Grüner Punkt: Recycling mit dem dualen System

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Der Grüne Punkt ist das bekannte Symbol des dualen Systems. Über das duale System werden Verpackungsmaterialien in Deutschland entsorgt und recycelt.

Der Grüne Punkt – was bedeutet er?

Der Grüne Punkt kennzeichnete bis 2009 diejenigen Verpackungen, die über das duale System entsorgt wurden. Noch immer ziert das Logo einige Verpackungen, jedoch gehören mittlerweile alle Leichtverpackungen – auch die ohne Grünen Punkt – in den Gelben Sack oder die Gelbe Tonne.

Das duale System gibt es seit 1991, da die Verpackungsverordnung Unternehmen in die Pflicht nahm, in den Verkehr gebrachte Verpackungen recyceln zu lassen. Damit nicht jedes Unternehmen einzeln die Verpackungen einsammeln muss, gründete sich zunächst die „Der Grüne Punkt – Duales System Deutschland Gmbh“, später auch weitere Dienstleister, die das Recycling und die Sammlung der Wertstoffe bis heute durchführen.

Recycling im dualen System

Aus dem Müll entstehen neue Produkte im Recycling – zum Beispiel Wäscheklammern.
Aus dem Müll entstehen neue Produkte im Recycling – zum Beispiel Wäscheklammern. (Foto: CC0 / Pixabay / analogicus)

Verpackungen, die über das duale System entsorgt werden, werden stofflich oder thermisch verwertet.

  • Bei der stofflichen Verwertung entstehen aus den entsorgten Verpackungen neue Produkte. Die Materialkreisläufe sind in der Regel noch nicht vollständig geschlossen, es wird nicht das gleiche Material immer wieder für gleichartige Produkt verwendet. Im Normalfall findet laut NABU ein Downcycling statt: Es werden also Produkte hergestellt, die eine geringere Materialqualität erfordern als das vorangegangene Produkt.
  • Thermische Verwertung bedeutet, dass die Materialien zur Energiegewinnung verbrannt werden. Das Material kann kein weiteres Mal in den Materialkreislauf eingehen.

Wie viel wird über das duale System recycelt?

Plastikverpackungen haben großen Nachholbedarf im Bereich Recycling.
Plastikverpackungen haben großen Nachholbedarf im Bereich Recycling. (Foto: CC0 / Pixabay / blickpixel)

Die stoffliche Verwertung schont die Ressourcen, da Materialien in Kreisläufen geführt werden und weniger neue Rohstoffe abgebaut werden müssen. Der Abbau von Rohstoffen ist oft mit Energieaufwand und Umweltverschmutzung verbunden.

Laut Umweltbundesamt schreibt die Verpackungsverordnung ab 2019 eine stoffliche Recyclingquot von 58,5 Prozent für Kunststoffverpackungen vor, während sie im Jahr 2018 nur bei 36 Prozent lag. Die Quoten für Aluminiumverpackungen (2018 noch bei 60 Prozent) und Weißblechverpackungen (2018 bei 70 Prozent) werden dann auf 80 Prozent erhöht. Daran wird deutlich, dass die stoffliche Verwertung bevorzugt werden sollte. Plastikverpackungen schneiden mit 49 Prozent tatsächlicher Recycling-Quote bislang am schlechtesten ab.

Im Vergleich dazu liegen laut Umweltbundesamt die geforderten Recyclingquoten von Verpackungen aus Papier und Glas ab 2019 jeweils bei 85 und 80 Prozent (aktuell noch bei 70 und 75 Prozent), erreicht werden schon jetzt 86 und 85 Prozent. 2022 werden die Quoten ein weiteres Mal angehoben.

Warum wird so wenig Plastik recycelt?

Welche Materialien befinden sich in einem Sack Müll?
Welche Materialien befinden sich in einem Sack Müll? (Foto: CC0 / Pixabay / cocoparisienne)

Bis heute wird vergleichsweise wenig Plastik recycelt. Das liegt laut Süddeutscher Zeitung (SZ) unter anderem daran, dass Mischkunststoffe besonders selten recycelt werden. Die Materialien in den unterschiedlichen Zusammensetzungen können nicht gut verwertet werden.

Zu kleine Materialfetzen, stark verschmutzte Stoffe und zusammenhängende oder gemischte Materialien sorgen für Probleme bei der Sortierung. Ein typischer Problemfall in der Sortierung sind Joghurtbecher, an denen noch der Deckel hängt, sodass die beiden Materialien nur schwer maschinell auseinander sortiert werden können. Auch schwarze Materialien stellen die Sortieranlagen wegen geringer Reflexion vor Probleme.

Außerdem spielen auch die alten Müllverbrennungsanlagen eine Rolle, schreibt der WDR: In Müllverbrennungsanlagen aus den 80er und 90er Jahren müssen Fixkosten bezahlt werden. Um diese finanzielle Last zu tragen, müssen die Kraftwerke genutzt werden.

Wer trägt die Kosten?

Viel Plastik aus dem Gelben Sack wird verbrannt.
Viel Plastik aus dem Gelben Sack wird verbrannt. (Foto: CC0 / Pixabay / falco)

Für die Gebühren, die für das Recycling im dualen System anfallen, müssen Unternehmen, die Verpackungen in Verkehr bringen, selbst aufkommen. Sie können also im Verkaufspreis eines Produktes enthalten sein. Das erscheint zunächst sinnvoll, da unnötige Verpackungen zu höheren Kosten führen können.

Grüner Punkt – spannende Fakten

Je weniger unterschiedliche Materialien gemsichtw erden, desto besser funktioniert das Recycling.
Je weniger unterschiedliche Materialien gemsichtw erden, desto besser funktioniert das Recycling. (Foto: CC0 / Pixabay / Ermaf62)

Interessant ist, dass der Gelbe Sack, der von jedem einzelnen Haushalt befüllt wird im Vergleich zu großen Sammelcontainern deutlich mehr Material sammelt und weniger Fehlwürfe produziert. Fehlwürfe sind Materialien, die als „recycelt“ gelten, da sie in ein Recyclingsystem gelangt sind, jedoch aussortiert und verbrannt werden, da sie nicht zum Recycling in diesem System geeignet sind, schreibt die Süddeutsche Zeitung.

Das Problem laut SZ: Die Stoffe aus dem Recyclat in der Industrie konkurrieren preislich mit den Produkten aus neuen Kunststoffen, die von aktuellen Ölpreis abhängen. Hier zeigt sich, dass sortenreine Materialen Geld einbringen und Mischkunststoffe mit Kosten verbunden sind. Die Kosten des dualen System können damit allein nicht gedeckt werden – dafür sind die Lizenzgebühren notwendig.

Insgesamt ist Recycling von Plastik sinnvoll, um Ressourcen zu schonen, jedoch gibt es Nachholbedarf in der Umsetzung.

Tipps zum Grünen Punkt

Müllvermeidung ist besser als Recycling.
Müllvermeidung ist besser als Recycling. (Foto: CC0 / Pixabay / FitNishMedia)
  1. Entsorge die Verpackungen löffelrein, das heißt restentleert, aber nicht gespült. Das zusätzliche Spülen verschwendet unnötig Energie.
  2. Damit du ein Recycling für deine Verpackungen ermöglichst, entsorge Verpackungsmaterialien aus Plastik, Aluminium, Weißblech, aber auch sogenannte Verbundmaterialien wie Getränkekartons im Gelben Sack oder der Gelben Tonne – nicht im Restmüll!
  3. Vermeide Müll: Auch wenn Recycling ein Schritt in Richtung Kreislaufwirtschaft ist, ist Müllvermeidung die ökologischste Variante. Unter dem Stichwort Zero Waste ist das Müllvermeiden ein richtiger Trend geworden!

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(1) Kommentar

  1. Vielen Dank für diesen Beitrag! In der Tat sind die Kunststoffrecyclingquoten heute zu niedrig, deshalb ist es sehr wichtig, dass das Verpackungsgesetz ab 2019 deutlich höhere Ziele vorschreibt. Seit das beschlossen ist, ist schon viel in neue Sortieranlagen investiert worden, die sehr viel bessere Technik haben als die bisher üblichen.

    Das immer noch so viel Kunststoffabfall energetisch verwertet statt recycelt wird, hat allerdings nichts mit den Müllverbrennungsanlagen zu tun. Aus dem Gelben Sack gehen etwa sechs Prozent in Müllverbrennungsanlagen, weil man mit Fehlwürfen wie toten Katzen oder Gummistiefeln sonst nichts anfangen kann. Das ist aber sehr teuer, daher versuchen wir so viel wie möglich auf anderem Weg zu verwerten. Kunststoffe, die nicht recycelt werden können, werden vor allem als Ersatzbrennstoffe in Zementwerken genutzt und ersetzen da vor allem Braunkohle, also einen fossilen Brennstoff. Und das spart – anders als in der Müllverbrennungsanlage – auch klimaschädliches CO2.

    Was wir auf diesem Weg nutzen, zählt nicht als recycelt, da ist die Süddeutsche falsch informiert.

    Die Tipps im Beitrag sind sehr wichtig und hilfreich. Beim Joghurtbecher sind sowohl der Becher selbst als auch der Deckel sehr gut zu recyceln – aber nur, wenn sie getrennt voneinander in den Sack geworfen werden. Es gibt nämlich sowohl für das Aluminium als auch für den Kunststoff Maschinen, die es aussortieren. Das geht aber nicht, wenn die beiden Materialien aneinanderhängen oder ineinander gesteckt sind.