Gastarife im Vergleich: Sind Ökogas, Biogas, Klimagas sinnvoll?

Gastarife vergleichen: Ökogas, Klimagas, Biogas
Foto: CC0 Public Domain / Pixabay – PublicDomainPictures

Herbst und Winter sind eine gute Zeit, um den Gasanbieter zu wechseln und dabei gleich was für die Umwelt zu tun. Gastarife zu vergleichen lohnt sich – wenn man Öko-Filter benutzt. Wir erklären, welche umweltfreundlicheren Gastarife es gibt.

Der Umstieg auf Ökostrom ist ökologisch definitiv sinnvoll und zu einem Ökostrom-Anbieter zu wechseln heute völlig unkompliziert. Gilt das auch für Gastarife mit Biogas, Ökogas oder Klimagas?

Leider nicht ganz: Zwar ist der Gasanbieter-Wechsel genauso einfach, doch wenn man einen wirklich nachhaltigen Tarif sucht, fällt der Gastarife-Vergleich deutlich schwerer.

Gastarife im Vergleich: Ist Ökogas besser?

Beim „Ökogas“ (bisher kein rechtlich geschützter Begriff) wird ein Teil des Erdgases, das normalerweise deinen Gasbedarf deckt, durch Biogas ersetzt. Weil dessen organische Ausgangsstoffe meist CO2 gebunden haben, gilt es als regenerativ und klimaneutral.

Es gibt zwei große „Aber“.

Erstes Aber: Der Anteil von Biogas, der dem Erdgas beigemischt wird, unterscheidet sich je nach Ökogas-Tarif ganz erheblich, und genau das macht Gastarife zu vergleichen sehr schwer.

  • Naturstrom biogas gibt es in Varianten mit 10%, 20% oder 100% Biogas aus regionalen Rest- und Abfallstoffen und besitzt das Label „Grünes Gas“ (s. unten).
  • Polarstern Wirklich Ökogas enthält 100% Biogas aus organischen Reststoffen einer Zuckerfabrik.
  • EWS Biogas gibt es in verschiedenen Tarifen; man kann 10% oder 100% Biogas wählen; das Biogas stammt aus Reststoffen einer Papierfabrik.
  • Die Ökogas-Tarife von Greenpeace Energy enthalten neben 1% Windgas (s.u.) auch mindestens 10% Biogas aus Biotonnen-Abfällen und Resten heimischer Zuckerrüben.
  • Yello hat den Ökostrom- und Gas-Anbieter NaturEnergiePlus übernommen und bietet nun einen Gastarif mit 10% Biogas-Anteil aus Rest- und Abfallstoffen – Yello gehört aber dem konventionellen Energiekonzern EnBW.
  • Ökogas von Ökostrom-Anbieter Lichtblick enthält nur 5% Biogas und erscheint daher im Gastarife-Vergleich nicht mehr empfehlenswert.

Zweites Aber: Biogas ist nicht automatisch sinnvoll.

Wann Biogas sinnvoll ist

Die Erzeugung von Biogas ist dann ökologisch sinnvoll, wenn das Gas aus landwirtschaftlichen Reststoffen wie Gülle, industriellen (organischen) Abfallstoffen oder Biomüll hergestellt wird.

Der Anbau von Monokulturen aus Raps oder Mais, um daraus Biogas zu erzeugen, ist hingegen ökologisch nicht sinnvoll: Sie verbrauchen kostbare landwirtschaftliche Flächen, die sonst für den Anbau von Nahrungsmitteln genutzt werden könnten. Für den Anbau kommen oft potenziell schädliche synthetische Pestizide und Dünger zum Einsatz; Monokulturen schaden zudem der Biodiversität und befördern das Artensterben.

Deshalb sollte man bei Biogas wenigstens auf das „Grünes Gas“-Label achten. Damit wird Biogas ausgezeichnet, das strengen Nachhaltigkeitskriterien genügt.

Gastarife mit „Klimagas“ kompensieren CO2-Emissionen

Bei konventionellen Gastarif-Vergleichsportalen fällt auf, dass einige Anbieter ihr „Ökogas“ mit dem Begriff „Klimagas“ oder „Klimatarif“ schmücken. Sie verkaufen dabei allerdings meist herkömmliches Erdgas, teils mit einem geringen Anteil von Biogas.

Der wichtigste Unterschied zwischen Klimagas und rein konventionellem Gas: Beim Klimagas werden die CO2-Emissionen, die beim Heizen entstehen, durch Investitionen in Klimaschutzprojekte oder den Kauf von Emissionszertifikaten ausgeglichen.

Gastarife vergleichen: achte u.a. auf Siegel und 100% Biogas
Wenn du Gastarife vergleichst, wähle am besten Ökogas mit dem „Grünes Gas“-Siegel. (Foto: CC0 PD / Pixabay tpsdave)

Das ist wahrscheinlich sinnvoller als nichts, aber: Wie sinnvoll eine CO-Kompensation ökologisch tatsächlich ist, ist stark umstritten. Denn beim CO2-Ausgleich werden die klimaschädlichen Emissionen ja nicht vermieden, sondern nur durch klimaschützende Maßnahmen kompensiert – das Problem wird gewissermaßen verschoben von denen, die die Emissionen verursachen, auf Klimaprojekte, oft in Entwicklungsländern. Dabei kann sich der tatsächliche ökologische Nutzen der Kompensation je nach Projekt stark unterscheiden.

Wer verschiedene Gastarife vergleicht, will oft vor allem Geld sparen. Angebote mit CO2-Ausgleich sind tatsächlich oft deutlich günstiger als 100% Biogas. Für Konsument:innen mit kleinem Geldbeutel ist das also unter Umständen die einzige Möglichkeit, etwas besseres Gas zu beziehen. Wer sich für einen solchen Tarif entscheidet, sollte aber genau hinsehen, was der jeweilige Anbieter unter Kompensation versteht. So gibt es bestimmte Standards, wie den Gold Standard oder den Verified Carbon Standard, die versichern, dass es sich um ein zertifiziertes Klimaschutzprojekt handelt..

  • Naturstrom kompensiert die CO2-Emissionen aus der Biogas-Vorkette und den Erdgas-Anteil der Tarife mit 10 % bzw. 20 % Biogas über Klimaschutzprojekte nach Gold Standard.
  • Das Ökogas von Lichtblick ist als Klimagas bzw. Kompensations-Gas mit dem Label Gold Standard zertifiziert und enthält 5% Biogas.

Windgas – eine Investition in die Zukunft

Greenpeace Energy geht beim Ökogas einen ganz eigenen Weg. Hier bezahlt man mit dem Gastarif zugleich für den Ausbau der sogenannten Windgas-Technologie. Dabei wird dem herkömmlichen Erdgas Wasserstoff beigemischt, der durch die Nutzung von überschüssigem Strom aus Windrädern erzeugt wird.

Auf diese Weise wird eine Technologie gefördert, die irgendwann das Problem der Speicherung Erneuerbarer Energien lösen könnte. Nach und nach soll der Anteil an Windgas gesteigert werden. Derzeit liegt der Anteil von erneuerbarem „echten Windgas“ im verkauften Gas allerdings noch bei knapp einem Prozent, dazu kommen 10% Biogas.

Ist Ökogas wirklich ökologisch sinnvoll?

Veit Bürger ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Öko-Instituts und hat als ehemaliges Vorstandsmitglied des EnergieVison e.V ein Gutachten zur ökologischen Bewertung von Ökogas betreut. Seiner Meinung nach ist bei den verfügbaren Biogas-/Klimagas-/Ökogas-Modellen Vorsicht geboten.

„Wir bezweifeln, dass die Verbrennung von Biogas in einem Gaskessel der beste Weg ist, diese begrenzte erneuerbare Ressource zu nutzen“, sagt Bürger. Unter ökologischen Gesichtspunkten sollte Biogas nämlich eher in der Kraft-Wärme-Kopplung genutzt werden. Auch Klimagas und Kompensations-Gas ist laut Bürger nicht ganz unproblematisch. Es verleite nämlich dazu, das Gewissen zu bereinigen. „Mit Blick auf die langfristigen Klimaschutzziele geht Energieeffizienz im Wärmemarkt definitiv vor“, so Bürger.

Windgas dagegen sei zwar ein interessantes Konzept für die Zukunft. „Allerdings haben wir derzeit noch keine nennenswerten Überschüsse bei der Windenergie. Solange der erzeugte Windstrom noch im Stromnetz Platz hat, ist dieser Verwendungspfad auf jeden Fall vorzuziehen,“ so Bürger.

Fazit: Bei Gastarifen genau hinschauen und vergleichen

Ein reines Gewissen bieten derzeit nur wenige Ökogas-Anbieter. Dennoch kann man durch das Wechseln des Gasanbieters und durch den Bezug von Ökogas sinnvoll die Umwelt schonen. Denn aus ökologischer Sicht kann es trotz aller Probleme sinnvoll sein, Klimaschutzprojekte oder zukunftsweisende Technologien zu fördern oder anfallendes Biogas einer sinnvollen Verwendung zuzuführen.

Daher sollte man vor dem Gasanbieter-Wechsel sehr genau Gastarife vergleichen.

Text: A.Winterer/R.Krux

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