Wieviel Schimmel, Keime, Gift essen wir mit Tütensalat?

Foto: © ÖKO-TEST

Einen Salat zu essen kann nicht besonders gefährlich sein – möchte man meinen. Unsere Kollegen von Öko-Test haben verschiedene Fertigsalate ausprobiert. Dabei kann uns der Appetit vergehen … dabei ist es ganz einfach, dagegen etwas zu tun!

Es klingt so ungeheuer praktisch: einfach die Plastiktüte aufreißen, den Salat in die Schüssel, etwas (Fertig-) Dressing drüberkippen – und fertig ist der gesunde Salat. Das ganze ist offenbar so verführerisch, dass inzwischen kaum ein Supermarkt mehr ohne die Mischsalate auskommt und sogar Restaurants verwenden sie immer öfter.

Leider ist es auch alles andere als nachhaltig. Die Salate kommen in Plastik, wurden vorher aufwändig mehrfach gespritzt, gedüngt, gewaschen, und entweder bei uns künstlich hochgepäppelt oder aus Südeuropa zu uns gekarrt. Man kann von Tütensalaten nur abraten – und eine simple Alternative empfehlen: saisonale Salate von lokalen Märkten oder Bio-Läden.

Der Tütensalat erstickt im Keim

Unsere Kollegen von Öko-Test wollten es genau wissen und haben sich neun Tütensalate näher angesehen. Ergebnis: Vor allem Keime, Schimmelpilze und Hefen lauerten auf den Fertigsalaten, nur eine Sorte erschien empfehlenswert.

Der Salat aus der Tüte überstieg häufig und oft deutlich mindestens einen Richtwert der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie. Auch beanstandete Öko-Test die unzähligen Schadstoffe, die bei der Labor-Analyse in den Salaten gefunden wurden, unter anderem Pestizide, Pilzgifte und Perchlorate. Lecker.

Knackige Schadstoffe im Wegwerfplastik

Aus unserer Sicht ist zu kritisieren, dass die Salate in gleich mehrfacher Hinsicht unnachhaltig produziert werden:

  • Bio sind solche Tütensalate selten: Derzeit bietet kein uns bekannter großer Bio-Markenhersteller eingeschweißte Salat-Fertigmischungen an (Nachtrag: sehr wohl gibt es aber zum Beispiel Tütensalate mit Bio-Siegel, etwa von Rewe Bio). Wohl mit gutem Grund: Damit die Salate die Tüten-Tortur überstehen, werden sie nach der Aufzucht oft mit synthetischen Pestiziden und Antischimmelmitteln gespritzt.
  • Generell gehören grüne Salate zu dem Gemüse, auf das du im Winter besser verzichten solltest. Sie müssen nämlich stark gedüngt und unter hohem Energie- und Wasseraufwand im Treibhaus hochgepäppelt werden – häufig in Südeuropa.
  • Auch frische Salatblätter tragen Keime. Doch es ist vor allem die Zerkleinerung für die fertigen Salatmischungen, bei der Pflanzensaft austritt – und auf ihm fühlen sich Mikroorganismen besonders wohl. Damit das nicht zum Problem wird, werden die Salate aufwändig mehrfach gewaschen, laut Öko-Test teils mit warmem oder chloriertem Wasser – ein enormer Ressourcenverbrauch.
  • Das Ergebnis dieser Salatquälerei: Am Ende ist die Frische im Klarsichtbeutel oft gerade mal sechs Tage haltbar. Während des Transports muss der Salat ununterbrochen gekühlt werden. Noch mehr Energieverbrauch.

Ein weiteres Problem: Nach dem Salatverzehr bleibt die Plastiktüte, die im Müll landet. Öko-Test-Redakteurin Katja Tölle fand auf einer Bonduelle-Plastiktüte gar das Werbeversprechen: „Ohne Abfall“…

Öko-Test: Feldsalat
Besser als Tütensalat: frischer saisonaler Bio-Salat. (Foto: pixabay / pflanzenlust)

Was tun? Frisch ohne Plastik kaufen!

Gottlob ist es ganz einfach, leckere Salate zu essen:

  • Kaufe frische Ware, möglichst saisonal. Unser Saisonkalender hilft.
  • Kaufe Blattsalate im Bio-Markt, auf dem Wochenmarkt oder wenigstens bei lokalen Kleinmärkten mit (hoffentlich) regionaler Ware.
  • Verzicht im Winter auf grüne Salate, verwende Wintersorten wie Feldsalat, Chicorée oder Radicchio.
  • Wasche auch frische Salate gründlich, denn auch dort gibt es Keime oder Rückstände von Spritzmitteln.
  • Meide in Plastik verpackte Salate. Frag auch im Restaurant, ob der Salat frisch oder aus der Tüte ist. Schnuppere daran: Riecht er leicht nach Blumenwasser?
  • Wenn es doch mal ein Tütensalat sein musste: Verbrauche ihn möglichst früh statt bis zum runzligen Ende zu warten und ihn komplett wegzuwerfen. Und wasche ihn vor dem Verzehr gründlich!
  • Den ganzen Öko-Test-Bericht kannst du hier lesen: Test Fertigsalate – Keim Problem!

Übrigens: Trotz allem Gift- und Wasch-Aufwand rät das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) schwangeren und immungeschwächten Personen vom Verzehr vorgeschnittener, abgepackter Blattsalate ab!

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(10) Kommentare

  1. Ich kaufe diese fertigen Salate schon seit Jahren nicht mehr. Habe damals für meinen Mann & Mich sowas vom Discounter mit genommen (Mittagessen) und wir beide haben am selben späten Abend noch Durchfall bekommen und Erbrochen. War nicht schön.

  2. Rewe Bio hin oder her – lest mal hier, wie Rewe mit dem Öko-Test von Fertigsalaten im Jahr 2013 umgegangen ist: Haben so lange geklagt, bis sie in München dann im Februar 2015 ein Urteil in ihrem Sinne erstritten haben, das etwas mutwillig anmutet:
    http://www.oekotest.de/cgi/index.cgi?artnr=12426&gartnr=90&bernr=04
    – da macht BIO dann auch nichts mehr wieder gut.

    Der Test dazu unter: http://www.oekotest.de/cgi/index.cgi?action=prod&artnr=105629&bernr=04

  3. was hat denn der artikel damit zu tun … dabei gehts doch gar nicht um BIO produkte ..??

    zugegeben: rewe ist nicht meine letzte wahl beim einkauf!

  4. Hallo Soundchecker,
    hast Du den Artikel auf utopia gelesen? Dort geht es auch nicht um Bioprodukte, sonden um Tütensalate, genau wie in dem von mir zitierten Test und in beiden Fällen auch um das gleiche Institut: Ökostet und inhaltlich genau darum: Tütensalate und ihre Qualität.
    Und da finde ich es etwas erschreckend, wie REWE hier vorgegangen ist
    Und ich denke, dass ist hier doch wichtiger als die kleine Recherche- Ungenauigkeit und mal eine Erwähnung wert oder? Bio-Salat in Tüten ist doch nur eine kleine Stelle im gesamten Artikel.
    Und glaubst Du nicht auch, der Biosalat würde sich bei den anderen mit einreihen was die GETESTETE Qualtiät angeht? – aber evtl. würde er im Anbau besser abschneiden.

    Gruß,
    jan

  5. sorry, das stimmt natürlich. Um Bio-Produkte geht es nicht im Test.

    Man sollte aber nicht so tun, als wären Klagen durch Konzerne unüblich. Ist ein legitimer Weg. Und du hast nur die eine Perspektive (von Ökotest) beleuchtet.

    Darüberhinaus denke ich schon, dass sich der Biosalat vom konventionellen Salat bezüglich verbleibender Pestizide o.ä. unterscheiden würde, ist natürlich nur eine Vermutung.

  6. Hallo soundchecker,
    ja ich würde auch hoffen, dass der Biosalat da besser abschneidet, aber es bleibt doch insgesamt eine typische ‚Supermarkt-Bio‘ Idee, die sich gut kommerziell verwerten lässt.
    So etwas würde ja weder ein Bio-Erzeuger auf seinem Hof anbieten noch ein Bioladen.
    Wir würdens wahrscheinlich auch nicht kaufen, wg. der fehlenden Frische…?

    Unser Bioladen hier bietet manchmal gemischten Pflücksalat in Blättern direkt aus der großen Tüte vom Lieferanten an. Das finde ich eine gute Alternative. Nicht verpackt, nicht gewaschen, nur lose in Blättern zusammengemischt und nach Gewicht verkauft.

    Grüße,
    jan

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