„Kauf-nix-Tag“: Diesen Samstag kaufen wir nichts!

Kauf nichts Tag
Foto: ***DJ*** / Quelle : photocase.com

Am 28. November ist wieder „Kauf-nix-Tag“. Die Gegenveranstaltung zum Black Friday in den USA ruft dazu auf, draußen zu bleiben aus Shopping-Centern, Supermärkten und Boutiquen.

Gerade die kommenden Wochenenden arten für viele Menschen in wahre Shopping-Exzesse aus. Jeder kennt die Bilder von mit Einkaufstüten bepackten Menschenmassen, die sich durch die Innenstädte schieben.

Beispielhaft dafür steht der „Black Friday“ in den USA: der Tag nach Thanksgiving, an dem viele Amerikaner frei haben und der den Beginn der Weihnachtseinkaufssaison mit vielen Rabatten und Schnäppchen einleitet.

Und auch hier heißt Weihnachten für viele Leute einfach nur „Einkaufen bis zum Umfallen“, von allem mehr bekommen. Ein Zustand, der den Aktivist und Künstler Ted Dave im Jahr 1992 auf die Idee brachte, in Vancouver den „Buy Nothing Day“ ins Leben zu rufen.

Buy nothing statt Black Friday

Die Stadt Vancouver darf zu Recht als eine Brut-Stätte der weltweiten Umwelt-Bewegung bezeichnet werden. Hier gründeten Friedensaktivsten 1971 die wohl berühmteste Umweltorganisation aller Zeiten: Greenpeace. Hier ist der Geburtsort des kapitalismuskritischen Magazins „Adbusters“ und im Jahr 1992 wurde hier der erste „Buy Nothing Day“ organisiert.

Die in Deutschland als „Kauf-nix-Tag“ bekannte Aktion ruft zu einem 24-stündigen freiwilligen Konsumverzicht auf. Sie gehört zu den ersten und bedeutsamsten Kampagnen, um Wirtschaft und Unternehmen mit der Macht des Verbrauchers zu konfrontieren. Denn jeder einzelne Dollar, jeder Euro ist Einkaufsmacht: eine von Verbrauchern noch immer viel zu selten entfesselte und von Unternehmen auch häufig in Frage gestellte Kraft.

„Alles in der Wirtschaft ist darauf angelegt, heute, jetzt, hier, sofort etwas zu kaufen. Ich war davon völlig erschöpft und dachte, vielleicht ist es eine gute Idee, endlich einmal eine Shopping-Pause einzulegen“,

sagte Initiator Ted Dave damals. Er beschloss, einen Tag im Jahr festzulegen, an dem Menschen nichts kaufen sollten. Ted Dave suchte sich dafür den letzten Samstag im November aus. In Nordamerika ist dies der Tag nach Thanksgiving (Ernte-Dank-Fest) und zugleich auch der Beginn der langen Einkaufswochenenden für Weihnachten. Er entwarf ein paar Poster, die er in Vancouver und Umgebung plakatierte – heute ist seine Aktion weltweit wichtig und bekannt.

Einen Tag lang nichts kaufen: Was soll man damit schon erreichen?

Verschiebt man damit nicht einfach nur seine Einkäufe um 24 Stunden und dann wird weiter wie bisher konsumiert? Vielleicht. Doch zunächst einmal ist  der „Kauf-nichts-Tag“ ein guter Anlass, das eigene Konsumverhalten bewusst zu hinterfragen – und zwar zu einem Zeitpunkt, an dem es oft schwer ist, sich dem Konsumtrubel zu entziehen: kurz vor Weihnachten.

nix

 

Jeder, der einmal ausprobiert hat über 24 Stunden keinen Cent auszugeben – ob aus der Not oder aus freiem Willen heraus  – der weiß, das in dieser Zeit viel passiert. Man stolpert über Automatismen und Gewohnheiten („kein Tag ohne Butterbreze“), erkennt Nötiges und Überflüssiges, denkt vielleicht über Hunger und Durst, über Haben oder Sein nach.

Protest gegen umweltschädliche, unmenschliche Herstellungsbedingungen

Doch hinter der Idee des „Kauf-nix-Tag“ verbirgt sich auch ein gesellschaftspolitischer Aspekt: Er will ein Zeichen gegen umweltschädliche, unmenschliche Herstellungsbedingungen setzen und auf den zerstörerischen Einfluss der Konsumgesellschaft aufmerksam machen. Denn: Wie gehen wir mit den Ressourcen der Erde um? Wir konsumieren oft so, als ob wie eine zweite Welt mit reinem Wasser, sauberer Luft, glücklichen Tieren, Wäldern, unverseuchten Böden und unversehrter Ozonschicht in petto hätten. Eine schöne Illusion, die von der omnipräsenten Industrie- und Werbemaschinerie jeden Tag mit neuen „Heile Welt-Motiven“ genährt wird. Der Appetit darauf scheint jedenfalls um so größer zu werden, je mehr im Argen liegt.

Deshalb lautet der Utopia-Wunsch von heute: Macht mit beim „Kauf-nix-Tag“ und gebt am Samstag keinen Cent aus. Und morgen sagen wir uns womöglich: Ich will weniger konsumieren und dieses weniger bewusster!

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(1) Kommentar


  1. Liebes UTOPIA – Team,
    danke euch herzlichst für den Artikel.

    Zum gleichen Thema habe ich auf dem Nachhaltigkeitsblog Experiment Selbstversorgung einen Artikel unter dem Titel „Konsum oder Nicht-Konsum, das ist hier die Frage!“ geschrieben: http://experimentselbstversorgung.net/buy-nothing-day-konsum-oder-nicht-konsum/
    Schaut gerne rein!

    Und für alle, die geldfreier leben möchten und die Idee dahinter klarer bekommen mögen, haben wir eine Internet-Kampagne ins Leben gerufen: http://geldfreierleben.de/

    Viel Freude beim Durchschauen!

    Alles Liebe und herzlichste Grüße,
    tobi

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