Das Lastenrad könnte fast jeden zweiten Autotransport ersetzen

Foto: © Amac Garbe / DLR

Das Lastenrad wird vor allem auf den Straßen der Großstädte immer beliebter – bei Lieferdiensten und Transportunternehmen ebenso wie bei Familien.

Wenn in einer Reportage der „Süddeutschen“ über steigende Geburtenzahlen in München an prominenter Stelle das „Christiania-Rad“ erwähnt wird, hat das seinen Grund: Nicht nur dort, wo Parkplätze ultraknapp sind, ersetzt der Allround-Transporter mindestens schon den Zweitwagen. Unter den verschiedenen Bauformen findet sich immer eine, die zum jeweiligen Radfahrer passt – Utopia stellt die sechs wichtigsten Lastenrad-Typen in dieser Galerie vor:

Junge Mütter favorisieren beispielsweise „Long John“, der als Vorderlader den Nachwuchs hübsch im Blickfeld zur Kita transportiert, zudem durch die geringere „Fallhöhe“ auch deutlich sicherer als auf dem Gepäckträger-Kindersitz. Sind die Kids abgeliefert, schluckt die Box problemlos zwei Sprudelkästen oder einen größeren Einkauf.

Lastenrad im Pilotversuch: Kurierfracht so schnell wie mit Benzinern

Auch Kurier- und Bringdienste setzen auf das flinke und lokal emissionslose Transportvehikel, um Akten, Gemüsekisten oder warme Speisen auszuliefern. Mit dem elektrischen Antrieb (in der Highspeed-Version bis 45 km/h schnell) ist man innerstädtisch dem Benziner ebenbürtig, muss sich ber keine Parkplatzsorgen machen.

Das Cargo-Rad der Bochumer „Butterbrotbar“ fährt beispielsweise mehrmals in der Woche City-Touren im 4-km-Umkreis – und heimste damit schon vor drei Jahren den städtischen Klimaschutz-Preis ein. Wenn sich Chefin Maren Meyer mal wieder selbst auf den Sattel schwingt, raunen ihre Kunden bewundernd, Madame fahre „einen recht heißen Reifen“. Das Food solle doch warm ankommen, kontert Meyer vergnügt.Buch zum Lastenrad
In Kürze erscheint übrigens das allererste Buch zum Thema Lastenrad. Es heißt „Car-Go-Bike-Boom“, wurde über Crowdfunding realisiert und wird wohl im Frühjahr in den Handel kommen.

Wie sehr elektrische Lastenräder zur Emissionsreduzierung in den Innenstädten beitragen können, haben Kurierdienste in acht deutschen Metropolregionen im Auftrag des Bundesumweltministeriums getestet. Im Pilotversuch „Ich ersetze ein Auto“ transportierten die Zustell-Profis 127.000 Sendungen und legten dabei eine halbe Million Kilometer zurück. Die meist selbstständigen Kurierfahrer schafften mehr und auch lukrativere Aufträge – und waren am Abend dennoch längst nicht so „gerädert“ wie die konventionellen Biker.

Ergebnis: Mehr als 40 Prozent der Auslieferungen, die per Kfz erledigt wurden, können genauso gut mit dem Elektro-Lastenrad erfolgen. Dessen Kapazität kann sich sehen lassen: Sie reicht etwa bei der Freiburger „Radkutsche“ bis zur Europalette mit 200 Kilo Zuladung, DHL transportiert in den Niederlanden bereits Kubikmeter-Fracht.

In den Niederlande setzt DHL das Lastenrad Cubicycle ein - mit einem Kubikmeter Liefervolumen.
In den Niederlande setzt DHL das Lastenrad Cubicycle ein – mit einem Kubikmeter Liefervolumen. (Deutsche Post DHL Group)

Lastenrad als Alltagsrad – etwa bei der Deutschen Post

Apropos: Inoffizieller Meister im Lastenradeln ist wahrscheinlich die Deutsche Post. Ihre Briefboten nutzen bereits die dritte Generation der Zweirad-Transporter und sind werktäglich mit inzwischen 6.700 E-Bikes und 2.700 E-Trikes unterwegs – ein Drittel der Flotte verfügt somit über den elektrischen Rückenwind. „Papier ist halt schwer“, sagt ihr Düsseldorfer Sprecher Rainer Ernzer und verweist darauf, dass man bei Transportmengen bis zu 50 Kilo durchaus unterschiedliche Erfahrungen mit den Qualitäten von Rahmen und Akkus gesammelt habe.

Der gründliche Vergleich empfiehlt sich übrigens allen, die erstmals auf ein Lastenrad umsteigen möchten. Typ und Ausführung sollen ja zum Zweck passen. Das Vehikel zu bewegen – ob nur mit Brötchenkiste vor dem Lenker oder als Kita-Transporter mit acht Plätzen – ist dagegen meist schnell erlernt.

Einfachere E-Varianten kosten ab 2.000 Euro, sehr robuste Profi-Transporter schlagen auch mit 5- bis 6.000 Euro zu Buche. Die Reichweite des Akkus liegt, je nach Beladung und Umgebungstopografie, zwischen 20 und fast 100 Kilometern. Man kann ihn entnehmen und in der Wohnung laden. Wer will, kann sich ein Lastenrad auch selbst bauen – in Berlin hilft zum Beispiel die Lastenrad-Werkstatt.

Experten-Tipp: Lastenrad teilen!

Eines sollte man allerdings bedenken: Das E-Lastenrad trägt man wegen Größe und Gewicht nicht einfach abends in den Keller. Sinnvoll ist deshalb ein sicherer Abstellplatz in der Garage, unter einem Carport oder – möglichst überdacht – im Hof.

Daher gibt es laut David Koßmann vom „Pressedienst Fahrrad“ immer mehr Initiativen, die sich in der Stadt ein Lastenrad teilen oder es auch vermieten. Neben Projekten in Köln, Berlin, Hamburg oder München fand Utopia.de ein besonders gelungenes Beispiel in Bern, wo „Carvelo“ gleich mit mehr als einem Dutzend E-Lasteseln an den Start ging. Für Mitglieder des Schweizer Touring-Clubs, dem Pendant zum deutschen ADAC, ist die Ausleihe im ersten Jahr sogar kostenlos.

Utopia stellt die sechs wichtigsten Lastenrad-Typen in dieser Galerie vor:

Hier noch ein Video zu Lastenrädern:

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