Nord Stream 2: Darum ist die Pipeline umstritten

Nord Stream 2
Foto: Nord Stream 2 / Nikolai Ryutin

Nord Stream 2 ist eine neu gebaute Erdgas-Pipeline, die aus Klimasicht sehr umstritten ist. Hier kannst du die zentralen Infos nachlesen und dir so einen Überblick über das Projekt verschaffen.

Nord Stream 2 ist der Name einer neuen Pipeline, die fossiles Erdgas nach Deutschland transportieren soll. Das Projekt steht in den Startlöchern und ist aus klimapolitischer Sicht recht problematisch. Entsprechend groß ist der Gegenwind. Wir haben in diesem Artikel die zentralen Fakten zusammengefasst. 

Das ist Nord Stream 2

Schematische Darstellung der Route der Pipeline Nord Stream 2.
Schematische Darstellung der Route der Pipeline Nord Stream 2.
(Foto: Nord Stream 2)

Nord Stream 2 soll Erdgas von Russland nach Deutschland transportieren. Die Route geht aus den arktischen Feldern in Russland über St. Petersburg durch die Ostsee nach Lubmin bei Greifswald. Insgesamt ist die Pipeline 2460 Kilometer lang, besteht aus rund 200.000 Stahlrohren und soll pro Jahr bis zu 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas transportieren. Die Baugenehmigung wurde 2018 erteilt, der Bau ist seit September 2021 fertig. Somit steht die Inbetriebnahme unmittelbar bevor.

Verantwortlich ist das Unternehmen Nord Stream 2 AG, ein Tochterunternehmen des russischen staatlichen Energiekonzerns Gazprom, mit Sitz in der Schweiz. Bei Nord Stream 2 handelt sich dabei um ein privatfinanziertes Projekt, dessen Investoren mehrere Energieunternehmen verschiedener Nationen sind: Gazprom (Russland), Shell (Niederlande/Großbritannien), OMV (Österreich), ENGIE (Frankreich) sowie die Uniper und Wintersall Dea (beide Deutschland). 

Da Nord Stream 2 durch die Hoheitsgebiete und „ausschließliche Wirtschaftszonen“ mehrerer Länder verläuft, mussten alle die Pipeline genehmigenLaut eigener Angabe soll die Pipeline genug Gas transportieren, um 26 Millionen Haushalte zu versorgen.

Übrigens: Weitgehend parallel zu Nord Stream 2 verläuft seit 2012 Nord Stream 1 mit ähnlicher Kapazität.

Was bedeutet Nord Stream 2 für die Umwelt?

Nord Stream 2 betrifft die Umwelt.
Nord Stream 2 betrifft die Umwelt.
(Foto: Nord Stream 2 / Axel Schmidt)

Kritiker:innen sehen bei Nord Stream 2 viele und schwerwiegende Probleme für die Umwelt:

  • Es ist Erdgas, das transportiert wird: Erdgas gilt zwar als umweltfreundlicher als Erdöl oder Kohle, ist aber dennoch nicht frei von Problemen. Erdgas ist ein fossiler Brennstoff, für dessen Gewinnung chemische Prozesse erforderlich sind. Hauptbestandteil von Erdgas ist Methan, eines der problematischsten Treibhausgase. Zusätzlich setzt das Gas beim Verbrennen klimaschädliches CO2 frei. Dies alles heizt die Erde also weiter auf.
  • Die Pipeline bremst die Energiewende und das Erreichen der KlimazieleEine Studie des Umweltbundesamts zeigt, dass der Bedarf an Erdgas zurückgehen wird, wenn das Pariser Abkommen eingehalten werden soll. Dafür soll Deutschland die Emission von Treibhausgasen minimieren, mit einer weiteren Förderung von Erdgas durch Nord Stream 2 ist dies fraglich. Umwelt-NGOs wie Greenpeace fordern für die Energiewende völlig auf fossile Brennstoffe zu verzichten. Ist Nord Stream 2 also notwendig?
  • Die Route verläuft durch Schutzgebiete: Die Pipeline führt durch das russische Naturschutzgebiet Kurgalsky sowie durch fünf Schutzgebiete in der Ostsee. Für den Bau wurde die Umgebung aufbereitet, also unter anderem der Meeresgrund aufgebaggert. Die Pipeline greift in den Lebensraum vieler in der Ostsee lebender Arten ein. Einige von diesen sind seltene Arten. Dieser Eingriff kann laut des NABU nur schwer ausgeglichen werden. Zudem erfolgte der Bau auch während der Vogelrastzeit in den Wintermonaten, wogegen die deutsche Umwelthilfe Einwendung erhoben hat.
  • Pipelines können undichte Stellen haben: Es können große Mengen an Methan entweichen und so in die Atmosphäre gelangen.

    Zusätzlich gibt es politische Debatten über das Projekt. Unter anderem wird beanstandet, dass durch Nord Stream 2 eine Abhängigkeit zu anderen Ländern wie Russland entstünde. Auch könne Russland die Pipeline als Druckmittel gegen die Ukraine und Europa nutzen. Allerdings wurden hiergegen bereits Maßnahmen unternommen wie durch eine Erklärung der Bundesregierung und den USA.

    Befürworter von Nord Stream 2

    Befürworter*innen von Nord Stream 2 geht es um Versorgungssicherheit.
    Befürworter*innen von Nord Stream 2 geht es um Versorgungssicherheit.
    (Foto: Nord Stream 2 / Axel Schmidt)

    Im Positionspapier der Nord Stream 2 AG steht: 

    • Der Anteil von Erdgas an der Stromerzeugung der EU wird größer sein als der von Kohle.
    • Ohne einen stärkeren Einsatz von Erdgas werden die  Emissionsziele nicht zu erreichen sein.
    • Erdgas aus Pipelines ist wirtschaftlicher und ökologischer als Flüssigerdgas (LNG).

    Den Befürworter:innen der Pipeline geht es vor allem um die Versorgungssicherheit, die mit Nord Stream 2 einhergeht. Sie sehen in Erdgas also einen Energieträger für den Übergang zwischen Atom- bzw. Kohleausstieg und Energiewende. Argumentiert wird dann mit den geringeren Ausstößen von Treibhausgasen im Gegensatz zu anderen fossilen Brennstoffen (siehe oben). Dass der Transport von Erdgas über Gasnetze, wie es bei Nord Stream 2 der Fall ist, effizienter als der von Flüssiggas ist, bestätigt auch eine Kurzstudie des Umweltbundesamts.

    Die Bundesregierung setzt ebenso noch auf Erdgas, was sich in der Unterstützung von Nord Stream 2, aber auch darin zeigt, dass sie laut Umwelthilfe noch den Einbau neuer Gasheizungen fördert.

    Insgesamt soll Erdgas also als eine Art Lückenfüller dienen. Später können die Gaswerke reduziert werden, wenn ausreichend erneuerbare Energien und moderne Energiespeicher zur Nutzung bereitstehen. 

    Gegenstimmen zu Nord Stream 2

    Dieses Foto zeigt, wie Nord Stream 2 in deutschen Gewässern verlegt wurde.
    Dieses Foto zeigt, wie Nord Stream 2 in deutschen Gewässern verlegt wurde.
    (Foto: Nord Stream 2 / Axel Schmidt)

    Vor allem nicht-staatliche Umweltorganisationen positionieren sich gegen das Projekt Nord Stream 2 und erhoben Klagen, die zum Teil abgeschlossen sind und zum Teil noch laufen.

    Die Deutsche Umwelthilfe e.V. fordert, dass die Betriebsgenehmigung der Pipeline Nord Stream 2 überprüft und dafür die Inbetriebnahme gesetzlich oder vertraglich aufgeschoben wird. Seit der Erteilung der Baugenehmigung 2018 soll es neue Erkenntnisse zu Methan-Emissionen in Bezug auf Erdgas-Förderung, -Verarbeitung und -Transport geben. 

    Greenpeace fordert den Stopp der Erdgas-Förderung und das Verbot neuer Gasheizungen. Sie wollen zudem, dass staatliche Fördergelder ausschließlich für erneuerbare Energie eingesetzt werden.

    Der NABU (Naturschutzbund Deutschland) klagte ebenso gegen den Bau der Pipeline. Der Umweltorganisation geht es vor allem um die Beeinträchtigung von Naturschutzgebieten und den daraus resultierenden Schäden für die empfindliche Meeresumwelt in der Ostsee. Konkret werden Planungsfehler, der fragwürdige Bedarf und die fehlende Kompensation von Umweltschäden in der Ostsee beanstandet. Der NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger formuliert: „Das Projekt ist mit dem deutschen Klimaschutzgesetz nicht vereinbar – vor allem nach dem richtungsweisenden Urteil des Bundesverfassungsgerichts.“

    Wie die Tagesschau berichtet, wird seitens der Bundesnetzagentur geprüft, ob die Energierichtlinie der EU bei Nord Stream 2 zutrifft: Der Besitzer einer Pipeline darf nicht gleichzeitig Zulieferer sein.

    Das unternehmen die Projekt-Verantwortlichen für die Umwelt

    Bei der Planung von Nord Stream 2 soll auf Umweltaspekte geachtet worden sein.
    Bei der Planung von Nord Stream 2 soll auf Umweltaspekte geachtet worden sein.
    (Foto: Nord Stream 2 / Axel Schmidt)

    Das Unternehmen Nord Stream 2 AG selbst präsentiert das Projekt als „Die neue Pipeline für Europas Energie-Zukunft“. Seit Beginn der Planung des Projekts sei es versucht worden, die Auswirkungen auf die Umwelt zu minimieren: „Bei jedem Schritt der Arbeiten hat Nord Stream 2 mit den weltweit führenden Partnern zusammengearbeitet und strenge Umwelt-, Gesundheits-, Sicherheits- und Sozialstandards angewandt, um das sensible Ökosystem der Ostsee und die Bevölkerung vor Ort zu schützen.

    Beispielsweise wurden Analysen unternommen, um die Route der Pipeline zu finden, die hinsichtlich „der geringeren sozialen und Umweltauswirkungen“ bestmöglich erschien. Auch wurden Pflanzen umgesiedelt und Tierarten über die Bauphase hinweg beobachtet. Diese Maßnahmen seien erfolgreich gewesen. Ein sogenanntes Umweltmonitoring mit 25 Parametern soll die Auswirkungen von Nord Stream 2 vor, während und nach dem Bau überprüfen.

    Fest steht: Nord Stream 2 ist ein komplexes Projekt. Wichtig ist, dass du die Fakten kennst und dich ausreichend und umfassend informierst. Um die Positionen des Projekts zu den wichtigsten umweltlichen Bedenken zu kennen, schau in den Faktencheck von Nord Stream 2. Auf der anderen Seite kannst du Kritik zum Projekt in den FAQs der Deutschen Umwelthilfe nachlesen.

    Übrigens: Möchtest du dich dagegen einsetzen? Dann kannst du Petitionen unterschreiben, wie zum Beispiel diese der Deutschen Umwelthilfe

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