Ölsand: Wie der Abbau die Natur zerstört

Foto: CC0 / Pixabay / Karsten73

Ölsand ist eine wichtige Quelle für Erdöl. Der Abbau des Öl-Wasser-Sand-Gemisches und die Ölgewinnung sind jedoch sehr umwelt- und klimaschädlich. Insbesondere in der kanadischen Provinz Alberta hat der Ölsand-Abbau Spuren hinterlassen.

Ölsand, auch Teersand genannt, ist grob gesagt ein Gemisch aus Sand, Wasser und Bitumen. Aus letzterem lässt sich Erdöl gewinnen. Weltweit sollen etwa neun Billionen Barrel Ölsand unter der Erdoberfläche verborgen sein – ein Barrel entspricht 159 Litern. Recherchen von Planet Wissen zufolge befinden sich die größten Ölsand-Reservoire in Saudi-Arabien und der kanadischen Provinz Alberta. Auch in Venezuela gibt es große Ölsand-Vorkommen.

Wie wird Ölsand abgebaut?

Die Art der Ölsand-Gewinnung hängt davon ab, wie tief sich der Sand unter der Erdoberfläche befindet.

  • Wenn eine Lagerstätte nicht allzu tief unter der Erdoberfläche liegt (bis circa 75 Meter), kommen Tagebauminen zum Einsatz. Das Prinzip ist einfach: Der Erdboden wird freigelegt und abgetragen, bis der Ölsand zum Vorschein kommt.
  • Es gibt jedoch auch Reservoire, die mehrere 100 Meter tief unter der Erdoberfläche liegen. Hier sind Tagebauminen ungeeignet. Stattdessen gibt es verschiedene Methoden, um das im Ölsand enthaltene Bitumen direkt an die Erdoberfläche zu pumpen. Beispielsweise lässt sich das Bitumen durch Hitze verflüssigen und anschließend hochpumpen. Eine andere Möglichkeit ist, mit Hochdruck Wasser in die Lagerstätte zu pressen. Der dadurch entstehende Druck befördert das Bitumen durch einen anderen Schacht an die Erdoberfläche.

Wenn der Ölsand schließlich ans Tageslicht gelangt ist, muss das Bitumen von den restlichen Bestandteilen des Ölsandes getrennt werden. Dafür kommen verschiedene Lösungsmittel, Wasser, Hitze und Zentrifugen zum Einsatz. Das erhaltene Bitumen lässt sich beispielsweise im Straßenbau einsetzen oder zu Rohöl weiter verarbeiten.

Weshalb ist Ölsand so problematisch?

In den Athabasca-Fluss gelangen durch die Ölsand-Förderung schädliche Substanzen.
In den Athabasca-Fluss gelangen durch die Ölsand-Förderung schädliche Substanzen.
(Foto: CC0 / Pixabay / Jasmin_Sessler)

Die Ölsand-Förderung ist in Regionen wie Alberta ein wichtiger Wirtschaftszweig. Darunter leiden jedoch Klima, Umwelt und Anwohner – Greenpeace und Planet Wissen zählen die vielen Probleme der Ölsand-Förderung auf:

  • Hoher Wasserverbrauch: Um einen Liter Bitumen aus Ölsand zu extrahieren, braucht man circa fünf Liter Wasser. Das führt zu einem hohen Wasserverbrauch. In Alberta landen über 400 Milliarden Liter Wasser jährlich in der Erdölförderung aus Ölsand.
  • Giftiges Abwasser: Ein hoher Wasserverbrauch bedeutet in der Folge: Viel Abwasser. Etwa 650 Liter Abwasser fallen pro Barrel Rohöl an. Das Problem dahinter? Im Abwasser sind verschiedenste giftige Stoffe wie Schwermetalle gelöst. Etwa elf Millionen Tonnen giftige Abwässer sollen in Alberta jährlich in Flüsse und Seen in der Nähe der Förderstätten gelangen. Untersuchungen haben gezeigt, dass beispielsweise der Fluss Athabasca erhöhte Schwermetallkonzentrationen aufweist und krebserregende Kohlenwasserstoffe enthält. In einem flussabwärts gelegenen Dorf sollen Krebserkrankungen seit dem Beginn der Ölsandförderung zugenommen haben. Die indigenen Bewohner leben zu einem großen Teil vom Fischfang.
  • Zerstörung von Naturlandschaften: Für ein Barrel Öl benötigt man ganze zwei Tonnen Ölsand. Tagebauminen nehmen dementsprechend riesige Flächen ein – Wälder und gesunde Erdböden müssen weichen. Das Ölsand-Abbaugebiet in Alberta ist schon ungefähr so groß wie England.
  • CO2-Emissionen: Greenpeace zufolge gelangen je nach Abbauart bis zu 176 Kilogramm CO2 pro Barrel Öl in die Atmosphäre – drei- bis fünfmal so viel wie bei der konventionellen Ölförderung. Die Ölgewinnung aus Teersand soll einen beträchtlichen Anteil daran haben, dass Kanadas CO2-Emissionen zwischen 1990 und 2006 um etwa 33 Prozent angestiegen sind.
  • Luftverschmutzung: Nicht nur ins Abwasser gelangen bedenkliche Stoffe. Da Ölsand entschwefelt werden muss, gibt er Schwefelverbindungen an die Umgebungsluft ab. Diese können wiederum sauren Regen verursachen. Außerdem entstehen Studien zufolge Aerosole, die bisher nicht genau bekannte Folgen für das Klima und die Gesundheit haben können.

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