese-Marathon nicht gestört. Das Lesematerial fließt durch Datenleitungen direkt auf das Gerät, ist mindestens 20 Prozent günstiger in der Anschaffung und braucht nach dem Konsum nicht recycelt zu werden.

Das gute alte Buch mutet dagegen altmodisch an. Es raschelt beim Umblättern. Es leuchtet nicht von selbst, man braucht eine Nachttischlampe. Ein LKW muss es von der Druckerei in den Buchladen transportieren (oder gleich zu Ihnen nach Hause, wenn Sie zu den Online-Shoppern gehören). Für das Papier von 80 Prozent aller Bücher müssen Bäume sterben, nur 20 Prozent entstehen durch Recycling.

Knifflig: Die Ökobilanz von eBook-Readern

Der Amazon-eReader Kindle ist eng mit dem Shop von Amazon verknüpft, aber sehr komfortabel
Der Amazon-eReader Kindle ist eng mit dem Shop von Amazon verknüpft, aber sehr komfortabel (Foto: Amazon)

Doch wie so oft täuscht der erste Blick. Die Frage, ob E-Book oder Buch umweltfreundlicher sind, lässt sich nicht in einem Satz beantworten. Und nicht einmal die Master-Arbeit, die Ulrike Wilke im Studiengang Medienmanagement an der HTWK Leipzig vorgelegt hat (PDF), kommt zu einem eindeutigen Urteil.

Das Problem: wer die Umweltfreundlichkeit eines Produktes beurteilen will, muss den kompletten Prozess betrachten, in dem es hergestellt und konsumiert wird. Für den ersten Teil sind dabei die Hersteller verantwortlich – für den zweiten jedoch die Nutzer. Die gute Nachricht: eben deshalb steht es auch in Ihrer ganz privaten Macht, die Ökobilanz Ihres Lieblingsmediums zu verbessern (siehe auch Kasten am Ende vom Text).

Starke Verbreitung: Tolino eReader
Starke Verbreitung: Tolino eReader (Foo: Thalia)

Grundsätzlich haben Buch und Elektronik etwas gemeinsam: Die größten Auswirkungen für die Umwelt entstehen bei der Produktion. Während die Papierherstellung Abholzung fördert und organische Kohlenstoffe ins Abwasser entlässt, müssen für E-Book-Reader und Tablets zunächst Mineralien gefördert werden – mit den bekannten Folgen wie Schwermetall-Freisetzung im Boden und Freisetzung von Giften bei der Herstellung.

Ulrike Wilke weist aber auch auf die ethischen und moralischen Probleme hin: die schwindende Biodiversität durch Wald-Monokulturen etwa oder Kahlschlag und Urwaldvernichtung auf der einen Seite – Kinderarbeit, Umweltverschmutzung, vorindustrielle Arbeitsbedingungen auf der anderen. Zusammen mit Energiebedarf, Wasserverbrauch sowie Treibhausgas- und Schadstoff-Emissionen führen diese Faktoren zu einem Ranking, in dem zunächst das Buch klar vor Tablet und E-Book-Reader abschneidet.

Wann eReader besser sind als das Buch

Alternative zu Tolino und Amazon Kindle: Kobo-eReader
Alternative zu Tolino und Kindle: Kobo-eReader (Foto: Kobo)

Zunächst, denn nun kommen Sie ins Spiel – der Leser. Vermutlich gehören Sie nicht zu den Einzelbuch-Konsumenten, sonst läsen Sie diesen Artikel nicht. Aber vielleicht finden Sie sich ja unter den Gelegenheits-Lesern wieder, die etwa zehn Bücher pro Jahr schaffen: In diesem Fall wäre das Tablet das zu bevorzugende Gerät. Das gilt allerdings nur, wenn Sie sich nicht aufs Lesen beschränken, sondern damit auch andere Medien konsumieren. Ist das nicht der Fall, bleiben Sie lieber beim Buch, das hier nur wenig schlechter abschneidet.

Ganz anders sieht es das bei den Viellesern aus. Bei 50 Büchern pro Jahr liegt der E-Book-Reader eindeutig an der Spitze. Die Herstellung von 50 Druckwerken verbraucht über zehn Mal mehr Ressourcen als die Produktion eines E-Book-Lesegeräts. Auch das Tablet kann hier nicht mehr mithalten, da seine Nutzung durch den höheren Energieverbrauch ökologisch teurer ist.

Welchen eReader kaufen?

Wer sich als solche Leseratte betrachtet, für den stellt sich die Frage nach dem besten eReader-Modell. Technisch unterscheiden sich die Geräte der Hauptkonkurrenten Tolino (ein Zusammenschluss von Thalia, Weltbild, Hugendubel und anderen deutschen Buchhändlern) und Amazon kaum.

Tolino ist die deutsche Antwort auf Amazon Kindle und wird von Weltbild, Thalia, Hugendubel und anderen unterstützt.
Tolino ist die deutsche Antwort auf Amazon Kindle und wird von Weltbild, Thalia, Hugendubel und anderen unterstützt. (Foto: Thalia)

Die Modelle „Tolino Vision 2“ und „Kindle Paperwhite“ spielen preislich in derselben Liga (um 100 Euro). Amazons Paperwhite bietet derzeit das bessere, schärfere Schriftbild, dafür ist der Tolino Vision 2 wassergeschützt und damit auch für die Badewanne geeignet. Amazon besitzt dank unabhängiger Autoren ein größeres E-Book-Angebot.

Das Tolino-Modell erhalten Sie bei allen Buchhändlern, die das Projekt unterstützen, darunter auch „grüne“ Anbieter wie Ecobookstore. Amazons E-Book-Reader erhalten Sie nur bei einigen Elektronik-Discountern. Das könnte aus Umweltsicht das entscheidende Argument sein: Angesichts des niedrigen Energieverbrauchs ist der Weg, auf dem Sie Ihr Gerät erhalten, womöglich der entscheidende Faktor, bis es irgendwann ans Recycling geht.

Lesen Sie dazu auch unseren Ratgeber: Welchen eReader kaufen?

Die Öko-Bilanz des Lesens verbessern

Die geschilderten Szenarien sind allerdings aus Umweltsicht rückwärts gedacht – sie gehen vom Durchschnitt aus. Ihre ganz private Ökobilanz können Sie selbst am besten gestalten: Wer auf einem alten Drahtesel in die Stadtbibliothek strampelt, dort vorhandene Bücher ausleiht und nur bei natürlichem Licht schmökert, hinterlässt bei der Lektüre einen minimalen ökologischen Fußabdruck.

Tipps: So verbessern Sie Ihre Lese-Ökobilanz

  • Buch aus Papier: mit dem Rad einkaufen, öffentliche Leihbibliotheken nutzen, bei Tageslicht lesen, auf Ökostrom umstellen, Bücher in der Stadt gebraucht kaufen, gelesene Bücher tauschen oder verschenken
  • eReader für eBooks: mehr lesen, Gerät innerhalb der Familie teilen, eReader im Laden kaufen, möglichst selten einen neuen eRader kaufen und defekte Geräte möglichst reparieren (Anleitungen auf iFixit) , E-Ink-eReader statt Tablet-PC verwenden, auf Ökostrom umstellen

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(15) Kommentare

  1. Ich habe den Tolino Vision 3HD E-Book Reader, über den ich viel gutes gelesen habe und weshalb ich ihn mir auch kaufte http://www.welcher-ebook-reader.com/ . Ich lese sehr viel und wenn ich mir jedes Buch in Papierform kaufen müsste, wäre das nicht im Interesse der Umwelt. Wenn ich ein Buch in Papier brauche, kaufe ich gerne gebrauchte Bücher und wenn ich sie gelesen habe, gebe ich sie wieder her. So wird ein Buch nicht nur einmal gelesen sondern von mehreren Personen.

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