Minimalismus 2.0: Die Entdeckung der Einfachheit

Minimalismus 2.0: Die Entdeckung der Einfachheit
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„Weniger ist mehr“ statt „Geiz ist geil“: Es gibt viele Gründe und Wege, seinen Konsum zu reduzieren. Die moderne Minimalismus-Bewegung ist dabei kreativ und stützt sich auf die Möglichkeiten des Internets.

Minimalismus kennt keine klare Definition und wird von verschiedenen Menschen unterschiedlich aufgefasst. Beim minimalistischen Lebensstil geht es vor allem (im wörtlichen oder im übertragenen Sinne) um ein Befreien von Ballast, eine Reduzierung von als unnötig Empfundenem und den Wunsch nach einem einfachen Leben.

Minimalismus kann dabei vielfältige Formen annehmen: von einer bewussten Reduzierung bestimmter Dinge bis hin zur kompletten Selbstversorgung. Minimalistisch(er) zu leben kann beispielweise bedeuten, ohne Auto, Fernseher, Kühlschrank oder gar Geld zu leben, so wenige Gegenstände wie möglich zu besitzen, keinen Müll zu produzieren, selbst Lebensmittel anzubauen oder Dinge selber zu reparieren – aber auch, weniger zu arbeiten, unbefriedigende Beziehungen zu beenden oder belastende Gewohnheiten aufzugeben.

Der Trend zum Minimalismus stellt also gewissermaßen eine Gegenbewegung zum ständigen Überfluss und dem Materialismus der westlichen Gesellschaften dar. Gleichzeitig ist der bewusste Verzicht sicherlich auch eine Reaktion auf die mediale Berichterstattung (und Verfügbarkeit von Informationen) über Problematiken wie etwa Massentierhaltung, Ausbeutung von Textilarbeitern, Palmölproduktion und Plastikmüll.

Minimalismus 2.0

Die gegenwärtige Minimalismus-Bewegung ist sowohl mit dem neuen Trend zum Selbermachen als auch mit der Entwicklung der Share Economy stark verknüpft. Die Möglichkeiten des Internets machen den bewussten Verzicht deutlich einfacher, als er in früheren Zeiten: Nicht nur Carsharing, Mitfahrgelegenheiten, Online-Tauschbörsen, Musik- und Filmstreaming, sondern auch DIY-, Upcycling- und Rezepte-Blogs eröffnen den Minimalisten, Downshiftern und Konsumverweigerern viele Wege und bieten Hilfsmittel. Minimalisten mögen auf Vieles oder fast alles verzichten – auf einen Laptop und Internetzugang wohl eher nicht.

Minimalismus: Blogs, Projekte, Protagonisten

  • Christof Herrmann vom Blog „Einfach Bewusst“ lebt vegan, ohne Auto, ohne Fernseher, verbringt viel Zeit mit Wandern und Radfahren und ist als Autor selbstständig. Seine Motivation: „Ich wollte bewusster, nachhaltiger und mit weniger Ballast leben.“ Auf seinem Blog gibt er viele praktische Tipps für ein etwas minimalistischeres Leben, zum Beispiel „25 Tipps, wie Du minimalistischer leben kannst“.
  • Die Entdeckung der Schlichtheit heißt der Blog von Daniel Siewert und genau darum geht es: Um ein einfaches Leben. Es geht nicht nur um grundlegende Fragen („Wie viel brauche ich wirklich?“), sonder es gibt auch viele persönliche Betrachtungen, Tipps, Buchempfehlungen und Gastbeiträge. Das Konzept des Minimalismus erklärt er auf seiner Seite mittels eines schönen Vergleichs: „Dass mehr von etwas nicht immer besser sein muss […] hat wohl jeder schon mal nach dem Verzehr einer ganzen Tafel Schokolade gemerkt.“
  • In dem sehr lesenswerten Blog Minima Muse schreiben derzeit vier Frauen über ihre persönlichen Erfahrungen, Gedanken und Tipps rund um das Thema Minimalismus. Sie erklären ihr Verständnis von Minimalismus so: „Indem wir unsere Aufmerksamkeit von den Dingen abziehen, gewinnen wir innerlich und auch im Außen Raum für das Wesentliche.“
  • Sehr empfehlenswert ist auch der Dokumentarfilm „My Stuff“, der ein extremes Minimalismus-Experiment zum Gegenstand hat: Der Finne Petri Luukkainen packt alles, was er besitzt, in einen Lagerraum und holt sich fortan ein Jahr lang nur einen Gegenstand pro Tag zurück. Im Interview mit Biorama sagt er: „Wenn man […] selbst entscheidet, ohne Auto zu leben und weniger zu kaufen, einfach um zu sehen, wie es dann geht und das dann sogar ganz gerne mag, lernt man auch etwas daraus.“
  • Wer in Buchhandlungen oder den fairen Online-Buchshops stöbert, findet zu den Schlagworten „Minimalismus“, „einfaches Leben“, „simple life“ oder „Downshifting“ eine überraschend große Auswahl an spannenden Büchern und Hörbüchern. Zum Beispiel hier beim Ecobookstore.
  • Alle, die sich im Unklaren sind, warum es Sinn machen könnte, ihren Konsum zu reduzieren – oder zumindest kritisch zu hinterfragen –, sollten sich unbedingt mal „The story of Stuff“ ansehen. Der Kurzfilm ist einfach gestaltet und zeigt dadurch besonders beeindruckend den Irrsinn unseres Konsumverhaltens auf.

Kreative Experimente, auch zum Thema Minimalismus, finden Sie hier: 6 Selbstversuche, die Sie inspirieren werden.

Auch eine Form des Minimalismus: Kollektiver Konsum. Mehr Infos gibt es hier: Teilen, tauschen, leihen – das ist Kollektiver Konsum

Was sind Ihre Erfahrungen zum Thema Minimalismus? Leben Sie selbst den bewussten Verzicht? Kennen Sie spannende Blogs, Filme, Bücher oder Projekte zum Thema?

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(4) Kommentare


  1. Genau mein Thema 🙂 Minimalismus bedeutet für mich, alles auf ein natürliches Maß zurück zu fahren. Ich muss keine 60 Stunden in der Woche arbeiten und ich muss keine 3.000 Euro netto im Monat haben. Ich muss meinen Körper nicht mit Industrieprodukten vollstopfen und ich darf bei ALLEM immer Nein sagen, wenn ich etwas nicht möchte. Minimalismus hat für mich viel mit Selbstbestimmung zu tun. Ich will mir nicht von anderen sagen lassen, wie ich zu leben habe. Und weil Minimalismus auch was damit zu tun hat, Dinge aufzugeben, die einen nicht mehr befriedigen, habe ich ich Juli 2015 meinen recht erfolgreichen Foodblog von heute auf morgen an den Nagel gehängt und mit http://www.minime.life ein neues Blog-Probjekt gestartet.

    Seit ich mein Leben minimalistischer gestalte, geht es mir gut. Ich habe meinen stress reduziert, ich habe gesellschaftliche Zwänge reduziert – ich lebe wie ich es möchte und wie es mir gefällt. So soll es sein! Und ich würde mir wünschen, dass noch viel mehr Menschen auf den Geschmack kommen 😉

    Alles Liebe
    Monica von Mini.Me.

  2. Hey 😉 die 3 erwähnten Blogs kenn ich doch 😉 Schön, dass Ihr auch wieder auf Minimalismus bei Utopia hinweist. Als Ergänzung möchte ich euch noch a) den Minimalismus Podcast (www.minimalismus-podcast.de) ans Herz legen. Dort unterhalten sich Daniel, der oben schon erwähnt wurde und ich über Minimalismus mit einigen Gästen.

    Außerdem haben wir Minimalismus Stammtische überall in Deutschland ins Leben gerufen. Eine Übersicht findet ihr hier http://www.minimalismus-stammtisch.de

    Morgen gibt es ein Treffen in Bielefeld und kommende Woche Samstag in Köln

    Lg Michael von http://www.Minimalismus-leben.de

  3. Schöner Artikel über ein wichtiges Thema. Auch ich lebe schon lange nach dem Motto „weniger ist mehr“ und ohne ganz viele Dinge, die in unserer zivilisierten Welt eigentlich normal sind: ohne Uhr, Handy, Wohnung, Wecker, Einkommen jeglicher Art, Krankenkasse, Versicherung…, um nur ein paar Dinge zu nennen. Und ich schaffe es einfach nicht, mein Leben zu ändern, weil ich auf diese Art und Weise sooo glücklich bin und mir ein anderes Leben schon gar nicht mehr vorstellen kann. Denn die Sache ist, dass man ohne den ganzen Schmonz, den man normalerweise hat und um den man sich ja auch kümmern muss, einfach vie glücklicher ist. Und überhaupt ist die Freude über alles, was wir geschenkt bekommen, weil wir so leben, einfach unvergleichbar größer als in ein Geschäft zu gehen und etwas zu kaufen. Vor allem sind wir dann dankbar für alles, was wir bekommen und fühlen uns – wie im Paradies.
    Wer mehr darüber erfahren möchte wie so ein Leben möglich ist, kann ein wenig von meinem abenteuerreichen konvivialistischen und weitgehend freeganen Leben nachlesen unter vagabundenblog.wordpress.com

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