10 Alltagsprodukte, die Erdöl enthalten – und bessere Alternativen

Erdölprodukte Jacke, Kaugummi, Mascara
Foto: Pixabay, CCO Public Domain, Unsplash / Stephen Arnold, © Lidija - Fotolia.com

Erdöl steckt nicht nur im Tank und in der Heizung, sondern auch in erschreckend vielen Alltagsprodukten. Wir zeigen, wie jeder im Alltag Erdöl vermeiden und die Umwelt schützen kann.

Öl aus der Erde zu pumpen ist riskant und die weltweiten Erdölreserven sind begrenzt. Bei der anschließenden Verbrennung als Treibstoff werden zudem riesige Mengen klimaschädliches CO2 frei. Aber nicht nur für Benzin oder als Energiequelle, sondern auch für Alltagsgüter wie Verpackungen, Textilien, Kaugummi und Kosmetik wird Mineralöl verwendet.

1. Kosmetik: Bodylotion, Mascara & Duschgel

Weltweit werden jedes Jahr zehntausende Tonnen Mineralölprodukte für die Kosmetikbranche hergestellt. Mineralöl wird aus Rohöl destilliert und findet in der Kosmetikindustrie oft als sogenanntes „Weißöl“ oder Paraffin Verwendung, aber auch als Bestandteil oder Basis vieler weiterer Inhaltsstoffe.

Mineralölbestandteile müssen auf der Inhaltsstoffliste von Pflegeprodukten angegeben werden, sind aber nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen. Hinter folgenden Begriffen verbirgt sich Mineralöl:

  • Ceresin, Diisopropyl Adipate, Mineral Spirits, Paraffinum Liquidum, Isoparaffin, (Hydrogenated) Microcrystaline Wax, Isohexadecane, Paraffin, Synthetic Wax, Mineral Oil, Petrolatum, Vaseline, Paraffinum Subliquidum, Cera Microcristallina, Microcrystalline Wax, Ozokerit
Öko-Test: Mascara-Test
Mascaras: konventionelle und Naturkosmetik-Produkte (Foto: © Utopia)

Meide Erdölprodukte bei deiner Kosmetik und verwende lieber Produkte auf Pflanzenölbasis. Pflanzenöle werden ohne Risiko für die Umwelt und mit Hilfe des Sonnenlichts von den Pflanzen synthetisiert. Es sind nachwachsende Rohstoffe, die biologisch abbaubar sind.

Ob Shampoo, Duschgel, Lippenstift oder Mascara: Wähle zertifizierte Naturkosmetik, darin finden sich keinerlei erdölbasierte Bestandteile.

2. Erdölprodukt Kaugummi

Frischer Atem dank Erdöl: Kaugummis bestehen fast ausschließlich aus synthetischen Rohstoffen. Den „Gummi“-Anteil bilden dabei Polymere auf Erdölbasis. Im Klartext: Wir kauen Kunststoffe. Und diese Erdölprodukte sind nicht nur geschmacklich fragwürdig – sie sind vor allem ökologisch und gesundheitlich bedenklich.

Kaugummi: Erdöl, Zucker, Farbstoffe
Kaugummi: Erdöl, Zucker, Farbstoffe (Foto: © Utopia)

Fertige Kaugummis ohne Erdöl gibt es leider nur wenige. Eine ökologisch vertretbare Kaugummi-Alternative ist der Bio-Kaugummi „Chicza“. Er wird auf traditionelle Weise aus Chicle (Latex) hergestellt und ist zu 100 Prozent biologisch abbaubar. Er enthält keine synthetischen Substanzen, sondern lediglich Inhaltsstoffe aus biologischem Anbau. Allerdings ist der Zuckeranteil relativ hoch und Chicza ist etwas teurer als herkömmlicher Kaugummi. Aber das ist immer noch besser, als Kunststoffe mit Kunstgeschmack zu kauen. Erdöl im Kaugummi? Nein, danke.

Chicza kaufen: im Bioladen oder online**, z. B. bei Avocado Store oder goodfood-shop

3. Auto: Die Ära endet

Seit über 100 Jahren fahren Autos mit Verbrennungsmotor – gefüttert mit Benzin oder Diesel. Doch die weltweiten Erdölreserven sind begrenzt und Autos verschmutzen die Luft. Verbote von Diesel- und Benzin-Fahrzeugen in Ländern wie Frankreich und Großbritannien sind die Folge, auch deutsche Städte wie Stuttgart könnten dazu kommen.

Luftverschmutzung durch Diesel
Fährt mit Erdöl: Auto (Foto: CC0 / Pixabay / Ben_Kerckx)

Die Ära der Autos, die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden, scheint vorbei – Ökostrom-betriebene Elektroautos stellen eine umweltfreundlichere Alternative dar: Das Angebot alltagstauglicher Elektroautos in Deutschland wächst langsam.

Und muss nicht immer das Auto sein: Fahrräder sind besonders im Innenstadtbereich und auf kürzeren Strecken die schnellere und bequemere Wahl. Längere Strecken lassen sich mit elektronisch unterstützten Fahrrädern schweißlos bewältigen. Ausleihen, drauf setzen, losfahren: Sharing-Modelle für Fahrräder und Elektro-Roller gibt es in immer mehr Städten.

4. Kleidung

Sport- und Outdoorkleidung, Fleecepullis und Leggings, aber auch ganz alltägliche Klamotten bestehen oft (teilweise) aus synthetischen Fasern. Auf dem Etikett steht dann zum Beispiel Polyester, Elastan, Nylon oder Acryl.

Was vielen nicht klar ist: Das ist im Prinzip nichts Anderes als Plastik, meistens hergestellt auf Basis von Erdöl. Nicht biologisch abbaubar und nicht besonders gesund auf der Haut sind diese Erdölprodukte.

Erdölprodukte Outdoor Jacke
Erdölprodukt Outdoor Jacke (Foto: Jake Ingle / Unsplash)

Ökologischer, aber auch gesünder ist es, vorwiegend Naturfasern zu tragen, zum Beispiel (Bio-)Baumwolle, Leinen, Hanf, Wolle oder Seide. Bei Sport- und Outdoorbekleidung ist das nicht ganz einfach – doch es gibt inzwischen einige Hersteller, die Wert auf natürliche Materialien und gute Produktionsbedingungen legen, man findet sie online zum Beispiel beim Avocadostore** (für Damen und Herren).

Hier gibt’s mehr Tipps für nachhaltige Outdoor-Kleidung und bessere Sportkleidung.

5. Kerzen: klassische Erdölprodukte

Die meisten Kerzen bestehen aus Paraffin, einem Produkt aus dem Klimakiller Erdöl. Aber auch sogenannte „Biokerzen“ haben es oft in sich: In ihnen steckt das fragwürdige Palmöl. Einwandfreie, ökologische und nachhaltige Kerzen ohne Erdöl sind schwer zu finden und leider nicht ganz billig.

Zünde deine Lichtlein daher nur zu besonderen Anlässen an und greife zu ökologischen Kerzen aus Bienenwachs, Sojawachs, Raps, nachwachsender Biomasse oder Sonnenblumenöl – in unserem Kerzen-Ratgeber stellen wir dir die besseren Alternativen vor.

Erdölprodukte Teelichter
Teelichter bestehen aus Paraffin, was aus Erdöl gewonnen wird (Foto: Pixabay, CCO Public Domain)

6. Grillanzünder

Bei der Verbrennung von chemischen Grillanzündern werden oft gesundheitsschädliche, potenziell krebserregende Stoffe freigesetzt. Synthetische Grillanzünder sind zudem nicht gerade umweltfreundlich: Sie bestehen meist aus Kerosin, Petroleum oder N-Paraffin – alles Erdölprodukte.

Grill-Fehler: chemische Anzünder sind ungesund
Chemische Anzünder sind ungesund, besser selber machen (Foto: © picxeller - Fotolia.com)

So geht es auch: Selbst gemachten Grillanzünder sind eine gute Alternative zu chemischen Varianten.

7. Brotdosen aus Plastik

Brotdosen, Brotboxen und andere Behälter aus Kunststoff sind deutlich ökologischer als Einwegverpackungen: Sie sind wiederverwendbar, halten meist jahrelang und produzieren so kaum Müll. Doch neben seinen Vorteilen – leicht, vielseitig, billig – hat stabiles Plastik deutliche Nachteile: Es wird in der Regel auf Basis von Erdöl hergestellt und ist somit ein Erdölprodukt.

Erdölprodukte Plastikdose
Plastikdose: mindestens „BPA-frei“, besser: Brotdosen aus Edelstahl (Foto: Pixabay, CCO Public Domain)

Im Lebensmittelbereich problematisch: Plastik enthält oft ungesunde Schadstoffe, etwa das hormonell wirksame BPA, die sich aus dem Material lösen und in unser Essen übergehen können. Beim Kauf von „Tupperdosen“ sollte man darum auf hochwertige Produkte setzen und zumindest auf den Hinweis „BPA-frei“ achten.

Wir raten: Nutze deine Kunststoffdosen so lange wie möglich. Bei einer Neuanschaffung könnte es sich aber lohnen, Brotdosen aus Edelstahl, Glas oder sogar Holz in Erwägung zu ziehen. Die sind zwar in der Produktion teils etwas aufwändiger als Plastikdosen. Doch ihre Stärken überwiegen: Brotboxen aus alternativen Materialien sind bei sorgfältiger Behandlung nicht nur deutlich langlebiger, sondern gesundheitlich unbedenklicher, und eignen sich für Büro wie Kindergarten.

8. Matratzen, Bettdecken, Kissen

Kunststoffe werden in der Regel auf Basis von Erdöl produziert. Sie sind nicht biologisch abbaubar – das Erdölprodukt Matratze wird nach dem Gebrauch zu Sondermüll und setzt bei der Verbrennung Schadstoffe und CO2 frei. Speziell für Bettwaren kommt hinzu: Synthetische Fasern (meist Mikrofaser) können Feuchtigkeit nicht gut transportieren, unter Umständen schwitzt man darin mehr, als wenn man Matratzen und Bettzeug aus Naturmaterialien verwendet.

Unsere Empfehlung für umweltverträgliche und gesunde Matratzen: Naturlatex-Matratzen (aus reinem Naturkautschuk). Diese sind punktelastisch, gut wärmeisoliert und langlebig.

9. Erdölprodukte Bikini & Badeanzug

Bikinis und Badeanzüge bestehen in der Regel aus Kunstfasern wie Nylon oder Polyester, die auf Basis von Erdöl gewonnen werden.

Doch es geht auch anders: Viele nachhaltige Bademodelabels haben sich auf Recycling-Fasern spezialisiert: Diese stammen aus weggeworfenen PET-Flaschen, alten Teppichen oder herrenlosen Fischernetzen. Dieser Herstellungsprozess gibt Müll nicht nur ein zweites Leben, sondern spart Erdöl, Energie und CO2.

Nachhaltige Bademode: Bessere Bikinis und Badeanzüge
Nachhaltige Bademode: immer mehr Öko-Labels machen schicke Bikinis & Badeanzüge (Foto: © Unsplash)

10. Reinigungsmittel

Waschaktive Substanzen oder Tenside verbinden Fett und Wasser und sind damit die wichtigsten Wirkstoffe von Reinigungsmitteln. Sie sorgen dafür, dass Fett und Schmutz sich in Wasser lösen und dort verbleiben. In konventionellen Putz- und Waschmitteln werden meist synthetische Tenside verwendet. Diese werden auf Basis von Erdöl hergestellt.

Tenside müssen laut EU-Verordnung biologisch abbaubar sein. Allerdings betrifft das die Oberflächen- und nicht die Endabbaubarkeit. Das bedeutet: Nach wie vor können erdölbasierte Tenside beziehungsweise ihre Abbauprodukte in die Umwelt gelangen und dort über lange Zeit verbleiben. Für Wasserorganismen können die Substanzen toxisch sein. Für unsere Gesundheit sind sie bedenklich, weil sie Haut und Schleimhäute austrocknen und so anfälliger machen können für Allergien und Ausschläge.

Konventionelle Badreiniger
Statt Chemiekeule besser mit Hausmittel reinigen ("Potsdamer Platz, Berlin" von Mike Steele unter CC BY 2.0)

Besser als mit Erdölprodukten sauber zu machen: Ökologische Reinigungsmittel nehmen oder mit Hausmitteln wie Essig, Soda und Zitronensäure putzen.

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