Lebensmittel frisch halten ohne Kühlschrank: 4 clevere Ideen

Lebensmittel lagern ohne Kühlschrank
Foto: © www.savefoodfromthefridge.com

Ist dein Kühlschrank ständig überfüllt? Oder hast du schon mal darüber nachgedacht, ihn abzuschaffen? Was sich absurd anhört, ist nicht unmöglich: Man kann Lebensmittel auch ohne Kühlschrank aufbewahren.

Einen Kühlschrank nutzt hierzulande fast jeder. Fällt er aus, ist das eine Katastrophe – schließlich müssen viele unserer Lebensmittel gekühlt werden, damit sie genießbar bleiben. Nur braucht ein Kühlschrank – je nach Energieeffizienzklasse – ziemlich viel Strom.

Auch wenn wir hier nicht dazu aufrufen wollen, für den Klimaschutz alle Kühlschränke zu entsorgen: Darüber nachdenken, wie man Lebensmittel ohne Kühlschrank frisch halten würde, kann man ja mal. Hier sind einige kreative Ideen, die nicht nur Aussteigern, sondern auch allen Minimalisten und Experimentierfreudigen gut gefallen dürften.

Clevere Regale

Wer sich die natürlichen Eigenschaften von Lebensmitteln zunutze macht, kann viele Produkte, die wir normalerweise im Kühlschrank aufbewahren, auch ganz einfach in Regalen lagern. Die koreanische Designerin Jihyun Ryou hat genau das getan und für ihr Projekt „Save Food From The Fridge“ ein spezielles Regalsystem zur Lebensmittellagerung entwickelt. Das sieht schön aus und ist gleichzeitig umweltfreundlich, da es keine Energie zur Kühlung verbraucht – und könnte sogar Lebensmittelverschwendung vorbeugen, indem es den Nutzern ihre Vorräte ständig sichtbar macht.

Regal statt Kühlschrank
Regal statt Kühlschrank (Foto: © www.savefoodfromthefridge.com)

Die einzelnen Module des Regalsystems sind jeweils so designt, dass spezifische Produkte besonders lange frisch bleiben. Zum Beispiel werden Äpfel gemeinsam mit Kartoffeln gelagert, wobei die Kartoffeln vor Licht geschützt sind und die Äpfel darüber liegen. Denn während das von Äpfeln ausgestoßene Ethylen bei den meisten Obst- und Gemüsesorten die Reifung beschleunigt, so Jihyun Ryou, wirkt es bei Kartoffeln konservierend. (Achtung: keine gesicherte Erkenntnis!)

Karotten und Frühlingszwiebeln sollen in Jihyun Ryous System ihrem Wuchs entsprechend aufrecht in feuchtem Sand aufbewahrt werden, viele andere Gemüsesorten oberhalb von einem Wasserbehälter, der sie mit Feuchtigkeit versorgt. Selbst Eier kann man ohne Kühlung in einem speziellen Regal frisch halten – inklusive Wasserbecher für den Frischetest.

Zwar gibt es das „Save Food From The Fridge“-Regalsystem bisher nicht zu kaufen. Mit ein wenig Geschick und Geduld sollte es aber möglich sein, ein ähnliches System selbst zu bauen.

Kühlschrank mit Verdunstungskühlung

Kühlschränke, die Verdunstungskälte anstatt Strom nutzen, sind nicht neu. Das Prinzip ist ganz einfach: Die Verdunstung von Wasser rund um den Vorratsbehälter kühlt dessen Inneres. Inzwischen gibt es einige aktuelle Modelle, die sich dieses Prinzip zunutze machen – und viele Möglichkeiten, solche „Kühlschränke“ selbst zu bauen.

Mitti Cool Fridge: Kühlschrank ohne Strom
Mitti Cool Fridge: Kühlschrank ohne Strom (Foto: © www.mitticool.in)

Ein Verdunstungs-Kühlschrank mit modernem Design, der uns besonders gut gefällt, ist der „Mitti Cool Fridge“: Er besteht aus Lehm, hat genügend Platz für Lebensmittel wie Gemüse, Obst, Milch oder Käse sowie einen Trinkwasserbehälter. Wasser aus einem Tank oben im Kühlschrank tropft an den Seiten herunter und erzeugt durch seine Verdunstung Kälte im Inneren. Nach Angaben des indischen Herstellers Mitti Cool bleiben Lebensmittel auf diese Weise mehrere Tage lang frisch. Am Tank ist zudem ein Hahn angebracht, der es erlaubt, Trinkwasser zu entnehmen. Der Kühlschrank soll laut Treehugger bereits für 40 bis 60 US Dollar (ca. 35 bis 55 Euro) zu bekommen sein.

Simple Ausführungen des Verdunstungs-Kühlschranks kann man ganz einfach selbst bauen: zum Beispiel, indem man einen kleineren in eine größeren Blumentopf stellt, den Zwischenraum mit Sand auffüllt und mit Wasser aufgießt. Nun muss man nur den Sand konstant feucht halten, das Ganze mit einem feuchten Tuch abdecken und den „Kühlschrank“ idealerweise an einen Ort stellen, an dem er ein wenig Wind abbekommt. Wer diese oder ähnliche Ideen selbst ausprobieren möchte, findet im Internet viele Tipps und Anleitungen.

cubile
„cubile“ (Foto: © Anne Ziegler Produkt Design)

Ein Produkt, das die Prinzipien der Verdunstungskälte und der produktspezifischen (Trocken-)Lagerung clever kombiniert, ist „cubile“. Die Keramikbehältnisse nehmen sich „die altbewährte Vorratskammer zum Vorbild“, heißt es auf der Webseite. Im Prinzip sind sie ohne weiteres in jeder Wohnung nutzbar. Allerdings gibt es cubile noch nicht zu kaufen.

Das Projekt „Coolar“, über das wir bereits berichtet haben, ist eine Art weiterentwickelte Version des Verdunstungs-Kühlschranks.

Erdkühlschrank

Auch das ist eigentlich keine neue Idee: Eiskeller oder Rübenkeller dienten schon vor langer Zeit zur Kühlung von Lebensmitteln. Auch klassische Keller in älteren Gebäuden können diese Funktion erfüllen. Aber: Viele modernere Keller sind heute so gut isoliert oder gar beheizt, dass sie sich nicht mehr zur Aufbewahrung von verderblichen Lebensmitteln eignen.

Groundfridge
Der „Groundfridge“ (Foto: © www.weltevree.nl)

Ein Projekt, das sich die Idee der Kühlung in unterirdischen Räumen zunutze macht, ist der Groundfridge: Der Kühlraum, eine Art Kugel mit Treppe aus stabilem Polyester wird einfach in der Erde vergraben, die entnommene Erde wird mindestens einen Meter dick darüber aufgeschichtet – und fertig ist der Erdkühlschrank.

Dank der Isolation durch das umgebende Erdreich soll im Groundfridge eine konstante Temperatur von etwa 10 bis 12 Grad Celsius herrschen. Der begehbare unterirdische Kühlraum ist mit Regalbrettern ausgestattet, bietet laut der niederländischen Erfinder so viel Platz wie 20 Kühlschränke und könnte daher auch als Kollektiv-Lagerraum genutzt werden. Der Haken: Der Groundfridge soll nach derzeitigem Stand rund 16.000 Euro kosten.

Die Alternative ist der Eigenbau eines Kühlkellers oder „Erdkühlschranks“, allerdings ist der mit relativ viel Aufwand verbunden. Im Netz gibt es viele Tipps dazu – einfach mal googeln.

Solarkühlschrank

Für solarbetriebene Kühlschränke – also das Kühlen mithilfe der Sonne – gibt es mehrere unterschiedliche Ansätze. Die meisten wurden vor allem mit dem Ziel entwickelt, abgelegenen Gegenden ohne Stromversorgung die Kühlung (z.B. von empfindlichen Medikamenten) zu ermöglichen. Eines der bekanntesten Projekte ist der „SolarChill“-Kühlschrank, den Greenpeace mit entwickelt hat und der mithilfe eines Eisspeichers funktioniert.

Weiterlesen auf Utopia.de:

Gefällt dir dieser Beitrag?

Vielen Dank für deine Stimme!

Schlagwörter:

(14) Kommentare

  1. Ich lebe gezwungenermassen seit der letzten Hitzewelle Juli 2015 ohne Kühlschrank. Es geht ganz gut, da es zeitlich zusammenfiel mit dem Beginn des Verzichts auf rotes Fleisch, frische Kuhmilch und Kuhkäse. Salat, Karotten usw. halten sich ganz gut bis zu einer Woche mit „den Füssen im (chlorgereinigten) Wasser“ (+ ein Stück Quartz). Ausserdem hab ich einen feuchten schimmeligen Erdbodenkeller, wo man hermetisch geschlossene Nahrungsmittel auch in der Hundshitze bei ca. 12-14°C ein paar Tage hinhalten kann. Jetzt im Winter (seit 6 Mon. oder so ohne Kühlschrank) hab ich 2 bzw. 3 Kühlräume: (immer noch im Keller), oben vor der Wohnungstür (10 bis 12°) (keine Nachbarn 🙂 ) und vor dem Küchenfenster (leider West) gehängt, v. a. nachts – und natürlich in zunehmendem Masse feuchtes Gemüse im Wasser-Quartz-Fuss-bad und ein „Instinkt“, was zuerst verbraucht werden muss.
    Man(n)/frau passt sich an…
    So ein Erdkeller interessiert mich – aber ist das möglich in feuchtem, lehmhaltigem Boden direkt neben einem Stau-Teich?

  2. Hallo Zusammen,

    ich arbeite gerade an einem neuen Buchprojekt und suche dafür Menschen, die ihren Alltag OHNE Kühlschrank meistern. Wer hat Lust mit mir darüber zu quatschen?

    Liebe Grüße
    Reggy

  3. Wiedermal paßt ein utopia-Beitrag perfekt zu dem, was an Thema gerade auch in meinem Umfeld hochaktuell ist! Wir werden dieses Jahr einen Erdkeller bauen; Start Frühjahr, sobald der Lehmboden das Graben zuläßt. Unser Ziel: Das Obst unserer Obstbäume besser lagern zu können und den Kühlschrank abzuschalten. Mehr dazu auf: http://www.dagehtwas.org/naturgarten.
    Wir freuen uns auf Kommentare und Erfahrungsberichte!

  4. Nein, natürlich ist das keine neue Idee! Vor der Erfindung des Kühlschranks haben sich die Menschen ja auch zu helfen gewußt. Aber eine Idee muss ja nicht neu sein, um gut zu sein.

  5. ich lebe ganz gut ohne Kühlschrank und das seit einigen Jahren, allerdings stammt mein Keller ist aus 1946, da kann man noch gut und kalt lagern und einiges steht in den kälteren Jahreszeiten auf dem Balkon,

  6. Eine viel günstigere Alternative zum Groundfridge: Betonwasserzisternen (normalerweise für Regenwasser) – so eine haben wir als „Unterkellerung“ unter dem Gartenhaus (oben im Deckel eine Aussparung und eine Falltür im Boden des Gartenhauses – so verliert man auch kaum Platz). Wir haben eine Zisterne mit ca. 5

  7. Kubikmetern, d.h. Außenmaße ca. 1,80m hoch und 2,25m Durchmesser. Kostenpunkt ca. 2000 Euro – das ist schon deutlich besser machbar als das Achtfache… Und die Temperaturen nach knapp anderthalb Jahren: Min. 2,5 Grad im Winter und max. 16 Grad im Sommer – das reicht für die meisten Lebensmittel gut aus – im Endeffekt hat man von Herbst bis Anfang Sommer einen 5 Kubikmeter Kühlschrank… Ich kann es definitiv nur empfehlen und steh auch gern für Fragen zur Verfügung… 🙂

  8. Wir haben auch eine alte Betonwasserzisterne – aber in der wurde irgendwann mal vor unserer Zeit Benzin gebunkert, erzählte uns ein älterer Herr aus dem Dorf. Leider ist es extrem teuer, sie wieder lebensmittel- oder regenwassertauglich zu machen. Und so bleibt der Hohlraum unter unserem Pflaster leider unbenutzt. Unser Erdkeller wird schätzungsweise im ähnlichen Preisbereich liegen wie eure Gatrenhausunterkellerung. Verstehe ich das richtig, dass ihr ein gutes halbes Jahr eure Zisterne als Kühlschrank nutzt, und im Sommer schaltet ihr dann den richtigen Kühlschrank dazu?

  9. Vielen Dank für den interessanten Beitrag.

    Das Prinzip der Verdunstungskühlung gab es bereits im antiken Griechenland. Da wurde der Wein so gekühlt, indem zwei Gefäße ineinanderstellt wurden und der Zwischenraum mit Wasser befüllt.

    Um Groundfridge möchte ich anmerken, dass Bodeneingriffe in Deutschland am Bauamt gemeldet und genehmigt werden müssen, u.a. auch wegen des Denkmalschutzes. Man könnte sonst von alten Skeletten erschreckt werden. 😉

  10. Ich hatte als Azubi von 1998 bis 2000 auch keinen Kühlschrank. Und es ging sehr gut. Lag vielleicht auch daran dass ich allein nicht viel brachte. Wenn es draußen kälter wurde hab ich die paar Sachen die kühl gelagert werden sollen aufs Fensterbrett gestellt. So viel war das gar nicht. Den Rest, sogar Joghurt, im Vorratsschrank. Hat sich super gehalten. Ich war damals mit 16 schon sehr Umweltbewusst. Hab in Secondhandläden eingekauft, nicht viel Müll produziert und wenig Abwasch gehabt. Hat sich leider alles in den letzten 15 Jahren bissel verändert. Jetzt bracht man immer mehr und immer das neueste. Aber viele denken mittlerweile um. Finde ich gut.

  11. Also unsere Betonzisterne hab ich damals beim Amt angefragt, aber wegen des „geringen Volumens“ war die nicht genehmigungspflichtig. Wir hatten halt ein Energiesparhaus neu gebaut (und konnten uns einfach keinen „richtigen“ Keller leisten) und da ich regelmäßig Probleme mit Biokisten-Lagerung bzw. Einlagerung unserer Ernte aus dem kleinen Nutzgarten kriegte, kam halt die Idee mit der (Regenwasser-)Betonzisterne auf (Energiesparhäuser sind zwar toll, aber einen „kühlen Vorratsraum“ gibt es da einfach nicht ;-)). Ich benutz den „Keller“ primär als Lagerungsstätte für Obst und Gemüse (das geht aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit sogar eher besser als im Kühlschrank, wo man sonst immer Behälter braucht, damit nichts austrocknet – so stell ich einfach die komplette Kiste in den Keller) – und zwar das ganze Jahr über, außerdem lagern wir dort Marmeladen, selbstgemachten Senf, Ketchup, Brühe-Basis, etc. Im Sommer ist die Haltbarkeit natürlich etwas kürzer, im Winter länger, aber alles in allem ist es eine tolle Ergänzung zum Kühlschrank (da ich aber drei Kinder hab, der jüngste 9 Monate, schaff ich es nicht, den Kühlschrank komplett abzuschalten – so oft kann ich nicht rauslaufen bzw. möchte ich auch bei so kleinen Zwergen auch sicher sein, dass die Kühlkette definitiv erhalten bleibt für Milchprodukte, etc).

** Links zu Bezugsquellen sind teilweise Affiliate-Links: Wenn ihr hier kauft, unterstützt ihr aktiv Utopia.de, denn wir erhalten dann einen kleinen Teil vom Verkaufserlös.